Fiat L(in)ux!

©Permission to use and/or modify this image is granted provided you acknowledge me lewing@isc.tamu.edu and The GIMP if someone asks.

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Prelude

 

Ja, ich kenne mich ein wenig mit IT (zu deutsch: ElektronischeDatenVerwurstung) aus. Gut genug, um das Meiste in den Zeitschriften für Endanwender zu verstehen. Dennoch bin ich froh, wenn diese mir schlicht dient. Und sich nicht selbstständig macht und Dinge tut, die ich nicht will.

Ihr wisst es noch? Schon der alte Göthe sagte

 

Herr, die Not ist groß!

Die ich rief, die Geister

werd ich nun nicht los.

 

Der weltweit am meisten verbreitete EDV Besen kommt von Microsoft und heißt WINDOWS. Obwohl er, wenn man sich im Internet umliest, auch zu den meistgehassten gehört. Ok, viel Feind viel Ehr, könnte man da sagen. Aber wenn das, was dieser Diener mit meinen Daten tut, weder von mir gewollt noch transparent ist, und der Endkundensupport sich auf „dann installieren Sie das Betriebssystem neu“ (und verlieren alle ihre Daten, weil die systemseitigen Backups dann leider nicht mehr wiederherstellbar waren) beschränkt, hört selbst für einen DAU (dümmster anzunehmende User) irgendwann der Spaß auf.

Es gibt zwei Alternativen:

Apple. Man merkt, habe ich gehört, auch heute noch, dass Apple der Vater leicht bedienbarer EDV ist. Bei den Computern hat Apple es vorgemacht. Die iPhones verkaufen sich nicht nur wegen des Statusdenkens ihrer Besitzer so gut. Ich habe weder das eine noch das andere, aber kein Problem, Gutes auch bei anderen zu sehen und anzuerkennen.

Linux. Früher bei den Endanwendern gefürchtet wie das Weihwasser vom Teufel:

  • Da muss ich ja programmieren, bevor ich arbeiten kann!
  • Was soll ich mit X11? Das ist doch keine Windows Oberfläche!
  • Die Programme, mit denen ich mich auskenne, laufen da nicht (zumeist Solitaire 😉 )!

 

Das hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre relativiert. Daher stellt sich heute die Frage, welche Programme ich wirklich brauche, und ob die da laufen. Weiterer Vorteil: Linux ist zumeist performanter als – wie hieß das noch?

(Für die, die es wissen wollen: Das Apple OS ist eigentlich auch ein UNIX, genau wie das Smartphone-Betriebssystem Android)

Ich fokussiere mich hier, da wir vom Schreiben reden, auf zwei bekannte Programme aus der Schreibwerkzeugkiste:

  • Papyrus
  • Scrivener

Ausgangspunkt ist zumeist ein Rechner mit installiertem Windows-Betriebssystem.

Die Frage, was denn mit den schon erzeugten Dateien passiert, ist schnell beantwortet: Linux kann in WINDOWS-Dateisystemen lesen und auch schreiben. Im Gegensatz zu Standard-Windows, was keine Linux Daten lesen und schreiben kann.

Die Aufgabe, die ich mir gestellt habe, ist es, mit wenig Aufwand eine Linux Umgebung zum Laufen zu bekommen, in der ich meine Bücher schreiben und mit dem Rest der Welt kommunizieren kann.

In medias res

Das Ziel der Installation ist ein ungenutzter externer Datenträger. Was den Vorteil hat, dass alles, was man schon hat, dort bleibt, wo es ist. Darüber hinaus lässt sich eine Linux-Installation ohne Anpassungen auf fast jeder beliebigen PC Hardware von einem externen Datenträger starten. So muss man dann den Rechner nicht aufschrauben und am Mutterbrett (Mainboard) herumfingern. Wer Knoff Hoff oder einen EDV-kundigen Bekannten hat, kann natürlich andere Wege gehen. 😉

Was folgt, ist ein stichwortartiger Erfahrungsbericht, keine Installationsanleitung (Davon gibt es mehr als genug gute im Internet).

 Schritt 1: Software beschaffen

Ist ganz einfach. Google nach Ubuntu fragen oder eine einschlägige Linux-Zeitschrift kaufen.

Das Gesuchte gibt es zum Beispiel auf http://www.ubuntu.com/desktop.

Zur Information: UBUNTU ist eine sehr weit verbreitete Linux-Variante mit professionellem Versionsmanagement.

Schritt 2: Installation vorbereiten

Erstellen eines startfähigen USB Sticks (wenn man keine bootfähige CD aus Zeitschrift verwenden möchte). Ich habe dafür den Universal-USB-Installer verwendet, der ist eigentlich selbsterklärend (sonst EDV Kumpel fragen).

