Bücher als Waffen

Durchaus nachdenkenswert.

Werkstadt

Ja, ich weiß, das ist eine steile These. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass der gegenwärtige Zustand vieler Gesellschaften direkt mit der Art und Weise zusammenhängt, wie und was an Büchern gelesen wird, wenn überhaupt noch gelesen wird. Diese in sich erstarrten Weltbilder, die alles, was nicht in sie hineinpasst, als »Fake!« denunzieren, die Vorliebe für schlichte Wahrheiten und starke Führungspersönlichkeiten findet sich wieder in den Vorlieben der Leser für möglichst »positive, sympathische« Protagonisten, eindimensionale Handlungen, per Küchenpsychologie begreifbare Motive, saubere Auflösungen (Mörder gefasst, Liebespaar kriegt sich) und möglichst leicht verständliche Moral.

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Social Networking für Unbedarfte

ryekIch habe mich, nach langem Zögern, dazu entschlossen, einen Twitteraccount anzulegen. Weniger, weil ich im Moment einen großen Vorteil für mich darin sehe, sondern eher, um ein paar Sachen auszuprobieren, über die ich bisher nur gelesen habe.

Motiviert haben mich die Ausführungen eines Kollegen in meinem Brotjob. Das Ganze wurde auf einige wenige Fragen zurückgeführt, wovon die für mich wichtigste ist:

Wofür stehe ich?

In stehe als Autor und Schriftsteller für die Texte, die ich schreibe. Ich bin Lieferant von interessanter, intelligenter und unterhaltsamer Literatur, aus der sich der Leser sein Kopfkino zusammenstellt. Und, wenn er es will, gern über manche Aspekte weiter nachdenken kann. Ich stehe dafür, dass alternative Fakten und alternative Realitäten nur in der Belletristik und im wissenschaftlichen Diskurs etwas zu suchen haben.

Allein die Beantwortung dieser Frage ist ein Mehrwert. Da sie das bei uns allen vorhandene Bauchgefühl, aus dem heraus wir schreiben, für einen Leser oder Kontakt in sozialen Netzwerken anfassbar macht.

Nachdem das nun geklärt ist, informiert man sich im Netz, was denn bei einem Twitter-Account so alles zu beachten ist.
Nächster Schritt: Anlegen des Accounts. Positiv aufgefallen ist mir, dass Twitter den Account, wahrscheinlich aufgrund eines Handlingfehlers auf meiner Seite, sofort gesperrt und nach einer Telefonnummer zur Verifizierung gefragt hat. Machen wir uns nichts vor: Jedes smarte Phone telefoniert nach Hause. Da Ryek Darkener eine eigene Telefonnummer hat, war das dann nicht das größte Problem. Außerdem will ich als Schriftsteller ja nicht unbekannt bleiben. 😉

So weit, so gut. Jetzt bin ich drin.

Film-Kurzkritik: Deadpool

Ryek myst

Ich fange mit einem Spoiler an: Was ist die Botschaft des Films?

 

Wenn du Auto fährst, lass deine Griffel vom Smartphone!

 

Nun in medias res.

Der Film in total flach. Flacher geht es kaum. Trotzdem habe ich ihn mit großem Vergnügen gesehen.

Wegen der Action-Szenen? Nein. Die waren so perfekt, wie man es von einer Marvel Comicverfilmung erwarten kann.

Wegen dem Plot? Nein. Weil in diesem ziemlich alles falsch gemacht wurde, was man falsch machen kann: Prolog, Rückblenden ohne Ende, stur lineare Story, u.s.w.

Warum dann? Kurz gesagt, wegen des Protagonisten, der sich über den ganzen Film hinweg darüber beschwert, in was für einem Superhelden-Schrottplot er den Superhelden spielen muss. 😉

 

Für diejenigen, die selbst schreiben, ist der Film eine kleine Offenbarung. Er funktioniert auf der Unterhaltungsebene prima, weil der offensichtlich schwache Plot dadurch getoppt wird, dass er ständig kommentiert, wenn nicht sogar lektoriert wird. Vom Protagonisten! Das ist schon eine coole Idee.

