Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

Human Cattle

Der Energieschild der Station öffnete sich, um die Steuerkapsel passieren zu lassen.

 

Ryek landete die Kapsel und stieg aus. Die Station unterschied sich sehr von seiner Erwartung: Sie war leer. Komplett leer. Keine Schiffe im Andockbereich, keine Menschen auf den Gängen, lediglich die Notbeleuchtung war aktiviert. Das stationsinterne Transportsystem wurde offensichtlich manuell gesteuert. Als er bei der Transportkabine ankam, öffnete sich die Tür, und sobald er eingestiegen war, fuhr die Kabine los, ohne auf das Schließen der Tür zu warten. Kurze Zeit später hielt die Kabine in einem Bereich, den man unschwer als Hochsicherheitsbereich identifizieren konnte. Überwachungskameras und offen gezeigte automatische Waffen alle paar Meter an der Decke und Schleusen mit wirklich dicken Türen. Um hier ohne Einladung hineinzukommen, wäre ein Schlachtschiff notwendig. Die Automatik führte Ryek zu einem Raum, dessen Tür sich sofort nach seinem Eintreten schloss.

Der Raum enthielt zwei Sitzgelegenheiten mit einem Tisch in der Mitte, der groß genug war, um zu verhindern, dass die gegenübersitzenden Personen sich berühren konnten.

„Nimm Platz auf dem Stuhl vor dir und lege die Hände auf den Tisch.“

Ryek tat wie geheißen; die Waffen im Raum richteten sich auf ihn aus. Ab jetzt war es nicht ratsam ohne Genehmigung wieder aufzustehen oder sich schnell zu bewegen.

Eine Frau betrat den Raum, deren sichtbares Alter Ryek auf maximal 30 Jahre schätzte, hochgewachsen, schlank, braunes schulterlanges Haar, gekleidet in einen Standard-Kampfanzug, grün mit Rangabzeichen. Sie sah erschöpft aus. Und verzweifelt. Sie kam sofort zur Sache.

„Barad hat mir den Code für die Ladung übermittelt. Die Ladung ist von uns angefordert worden. Was soll das? Wieso klebt euch eine Sklavenjägerflotte am Arsch und fordert uns in unserem eigenen Territorium heraus?“

„Ich habe keine Ahnung, seit wann die scharf auf das Material eines Personalentwicklungsprogramms sind. Ich fliege die Kisten nur durch die Gegend. By the way: Seit wann bestellen Piraten solche Dinge? Wollt ihr euch umschulen lassen?“

„Yarr! Wir werden jetzt alle ehrlich und bauen Erze in den Belts ab! Wie hast du das nur so schnell erraten?“

„Intuition? Menschenkenntnis?“

Für einen Moment sah es aus, als ob sie die Beherrschung verlieren würde. Ihre Handbewegung aktivierte die Target-Pointer, und das Summen der Waffen nahm einen sehr unangenehmen Klang an. Sie hatte die Hände zu Fäusten geballt, ein schnelles Öffnen würde die Waffen auslösen. Mit einem unterdrückten leisen Schrei öffnete sie langsam die Hände, ging zum Tisch und setzte sich auf den anderen Stuhl. Die Waffen wurden in die Wände zurückgezogen.

„Ich bin Sylen Far. Die Stationskommandantin.“ Es klang bitter. „Und wir alle sind tot. Ich weiß, warum, und du weißt es offensichtlich nicht.“

Ryek beugte sich etwas näher zu ihr und sah in Ihre Augen. „Weiter. Bitte.“

„Schon mal mit Barad gearbeitet? Ich nehme an nein. Ich wäre froh es auch von meinem Haufen sagen zu können. Aber es ist anders. Barad macht schon lange Geschäfte mit uns. Für ihn sehr gute. Für uns sehr schlechte. Für die meisten von uns. Vor 10 Jahren wurde die Geschäftsbeziehung dann abgebrochen.“ Ihre Augen leuchteten. „Meine Schuld.“

„Du hast seinen Sohn getötet? Barad hat da etwas angedeutet. Ihr fangt wirklich früh an. Du kannst da nicht viel älter als 20 gewesen sein.“

„Nein!“ Ihre Stimme klang plötzlich weicher. „Das ist Barad’s Sicht der Dinge.“

„Nein?“

Sie lachte.

„Nein. Nein, ganz sicher nicht. Ich habe ihn entführt. Und er wollte für kein Lösegeld dieses Universums wieder gehen.“

Ryek’s Miene drückte Unverständnis aus.

„Er hat die Seite gewechselt! Es hat ihm Spaß gemacht, für die ehemalige Kundschaft zu arbeiten! Sehr, sehr viel Spaß!“

Ihr Gesicht wurde abwesend, sie schien sich an etwas in der Vergangenheit zu erinnern, Freude und Schmerz. Dann wurde sie wieder ernst.

„Das hat uns Barad nie verziehen. Er hat unsere Organisation mit Hilfe von Strohmännern unterwandert. Uns schlechte Ware zu horrenden Preisen verkauft. Über seine Kontakte unsere Leute in den Tod geschickt!“ Sie holte tief Luft. „Ja! Eines Tages hat er so auch seinen Sohn getötet! Er war mit dreißig anderen auf einem Himmelfahrtskommando, um im Empire hochwertiges Material zu besorgen. Wie? Schieße ein paar zivile Schiffe ab und warte, bis die Söldner kommen. Die offiziellen Sicherheitskräfte geben sich mit so was ja fast gar nicht mehr ab. Für entsprechendes Geld finden deren Agenten schnell jemanden, der diese Art von Arbeit übernimmt. Auch dieses mal. Ein Schiff kam.“ Sie verlor die Beherrschung. „Nur EIN SCHIFF!! Mehr wert als die ganze Flotte, die wir aufgeboten hatten. Sie hatten keine Chance. Und, wie du sicher weißt, sind die meisten von uns keine Space Zombies.“

Sie schüttelte sich.

„Nimm es nicht persönlich Ryek. Das war vor 2 Jahren im Balle System.“

Ryek nickte. „Business as usual. Wer gewinnt, bekommt das Geld. Das ist die einzige Regel.“

„Ja. Aber von den eigenen Leuten in einen sinnlosen Tod geschickt werden, erhöht nicht gerade den Zusammenhalt. Auch bei uns nicht. Viele haben damals die Konsequenzen gezogen und sich anderen Gruppen angeschlossen. Diese Station ist die letzte unseres Vereins. Die Flotte ist draußen um sich mit den Sklavenhändlern herumzuschlagen. Ich hatte den Auftrag, niemanden hier hineinzulassen. Und dann kommt Barad! Mit der Ladung, die wir bestellt haben! Aber nicht für dieses System! Und er hat uns wieder betrogen! Ich hatte die Anweisung, auch ihn und sein Schiff zu vernichten. Aber Massenmord ist nicht mein Geschäft. Wahrscheinlich mütterliche Instinkte.“

Sie kämpfte mit den Tränen.

„Massenmord?“

Ryek spürte, dass ihm etwas Wichtiges entgangen war.

„Wir sind zwei Leute, die du hasst und die du nicht sofort umgebracht hast. Aber da gleich von Massenmord zu sprechen …“

„Ryek, du bist ein Idiot!“, fauchte sie ihn an.

(Fortsetzung folgt)

(Habt ihr den Twist gefunden?)

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