Business as usual

Ryek betritt den Bürotrakt im heruntergekommenen Small Business Bereich der Station. Büros und Lagerräume, für Kunden, die zeitlich begrenzt Räumlichkeiten brauchen. Nicht immer für legale Geschäfte, häufig bleiben Rechnungen unbezahlt. Der technische Standard der Sicherheit hier ist dennoch recht hoch. Irgendwelche Rechnungen scheinen regelmäßig beglichen zu werden.
Als er das angemietete Büro erreicht, sieht er die Katze. In einer Umgebung, hermetisch abgesichert und nur mit Ausweis zu betreten, ist das schon eine Überlegung wert. Ryek zielt mit seinem Pad auf die Katze und aktiviert den Scanner. Keine Technik in dem Tier, immerhin. Die Katze ist groß, kräftig und steingrau, mit intensiven grünen Augen. Sie erinnert an eine gespannte Stahlfeder. Eine Wunschanfertigung? Eine Waffe? Sie sitzt vor der Bürotür, wartet, vermittelt den Eindruck auf die Welt hinabzusehen. Ryek geht vorsichtig in die Hocke, um das Tier zu streicheln. Die Katze faucht ihn an. Ryek faucht spielerisch zurück. Die Katze lässt sich dann doch streicheln; sie schnurrt. Aus den Augenwinkeln sieht Ryek einen Reflex am Schloss der Tür des Büros. Er dreht den Kopf. Nichts. Er stellt den Scanner auf passiv und bewegt ihn in geringem Abstand über das Schloss. Interessant. Eine Nanofolie, groß genug um ein Gerät zu sein, geschickt am Schloss angebracht.
Wahrscheinlich ein Codesniffer.  Praktisch unsichtbar, verboten und sehr teuer. Es gehört zur Standardausstattung von Attentätern.
Ryek grinst. „Ich muss unbedingt in Erfahrung bringen, wie hoch mein Kopfgeld ist.“
Er blickt nach unten. Die Katze ist weg. Verschwunden in einem abgeschlossenen Gang ohne Ecken und Nischen, mit verschlossenen Türen. Ryek schüttelt den Kopf, steht auf und schiebt seine Codekarte in das Türschloss. Es piepst leise, die Tür öffnet sich. Er tritt ein und schließt die Tür hinter sich.

***

Im Büro ist es kalt. Ryek sitzt am Schreibtisch, den Kragen der Jacke hochgeschlagen, betrachtet auf dem Monitor die Daten des angeschlossenen Pads. Von Fall zu Fall markiert der E-Pen einen Bereich. Er bewegt Daten, macht sich Notizen, plant.
Die Bürotür öffnet sich lautlos und langsam, ein wenig. Ein kleiner Spiegel wird in den Raum gehalten. Der Spiegel wird zurückgezogen, eine Waffe erscheint, gefolgt von einer Person, die entschlossen und schnell den Raum betritt.
Als der Spiegel verschwindet, lehnt sich Ryek zurück und dreht den Bürostuhl in Richtung der Tür. Das Letzte, was der Angreifer von seinem Ziel sieht, ist ein weißer Strahl, der sich in seinen Kopf bohrt. Der Körper macht einen weiteren Schritt, bevor ihm klar wird, dass sein Gehirn die Funktion endgültig eingestellt hat. Der Attentäter fällt zu Boden, wie eine Marionette der die Fäden durchschnitten wurden. Ryek steht auf, schließt die Tür, geht zurück zum Tisch und setzt seine Arbeit fort. Von der anderen Seite der Tür kommt ein leises ‚miau‘. Ryek nickt.

 

 

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