Das Menschenschlachten ist Marvel-spezifisch comichaft, mit viel rot und rüden Witzen zum Thema. Entweder mag man das, oder man mag es nicht. Es ist technisch gut gemacht, aber nichts, was nicht schon woanders auch gezeigt wurde. Was der Protagonist in seinem inneren Dialog permanent kritisiert. Mehr als einmal fragt er sich (und das Publikum): Was tue ich hier eigentlich? Die Frage wird bis zum Schluss nicht beantwortet. Gut so!

Manche Kritiken beschreiben den Protagonisten als ironisch bis zynisch und mit einem Hang dazu, andere verletzen zu wollen – womit nicht die Kampfhandlungen gemeint sind. Aber das allein würde – jedenfalls für mich – nicht den Reiz ausmachen. Der Film strotzt vor kommentierten Querschlägern aus anderen Superhelden-Filmen. Bis hin zum Bewegungsablauf in Super-Super-Zeitlupe, wobei sich die Kommentare des Protas oft in Richtung „das Publikum will es so, darum mache ich das jetzt“ bewegen. Das ist fast schon ein Münchhausen-Effekt.

Ich weiß nicht, ob das die Absicht der Filmemacher war. Filme aus Hollywood sind für mich wegen ihrer Beliebigkeit mittlerweile eher ein Grund, nicht ins Kino zu gehen. Doch die zumindest gefühlte Metaebene der Selbsterkenntnis, was da produziert wurde, ist erfrischend und unterhaltsam.

Kein Film, den man sich mehr als einmal ansehen muss. Aber ein Film, den man verpasst hat, wenn man ihn sich nicht angesehen hat. Auch wenn man kein Marvel-Fan ist.

 

Ein gutes Beispiel dafür, dass man alle Regeln brechen darf. Wie Deadpool. Vorausgesetzt, man kennt sie und man kann es.

 

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, nur meine 5 Cent.

Der Geist der Zukunft (AT) – Textsplitter aus dem Manuskript

Der Kommandant nahm das Werkzeug entgegen und aktivierte es. Die haarfeine, eine Handspanne lange Energielanze war kaum zu erkennen im hellen Tageslicht. „Keine Angst, dass ich den Molekularschneider an dir ausprobiere?“
„Nein. Wem sollte das etwas bringen? Ich bin ein entbehrlicher Soldat, du ein Kommandant. Nach militärischer Rechnung wäre das ein gutes Geschäft für uns.“
Der Kommandant drehte sich nach links und sah den Röntgenlaser des Schiffes auf sich gerichtet. Er lächelte anerkennend. „Seid ihr alle so gut wie du?“
„Nein. Jedes Kind im Tunnel und in Neu Cannstatt ist besser.“

Mein 2016

ryekAch herrje! Das Jahr ist morgen zu Ende!

 

Zeit für einen Jahresrückblick? Interessantere Frage als es auf den ersten Blick aussieht. Warum?

Um das Jahresende herum (genauer zwischen dem 2. und 5. Januar) erreicht die Erde den sonnennächsten Punkt ihrer Bahn und die höchste Geschwindigkeit (die Erdbahn ist keine exakte Kreisbahn um die Sonne). Man kann im übertragenen Sinn sagen, dass die Erde nun „Schwung für das kommende halbe Jahr geholt hat“ und auch astronomisch betrachtet das alte Jahr hinter sich lässt.

Und das 31.12. nicht den Naturwissenschaften geschuldet ist. Daher gibt es, je nach verwendetem Kalender, viele Jahresrückblicke. Diesen Gedanken weiter tragend habe ich also:

1. Die astronomische Variante.

2. Die kulturelle Variante

3. Die persönliche Variante

 

Sieht man sich die offiziellen Jahresrückblicke an, wird schnell klar, dass man sich dort zumeist für die persönliche Variante entschieden hat. Jahresrückblicke gibt es in den Medien ab Anfang Dezember. Oder war es Mitte November? Offensichtlich besteht der latente Zwang, der Erste sein zu wollen, die Welt mit einem Jahresrückblick zu beglücken. Was tendenziell die Folge haben wird, dass in absehbarer Zukunft die Jahresrückblicke spätestens am 1. Januar um 12 Uhr mittags beginnen werden. Sowie jeder seinen eigenen Jahresrückblick zelebrieren wird. Hier ist gut zu erkennen, dass Vielfalt und Beliebigkeit zwei völlig verschiedene Dinge sind. Was gefühlt nach und nach aus dem öffentlichen Bewusstsein ins post-faktische zu verschwinden scheint.

