Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

„Ryek Darkener?“

Ryek sah auf. Die Frau war definitiv Gallente. Wenn man einmal hingesehen hatte, war es schwer den Blick wieder in eine andere Richtung zu lenken: groß, schlank, schwarzes Haar, mit der Figur eines Exotic Dancers. Die Kleidung war Business.

„Womit kann ich zu Diensten sein?“

Sie zögerte, aber die Geste wirkte einstudiert.

„Ich bekam von deiner Corp die Information, dass ich dich hier treffen kann. Einer meiner Verwandten ist ein sehr guter Kunde dort.“

Sie lächelte, wissend das er wusste, dass sie ihm weder ihren Namen noch den der Person nennen würde, von der die Informationen stammten. Ryek lächelte zurück, fühlte aber einen leichten Schauder im Nacken. Es war fast unmöglich, dass jemand diese Daten erhielt. Er machte sich eine Notiz, bei nächster Gelegenheit ein ernstes Gespräch mit seiner Chefin zu führen, falls er hier lebend herauskam.

Die Frau setzte sich. „Ich sammle Informationen für das Scope-Magazin. Der Grund, warum ich dich anspreche, ist, dass einer meiner Kollegen in diesem System seit einigen Wochen nicht mehr auffindbar ist. Er recherchierte zu Gerüchten, die sich um HCS4A ranken. Man sagte mir, dass du mich vielleicht dabei unterstützen kannst, herauszubekommen, was aus ihm geworden ist.“

Ryek überlegte eine Weile, bevor er antwortete.

„Spionage ist eigentlich nicht mein Geschäft. Wenn der Auftrag bestätigt wird, werde ich tun, was ich kann. Allerdings nicht gleichzeitig mit meinem aktuellen Engagement. Ich vermeide Multitasking und Überstunden.“ Er seufzte. „Ich denke du weißt, dass man in so einer Sache nicht mit schnellen Ergebnissen rechnen kann.“

Sie nickte zustimmend, aber wieder hatte Ryek den Eindruck, dass sie etwas anderes meinte, als sie zeigte. Sie plauderten noch über tagesaktuelle Politik und andere uninteressante Dinge, bevor sie sich verabschiedeten.

„Wie und wann treffen wir uns wieder?“

„Ich werde dich finden.“

Sie schenkte Ryek ein sehr verführerisches Lächeln und gab ihm die Hand zum Abschied. Ryek fühlte der Datenstick in seiner Hand und war sicher, dass sie es ernst meinte mit dem Wiedersehen; sehr ernst.

 

Eine Stunde später saß er im Büro des Agenten, der ihn eingeladen hatte. Das Büro vermittelte den Eindruck eines Unternehmens, das Erfolg hat, oder es zumindest so aussehen lassen will. Modernste Technik überall, Designermöbel und eine Armada versteckter Aufnahmegeräte, nach denen Ryek ganz unverhüllt mit seinem Pad scannte. Schließlich waren die Geräte auf der anderen Seite ja auch aktiv.

Der Agent war ein Minmatar und überraschend alt für jemanden in dieser Tätigkeit. Ryek schätzte ihn auf sechzig, wahrscheinlich kein Klon, groß, sehr ernst. Er begrüßte Ryek nicht allzu freundlich.

„Danke das du gekommen bist, um über den Auftrag zu reden.“

„Danke auch für die Einladung. Nachdem meine Corp hier ein gutes Geschäft sieht, konnte ich nicht anders.“ Ryek lächelte, um die Situation etwas zu entspannen. „Ich würde mich freuen, wenn du mich mit ein paar Details versorgen würdest, bevor ich den Auftrag – vielleicht – annehme.“

Er schaltete das Pad demonstrativ ab und steckte es in seine Jackentasche. Der Agent bot Ryek einen Platz vor seinem Schreibtisch an, ging um den Tisch herum und betätigte einige Sensorfelder. Ryeks Implantate nahmen eine erhebliche Abnahme elektrischer Aktivitäten wahr.

