Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(Das Ende der Geschichte in typischer Space-Opera Manier)

Der Preis der Rache

Ryeks Kom aktivierte.

„Wir haben gesiegt. Ich liebe Dich“, flüsterte sie.

„Ja Mam. Ich liebe Dich auch“, antwortete eine Stimme, die Ryek nicht kannte.

 

Die Torpedos fraßen eine Schneise durch die verbliebene Stationshülle. Panzerplatten, Teile von Decks, Geräte und Atmosphäre schossen hinaus. Die Kommandanten der übriggebliebenen Schiffe ergaben sich und stellten das Feuer ein.

 

Ryek hörte seinen Körper schreien. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er wieder die Kontrolle über sein Schiff hatte.

 

Er steuerte das riesige Loch in der Station an und ignorierte die Kommunikationsversuche der Sicherheitskräfte. Im Raumanzug schwebte er zum zerstörten Bereich. Dort angekommenen, drang er mit einem schweren Laser in das Innere vor, in dem er ein vorhandenes Loch erweiterte. An der Wand zur Feuerleitzentrale stellte er fest, dass sich dahinter auch keine Atmosphäre mehr befinden konnte.

Sein Kommunikator aktivierte.

„Ryek? Hier Barad. Die Sicherheitskräfte haben die Station geentert. Wo bist Du?“

„Ich bin in der Feuerleitzentrale. Oder dem, was davon übrig ist.“

„Warum das denn?“

„Weil ich mich für die Einrichtung interessiere.“ Ryek schnitt ein großes Loch in die Wand. „Bitte? Du hast einen seltsamen Sinn für Humor.“

„Scheiße!“

„Was?“

„Scheiße!!“

„Bitte?“

Keine Antwort. Dann: „Wie versprochen. Verdammt! Warum hast Du es mir nicht gesagt?“ Die Stimme war kaum zu erkennen.

„Ryek? Was ist da los?“

Durch den Lautsprecher auf Barads Seite klang das Summen eines Lasers und schweres Atmen. Sonst nichts. Dann schaltete der Kommunikator ab.

 

Wenig später öffnete sich die Schleuse zum Frachtbereich. Barad zielte und schoss mit seinem Blaster, sobald Ryek in der Schleusentür auftauchte. Und sah sich im nächsten Moment an die gegenüberliegende Wand geschleudert. Der Blaster entfiel seiner Hand. Als er aufstand, schlug Ryek erneut zu. Und noch einmal. Er warf ihn gegen den am nächsten stehenden Container. Barad rappelte sich auf und griff nach einem Werkzeug, das in der Nähe lag. Er hob es zum Angriff und ließ es im selben Moment wieder fallen, als Ryek’s Minilaser seine Hand versengte. Barad schrie auf und hielt seine verbrannte Hand.

„Im Hangar des Frachters ist noch ein Shuttle. Sei weg, bevor die Sicherheitskräfte hier sind“, sagte Ryek, als ob nichts passiert wäre.

Barad verstand nicht. „Wieso?“

Ryek grinste Barad an, als ob er ihm im nächsten Moment die Kehle durchbeißen würde. „Nicht dafür.“

Er warf ihm den Datenstick zu. „Aber dafür. Im Shuttle findest du das Passende. Ich hoffe, es war deinen Aufwand wert.“

Barad dachte kurz nach und hob den Stick auf. „Ich denke schon.“ Dann drehte er sich um und lief zur nächsten Transportplattform. Ryek sah ihm nach, bis er verschwunden war.

„Ich denke nein“, flüsterte er. „Wenn du ein Mensch bist.“

 

Er näherte sich dem ersten Container und aktivierte die Schnittstelle mit seinem Pad. Das Außendisplay war verschlüsselt, aber dank der Codes gab es seinen Widerstand auf. Ryek prüfte die Daten: Temperatur dreihundert Kelvin, atembares Gasgemisch, vermengt mit Spuren eines Betäubungsmittels, Container ist intakt. Er loggte sich in das System des Frachtbereiches ein und befahl dem Computer, eine Zusammenfassung der Container zu erstellen:

 

20 Container mit atembaren Gasgemisch und Betäubungsgas

10 Container ohne Atmosphäre

10 Container mit einer Innentemperatur von 100 Kelvin, Stickstoffatmosphäre

Ryek setzte sich auf den Boden, legte das Pad beiseite und stützte seinen Kopf auf beide Hände.

„Verdammt, in was bin ich hier hineingeraten?“

 

„Bewege dich nicht ohne weitere Anweisung, und strecke die Arme zur Seite.“

Die Stimme war die der unbekannten Schönen, aber ohne jede Spur von Wärme. Ryek kam der Aufforderung langsam nach und hob den Kopf. Die Agentin hatte vier Sicherheitsleute mitgebracht, die mit schweren Lasern auf ihn zielten.