Sonst: Einlegen des Datenträgers in das Laufwerk

 

Jetzt kommt der interessante Teil! Neustart des Rechners und Auswahl des UBUNTU Installationsmediums im BIOS! Wenn man einen vorkonfigurierten PC besitzt, ist normalerweise das CD/DVD-Laufwerk als erstes Bootmedium definiert – dann muss man nicht mehr machen als die Scheibe einzulegen und den Rechner neu zu starten.

 

Schritt 3: Ansehen

Ja! Ansehen! Nach dem Start vom Installationsmedium gibt es meist die Möglichkeit, das Betriebssystem in einem „Spielmodus“ zu testen. Hierbei werden keinerlei Systemänderungen durchgeführt (es sei denn man tut es explizit auf anderen Datenträgern). Siehe da: Firefox ist bereits im Paket drin, genau wie LibreOffice. Das Standardmailprogramm für die Microsoft-nicht-Liebhaber heißt übrigens Thunderbird und läuft sowohl auf WIN als auch auf vielen anderen Betriebssystemen – natürlich auch auf Linux.

 

Schritt 4: Erstellen des Zielsystems

 

Die einfachste Variante ist es, vom Installationsmedium zu starten (neudeutsch: booten) und den Installationsmodus auszuwählen. Zieldatenträger auszusuchen – hier sollte man sich nicht vertun, da die Installation gnadenlos den Zieldatenträger überschreibt (Backup vor Systemänderung ist immer eine gute Idee) – und anschließend den kompletten Zieldatenträger für die Installation verwenden. Die Linux- Installationsprogramme schlagen im Allgemeinen eine vernünftige Belegung vor, die für jeden Hausgebrauch reichen sollte. Der Zieldatenträger sollte nicht kleiner als 32 GB sein, und, wenn extern, USB 3.0 können. Was sehr gut funktioniert ist eine SSD mit 250 oder 500 GB, am besten eine interne SSD mit externem Gehäuse. Die kann man bei Bedarf dann auch einbauen (lassen). Darauf achten, dass die Datenträger / Gehäuse keine speziellen Netzteile brauchen. Üblicherweise brauchen die gar keines, da der Strom aus der Steckdose, sprich dem USB-Anschluss, kommt.

 

Für die Bereitstellung der Daten sowie die Installation sind etwa zwei Stunden zu veranschlagen, die meiste Zeit wird für das Kopieren der Daten benötigt.

Es ist eine gute Idee sich die Reihenfolge vorher aufzuschreiben. Aber wem sage ich das. Schriftsteller plotten ja sowieso. 😉

Jetzt zur Schreibsoftware.

 

Schritt 5: Scrivener

Lässt sich ganz einfach installieren, da es eine funktionsgleiche Testversion für Linux gibt. Einfach den Downloadlink bei Google suchen (die neueste Version nehmen), anklicken und das Betriebssystem machen lassen – es schlug bei mir direkt die Installation vor.

 

Schritt 6: Papyrus

Papyrus gibt es bisher nicht als native Linux Version. Deshalb muss hier ein Zwischenschritt gegangen werden. Es muss dem Programm weisgemacht werden, dass es unter WINDOWS läuft, damit es sich bei Linux zuhause fühlt. Das geht am leichtesten mit Playonlinux:

 

  1. Playonlinux installieren
  2. Papyrus Autor herunterladen
  3. Über die Playonlinux Oberfläche ein neues virtuelles Laufwerk erstellen und in diesem Papyrus zu Installation aussuchen.
  4. Shortcut auf den Desktop erstellen. Fertig.

 

Bei Fragen: Im Papyrus Forum oder auf der Facebook-Seite der Papyrus-Nutzer nachfragen. Es gibt genug Schreibkollegen, die mit dieser Konfiguration schon lange arbeiten und ihre Erfahrungen gern weitergeben. Unter Linux/Wine läuft Papyrus übrigens gefühlt schneller als unter WINdoof.