„Wie du ab jetzt weißt, leite ich das hiesige Büro von HCS4A. Wir kümmern uns um die überzähligen Menschen auf dieser Station. Sie füllen die unteren Decks, tragen nichts zur Produktivität der Station bei und können nicht einfach durch die Luftschleuse entsorgt werden, wie viele es gern hätten. Natürlich nicht offiziell. Wir gehen da einen anderen Weg. Was wir machen, ist nicht neu, aber wir machen es besser. In Zusammenarbeit mit den hiesigen Behörden erfassen wir das Humankapital, werten die Möglichkeiten aus und kümmern uns dann. Wir sind nicht Teil der Behörden, um es von vorneherein zu sagen, sondern lediglich beauftragt. Dies ist ein wichtiger Test unserer Methode, und wenn es gut läuft, werden wir die Idee auch woanders verkaufen können.“

Ryek nickte. „Ich habe bereits einen Job und wollte mich nicht registrieren. Was ist mein Teil an der Veranstaltung?“

„Transport. Wir benötigen einen zuverlässigen Piloten für die Auslieferung einer großen Menge Materials an einen geheimen Ort. Zur Entwicklung des Humankapitals ist natürlich mehr notwendig als dieses Büro hier. Geräte, Infrastruktur, das ganze Programm was man so für, ich sage beispielsweise, eine eigenständige Station braucht. Wir haben hier alles zusammengetragen, was wir benötigen, und jetzt muss es an seinen Platz damit wir unser Wachstum bewältigen können. Deine Orca ist gerade groß genug dafür. Frachter wären für die Reise zu unflexibel, was die Ausrüstung angeht.“

Ryek hatte das sichere Gefühl, das mit Ausrüstung nicht die Frachtraumerweiterungen gemeint waren.

„So weit so gut“, sagte er. Sein Interesse war geweckt. „Du hast mir aber immer noch nicht erklärt, warum ihr für die ganze Sache einen Externen beauftragt.“

„Wegen der Konkurrenz natürlich. Wenn wir die eigenen Leute nehmen würden, hätten wir mehr Probleme mit der Geheimhaltung. So ist es einfacher: Nur ich weiß, wo es hingeht. Ich werde den Transport begleiten. Du erfährst das Ziel unterwegs. Es liegt etwas außerhalb. Der Transport wird von uns eskortiert, wo nötig. Ja, wir erwarten Ärger mit der Konkurrenz. Wir werden alles so versichern, dass deiner Corp kein Schaden entsteht, falls es Probleme geben sollte.“ Der Agent reichte Ryek einen Datenstick. „Sieh dir die Sachen an und sag mir morgen Bescheid, ob es für dich interessant ist. Natürlich kommt HCS4A für deine Spesen hier auf. Alles gebucht, und alles inklusive. Du wirst zufrieden sein.“

Der Agent grinste vielsagend. Ryek übernahm die Daten in sein Pad.

„Da bin ich mal gespannt. Das Geschäft lässt mir kaum Zeit zu entspannen.“

Er stand auf und wandte sich zum Gehen. „Eine Frage hätte ich da noch. Mir ist aufgefallen, dass das Leben in dieser Station etwas ruhiger verläuft als anderswo. Hat das irgendetwas mit eurer Geschäftsidee oder mit meinem Auftrag zu tun?“

Der Agent zog die Augenbrauen hoch. „Ryek, du fragst zu viel. Du hast doch nicht noch eine Nebenbeschäftigung bei der Presse?“

Bei Ryek klingelten die Alarmglocken; sicher war eines der immer noch aktiven Geräte ein Lügendetektor. „Nein. Ich übernehme nie gleichzeitig Aufträge, die sich gegenseitig ausschließen. Ist schlecht für meinen Ruf. Kann ich morgen einen frühen Termin bekommen?“

Der Agent wirkte unzufrieden, stimmte aber zu.

„10:00 Ortszeit. Ich bin recht sicher, dass sich bei Erfüllung des Auftrages auch weitere lukrative Geschäfte ergeben können. Wenn wir uns einig werden, starten wir um 14 Uhr.“

Ryek nickte. „Ihr legt ein ganz schön heftiges Tempo vor.“

„Das muss man, um in der Branche zu überleben“, war die Antwort, die viel Raum für Interpretation ließ.

(Fortsetzung folgt)

 

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