Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(Jetzt erfahren wir Ryeks Geheimnis. Zuerst der Anlauf … 😉 )

Flashback: Spring! (Teil 1)

Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

1 Korinther 15:51-52 (Luther Bibel 1545, alte Zeitrechnung)

 

Der Planet ist der siebte in einem Sonnensystem der Klasse F, mit einem weiß-gelben Zentralgestirn von etwas mehr als Sonnenmasse und seit etwa 500 Jahren bewohnbar. Das System liegt nahe genug an den großen Handelsrouten, um profitabel Weltraumbergbau zu betreiben und Dienstleistungen anzubieten. Hier befindet sich die einzige medizinische Einrichtung für Bewusstseinstransplantation im Umkreis von fünfzehn Lichtjahren. Diese Technik ermöglicht es, ohne Zeitverlust über große Distanzen zu reisen, in dem man nicht seinen Körper, sondern sein Selbst bewegen lässt. Voraussetzung ist eine entsprechende Ausbildung, zumeist gestützt von Implantaten, ein verfügbarer Körper am Zielort und viel, viel Geld. Verschiedene Firmen bieten Tauschkörper an, in verschiedenen Qualitäten. Theoretisch ist es so möglich, ewig zu leben, aber wer will das schon. Die Technik und deren Anwender werden sehr genau von den Behörden überwacht, um Missbrauch zu verhindern. Mit dem gleichen Erfolg wie bei anderen kriminellen Aktivitäten: Natürlich gibt es auch die illegale Nutzung dieses Verfahrens. Die häufigsten legalen Nutzer sind die Piloten, die ihre Schiffe über ein neurales Interface steuern können. Bei Zerstörung des Schiffes haben sie so eine Chance zu überleben, wenn der Transfer rechtzeitig durchgeführt wird.

Joret stieg aus dem automatischen Fahrzeug des urbanen Transportsystems, nahm seine Jacke heraus und schloss die Tür. Dann tätigte er die Zahlung mit seinem Pad, das er an den dafür vorgesehenen Sensor am Fahrzeug hielt. Ein kurzer Piepston bestätigte die Transaktion, gefolgt von einem mechanischen „Ich wünsche noch einen schönen Tag.“ Dann setzte sich das Fahrzeug in Bewegung zum nächsten Kunden.

Joret Weg zu seinem Appartement führte ihn durch einen Wald mit Bäumen aus der Zeit der ersten Besiedlung, vorbei an einem kleinen See. Die untergehende Sonne tauchte die Gegend in ein sanftes, gelbblaues Licht. Eigentlich war es nicht allzu schlecht, hier zu leben. Eigentlich. Er erreichte das dreistöckige Haus mit Flachdach und den obligatorischen Solarkollektoren und schloss die Tür mit dem Pad auf. Der Fingerabdruck, codierte Signale sowie eine hochwertige Alarmanlage sorgten dafür, dass es seit Jahren keinen erfolgreichen Einbruch zu verzeichnen gab. Deshalb war Jorets Verwunderung groß, als er beim Betreten des Appartements im Wohnzimmer einen älteren Mann in seinem Sessel sitzen sah. Was dieser mit einer solchen Selbstverständlichkeit tat, dass Joret sich fragte, ob er nicht versehentlich in die falsche Wohnung gekommen sei.

Der Fremde bot ihm einen Platz auf der Couch gegenüber an. „Sie brauchen keinen Sicherheitsalarm auszulösen, Joret Cheng“, sagte er mit einem vielsagenden Lächeln. „Dann wäre ich auch gekommen, nur später.“

Er kramte umständlich einen Ausweis aus der Jackentasche und gab ihn Joret. Der nahm sich Zeit für die Prüfung.

„Scheint echt zu sein. Auf der anderen Seite: Wer so wie Sie ohne Aufsehen hier hereinkommt, kann bestimmt auch Ausweise fälschen. Wer sind Sie und was wollen Sie?“

„Informationen.“

„Informationen? Ich bin kaufmännischer Angestellter. Informationen zu meinem Arbeitgeber finden Sie ausreichend auf dessen Homepage. Dafür hätten Sie sich nicht herbemühen müssen.“

Der Fremde grinste freudlos. „Da sagen Sie was. Aber ich denke, Sie sind intelligent genug, um zu wissen, dass ich nicht deshalb gekommen bin.“

Joret setzte sich. „Dann schießen Sie mal los.“

„Gut.“

Der Fremde stand auf und zog einen Blaster, den er auf die Stelle richtete, an der Joret – hätte sein sollen. Einen Moment später wurde er zu Boden geworfen. Der Blaster richtete sich nun auf ihn.

„Das mit dem Losschießen habe ich mir anders vorgestellt“, stellte Joret klar.

„Ich nicht. Sehen Sie ins Magazin. Es ist leer.“ Joret ging langsam zurück zur Couch, setzte sich und legte die Waffe auf den Tisch zwischen ihnen.