 

Post-faktisch. Für mich ein Highlight des Jahres 2016. Bevor es zum Wort des Jahres erklärt wurde, habe ich nie davon gehört. Es beschreibt, meiner Meinung nach, mit einem einzigen Wort genial das, was in 2016 alles schiefgelaufen ist. Es erspart langatmige und sinnfreie Diskussionen mit sowie gegenseitige Beschimpfungen von Leuten, die zwar eine Meinung äußern, aber diese nicht mit abgesichertem Wissen belegen können. „Deine Argumentation ist post-faktisch.“ Punkt. Jeder kann, sofort, für sich selbst, nachprüfen, ob diese eine Aussage zutreffend ist. Ob auf der Gefühls- und Befindlichkeitsebene oder auf der Sachebene argumentiert wird. Oder ob beide – wieder einmal – in unzulässiger Weise vermischt wurden.

 

Die Zeiten, als Menschen, die etwas wussten, dran glauben mussten, kommen hoffentlich nicht mehr zurück. Was mein zweites Highlight 2016 ist. Hoffnung allein reicht hier nicht. Und gegenseitiges Ankotzen ist nicht der richtige Weg, sondern das falsche Signal. Weil ich der anderen Seite lediglich damit zeige, dass ich ein genauso großes … sein kann. Was eine Binsenweisheit ist. Natürlich kann ich das! Jeder kann das! Aber woher nehme ich dann das Recht, mich als besserer Mensch zu fühlen? Ich halte es für ein Zeichen von sozialer Intelligenz, Dampf ablassen zu können, ohne den anderen zu beleidigen, egal ob er es in meinen Augen verdient hat oder nicht. Damit kann ich mich auch gleich differenzierter darstellen. Was, das gebe ich zu, ein Gefühl der Überlegenheit erzeugt, auch wenn es nicht der Faktenlage entsprechen sollte. Ich bin halt auch nur ein Mensch. 😉

 

©Permission to use and/or modify this image is granted provided you acknowledge me lewing@isc.tamu.edu and The GIMP if someone asks.

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Zurück zum Rückblick. War es nun ein gutes oder ein schlechtes Jahr? Für mich war es ganz ok. Ich habe manches geschafft, was ich mir vorgenommen habe (zum Beispiel Windows weitgehend loszuwerden), und insgesamt eine gute Zeit gehabt. Dafür bin ich allen dankbar, die dazu beigetragen haben. An dieser Stelle also: DANKE!

 

Ob es für die ganze Welt ein gutes oder schlechtes Jahr war, kann ich, wenn ich ehrlich bin, gar nicht beurteilen. Ich kenne die wenigsten der über sieben Milliarden hier lebenden Menschen persönlich. Ich sehe nur die Ausschnitte in den Medien, und dort sind schlechte Nachrichten gute Nachrichten. Es berührt mich durchaus, dass 65 Millionen Menschen vor Kriegen fliehen, die in der Hauptsache den wirtschaftlichen Interessen reicher Länder, wo auch ich lebe, geschuldet sind. Es bedrückt mich, dass in der Politik weltweit der alte Herr Göbbels als der ultimative Lehrmeister für politische Diskussionen jeder Couleur verehrt wird, wenn es darum geht, das „einfache Volk“ „aufzuklären“. Dem Anschein nach alternativlos. Das die Digitalisierung der Gesellschaft immer mehr Menschen abhängt – was nicht die Schuld der Technik, sondern die einer Umsetzung ist, die den Menschen aus dem Fokus verloren hat.