„Wo ist Barad? Wir hätten da ein paar Fragen an ihn.“

„Unterwegs. Gewissermaßen. Im Shuttle.“

 

Der Kommunikator der Agentin summte. Sie nahm die Meldung entgegen und nickte.

„Der kommt nicht weit.“

„Das hoffe ich auch.“

Die Agentin hob die Augenbrauen. Jetzt sah sie wieder so anziehend aus, wie Ryek sie in Erinnerung hatte.

„Das war ein Scherz. Du weißt genau, dass man ein Shuttle kaum festhalten kann. Hier in der Gegend gibt es genug Möglichkeiten, aus dem System zu kommen.“

Ryek stand auf. „Ja. Weiß ich.“

Sie sah irritiert aus. „In Ordnung. Kommen wir zum Naheliegenden. Was ist in den Containern?“

„Weiß ich nicht. Ich bin nur der Pilot.“

Sie packte ihn an der Uniform und zog ihn zu sich heran. Ryek widerstand der Versuchung, sie zu umarmen, weil das wohl tödliche Folgen gehabt hätte. Sie wusste, oder ahnte zumindest, was da drin war, und wollte wissen, wer es noch wusste.

Ryek befreite sich langsamer als nötig aus ihrer Nähe und hob vorsichtig sein Pad auf.

„Darf ich? Die Stationskommandantin hat mir die Sicherheits-Codes hinterlassen. Sonst ist die Antwort: Tausend Smartbombs.“

Sie zuckte zusammen. „Einverstanden.“

Ryek hielt das Pad so, das die Agentin sehen konnte, was er tat. Er deaktivierte den Countdown.

„Jetzt habe ich dir schon das zweite Mal das Leben gerettet.“, feixte er. „Ich hoffe doch auf eine Gegenleistung.“

„Zehn Jahre Minenarbeit im Asteroidengürtel mit Handlaser statt sofortiger Erschießung. Einverstanden?“

„Eine echte Alternative. Ich denke darüber nach. Ich habe eine Vermutung, was in den Containern ist.“

Er zeigte ihr die Informationen auf seinem Pad.

„Ich schlage vor die Innenkameras zu aktivieren, um zu bestätigen, was wir beide befürchten.“

Sie nickte.

Ryek gab dem Computer die entsprechende Anweisung.

 

In den temperierten Containern lagen Menschen aller Rassen und jedes Alters, jeder mit einer Plakette am Handgelenk. Der Stationscomputer blendete die Daten aus den Containern mit ein: Alter, Rasse, Geschlecht, Gesundheitszustand, Fähigkeiten, erzielbarer Preis auf dem Sklavenmarkt. Eine schlafende Stadt. Achttausend Menschen.

„Hier hat jemand den Begriff Humankapital wohl zu wörtlich genommen“, sagte Ryek.

Die folgenden Container enthielten Materialien zum Aufbau technischer Infrastrukturen mit einem Schwerpunkt im Bereich Biotechnologie.

Die letzten zehn Container enthielten tote Menschen. Katalogisiert wie die Lebenden.

„Ja“, sagte sie. „Ich habe den Verdacht, dass sich nicht alle freiwillig gemeldet haben.“

Ryek biss die Zähne zusammen. „Dieses Monster! Er hat das alles getan, um sich zu rächen. Er hat niemals geplant, damit Geld zu verdienen!“

„Wie kommst du denn darauf?“

„Barad ist an die Piraten nicht mehr gut genug herangekommen, trotz seiner Bestechungen. Es ging ihm zu langsam, sie zu vernichten. Warum nicht einfach ein paar von denen aufeinander hetzen? Und wenn das nicht reicht, dann helfen dir die Polizeibehörden!“

Er sah die Agentin an.

„Wie seid ihr an die Informationen gekommen? Barad hat ganz sicher nichts durchsickern lassen.“

„Stimmt. Wir sind über die Sklavenjäger auf das Ganze aufmerksam geworden, die immer von einer großen Sache redeten, in einem Bereich der Galaxis, wo sie normalerweise nie hinfliegen. Von neuer Konkurrenz war die Rede. Was ich nicht verstehe, denn hierhin wären wir auf jeden Fall auch gekommen um nachzusehen. In dieser Region ist Sklavenhaltung verboten.“ Sie schnappte nach Luft.

„Genau. Lass es einfach wie einen Unfall aussehen. Wenn die Sklavenjäger es nicht schaffen, dann schaffen es die Polizeibehörden. Und den Schaden zahlt dann auch noch die Versicherung, denn ich bin sicher, dass mein Schiff vollständig zerstört worden wäre. Diese Fracht hätte nie überlebt, wenn es wie geplant gelaufen wäre.“

Der Kommunikator der Agentin summte wieder. Sie nahm die Meldung entgegen und sah darauf hin Ryek ratlos an.

