Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(… zum Schluss noch ein innerer Monolog mit Infodump 😉 )

Flashback: Spring! (Teil 3)

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Ryek(?) wacht auf(?). System-Check. – Zeit – 03:14 – Implantate – check – ok, interne neuronale Schnittstellen – check – ok, externe neuronale Schnittstelle – check – ok – unbelegt, Zeit – 03:14, Aktivierung der biologischen Komponenten …

 

Ryek wacht auf. Was für ein Mörder-Traum! Er will seine Finger ausstrecken, aber irgendwie geht das nicht. Panik überkommt ihn. Er sucht den Kontakt zu seinen Fingern. Nichts! Alles ist neu! Tabula rasa.

Nein, das kann nicht sein. Er hat doch vorher mit jemandem gesprochen. Worüber? Wortfetzen ziehen vorbei. Der Datentransfer wurde unterbrochen – schizo – statistische Daten. Ja! Das ist es! Er sucht die Datenleitungen. Schon besser, da ist etwas. Umschalten? Umschalten!

Ryek öffnet die Augen. Ein Raum ohne Fenster, wohl im Inneren einer Station. Er hebt seine rechte Hand. Es ist, als ob er einen Kran steuern würde. Sein Kopf fängt an wehzutun. Eine Million Ameisen wollen sich gleichzeitig bewegen. Sie machen sich auf den Weg an die Grenzen seines Körpers. Seines Körpers? Er ballt seine Hände. Es bleibt das Gefühl, sich fernzusteuern, aber es wird schwächer.

Er steht auf. Vorsichtig. Macht ein paar langsame Kniebeugen.

„Wer bin ich?“, fragt er sich leise. Geht zum Spiegel. Der Kerl im Spiegel ist ihm völlig unbekannt. Fast doppelt so alt wie er(?). Er spricht sein Spiegelbild an, prüfend.

„Ryek. Darkener. Raumpilot dritter Klasse, leichte Schiffe und Fregatten.“

Er lächelt. Immerhin, das hat Potenzial.

Ryek geht zu seinem Bett und setzt sich. Nimmt das Pad vom Schreibtisch. Aktivierung mit Daumenabdruck und Scan der Schlüssel in den Implantaten. Für einen Moment verliert Ryek den Kontakt mit seinem Körper. Was wohl passiert wäre, wenn er der Falsche gewesen wäre?

Die Anzeige zeigt seine persönlichen Daten:

Name: Ryek Darkener

Alter: 48 Standardjahre (Alter des Klons gemäß Anforderung)

Online-Zeit: Die Anzeige läuft weiter, währen Ryek darauf starrt.

Beruf: –

Kontakte: –

Vermögensstand: 100.000 Kredits, Eine Fregatte.

Zu bearbeiten:

Transport im Auftrag des Klon-Centers als Bezahlung für die Inbetriebnahme und den Aufenthalt, auszuführen bei Abreise, Fracht und Zielort nach Ansage. Ausführen ja/nein?

Wird die Bereitstellung eines weiteren Klons gewünscht (Achtung! Bei Ablehnung besteht keine Möglichkeit der Transfers bei Zerstörung des aktuellen Körpers. Preis: 100.000 Kredite, zahlbar sofort bei Bestellung). Ausführen ja/nein?

Ryek berührt das „Ja“-Feld für die Klon-Bestellung, was zur sofortigen Änderung seines Vermögens führt. Null. Tabula rasa. Er grinst. So geht das also. Verspricht ein interessantes Leben zu werden.

Lehrgänge:

Verhandlung bei öffentlichen Aufträgen. Abruf durch das Implantat.

Erweiterte Bedienung von Kreuzern. Abruf durch das Implantat.

Weitere Lehrgänge müssen im Voraus bezahlt werden. Vorschläge erfolgen durch das Implantat.

 

„Wer steuert hier eigentlich wen?“. Er schaltet das Pad ab und legt es auf den Tisch. Dann legt er sich wieder hin. Seine Implantate halten Zwiesprache mit dem Körper, im Geiste sieht er ein Netz, eine Matrix, die sich aufbaut. Mit einer Geschwindigkeit, der er nicht folgen kann.

„Und morgen soll ich hier entlassen werden?“ In einer biologischen Hülle, in der sich Maschinen befinden, mit seinem Selbst als Kapitän auf der Brücke?

