Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(Der bisherige Text ist, wenn man es so sehen will, die Vorstellung des Charas sowie Weltenbau gewesen, worauf in weiteren Erzählungen Bezug genommen wird. Den Abschluss des Kurzromans bildet eine etwas längere Kurzgeschichte. )

 

Special Delivery

„Im Weltraum sind alle Krieger kalte Krieger.“

General Chang, Klingonische Flotte, im 2D Vid „Star Trek: Das Unentdeckte Land“

 

BL-E Flying Circus, hier ist die Stationskontrolle. Übergeben Sie die Steuerung Ihres Schiffes für das automatische Andockmanöver“.

Ryek sendete die Bestätigung an das Leitsystem der Station. Datenverbindungen wurden aufgebaut und aktiviert. Das Capital Industrial Ship, eine Orca, bewegte sich mit der Anmut eines überdimensionalen Schrankkoffers. Endlich entschied es sich dafür, zur Andockrampe einzuschwenken und driftete mit tektonischer Geschwindigkeit zur Parkposition. Die Energiefelder der Landezone wurden aktiviert und hielten den Giganten in Position, der für einen Moment unwillig schien mit dieser Prozedur. Die Maschinen des Schiffes verstummten bis auf ein leises Hintergrundgeräusch der im Standby laufenden Generatoren. Die Ladebuchten öffneten sich für den Warenumschlag, und eine Transportplattform näherte sich der Personenschleuse an der Schiffsbrücke. Es gab nur einen Passagier, den Piloten.

Nach Beendigung der Formalitäten schlenderte Rye über die unteren Decks zu seinem Lieblings-Café. Auf dem Weg dahin bemerkte er einen Unterschied zu seinem letzten Besuch. Es gab eine neue Ordnung. Alles war ruhiger, als er es erwartet hatte: weniger Taschendiebe, weniger Bettler, weniger menschliches Treibgut. Ryek konnte das im Moment nicht zuordnen und machte sich eine Notiz auf seinem Pad. Ungewöhnliche Situationen sollten immer die Aufmerksamkeit von Sicherheitsangestellten erregen.

Im Café beobachtete er das Treiben außerhalb der Station. Durch die Panzerglasscheiben sahen die an- und abfliegenden Schiffe wie Teile einer Perlenkette aus, die sich in der Ferne verlor. Das System war ein wichtiger Handelsknotenpunkt, aber nicht so überlaufen wie Jita, wo man am Sprungtor fast schon Platzkarten bestellen musste.

Ryek aktivierte sein Pad und las sich durch die Lokalnachrichten:

Eine in der Region ansässige Biotech Corp war deutlich im Börsenwert gestiegen, seit sie die Anwendung eines neuen Verfahrens für die Herstellung von Klonen angekündigt hatte. Es sei deutlich schneller, produziere weniger Ausschuss und hätte eine höhere biologische Kompatibilität.

Er seufzte. Seine Eltern waren bei der Zeugung nicht körperlich anwesend gewesen. Die Entwicklung des Embryos hatte komplett in einer Maschine stattgefunden. Technisch gesehen hatte er sich am Start seines Lebens irgendwo zwischen den natürlichen Menschen und den Klonen befunden.

Üblicherweise bekamen nur Schiffspiloten und VIPs Klone, aber mit genug Kredits war vieles möglich. Als Buchhalter bei einem Finanzinvestor stand man nicht auf der Liste der Klon Anwärter, aber die Umstände, Schicksal, was auch immer, hatten eine Ausnahme gemacht. Ryek’s altes Leben war Geschichte. Eine Geschichte, die nur er kannte. Die neue Hülle brachte eine neue Identität sowie neue Fähigkeiten und Tätigkeiten mit sich. Aktuell: Sicherheitschef! Er musste innerlich lachen. Sein Mörder war auch in der Sicherheitsabteilung tätig gewesen, und zusammen mit Joret gestorben. Das Wissen um den erfolgreichen Klonsprung hatte Joret/Ryek mitgenommen. Theoretisch konnte man so ewig leben. In der Praxis sind jedoch viele der Sprünge mit dem abrupten Ende des vorherigen Körpers verbunden, zumeist in Weltraumgefechten. Der Nottransfer des Bewusstseins hinterlässt Spuren – irgendwann ist nicht mehr genug Selbst übrig für eine Reanimation.

In der Station hatte eine neue Corp ihre Arbeit aufgenommen: „Human Capital Service 4 All“. Sie kümmerte sich um die Leute, die es auf jeder Station gibt, aber nicht gewollt sind: Flüchtlinge, freigelassene Sklaven ohne Arbeit, Reisende ohne Ziel und andere, die die Stationsressourcen verbrauchen, ohne dafür zu bezahlen. Mit der HCS4A konnte man auf zwei Wegen in Kontakt kommen: Eigene Initiative oder Vorladung durch die Sicherheitskräfte. Die Stationsleitung unterstützte die neue Corp, wahrscheinlich nicht nur aus humanitären Überlegungen. HCS4A versprach profitabel zu arbeiten und alle Betroffenen, entsprechend ihres Potentials, zu fördern und einzusetzen.

Ryek hatte den Eindruck, das die Arbeit dieser Personalserviceagentur –

(Fortsetzung folgt)

 

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