Auf der anderen Seite gab es Veranstaltungen, wo Menschen anderen Menschen sinnvolle Unterhaltung geboten haben. Wo Menschen unbeschwert miteinander gefeiert haben. Wo Menschen einander geholfen haben. Welt-weit.

 

Es ist die eigene Entscheidung, wie ich mit anderen umgehe. Idealerweise so, wie ich selbst in vergleichbarer Situation behandelt werden möchte. Das schließt nicht aus, verschiedener Auffassung zu sein und diese auch kontrovers zu diskutieren. Am Ende sollte aber ein Ergebnis stehen, das für alle sowohl nachvollziehbar als auch unter gleichen Umständen wiederholbar ist.

 

In diesem Sinne wünsche ich ein gutes und erfolgreiches neues Jahr 2017. Und dass wir dazu beitragen, dass es eines wird.

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, meine 5 Cent. Ohne Anspruch auf Wahrheit oder Vollständigkeit.

Heute schon gespendet?

ryekKomische Frage, zumal um Weihnachten herum, nicht wahr? Und wofür?

Ich rede nicht von Organisationen, die dafür sorgen, dass Menschen geholfen wird, die Bildung und ärztliche Versorgung an die entlegensten Punkte der Welt bringen oder anderweitig dafür arbeiten, die Welt zu einem schöneren Ort zu machen oder als lebenswerten Ort zu erhalten. Dafür zu spenden ist selbstverständlich, falls man sich dort nicht selbst aktiv beteiligt. In  einer zivilisierten und humanistisch orientierten Gesellschaft ist das keinen Blogpost wert.

Ich meine Dinge, die mein eigenes Leben als Schriftsteller erleichtern, aber nicht zwingend kostenpflichtig sind.

Es ist nicht mein Anliegen, an dieser Stelle Werbung für etwas zu machen. Wahrscheinlich hat jeder seine eigenen Lieblinge. Die von einer Vielzahl von Menschen umsonst oder überwiegend ehrenamtlich zur Verfügung gestellt werden: Computerbetriebssysteme, nützliche Programme, Wissensaufbereitung, Musik, und, und, und. Ich möchte lediglich, dass der Leser dieses Textes ein paar seiner wertvollen Gedanken daran verschwendet, was wäre, wenn diese Dinge, die er möglicherweise täglich wie selbstverständlich nutzt, morgen nicht mehr da wären. Was er, ganz persönlich, heute dafür tun kann, damit es sie auch morgen noch gibt.

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, nur meine 5 Cent.

Ein kleines Vorweihnachtsgeschenk

ryekPassend zur Jahreszeit habe ich mir den ersten Text angesehen, den ich als E-Book veröffentlicht habe. Eine weihnachtliche Fantasy Geschichte. Ja, man merkt ihm an, dass eine Überarbeitung nicht verkehrt wäre. Aber bis Weihnachten 2017 ist ja noch ein wenig Zeit. 😉
Viel wichtiger ist mir, dass die zugrundeliegende Idee auch nach Jahren unverändert das ist, was ich schreiben wollte.

Daher, leicht aufpoliert, ein Stück aus dem Kurzroman „Pivot“. Viel Spaß beim Lesen. Und macht es besser, als Elida es macht.

Gegen neunzehn Uhr kam Elida bei Alwin und Vilja an.
Sie umarmte ihren Mann und die fünfjährige Tochter. „Ich hatte einen fürchterlichen Tag. Und ihr?“
„Uns ist es gut gegangen. Vilja hat mich in Mathe abgefragt, und zur Belohnung durfte ich sie mit Kuchen füttern.“
Vilja lächelte Elida an.
Elidas Tablet klingelte.
Vilja warf einen ausdruckslosen Blick darauf. Ein Zittern ging durch ihren Körper.
Alwin zog sie zu sich. „Keine Angst. Elida ist gleich für uns da, nicht wahr?“
Elida flog mit ihren Fingern über das Tablet, wie ein Schmetterling über eine besonders nahrhafte Blüte. Hin und her. Hin und her. Nach einer Weile beendete sie ihr Tun und schaute sich die Welt um sie herum an, als sei sie soeben aus dem Kokon geschlüpft. Sie lächelte, ahnungslos. „So, das war’s dann, hoffentlich. Wollen wir?“
„Gerne“, antwortete Alwin. Seine Augen flackerten kurz auf.