„Jetzt bin ich ein Space Zombie.“ Irgendwo in diesem Kopf gibt es doch garantiert eine Bedienungsanleitung? Aha, da. Ryek sucht sich die wichtigen Kapitel heraus und programmiert eine Lern-/Schlafphase. Licht aus.

 

Am nächsten Morgen verließ Ryek die Transfereinrichtung, mit leichten Kopfschmerzen, leerem Konto und einem ersten Auftrag. Mit Erinnerungen, die nicht alle seine eigenen waren. Fähigkeiten, die er das Gefühl hatte sich einzubilden. Ein Raumschiff steuern? Seine Erinnerungen sagten ihm, dass er das konnte, er hatte aber keine Erinnerung, es jemals getan zu haben. Ryek nahm sich vor, die Sache ganz langsam angehen zu lassen. Und die Steuerkapsel? Eigentlich hatte er schon genug vom Transfer in diesen Körper. Ihn gleich wieder verlassen? Möglicherweise bei der Rückkehr im Körper gefangen zu sein, ohne Kontakt zur Außenwelt? Er schauderte. Es war bekannt, dass mit den Steuerkapseln manchmal etwas schiefging. Meist lag es am Piloten: Ausbildung nicht abgeschlossen, die falschen Drogen eingeworfen. Was war mit einem Piloten, der die Ausbildung real nicht einmal angefangen hatte?

Der Dockingenieur fragte nach seiner Autorisierung. Ryek aktivierte das Pad und übertrug die gewünschte Information. Er betrat die Schleuse, und das Panzertor schloss sich hinter ihm. Jetzt war es soweit. Der erste Schritt in das neue Leben. Er atmete tief durch und aktivierte den Öffnungsmechanismus der inneren Schleuse.

 

Macht einen Schritt auf die Brüstung, hält sich dort fest. Und den Atem an. Ein gewaltiges Areal, eine Blase, in Schiffsmetall eingefasst. Einzelheiten auf der gegenüberliegenden Seite sind kaum zu erkennen. Es riecht mach Metall und Maschinenöl. Alles ist im Halbdunkel, bis auf das Schiff, welches von Scheinwerfern angestrahlt wird.

 

Die Fregatte sah winzig aus in einer Umgebung, die dafür ausgelegt war, auch Schlachtschiffe zu beherbergen. Ein Vogel mit ausgearbeiteten Flügeln, etwa siebzig Meter lang. Im Zentrum, am Boden, ein Traktorstrahl-Projektor, der da Schiff in der Schwebe hielt. Eine der Transportplattformen in der Nähe der Brüstung bewegte sich auf ihn zu.

„Dann wollen wir mal“, sagte Ryek zu sich selbst und betätigte das Sensorfeld, das die Brüstung öffnete. Er stieg auf die Plattform und nahm auf einer der ausgeformten Schalen Platz, die dankenswerterweise mit Sicherheitsgurten ausgestattet waren.

„Schiffsbrücke“, befahl er mit rauer Stimme.

Die Plattform setzte sich gehorsam in Bewegung. An der Schiffshülle angekommen, öffnete er die Schleuse mit dem Pad als Funkschlüssel, und betrat das Schiff. Aus der Nähe betrachtet war alles wieder recht groß. Er ging zum Kommandoraum und machte es sich im Kapitänssesel bequem. Alles war irgendwie gewohnt und gleichzeitig irgendwie neu. In Ryeks Kopf stritten zwei Personen darüber, ob er das Schiff fliegen oder besser als Passagier nutzen sollte. Er wählte einen Mittelweg und aktivierte die automatische Startsequenz. Und hoffte, dass er mit den beiden klarkommen würde, von denen nur einer er selbst war.

Die Flutlichter im Dockbereich erloschen, und das Transportfeld bewegte das Schiff zu Startposition. Das Kommunikationssystem der Station meldete sich.

„Ryek Darkener, hier ist die automatische Stationskontrolle. Ihr Flugplan wurde bestätigt und freigegeben. Bitte autorisieren Sie das Verlassen der Station. Hiermit bestätigen Sie, dass Sie die Betreiber der Station von der Haftung für alles entbinden, was Ihnen als Pilot außerhalb zustößt. Wenn sie Hilfe benötigen, ist dies Ihre letzte Möglichkeit vor dem Start, diese anzufordern, zu den übermittelten Konditionen der Station.“

Ryek verzog das Gesicht. „Hier muss man wohl für alles zahlen.“

Auf der anderen Seite: Warum sich beklagen, schließlich hatte er es so gewollt. Er bestätigte den Start. Der Kreuzer wurde von den Stationssystemen beschleunigt und glitt hinaus in den Raum.