„Zumindest weiß ich jetzt das Sie der Joret sind, den ich suche.“

„Aha.“

„Wir haben uns zuletzt vor fünfzehn Standardjahren gesehen. Aber daran werden Sie sich kaum erinnern. Oder vielleicht doch? Auf der Raumstation.“

„Doch! Sie waren dafür verantwortlich, dass ich deportiert wurde.“

„Ja, ich habe damals ihr Leben gerettet.“

„Sie haben es weggeworfen! Sie sind ein Rassist!“

Der Fremde zuckte zusammen. „Was glauben Sie, wie lange Sie es da gemacht hätten, ohne dass ein tödlicher ‚Unfall‘ passiert wäre? In Ihrem heutigen Alter sollten Sie das wohl bewerten können.“

Joret beruhigte sich etwas und dachte nach. „Mag sein das Sie recht haben. Also zurück auf Feld Eins: Was wollen Sie von mir?“

„Wie Sie schon sagten, sie arbeiten im kaufmännischen Bereich. Transaktionskontrolle oder wie man das da nennt. Und Sie haben sich bereits einiges an Unwillen zugezogen, nicht nur bei Ihren Vorgesetzten.“

„Weiter.“

„Sie arbeiten sehr genau, was die Auslegung von Vorschriften geht. Kontrolle bei Verdacht von Geldwäsche und so weiter. Immer gleich Meldung gemacht. Nur: Sie arbeiten in der falschen Firma für die falschen Leute.“

„Das denkt man als Angestellter immer.“

Der Fremde grinste. „Ja, das ändert sich nie.“ Er kramte nach seinem Pad und rief ein paar Daten ab. „Ihre letzten Kunden haben ihr Geld mit recht interessanten Geschäften verdient. Das ist sogar Ihnen aufgefallen. Ich hätte gern gewusst, wer von denen wann wie viel Geld wohin investiert hat.“

„Schon mal was vom Bankgeheimnis gehört?“

„In meinem Beruf nur gerüchteweise. Die Sache ist die: Wenn ich mir einen offiziellen richterlichen Beschluss dafür besorge, ist der Richter der Erste, der die Ermittlungsziele warnen wird. Ein Klonkörper irgendwo im Universum ist ein Angebot, was nicht viele ablehnen, besonders wenn man in seinem eigenen nicht mehr lange zu leben hat.“

„Meinen Sie jetzt den Richter oder mich, wenn ich mich auf die Sache einlasse?“

„Guter Punkt. Die Antwort ist: ja.“

„Ja was?“

„Denken Sie nach. Die Antwort ist ja.“

Joret nickte.

„Einer ihrer Klienten, Sie wissen, wen ich meine. Er arbeitet im hiesigen Zentrum für Bewusstseinstransfer. Er bessert sein mageres Gehalt damit auf, dass er Kriminellen Zugang zu Zweitkörpern verschafft.“

„Ich glaube nicht, dass ich die Quittungen dafür zu sehen bekomme.“

Der Fremde schlug mit der Faust auf den Tisch. „Jetzt stellen Sie sich nicht dümmer an, als Sie sind! Ihr Institut macht, wie alle, eine Bonitätsprüfung der Kunden, Einkommensnachweise und so weiter. Wir wissen, dass diese Person zu Ihren Klienten gehört, also wissen SIE auch, was sich diese Person leisten kann und was nicht. Die Einzahlungen und Auszahlungen laufen durch Ihre Hände, Joret. Aber nur aufgrund von Flurfunk können wir keine Anklage erheben.“

„Ich soll also meine Kunden und meinen Arbeitgeber verraten, um Ihre Beförderung zu sichern? Darüber hinaus dabei auch noch getötet werden? Hört sich für mich nicht wirklich interessant an. Und kommen Sie mir bloß nicht mit meinen staatsbürgerlichen Pflichten.“

Der Fremde lehnte sich zurück und schlug die Beine übereinander. „Sie haben es vorher selbst gesagt. Sie fühlen sich weggeworfen, obwohl Ihre Situation alles andere als schlecht ist. Eigentlich wollten Sie immer schon ein Raumschiff fliegen. Sie wissen, dass Sie das können, wahrscheinlich sogar mit dem neuralen Interface, aber mittlerweile sind Sie zu alt dafür. Gewissermaßen in Rente. Und das mit fünfundzwanzig. In dem Alter kommen Sie für die notwendige Ausbildung einfach nicht mehr in Frage. Dieses Universum ist geil auf junges Fleisch zum Verheizen.“

Joret ballte seine Fäuste.

„Was wären Sie bereit dafür zu geben, wenn es einen Weg gäbe? Ihr jetziges Leben? Das meine ich wörtlich.“

Joret atmete heftig aus. „Ich weiß, dass es einen Weg gibt. Aber den kann ich mir nicht leisten, außerdem ist es illegal. Bewusstseinstransfer. In einen Körper, der diese Ausbildung bereits abgeschlossen hat. Vielleicht sogar ein paar Jahre Erfahrung. Der Ersatzkörper eines toten Piloten. Mit seinen gespeicherten Daten und einer fünfzigprozentigen Wahrscheinlichkeit, beim Transfer verrückt zu werden. Alles drin außer der Seele. Space Zombie 2.0 heißt das auf der Straße.“

„Und was ist 1.0?“

„Alle anderen, die nicht mehr in ihrem Körper wohnen.“

„Sie werfen mir vor, ich sei ein Rassist? Finde ich cool.“

Beide lächelten sich an, als wollten sie sich im nächsten Moment aufeinander stürzen.

Joret schob dem Fremden den Blaster hin. „Vergessen Sie es, Mr. Smith oder wer auch immer Sie tatsächlich sind. Dann lieber ein sauberer Kopfschuss.“

Der Fremde nahm die Waffe an sich und schob ein Magazin hinein. „Wie Sie meinen.“ Er steckte den Blaster ein und erhob sich. „Falls Sie es sich doch anders überlegen sollten: Sie finden meine Nummer auf Ihrem Pad. Bleiben Sie ruhig sitzen, ich kenne den Weg.“

 

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