Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

The Score

 

„Mama, darf ich jetzt?“

Sylen wischte sich die Träne aus dem rechten Auge, setzte ein Lächeln auf und drehte sich zu ihrem Sohn um. „Ja mein Schatz, wie ich es versprochen habe. Zuerst aber erkläre ich dir das noch einmal.“

„Muss das sein? Das ist doch baby-einfach. Ich versteh gar nicht, warum die Großen so einen Aufstand darum machen.“

Sie schluckte. „Ja, warum eigentlich.“

Warum schien die häufigste Frage zu sein, die sie sich im Moment stellte.

 

WARUM waren sie hier?

Weil ihre Leute sie zurückgelassen hatten. Als Hausmeister, falls es gut lief, als Himmelfahrtskommando, falls nicht. Verteidige unser Eigentum bis zum letzten Schuss, das war der Befehl gewesen. Man hatte sie weggeworfen. Wie die Station, in der sie jetzt festsaß. Wenn geplant gewesen wäre diesen Posten zu halten, dann wäre ein Team dageblieben.

 

WARUM waren die verdammte Orca gerade hierher gekommen? Zu einer Piratenstation?

Weil der beschädigte Frachter es nirgendwo anders hingeschafft hätte. Und weil Sylen ihren Befehl missachtet hatte. Sie hätte das Schiff vernichten müssen, sobald es in der Erfassung auftauchte. Sie hatte es nicht gekonnt. Jetzt hatte sie zwei Probleme:

Die Schiffbrüchigen, die dank ihrer Unterstützung zumindest eine Weile länger leben würden.

Ihre eigenen Leute, die diese Station zerstören würden, nachdem offensichtlich die Position verraten worden war.

 

„Pass auf. Wenn die Symbole auf meinem Bildschirm auftauchen, werde ich einige markieren und dir herüberschieben. Du wirst dann mindestens zwei weiße Kreuze auf ein Ziel fahren, und wenn die Kreuze nicht mehr blinken, wirst du auf dem Display die Zahl wählen, die zu dem Kreuz gehört. Ich mache das auf meiner Seite dann genauso. Du hast 1 bis 6, ich 7 bis 12. Gewonnen hat, wer die meisten Symbole schafft. Aber erst anfangen wenn ich ‚Los‘ sage. Nicht mogeln.“

Sie zwinkerte ihm aufmunternd zu.

„Ja Mama.“

 

WARUM hatte sie diesem Söldner zugehört?

Er hatte die Alternativen aufgezeigt: „Wenn du hilfst, werden wir möglicherweise gerettet, und falls du überlebst, wird sich ein Weg finden. Um die Sklaven, Touristen und sonstiges Treibgut welches ich in den letzten Jahren gesammelt habe, hat sich noch nie jemand gekümmert.“ Er hatte schief gelächelt, aber seine Augen waren kalt geblieben. Er würde herausgehen und kämpfen, egal was ihre Entscheidung war.

 

Die Piraten-Flotte tauchte hundert Kilometer vor der Station au. Sylen begann, die Kreuzer in die Zielerfassung einzuspeisen. Der Söldner würde es nicht einfach haben.

Es kam eine Beschwerde, warum sie wie Feinde behandelt würden, und sie faselte etwas von einer Fehlfunktion. Als Nächstes kamen die Schlachtkreuzer dran. Diese schob sie in die Feuerleitkontrolle ihres Sohnes.

 

Warum musste der Vater ihres Partners unter den Schiffbrüchigen sein?

Ein Mann, der Geschäfte mit denen machte, die er verachtete. Seinem Sohn war die Piratenkarriere als eine aufregende Sache erschienen. Er wollte nicht nur halb illegal sein wie sein Vater. Der Sohn hatte alles gegeben für seine neuen Freunde und war in dem Schrott gestorben, den sein Vater ihnen verkauft hatte. Und an Verrat. Dreißig unliebsame Piloten in Raumschrott gegen ein High End Technikmonster. Es war Mord, und es entsprach den Regeln. Ihr Sohn entsprach nicht den Regeln, deshalb waren sie jetzt hier. Noch ein Mord.

 

„Achtung, fertig, LOS!“

Die Geschütze, die die Station umkreisten, eröffneten das Feuer. Hinter der Flotte enttarnte sich der Kreuzer des Söldners und zerstörte das völlig überraschte Jagdgeschwader, um sich dann den angeschlagenen Piratenkreuzern zuzuwenden.

Die Stationsschilde bekamen die ersten Treffer, sie würden nicht lange halten.

 

„Mama, Nummer 3 und 5 sind down.“

„Weiterfeuern, immer alles auf eines deiner Ziele, danach auf mein aktuelles Ziel.“

„Ja Sir.“

Ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken. Ich kämpfe hier mit meinem zehn Jahre alten Sohn und wir sterben vielleicht für den Feind.

 

WARUM?

Damit der Vater ihres Partners zumindest einmal auf seinen Sohn/Enkel stolz sein würde? Er wusste nicht einmal, dass es ihn gab. Oder als Rache an einer Welt, die sie am liebsten tot sehen würde? Egal, auf welcher Seite sie standen?

Das erste Schlachtschiff zerplatzte, und das Gleißen der Explosion nahm ihnen für einige Sekunden die Sicht.

 

Dann erschütterten die Treffer der Schiffe die Panzerung, die Station schwang wie eine Glocke mit.

„7, 8 und 10 down, alles auf den großen Roten!“ – „Ja Sir.“

Die nächsten Schlachtschiff-Salven rissen ein Loch in die Stationshülle in der Nähe der Feuerleitstation.

Das wird knapp, dachte sie. Verdammt knapp. Und verdammt, WARUM mache ich das hier?

 

Das Display zeigte das Zusammenbrechen der Schilde des ‚großen Roten‘. Die verbliebenen Schiffe feuerten ausschließlich in Richtung des Strukturschadens der Station, auch als der Weltraum aufriss und die Polizeiflotte ausspie. Sie bewunderte widerwillig die Disziplin ihrer Leute.

 

Die Strahlungswarnung ging in ein hohes Pfeifen über. Dann explodierte das Leitschiff. Zwei kleine Symbol rasten über den Bildschirm auf sie zu.

 

Die sind für uns beide. Ruhe überkam Sylen. Sie aktivierte die Kom. Sie nahm ihren Sohn auf den Arm und drückte ihn fest an sich.

„Wir haben gesiegt“, flüsterte sie. „Ich liebe dich“.

„Ich dich auch.“

 

(Fortsetzung folgt)

 

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