Schreibwerzeuge: Mindmap

Ich habe gelesen, dass Stephen King die Handlungsstränge seiner Geschichten komplett im Kopf hat. Glückwunsch! Allerdings gehört er auch zu den Autoren, die für ihre Genialität bewundert werden.
Genialität beginnt nach landläufiger Meinung dort, wo weniger als zehn Prozent der untersuchten Bevölkerungsgruppe gleich gute oder bessere Ergebnisse liefern. Also ziemlich weit außen auf der Gaußverteilung. Dem Rest der Welt bleibt nichts anderes übrig, als sich Werkzeuge zu überlegen, mit dem sie den technischen oder handwerklichen Nachteil gegenüber den Genies ausgleichen kann.
Dieses Schreib-Werkzeug soll dazu geeignet sein, den Handlungsablauf stichwortartig aufzubewahren und ihn während des Schreibens als Gradmesser der Fertigstellung des Werkes zu nutzen. Weiterhin soll es flexibel genug sein, um Erweiterungen und Änderungen zuzulassen. Zu guter Letzt soll es unterstützen, die logische Reihenfolge der Handlung und eventueller Parallelhandlungen im Auge zu behalten.

Wie man schnell sieht, ist das schon eine ganze Menge, was ein paar hingeworfene Worte leisten können – wenn man sich gut überlegt, wo sie hingeworfen werden sollen.
Es lohnt sich, Google zu fragen. Einige Autoren (z.B. J.K. Rowling) zeigen dort, wie sie ihre Geschichten entwickelt haben.

Entwürfe mache ich gelegentlich auf Papier, aber zumeist arbeite ich am Computer. Ich gebe zu, ich bin jemand, der gerne verschiedene Werkzeuge und Verfahren ausprobiert. Eine reine Textdatei war mir nach kurzer Zeit zu unhandlich, und eine Tabellenkalkulationstabelle ist, wenn man sich nicht auf Makroprogrammierung verlegen will (ich will schreiben und nicht programmieren) nur für recht kleine oder sehr lineare Geschichten geeignet. Dazu kommt, dass ich es mir, wenn möglich, gern bequem mache. Heißt: Ich investiere lieber am Anfang etwas Zeit in Struktur und schiebe dann zusammengehörige Daten en bloc über den Bildschirm.
Benötigt wird ein Zettelkasten, bei dem ich die Zettel mit wenig Aufwand anordnen und verschieben kann. Und, wenn nötig, sollen diese Zettel auch mit Querverweisen verbunden werden können. Außerdem soll der Zeitaufwand, sich da hineinzuarbeiten, nicht allzu hoch sein.
Es muss nicht immer Kaviar sein. Häufig reicht Hausmannskost, sprich der Griff in die Freeware-Kiste. Es gibt tatsächlich ein gutes und etabliertes Programm, das meine Anforderungen erfüllt: Freeplane (früher Freemind). Dabei handelt es sich um eine freie Software zur Erstellung sogenannter Midmaps, was man sich vereinfacht als die Abbildung von Gedankengängen in einer Baumstruktur vorstellen kann. Zentral steht das Thema, die großen Äste können dann zum Beispiel eine Personenliste, Orte, wichtige Informationen sein. Und natürlich, nicht vergessen, der Handlungsablauf.
Anbei ein Screenshot, um einen Eindruck zu geben, was möglich ist. Über die Szenen des ersten Entwurfes hülle ich den Mantel des Schweigens, aber es zeigt, dass es auch möglich ist, ältere Gedanken gewissermaßen als Backup schnell im Zugriff zu haben.
Freemind DSvU-1

 

 

 

 

 

Die Einarbeitungszeit in das Programm schätze ich auf einen halben Tag. Es gibt eine sehr gute englische, natürlich als Mindmap mitgelieferte, Dokumentation, und die Daten lassen sich in gängige (offene) Formate exportieren, so dass man sie beispielsweise in einer Textverarbeitung oder einem HTML Editor weiterverarbeiten kann. Die Benutzeroberfläche lässt sich auf Deutsch einstellen.

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