Zu guter Letzt: Vorteile und Einschränkungen

 

Vorteile:

 

  • Linux kann WINDOWS Daten lesen und schreiben, man muss also nichts an der alten Umgebung ändern. Wenn es mir nicht gefällt, dann mache ich einfach weiter wie bisher.
  • Ich kann bei Bedarf sowohl die Linux Installation als auch alle Benutzerdaten von Anfang an verschlüsseln. Kostet: nichts.
  • Linux hat üblicherweise keine Firewall und keinen Virenscanner. Hä? Vorteil? Es liegt daran, dass Linux üblicherweise nur die Verbindungen öffnet, die der Anwender braucht, und nicht wie WINDOWS jedes Scheunentor weit aufreißt, um es dann mit weiterer Kaufsoftware wieder rudimentär zu verschließen (ich weiß, dass EDV Profis dass vielleicht anders sehen, aber was das angeht, ist Linux einfach DAU-freundlicher. Darüber hinaus gibt es natürlich auch Firewall und Virenscanner für Linux. Aber 99% der Malware läuft prima unter WINDOWS und ist nicht portabel.).
  • Datenhoheit. Alle reden von Verantwortung für Nutzerdaten. Und alle wollen, dass „irgendwer“ sich darum kümmert. Cooler Ansatz, leider völlig realitätsfern.
  • Sehr große und technisch kompetente Anwendercommunity, auch in Deutschland. Besser als der übliche Endbenutzersupport eines amerikanischen Herstellers für ein weiter verbreitetes Betriebssystem, zumindest meiner persönlichen Erfahrung nach.

 

Nachteile:

 

  • Ich muss etwas aus meiner Komfortzone heraus. Hier gibt es keinen großen Bruder, der alles für mich erledigt und mir das Denken abnimmt.
  • Ich muss selbst ein wenigstens basales Verständnis dafür haben, wie Datenverarbeitung funktioniert.
  • Die Benutzeroberfläche ist nicht ganz wie die WINDOWS-Oberfläche.
  • Drucken. Es ist nicht so, dass man aus Linux heraus nicht drucken kann. Aber es ist so, dass manche Druckerhersteller auf proprietäre Protokolle stehen (warum darf jeder für sich selbst beantworten). Das heißt: Prüfen, ob der vorhandene Drucker es ohne Probleme tun würde. Falls nicht, auf ein kommerzielles Programm zurückgreifen, dass diesen Bullshit handhaben kann. Gibt es, glücklicherweise. Ich weiß, dass ein echter Linux Guru alles zum Laufen bringt, aber mir ist das zu kompliziert. Ich kaufe ja auch bei WIN Programme, die ich brauche. Also keine falsche Scham. Und mein nächster Drucker ist einer, der sich ohne Hilfswerkzeuge mit Linux versteht. Ich bin ja nicht blöd. Alternativ: Solange ich meine Daten im WINDOWS-Dateisystem speichere, kann ich diese natürlich auch unter WINDOWS ausdrucken lassen. Dann halt aus Nostalgie heraus ab und zu zurück.
  • Microsoft Office läuft eigentlich nicht unter Linux. Und das ist der Welt-Nichtstandard. Wer darauf nicht verzichten kann, hätte meinen Beitrag nicht bis hierhin lesen müssen. 😉
  • Generell ist die Auswahl an Programmen für den Endnutzer nicht so groß. Allerdings ist für den hier betrachteten Zweck, zumeist sehr leistungsfähiges dabei, zum Beispiel Firefox, Thunderbird, GIMP, Scribus, …
  • Es gibt kaum Spiele, die unter Linux laufen. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber seit ich schreibe, habe ich kaum noch Zeit zum Daddeln. Aber es werden immer mehr Spiele, da es immer mehr Linux Anwender werden.

 

Fazit

Wer sich bisher mit WINDOWS herumgeschlagen hat und weiß, wie es funktioniert, betritt bei Linux nicht unbedingt Neuland. Solange nur der Rechner gestartet werden soll, man sich anmeldet und dann dem Schreiben widmet. Eine gewisse Einarbeitung ist dennoch notwendig, ein paar Buttons sind an anderer Stelle und die Tastatur-Shortcuts muss man sich ebenfalls neu aneignen. Aber wie heißt es doch so schön: Wer rastet, der rostet.

Die Belohnung besteht darin, eine Wahl zu haben. Sehr demokratisch, wie ich finde.

Wer sich partout nicht von WIN trennen mag, hat übrigens die Möglichkeit, seine Installation als virtuellen Rechner innerhalb der Linux-Umgebung zu starten, zum Beispiel mit Virtualbox. Aber das ist eine andere Geschichte …

 

Disclaimer

Wie immer meine fünf Cent ohne Anspruch auf Wahrheit oder Vollständigkeit. Für fehlgeschlagene Versuche, verlorene Daten und bei Wutanfällen zerstörte Beziehungen oder Gegenstände kann ich keine Haftung übernehmen. In der EDV gilt weiterhin, dass es kein einziges Programm gibt, das intelligenter ist als der Anwender, der es gerade bedient. 😉

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2 Kommentare zu “Fiat L(in)ux!

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