Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization …

In meinen Romanen ist der Titel Programm. Zumindest bisher.
Der erste von mir veröffentlichte längere Text war eine Zusammenfassung von Kurzgeschichten, die ich durch eine Handlung verbunden habe. Der Protagonist, Ryek Darkener, ist die Rolle in einer Spielewelt, in der es um Raumschiffe geht. Das schöne an Spielewelten ist, dass man dort, wenn man will, ausleben kann, was man sich im realen Leben besser nicht trauen würde oder sollte. So die Theorie. Die eigene Erfahrung ist, dass man, egal welche Rolle man einnimmt, egal ob man den Guten oder den Bösen gibt, am Ende doch sich selbst treu bleibt.
Das war überraschend für mich, ich hatte es nicht erwartet. Und es ist der Ausgangspunkt für die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

Der folgende Text ist die Geschichte von virtuellen Personen. Es gibt keinerlei Bezug zu real existierenden Personen und Gegebenheiten. Ähnlichkeiten oder Übereinstimmungen wären rein zufällig. Möglicherweise …


 

Business as usual

 

Stell dir vor, der Körper, in dem du dich befindest, ist gar nicht dein Körper. Du hast ihn bei einer Firma, die ihn für dich hergestellt hat, gekauft. Stell dir vor, du kannst nicht sterben. Falls dein Selbst schnell genug bewegt wird, wenn dein Körper aufgehört hat zu existieren. An einem von dir bestimmten Ort, in einem anderen Sonnensystem, wartet ein neuer Körper auf dich. Ein Klon ohne Bewusstsein.

 

Die virtuelle Katze

Auf einer Raumstation, irgendwo im Universum.

„Darf ich Ihnen noch etwas bringen?“
Der Angesprochene schreckt aus seinen Gedanken auf und sieht den Kellner einige Sekunden an. Dann nickt er. „Ja, noch eine Synthobrause, bitte.“
Der Kellner geht, um das Bestellte zu holen.

Seltsamer Gast, denkt der Kellner bei sich. Wobei er nicht genau sagen kann, warum dieser Mann, geschätzt um 50 Standardjahre, ihm seltsam erscheint. Hochgewachsen, etwas hager, mit scharf geschnittenen Gesichtszügen. Seine Kleidung ist unauffällig: schwarze Halbstiefel, schwarze Hose sowie eine Jacke in gleicher Farbe. Uniformhaft, mehr zweckmäßig als elegant. Das Hemd in dunklem Blau. Sieht aus wie ein Pilot, vielleicht sogar mit Lizenz für neurale Steuerung. Der hohe Kragen der Jacke könnte gut die Neuralanschlüsse am Hinterkopf verbergen.
Als er das Lokal betreten hat und sich an den Tisch setzte, ist seine Jacke am Körper geblieben. Sie scheint schwerer zu sein, als sie aussieht. Genau genommen sieht auch der Rest der Kleidung etwas schwerer aus, als man es bei normalem Stoff erwarten würde. Das lässt der Gast sich aber nicht anmerken. Seine Bewegungen sind fließend und kompensieren das vermutete zusätzliche Gewicht; als ob er diese Art von Kleidung regelmäßig trägt. Ein Söldner auf Urlaub? Oder im Einsatz? Der Kellner schüttelt den Kopf. Hier lässt ihn seine sonst so gute Menschenkenntnis im Stich. Der Gast hat ein Standardgericht bestellt. Bevor er mit dem Essen anfing, hat er ein Pad aus der Jackentasche gezogen und es unauffällig über die Nahrung gehalten. Das Pad liegt jetzt rechts, zusammen mit einem E-Pen, neben dem Getränkeglas. Nach dem Essen hat der Gast sich intensiv mit seinem Pad beschäftigt. Jetzt sitzt er seit einer Stunde da, sieht sich die Welt außerhalb der Station an und sagt nichts. Er verhält sich so unauffällig, dass ein neu hinzugekommener Besucher sich ohne zu Fragen beinahe zu ihm gesetzt hätte.

Jetzt erinnert sich der Kellner: In dem Moment, als der neue Gast den Stuhl auf der anderen Seite des Tisches zurückziehen wollte, hatte der Sitzende diesem bereits den Kopf zugewandt. Und den E-Pen in der Hand, der einen Moment vorher auf dem Tisch gelegen haben musste. Der Kellner kann sich aber nicht erinnern, die Bewegung des Kopfes gesehen zu haben. Ein leises Summen war zu hören gewesen. Wirklich? Am Ende der seiner Schicht würde er darauf keinen Eid leisten, kurz nach Mitternacht Stationszeit. Der Andere hatte sich hastig entschuldigt und war langsam zurückgewichen, um dann fast fluchtartig das Restaurant zu verlassen.

Der Gast steht auf und winkt dem Kellner, um zu zahlen. Als er das Terminal hingehalten bekommt, um zu bestätigen, benutzt er sein Pad für den Bezahlvorgang. Der Kellner bemerkt, dass dieses sehr viel stabiler aussieht als die üblichen Geräte. Und irgendwie umfangreicher.
„Interessantes Teil, was Sie da haben. Einzelanfertigung?“
Der Gast lächelt unbestimmt. „Ja. Es ist sehr stark personalisiert. Und space-proofed.“
Was bedeutet, dass es auch nach der Zerstörung eines Raumschiffes übrig bleiben würde, wie der Flugschreiber. Der Kellner ist beeindruckt. So etwas bekommt man wirklich nicht oft zu sehen. Man könnte ein kleines Raumschiff dafür kaufen. Es zu stehlen macht keinen Sinn, weil es überall geortet werden würde. Gerüchten zufolge sollen Diebe gestorben sein beim Versuch, so ein Gerät zu öffnen.

Der Gast sieht den Kellner jetzt direkt an, sein Blick nagelt ihn fest.
„Vielen Dank für die freundliche Bedienung. Aber das Terminal scheint defekt zu sein.“
Der Kellner sieht verwundert zum Terminal: Bezahlvorgang abgebrochen, ungültiger Transaktionscode. Er blickt auf. Sein Gast ist weg. Auf dem Tisch liegt die Bezahlung in bar, sowie ein sehr großzügiges Trinkgeld. Darunter ein Zettel mit einem maschinellen Ausdruck: „Ich war nie hier. Vergessen sie das nicht.“

 

 

 

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