Ryek schnappte nach Luft. Dies war das erste Mal, dass er ein Fenster zum Hinaussehen hatte. Jetzt hatte er den Logenplatz mit Blick auf das Universum. Er konnte sich nicht sattsehen, und erst die Flugleitkontrolle brachte ihn auf den Boden der Tatsachen zurück. Eine menschliche Stimme raunzte ihn an, endlich den Weg für die anderen Schiffe freizumachen, Zeit ist Geld, und ob er kein zuhause hätte. Er aktivierte den Autopiloten. Der Kreuzer richtete sich zum ersten Sprungtor auf der Route aus und ging in den Warp. Mit Autopilot würde der Flug zwar länger dauern, ihm aber Gelegenheit geben, sich mit der Schiffssteuerung vertraut zu machen. Noch nicht alles, was er im Kopf hatte, hatte er auch im Gefühl. Und er hatte Hunger und Durst. Gab es denn in diesem Schiff keinen Kühlschrank? Er machte sich auf den Weg zum Aufenthaltsbereich.

Das, was er im Kühlschrank fand, ließ keine Freude bei ihm aufkommen. Nahrungskonzentrate, die nach dem Aufwärmen und beim Essen einen undefinierbaren Geruch und Geschmack nach Chemikalien hinterließen. Ein Instantkaffee, dessen einzige Verwandtschaft mit Kaffee aus dem Aufdruck „Kaffee“ auf der Verpackung bestand. Ryek nahm sich vor, in der nächsten Station für eine bessere Verpflegung zu sorgen. Diese Tatsachen hatte er nicht in Betracht gezogen: Auf Planeten war die Nahrung, zumindest für die Menschen seiner damaligen Gehaltsklasse, immer natürlichen Ursprungs gewesen. Im Weltraum explodierten die Preise für natürlich erzeugte Nahrung in Anhängigkeit von der Entfernung vom Herstellungsort. Grundstoffe für die Synthetisierung von was auch immer gab es überall.

 

Ein schwerer Schlag erschütterte das Schiff und warf Ryek vom Stuhl.

„Asteroiden? Aber ich fliege doch mit Automatik!“, war sein erster Gedanke. Er rannte, so schnell es die ruckartigen Bewegungen des Bodens zuließen, zur Kommandozentrale. Der Blick auf die Sensoren belehrte ihn eines anderen. Sein Schiff wurde angegriffen! Ein Jäger umkreiste ihn und feuerte aus allen Rohren. Die Schilde hatten bereits erheblich an Kapazität verloren. Ryek sah sich die Anzeige des Autopiloten an. Jetzt war alles klar. Die Standardeinstellung war „schnellste Route“ gewesen, was bedeutete, dass das Schiff den kürzesten Weg von A nach B nehmen würde, mit der Gefahr, durch Sonnensysteme zu fliegen, die weniger sicher waren. Ein tödlicher Anfängerfehler. Die Sprungtore waren stark genug gesichert, überall, wer diese angriff, lebte nicht lange. Der Schutz der Schiffe allerdings …

Ryek fluchte und leitete Schiffsenergie auf den Schild um. Das würde einige Minuten reichen, aber nicht ewig. Er aktivierte die Verteidigungssysteme. Zwei kleine Raketenwerfer. Sie sollten ausreichen, um mit nur einem Angreifer fertig zu werden, aber der Gegner war sehr schnell und wendig. Gleichzeitig fliegen, ausweichen und kämpfen würde Ryek überfordern – dafür brauchte man eine Mannschaft. Wenn das so weiterging, wäre er und sein Schiff bald Geschichte, eine sehr kurze dazu.

