Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(In diesem ein wenig launischen Textstück erfährt der Leser einiges über die andere Welt (Spiele-Welt sowie Rollenspielaspekte). Aber Vorsicht! Wie würde unsere Welt aussehen, wenn alles auf Dienstleitung hin optimiert wäre?)

Routine? Routine!

05:30
Piep. Piep. Piep. Piep. Hmmmmm? Das Pad gibt keine Ruhe. Dabei ist es doch mitten in der Nacht. Oder etwa nicht? Verdammt! Der Tag beginnt wie üblich mit den wichtigsten Fragen:
– Wer bin ich? Ryek Darkener. So steht auf jeden Fall auf der Anmeldemaske vom Pad. Wird wohl stimmen.
– Wo bin ich? Nasreri, auf der Station eines Industriekonglomerats. Aha! Wieso eigentlich?
– Was bin ich? Sec Chef und Ersatz CEO, falls SIE mich noch nicht gefeuert haben …
– Was noch? Etwas paranoid. Heute schon verfolgt worden? Nein? Gut soweit. Ich stelle den Panikschalter in meinem Kopf von Aktiv auf hot Stand-by.
– War noch was? Wer ist die Frau neben mir im Bett? Wo war ich gestern? Haben diese Fragen etwas miteinander zu tun?
Verdammt, ich werde langsam zu alt dafür. Falls man als Klon überhaupt für etwas zu alt werden kann.
Also dann an die Arbeit. Die Frau sagt, sie liebt mich, aber als ich sie frage, warum sie dann ständig ihren Namen ändert, (gestern hieß sie noch Sharee oder so) ist sie recht schnell gegangen. Den Materialschaden zahlt die Versicherung, und mich kann man nur beleidigen, wenn man die Unwahrheit sagt.

06:15
Frühstück, oder was die hier dafür halten. Ich freue mich schon auf den Kaffeeautomaten in der Corp-Kantine, DER Kaffee ist nicht aus irgendetwas synthetisiert. DEN zu beschaffen reißt immer ein Loch in die Bilanz, aber unsere Kunden schätzen das. Synthobrause gibt es überall in dieser Galaxis, aber echter Kaffee? Ach ja, falls ich es noch nicht gesagt habe, ich arbeite für eine Bank. Mein Titel Sec-Chef (CSO) ist aber mehr ein Arbeitstitel. Für den, der die Dinge macht, wofür sonst keiner Zeit hat. Zum Glück zieht mein Arbeitgeber nie in die Schlacht, und bisher sind alle unsere Gegner der Langeweile zum Opfer gefallen; stell dir vor es ist Krieg und wir gehen nicht hin. Ja, der Spruch ist klassisch, ich weiß, aber wir gehen WIRKLICH nicht hin. Wir lassen uns meist vertreten. Wie gesagt, wir sind eine Bank. Langeweile ist unser Business. Dafür haben die Kredits Spaß mit uns.

08:00
Ich betrete den Bankbereich durch einen Seiteneingang. Nach einem kurzen Blick über die Schulter (ich werde immer noch nicht verfolgt?) schließe ich die Tür und gehe Richtung Kantine. Mit dem Managementschlüssel aktiviere ich den nicht-öffentlichen Teil des Getränkeautomaten und teste den öffentlichen Teil. Ja, der Kaffee sieht gut aus und riecht gut, und er schmeckt auch gut. Wer hat die Kekse weggefuttert? Ich mache eine Notiz auf dem Pad: Sicherheitskameras checken, Gehalt des Schuldigen kürzen. Falls ich es gewesen sein sollte: Die Aufzeichnung löschen, und hole eine neue Packung aus dem Safe. Wirklich erstaunlich, wie anziehend echtes, nicht wiederaufbereitetes Essen und Trinken auf unsere Kundschaft wirkt.

09:00
Die erste Meldung kommt herein. Eine Beschwerde von Asteroiden-Minern über Belästigung durch wild gewordene Bergbau-Drohnen. Naja, die Bank zahlt kostenoptimierte Gehälter, und erlaubt deshalb Aktivitäten, die nicht direkt dem Bankgeschäft zuzuordnen sind, teilweise werden auch Gefälligkeiten für Geschäftspartner erledigt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass diese Firma nur deshalb Bank heißt, weil man sich so gemütlich in der Kantine auf eine Bank hinsetzen und plaudern kann. Was soll’s, unsere Kunden mögen es.

11:30
Ankunft im Asteroidengürtel. Die Drohnen sind auch schon da. Nach drei Stunden bin ich zurück und lasse mir die Prämie überweisen. Warum ich noch immer Kleinaufträge übernehme? Wegen der Kredits. Schließlich bin ich Söldner, die tun für Geld ja angeblich alles.
Ich gehe in mein Büro und frage mich wieder einmal, wer noch einen Schlüssel dazu hat. Jede Menge Papierkram auf meinem Schreibtisch: Anforderungen, Beschwerden, Aufträge! Haben die Leute denn keine Computer? Apropos: Ein Blick aufs Pad zeigt mir, das die Geschäftsleitung mal wieder einen Auftrag für mich angenommen hat. Wie fürsorglich. Transport von einer Million Kubikmeter Schiffen verschiedener Klassen in ein System 30 Sprünge von hier weg, asap. Na, damit ist der Tag ja gerettet. Und wo ist der Frachter?? Eine längere Suche offenbart mir, dass der sich nicht im Firmen-Hangar befindet. Also schreibe ich einen bösen Brief an die Kollegen mit der dringenden Bitte, mir den Frachter umgehend abzuliefern, falls sie nicht (un)geplanterweise eines unnatürlichen Todes sterben möchten, verursacht durch gemeinsame Bemühungen der Geschäftsleitung.

16:30
Ich gehe in die Kantine zum Essen. Eine Kundin hat sich eingefunden. Wir plaudern etwas über die Politik außerhalb des zivilisierten Universums und Schiffs-Ausrüstung. Mein Bericht über die Optimierung der Bergbau-Fähigkeit von Schlachtschiffen bringt mir eine spitze Bemerkung und einen Blick ein, der darauf schließen lässt, dass es auch Alternativen zur Bergbau-Ausrüstung gibt, zum Beispiel Mega-Laser. Was es nicht alles gibt 🙂

18:00
Es lässt sich nicht mehr vermeiden. Der Frachter ist da (wer hat den jetzt eigentlich ausgeliehen? Notiz macht), und ich scheuche die Ladecrew, damit ich hier schnell wegkomme. Außerdem reserviere ich mir noch ein nettes Plätzchen in einem einschlägigen Lokal auf der Zielstation. Dann rein in die Steuerkapsel, eingestöpselt und los geht’s. Der Flug ist lang genug für ein gutes (also verbotenes) E-Book (wie soll man wohl sonst ein Buch in der Steuerkapsel lesen?).

23:30
Angekommen. Wo? Psst, geheim (Ich werde immer noch nicht verfolgt. Verdammt, was habe ich heute falsch gemacht?). Raus aus der Steuerkapsel, ausladen lassen, schon wieder Papierkram (Zoll, Zwischenhandelskosten, meine Güte, wofür die alle Geld haben wollen), und rein in die Bar. Ja, ich weiß, langsam werde ich zu alt für so was, aber das hatte ich schon heute Morgen erwähnt, oder?

 

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