Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(in diesem Abschnitt kommt die detailliertere Vorstellung des Protas, sowie einer Nebenrolle. Außerdem ein wenig Weltenbau.)

Die Tür links neben dem Energieaggregat öffnete sich.
„Ryek Darkener?“
Eine Frau, unverkennbar Gallente, hochgewachsen, im (Klon)Alter irgendwo zwischen 25 und 35, stand in der Tür. Sie trug einen dunkelblauen Geschäftsanzug, der vom Zuschnitt her an eine Uniform erinnerte, elegant und bequem. Die anderen Personen im Raum sahen gespannt in ihre Richtung, als ob sie erwarteten, im nächsten Moment an die Arbeit geschickt zu werden. Ryek stand auf und deutete eine Verbeugung an.
„Bianca Bluestar, nehme ich an?“
„Ja. Danke das du dir die Mühe gemacht hast. Wie war die Reise?“
„Wie erwartet.“
Bianca runzelte die Stirn. „Wenn du es so siehst. Einen Kaffee, bevor wir anfangen?“
„Danke, ich hatte schon das Vergnügen. Wir können sofort starten“.
Bianca trat zur Seite und gab den Weg in das Büro frei. Rye nahm sein Pad auf, steckte es samt Schreiber in die rechte Jackentasche und folgte der Aufforderung. Die Tür schloss sich und die Mitarbeiter hatten es eilig, aus dem Kantinenbereich zu kommen.
Das Büro war einfach eingerichtet: Ein Schreibtisch mit einem Stuhl auf jeder Seite, ein Besprechungstisch mit 6 Sitzgelegenheiten, einige Regale an den Wänden sowie eine große Multifunktionswand hinter dem Schreibtisch. Darauf war das bekannte Universum zu sehen, mit einigen farbigen Markierungen, deren Sinn unklar blieb. Die Wände selbst sahen auf den ersten Blick nackt aus, schienen bei näherem Betrachten eine flieshafte Struktur zu haben und sich ständig farblich zu ändern. Nanobeschichtung? Sensoren? Wenn ja, war die Menge des hier verbauten Materials ein Zeichen von erheblichem Reichtum. Links neben der Tür hing eine Holztafel, mit Spuren von Wurfgeschossen: Darts? Der Fußboden war mit neutral-grauem Belag versehen, der die Schritte deutlich dämpfte. Sie nahmen gegenüber am Schreibtisch Platz. Ryek zog das Pad aus der Jacke und legte es auf den Tisch.
„Du nimmst unser Gespräch doch nicht etwa auf?“
„Natürlich nicht. Ich würde gern einige Punkte mitschreiben, wenn es recht ist“.
Bianca nickte. „Ich habe dich von einem unserer Kunden empfohlen bekommen. Allerdings hat er mir nicht allzu viel über dich erzählt“.
Ryek lächelte. „Das hätte mich auch gewundert“.
Die folgende Pause zog sich in die Länge.
Bianca seufzte. „Na gut. Aber etwas mehr wüsste ich schon.“
„Mein Name ist Ryek Darkener. Dies hier ist nicht mein Originalkörper und auch kein Klon desselben. Das gewählte Modell entspricht einem Alter um 50 Standardjahre. Warum ich heute hier bin: Wegen der angebotenen, angeblich ruhigen, Position als Allround-Mitarbeiter in der Sicherheit. Was auch immer das heißen mag“.