Nach dem Abendessen besserte sich die Stimmung. Elida ließ sich von Vilja erzählen, was sie die Woche über gemacht hatte, und erzählte ihr ein wenig über ihre Arbeit am physikalischen Institut. Roland ließ sie komplett aus. Sie sammelte Viljas Wunschzettel ein, der in perfekter Schönschreibschrift verfasst war und steckte ihn ein, ohne ihn wirklich zu lesen. Die Dinge würden schon bezahlbar sein. Alvin hatte die Liste nicht gelesen. Vilja hatte darauf bestanden, sonst würden ihre Wünsche ja nicht in Erfüllung gehen. Alwin kramte ein Brettspiel aus der Sammlung. Sie bauten Straßen und Burgen, vertrieben Räuber oder handelten. Alwin war ein guter Verlierer, denn gegen diese zwei Frauen hatte er keine bessere Alternative. Man konnte zusehen, wie Vilja langsam auftaute und mehr und mehr zum Kind wurde.

Elidas Tablet klingelte. Sie wollte danach greifen, aber Vilja war schneller. Elida und Alwin nahmen die Bewegung wie in Zeitlupe wahr. Vilja stand auf, schnappte das Gerät, drehte sich wie eine Ballerina. Mit der tödlichen Perfektion eines Ninjas warf sie das Tablet an die Wand, wo es wie ein Meteor in das gerahmte Foto der Drei einschlug. Es hinterließ einen kleinen Krater dort, wo Elida auf dem Bild zu sehen gewesen war. Dann fiel es zu Boden. Auf dem Bildschirm waren Risse zu sehen, wie von Spinnweben.

„NEIN!“ Elida schoss sie aus dem Stuhl und stürzte zur Unglücksstelle. Sie hob das Tab auf und tippte wild darauf herum. „Au, verdammt!“
Vilja sah Elida mit leerem Blick an.
Der Bildschirm blieb dunkel. Elidas Zeigefinger fing an zu bluten.
Alwin hob Vilja hoch und drückte das schweigende Kind an sich. Er sah Elida an, mit Augen wie Laserpointer. Der Moment ging vorbei. Elida wartete erstarrt auf den tödlichen Schuss. Alwin drehte sich um, hielt Vilja weiter mit einem Arm an sich gedrückt, zog mit der Rechten ein Blatt Küchenkrepp aus dem Spender und reichte es Elida.
„Du gehst jetzt“, stellte er fest.
„Aber …“
„Ich melde mich bei dir. Vielleicht. Vielleicht auch nicht mehr. Nie mehr. Machs gut, und danke für den Fisch.“
Er ließ sie stehen und ging mit Vilja nach oben.

Elida warf sich ihren Mantel über und verließ fluchtartig das Haus. Erst auf halbem Weg nach Frankfurt kam sie zu sich, und konnte sich nicht erklären, wie sie bis hierhin gekommen war.
Als sie ihre Wohnung betrat, war es, wie aus einem bösen Traum zu erwachen und in den nächsten hinein zu fallen. Ihr rechter Zeigefinger blutete immer noch ein wenig, tat höllisch weh und verschmierte das beschädigte Display. Etwas knisterte in ihrer linken Hosentasche. Sie zog einen Zettel heraus, der ihr bekannt vorkam, irgendwie, aus einem anderen Universum. Sie schaffte es, ihn mit der Linken zu öffnen. Ganz oben stand:

* Eine Sanduhr, gefüllt mit Mamas Zeit

Der Rest verschwamm vor Elidas Augen. Sie brauchte eine Weile, bevor sie begriff, dass es ihre eigenen Tränen waren. Eine kosmische Gewalt ergriff sie, und mit einem Schrei der Verzweiflung schleuderte sie das Pad gegen die Wand. Diesmal zerbrach es.