Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

Ryek nahm das Pad wieder an sich und verabschiedete sich von Barad.

„Ich werde noch einige Einkäufe tätigen, Dinge, die wir hoffentlich nicht brauchen werden. Die Freigabe für die Frachträume habe ich dir übertragen. Bitte halte dich genau daran, ich hasse es, Unfallberichte schreiben zu müssen.“

 

Bei der Beschaffung der zusätzlichen Dinge sah Ryek, entgegen seiner Gewohnheit, nicht allzu sehr auf den Preis, sondern mehr auf das, was an Leistung zu erhalten war. Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen, in diesem Fall HCS4A.

 

Als er zum Dockbereich der Station zurückkam, erwartete ihn eine Überraschung. Üblicherweise werden die Schiffe durch die Frachtschleusen beladen. Barad zeigte deutlich, dass er keine Zeit verlieren wollte, denn für seine Aktion gab es keine Versicherung, die man hätte abschließen können. Er hatte die Notentriegelung ausgelöst. So zeigten sich zwei Drittel des Schiffes wie eine aufgeklappte Auster. Die wohnblockgroßen Frachtcontainer, jeder mit dreitausend Kubikmetern Inhalt, bewegten sich in einem Tempo, das Ryek den Atem verschlug. Wie ein gut einstudiertes Ballett änderten die rechts und links heranfliegenden je zwanzig Container ohne große Geschwindigkeitseinbuße ihre Richtung, um synchron auf die Frachthalterungen des Schiffes zuzuschweben. Im letzten Moment erhielt die Schiffsautomatik den Zugriff und setzte die Container mit einem einzigen, sanften Klacken ab. Ryek musste an die Exerzierübungen der Bodensoldaten denken: „Kompanie: Stillgestanden!“ Die Frachthalterungen verbanden die Container mit dem Schiff, mechanisch und elektrisch. Die Auster begann, sich zu schließen. Der Deckoffizier der Station würde wahrscheinlich einen Herzanfall bekommen, wenn er den Energieverbrauch dieses Manövers zu sehen bekam, da Energie im Liegepreis enthalten ist; hier würde die Station draufzahlen.

 

Ryek traf Barad auf der Brücke. „Mit dem Manöver machst du die Lademannschaften arbeitslos.“

Barad grinste. „Gelernt ist gelernt. In meiner Ausbildungszeit hat man den Leuten noch was beigebracht. Zeit ist Geld.“ Er wurde ernst. „Wir brauchen jeden Vorsprung, den wir bekommen können. Die Konkurrenz schläft nicht und sie liest auch die Stationsberichte.“

Ryek schoss ins Blaue. „Die Amarr? Wo du doch jetzt in deren Geschäft einsteigst?“

Eigentlich hätte der Schuss weit daneben sein müssen; die Amarr waren die einzigen Einwohner dieser Galaxis, die offiziell Sklaven hielten.

Barads Miene verdüsterte sich und Ryek fragte sich nicht zum ersten Mal, wie nahe Barads Geschäftsmodell an dieser Wahrheit lag.

„Es ist die Aufgabe eines jeden anständigen Minmatar, den ehemaligen Herren zu schaden, wo es geht. Dazu muss man nicht immer auf sie schießen.“

Barad ein Sklavenhändler? Das konnte sehr gefährlich werden. Mir dem Volumen der Containerinhalte konnte man leicht eine Station irgendwo im Nirgendwo aufbauen und eine Weile betreiben. Sklaven waren außerhalb des Amarrgebietes illegal. Nur die Amarr bekamen eine Lizenz für Sklavenhandel, ein Zugeständnis der im Empire von allen legalen Regierungen akzeptierten Polizeiorganisation an die politischen Realitäten. Nicht lizenzierte Sklavenhändler hatten eine extrem kurze Halbwertzeit.

Er nahm die Fertigmeldungen der Techniker entgegen, die seine Einkäufe montiert hatten. Barads Fragen nach Details beschied er mit dem Hinweis, dass er als Schiffskommandant nicht alles mit ihm besprechen würde. Dadurch wurde das Verhältnis nicht gerade entspannter, doch Ryek war mittlerweile alarmiert über die Risiken, die ihm Barad durch seine Halbwahrheiten aufbürdete. Aber ein Vertrag ist ein Vertrag. Solange ein Bruch der Abmachung nicht zweifelsfrei vorlag, war Ryek in der Pflicht.

Nachdem sie abgelegt hatten, bat er Barad um die Zielkoordinaten. Er pfiff leise durch die Zähne.

„DA willst du wirklich hin? Wie kommen wir da lebend wieder raus?“

„Unser Ziel ist weit genug weg, um die üblichen Neugierigen fernzuhalten. Dort kann ich die geplante Arbeit ausführen, ohne Störungen befürchten zu müssen.“

„Du meinst, abgesehen vom sicheren Erscheinen einer Piratenflotte ist da alles sicher?“, fragte Ryek sarkastisch nach.

„Genau. Die dortigen Machthaber schulden mir noch was.“ Seine Miene verhärtete sich. „Wir waren alle mal jünger und haben Fehler gemacht. Da du nicht allzu wählerisch bei deinen Kunden bist, brauche ich das nicht weiter zu erklären. Ich hatte ein paar sehr lukrative Geschäfte leicht außerhalb des üblichen Rahmens. Mein Sohn hat einen Auftrag übernommen, und ist dort, wo wir hinfliegen, auf Probleme gestoßen, auf die er nicht vorbereitet war.“ Er schüttelte den Kopf. „Das war vor etwas mehr als zehn Jahren. Nachher will es keiner gewesen sein. Mit genug Geld habe ich dort eine Gefälligkeit eingekauft. Ich bin sicher, dass der von mir erwartete Gewinn den Aufwand rechtfertigt. Fang bloß nicht an, mir Moral zu predigen.“

Er blickte Ryek an. Ryek sah die Entschlossenheit. Und etwas anderes, was er nicht identifizieren konnte. Trauer? Vielleicht. Aber nicht nur. Auf jeden Fall erschien es ihm nicht ratsam, jetzt einen Rückzieher zu machen.

„Ok. Nachdem wir das geklärt haben, kann es ja losgehen.“

(Fortsetzung folgt)

 

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