Bianca hakte nach. „Das verstehe ich nicht. Nicht dein Originalkörper?“
„Genau. Gewissermaßen das Geschenk eines anderen.“
„Soll heißen: Du hast keine Vergangenheit. Man sagt, dass jemand, der keine Vergangenheit hat, auch keine Zukunft hat. Wie stehst du dazu, Ryek?“
„Ich gebe nicht viel auf das was andere sagen, ohne es beweisen zu können. Genau genommen habe ich ja eine Vergangenheit. Sie beginnt nur etwas später als bei den meisten Menschen.“
Bianca lächelte undurchdringlich. „Wir haben wohl alle unsere kleinen Geheimnisse. Nun gut, nachdem du mich in alles eingeweiht hast, was dich betrifft, erzähle ich dir jetzt etwas über diese Firma:
BL-E ist eine etwas andere Bank. Wir sind ein vollwertiges Kreditinstitut und haben uns vom ersten Tag an auf profitable Dienstleistungen für Privatkunden ausgerichtet. Kunden, die privat bleiben möchten. Das heißt für den Bank-Teil: Unsere Kunden geben uns ihr Geld, sie bekommen es mit Zinsen zurück. Sie leihen sich Geld von uns und wir bekommen es, hoffentlich, mit Zinsen zurück. Unsere Konditionen sind nicht besonders gut, aber wir haben einen guten Ruf, was die Auszahlung des erhaltenen Kapitals und der Zinsen betrifft. Was unsere eigentliche Arbeit ist, mit der wir die Bank finanzieren: Transport, Produktion, Aufträge von Behörden und anderen Corps, Erzabbau. Für jeden ist etwas dabei, jeder kann nach seinen Wünschen und Möglichkeiten agieren. Die Aufträge sind mal leicht, mal schwer, mal sauber, mal schmutzig. Keine finanziellen Experimente, keine aktive Beteiligung an kriegerischen Auseinandersetzungen. Da wo Krieg ist gehen wir üblicherweise nicht hin.“
Ryek nickte und schwieg.
„Ich habe an Informationen erhalten, dass du selbstständig arbeitest, aber loyal bist. Zumindest für die Dauer des Auftrages.“
Ryek machte sich eine Notiz auf dem Pad, dann lehnte sich im Stuhl zurück, die Füße parallel auf dem Boden. Bianca griff nach dem Brieföffner aus Schiffsmetall, der auf dem Schreibtisch neben ihren Unterlagen lag, hielt ihn in beiden Händen, drehte ihn hin und her.
„BL-E ist multikulturell . Wir machen keine Unterschiede zwischen den Rassen von New Eden. Es gibt die Hierarchien, die es in allen Corps gibt. Wir machen hier unsere Jobs sehr individuell, das heißt: Zusammenarbeit wo nötig, Einhaltung der Regeln, keinen Streit anfangen mit Kunden oder dem Rest des Universums ohne Auftrag und Zustimmung der Geschäftsleitung. Jeder arbeitet als freier Agent, plus gemeinsamer Aktionen und hat Zugriff auf das Wohlwollen seiner Kollegen. Kein Festgehalt,  90% der Bezahlung für erledigte Aufträge gehen an die Mitarbeiter; der Rest an BL-E“.
Ryek nickte und Bianca fuhr fort.
„Wir bevorzugen niemanden und es ist nicht unsere Aufgabe als Unternehmen, Rechtmäßigkeit oder Gerechtigkeit hinterfragen. Wir bewegen Geld, that’s it. Wir sind Opportunisten, allerdings nicht um jeden Preis. Was sind deine Prinzipien, falls vorhanden?“
Ryek überlegte eine Weile. „Ich übernehme Aufträge, die von den Administrationen der verschiedenen Regionen und Organisationen legitimiert sind: Transporte, Beschaffungen, Vernichtungen. Ich bediene alle gleich. Ich kann es mir leisten, Aufträge abzulehnen. Ob dahinter persönliche moralischen Prinzipien stehen, darüber kann man diskutieren. Mein Geschäftsmodell ist also kompatibel.“
Bianca sah Ryek direkt an. „Eine andere Frage, gewissermaßen an den männlichen Caldari und Feind in Dir: Hast du ein Problem damit, dass deine Vorgesetzten weibliche Gallente sind?“
Ryeks Mine blieb neutral . „Würde es deine Entscheidung erleichtern, wenn ich behauptete, dass ich schwul bin und Gallente Frauen in Führungspositionen für überrepräsentiert halte?“
Bianca zuckte zurück, die Spitze des Brieföffners zeigte jetzt auf Ryek.
„Es ist für mich irrelevant. Ich arbeite mit den Leuten zusammen, denen ich weit genug traue, um das zuzulassen. Allerdings ist mein Vertrauen in andere Personen üblicherweise äußerst begrenzt“. Er notierte etwas auf dem Pad.