Ryek hatte keine andere Wahl. Er ließ das Schiff geradeaus fliegen und automatisch kämpfen und rannte zur Steuerkapsel. In der Schleuse legte er hastig seine Kleidung ab und betrat den Innenraum. Er schloss die innere Schleusentür und aktivierte das Steuerkapselsystem. Ein Netz legte sich um seinen Körper und bewegte ihn ins Zentrum der Kapsel. Dann füllte sich die Kapsel mit einer Flüssigkeit. Ryek hatte kurz Angst zu ertrinken, dann atmete er tief ein. Wie erwartet hatte die Flüssigkeit einen ausreichenden Sauerstoffgehalt. Ryek schloss die Augen und entspannte sich. Eine Schlange, bestehend aus Tausenden von Datenleitungen, wand sich zum neuronalen Interface an seinem Hinterkopf und verband sich mit diesem. Ryek machte seine Augen wieder auf, aber jetzt waren es die Augen des Schiffes. Die Sensoren vermittelten ihm Eindrücke, die, soweit möglich, kompatibel mit Sinneseindrücken seines Körpers waren. Eines seiner „Augen“ hatte den Gegner erfasst, aber jetzt erschienen dessen Bewegungen langsamer, vorhersagbar. Eine kurze „Kopfrechnung“ zeigte die taktischen Optionen und die Wahrscheinlichkeit des Kampfausganges. Ryek traf eine Entscheidung. Er setzte einen Kurs weg vom Verfolger und beschleunigte, so weit es die Systeme und der Gegner zuließen. Natürlich konnte er so dem an Geschwindigkeit weit überlegenem Angreifer nicht entkommen. Aber die relative Geschwindigkeitsdifferenz der Schiffe wurde kleiner, was hieß, dass seine Waffen besser trafen. Da er über die größere Feuerkraft verfügte, war das der Vorteil, den er brauchte. Nach einer Minute hatte sich das Blatt gewendet, und der Gegner erhielt die ersten Treffer in der Schiffsstruktur, während seine Fregatte noch über ausreichend Panzerung verfügte.

Der Pirat drehte ab und ergriff die Flucht, und Ryek nahm Kurs auf das nächste Sprungtor, das ihn aus diesem ungastlichen System herausbringen würde. Nebenher änderte er die Prioritäten der Automatik zu „gefährliche Systeme meiden“. Er aktivierte den Warpantrieb und hatte das Gefühl eines Halbgottes, dem die Welt zu Füßen lag. Warum sollte er jemals wieder darauf verzichten wollen? Unendlich stark sein, überallhin gehen können, alles wissen, jede Überlegung nur einen Moment dauernd.

 

Ein Programmmodul machte ihn darauf aufmerksam, das er im Begriff war zu sterben. Die Schiffstechnik würde seinen Körper zwar auf unbestimmte Zeit funktionsfähig halten können, das komplette Abkoppeln des Bewusstseins käme jedoch einem Gehirntod gleich, und keine bekannte Maschine konnte ein menschliches Ich auf Dauer festhalten.

Ryek war klar, dass seine neuen Fähigkeiten weiteres Training erforderten, um ein Schiff längere Zeit „körperlos“ steuern zu können. Das elektronische Äquivalent von Angst überkam ihn. Die Rückkehr in den Körper wurde von der Technik unterstützt, ob er aber wieder den Kontakt zu ihm fand, hing von der Qualität seiner Ausbildung ab. Welcher Ausbildung? Er hatte sich etwas genommen, was nicht mehr vom ursprünglichen Besitzer benötigt wurde, einen Datensatz, von dem er immer noch nicht wusste, ob er ihn komplett nutzen konnte.

Der Computer machte ihn erneut darauf aufmerksam, dass der Zustand des biologischen Gehirns kritisch wurde.

Ryek versuchte, seinen Körper über das neurale Interface so weit wie möglich zu beruhigen. Dann gab er den Befehl für die Trennung des Bewusstseins von den Schiffssensoren. Es wurde schwarz um ihn.

Er zählte bis tausend, wie lange das auch immer in Echtzeit dauerte. Dann schlug er die Augen auf. Immerhin, er hatte nicht den Eindruck, durch seine Augen wie durch Fenster von innen hinauszusehen. Er spannte seine Hände an, seine Füße. Das Körpergefühl kehrte zurück. Er machte im Kokon eine Schwimmbewegung, die die Steuerkapsel deaktivieren würde. In der Steuerkapsel wurde die Flüssigkeit durch Atemluft ersetzt. Ryek hustete den Rest der Flüssigkeit aus und atmete tief ein. Wieder lebendig. Diesmal war es deutlich angenehmer als beim ersten Transit. Auch das Körpergefühl war viel realer geworden. Er hatte Hunger. Und nahm sich vor, am Ziel der Reise ein Lokal aufzusuchen, in dem man echte Nahrung bestellen konnte, koste es, was es wolle.

 

 

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