„Barad hat sich am Sprungtor mit dem Shuttle selbst in die Luft gesprengt. Warum? Er hat doch seine Rache gehabt?“

„Ja. Er hat sein Ziel erreicht. Aber er hat bis eben nicht gewusst, wie hoch der Preis ist.“

Ryek wischte sich einige Tränen aus den Augen und gab der Agentin sein Pad. Darauf befand sich eine Kopie des Datensticks der Stationskommandantin. Fotos, Holos, Texte, Dokumente.

„Davon bekommst du keine Kopie.“

 

Ja, Barads Sohn war entführt worden. Von einer Piratin. Sie hatte ihn offensichtlich ohne großen Widerstand erobert. Oder er sie? Sie waren Gefährten gewesen. Die Bilder zeigten bald drei Personen. Ein Junge. Die üblichen Familienfotos. Nach 8 Jahren waren nur noch zwei Personen auf den Fotos: sie und der Junge. Das letzte Foto zeigte beide am heutigen Tag, in der Feuerleitzentrale, am Simulator. Jetzt wusste Ryek, warum die Stationsgeschütze so effektiv gearbeitet hatten. Es hatte zwei Geschützbediener gegeben.

Ryek war sicher, dass Barad das nicht gewusst hatte. Für ihn war sein Sohn gestorben, als er zu den Piraten gewechselt hatte. Sein Sohn hatte sich ihm offensichtlich entgegengestellt. Und war von Barad und den Verrätern der Piraten getötet worden. Nicht direkt. Per Auftrag. Ryek hatte ihn getötet. Vor zwei Jahren.

Heute hatte Barad den Rest seiner Familie ausgelöscht. Mit seiner Hilfe.

 

Ryek schüttelte sich. Zehntausende von besiedelten Systemen, Milliarden von Menschen, Hunderttausende von Piloten. Wie war es einem Einzelnen möglich das zu tun, eine halbe Galaxis voneinander entfernt? Ohne davon zu wissen? Die Schiffswände schienen näherzukommen, um ihn zu zerquetschen.

 

Die Agentin sah von Ryeks Pad auf.

„Du hast recht. Dieses Projekt war nicht dafür bestimmt zu funktionieren. Die Ausrüstung ist nicht geeignet für die Erstellung von Klonen, es fehlen wesentliche Elemente. Ich frage mich nur, ob es sich gut für mich macht, das alles denen zu berichten, die diese Sauerei unterstützt haben.“

Ryek sah abwesend in die Runde. „Schöne Station, oder? Etwas weit vom Schuss und in einer Piratengegend. Aber: Die Piraten sind doch weg, oder?“

Die Agentin dachte nach und schloss sich an. „Ja, stimmt schon. Hier müsste noch etwas aufgepasst werden, die Versorgungswege sind recht lang. Noch. Ohne legale Infrastruktur gibt es hier bald wieder Piraten. Das Universum verabscheut die Leere.“

„Ja. Ja. Und wer geht hier schon freiwillig hin? So eine Station braucht viel Personal. Woher nehmen wenn nicht stehlen?“

„Irgendwem muss die ja auch gehören. Wenn man hier im Nirgendwo eine Rasse bevorzugt, kommen alle, um sich zu beschweren. Da braucht man schon einen guten Mix der Kulturen.“

Ryek lächelte. „Erinnert mich an meine Corp.“

Sie lächelte zurück. „Erinnert mich an den Inhalt einiger Container hier. Willst du die Station kaufen?“

Er hob abwehrend die Hände. „Was soll ich damit. Ich bin ständig auf der Flucht. Ich hätte aber ein paar Leute an der Hand, die das hier kaufen und betreiben können. Mit offizieller Genehmigung und Unterstützung natürlich. Das Personal zu besorgen scheint wohl kein Problem zu sein.“

Sie nickte. „Ich glaube, das kann ich regeln.“

Ryeks Lächeln wurde breiter. „Ich freue mich schon auf die Zweigstelle unserer Corp. Mit Kantine und echtem Kaffee. Echtem Gebäck. Umsonst für die Kunden und Mitarbeiter.“

Er leckte sich die Lippen.

Sie lächelte zurück. Sehr verführerisch.

„Davon musst du mir unbedingt mehr erzählen.“

Ryek zwinkerte verschwörerisch und legte seinen rechten Arm um sie.

„Ich habe auf meinem Schiff eine Kaffeemaschine. Wenn du mir endlich deinen Namen verrätst …“

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