„Und wenn deine Erwartung nicht erfüllt wird?“
„Dann gibt es keinen Vertrag, keine Verpflichtung, keine Loyalität. Nichts.“
„Das ist nicht gerade eine karriereorientierte Einstellung.“
Ryek lächelte hintersinnig. „Suchst du jemanden, der der an deinem Stuhl sägt?“
„Eigentlich nicht. Zu einem anderen Punkt: Was sind deine Schwächen?“
„Ich bin paranoid und schizophren.“
„Bitte??“
„Ich werde verfolgt. Immer. Ich kann mit mir selbst diskutieren und mit zwei verschiedenen Meinungen aus der Diskussion kommen. Immer. Das liegt an der Vergangenheit vor meiner Vergangenheit und daran wie ich in die Gegenwart gekommen bin.“
Bianca schüttelte den Kopf. „Ein Psycho in der Sicherheit. Ich muss ebenfalls verrückt sein“.
„Wie der Rest des Universums nehme ich an?“
Bianca entspannte sich etwas. „Was fehlt deiner Meinung nach bei uns?“
Ryek grinste. „Ein Automat, der echten Kaffee liefert.“
„Willst du BL-E ruinieren?“
„Mitnichten. Sieh dir mal die Mitarbeiter und die Kunden der Kantine an. Alle fühlen sich wohl in diesem Raum, und Werbung mit exklusiven Dingen ist ein Pluspunkt, gerade bei exklusiver Kundschaft. Oder ist das hier die BL-E Variante um der Kundschaft Cost-Savings zu demonstrieren?“
„Was hat das mit Sicherheit zu tun?“
„Viel. Wer sich wohlfühlt und entspannt ist wird, zumindest nicht sofort, etwas Böses tun. Ich habe gehört, das BL-E in der Hauptsache den eigenen Ruf als Kapital hat. Das die Kundschaft, sagen wir es einmal so, recht vielfältig ist. Eine Umgebung anzubieten die sicher und entspannend ist, bietet viele Möglichkeiten. Die gefühlte Sicherheit bietet der Schildgenerator. Mich würde interessieren wie BL-E die Genehmigung dafür bekommen hat. Hier fehlt nur noch ein wenig mehr Ambiente. Müssen ja nicht gleich Exotic Dancers sein, da könnten sich die heiligen Amarr dran stoßen.“
Bianca verschluckte sich und kaschierte den Hustenanfall mit einem Räuspern. Sie stand auf, Ryek ebenfalls.
„Danke für das interessante Gespräch. Ich werde mir die Sache überlegen, besonders die mit dem Kaffee und mich bei dir melden. Um ehrlich zu sein: Ich habe Zweifel. Auf der anderen Seite hast du sicher deine Gründe, mir die Entscheidung nicht leicht zu machen.“
„Ich bin bis morgen in der Station, um auf die Antwort zu warten. Wie du weißt, werde ich verfolgt.“
Er wandte sich um und ging zur Tür.
Bianca wartete bis Ryek dort angekommen war, sagte „Fly safe, Ryek“, holte mit dem Brieföffner zum Wurf aus. Auf dem Scheitelpunkt der Bewegung trennte Ryeks Laser die Klinge über dem Griff ab. Das Metall prallte auf die Multifunktionswand hinter Bianca und verursachte ein faustgroßes Loch in der Bildwand über dem Einschuss des Lasers, bevor die Klinge auf den Boden fiel. Zwei rote Punkte und ein grellweißer Strahl verblassten im Nachbild. Ryek stand an der halb offenen Tür und hatte den ‚E-Pen‘ in der Hand.
Bianca atmete hörbar aus, und blickte auf ihre Hand, überrascht, dass sie noch da war, wo sie sein sollte. „Verdammt, das war knapp. Mit der Nummer kannst du im Zirkus auftreten.“
„Ja, könnte ich.“ Er verbeugte sich knapp und schloss die Tür.

Um 05:30 Stationszeit piepte das Pad. Ryek hatte den Laser-Pen in der Hand, noch bevor er richtig wach war. Keine Gefahr. Er ging in den normalen Betriebsmodus und aktivierte das Display. Eine Mitteilung von BL-E. Ein Arbeitsvertrag, gültig ab 06:00. Aber nur, wenn er bis dahin in seinem Büro sitzen würde. Sowie eine Rechnung für zerstörtes Inventar. Ryek grinste. Er rief die Mitteilung des Stationshangars mit dem Erlös für das Recyclen des Shuttle auf und transferierte den Betrag zu BL-E. Die Kredits scheinen sich bei mir nicht richtig wohlzufühlen, dachte er mit leichtem Bedauern. Dann stand er auf und machte er sich auf den Weg in die aktuelle Richtung seiner Zukunft.

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