Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(Auftritt des zweiten Protagonisten. Habe ich schon erwähnt, dass ich ein Freund von Teamwork bin?)

 

„Haben Sie die Information?“

„Ja.“

„Ist sie vollständig?“

„So vollständig, wie es unter den gegebenen Umständen möglich war.“

„Und?“

„Ja. Die Sache hat Potential. Und natürlich auch Risiken. Wenn wir als Erste damit herauskommen, gehört uns der Markt. Wenn unsere Corps herausbekommen, was wir tun, dann rollen unser Köpfe. Nicht nur im übertragenen Sinn. Wenn die anderen Fraktionen es herausbekommen, wird es einen galaxisweiten Krieg auslösen. Ist es die Sache wert?“

Schweigen.

„Wir werden die Welt verändern. Nichts wird mehr so sein, wie es vorher war. Unsere neue Corp wird das bekannte Universum beherrschen.“

„Wie gehen wir weiter vor?“

„Ich habe Schritte eingeleitet, den Gegenstand zu beschaffen. Der erste Versuch war erfolglos, aber damit habe ich gerechnet. Jetzt arbeiten wir mit einem Köder. Und Druck. Viel Druck. Wir haben den Vitoc Markt in Sektor Sinq geräumt. Da wird es die nächsten zwei Monate nichts geben. Ist zwar schlecht für die Bilanz, aber das ist ja dann nicht mehr unser Problem.“

„Was ist mit CONCORD?“

„Die wissen von nichts. Die kümmern sich gerade um sich selbst. Spielen Katz und Maus mit einem Unsichtbaren.“

„Ich habe gehört, die Doomsday-Waffe des Empire sei nicht in der gleichen Liga wie das, was CONCORD sucht.“

„Möglicherweise. Was auch immer es war, es hat den gesamten Planeten sterilisiert. Das Einzige was wir kennen, was einen solchen Effekt bewirken könnte, ist ein Neutronenstern-Jet. Da ist aber keiner, nicht mal in der Nähe.“

„Faszinierend.“

„Das hat der Dieb auch gesagt. Die phantasieren von getarnten interstellaren Energietunneln, ähnlich den Cynofeldern, mit denen unsere interstellaren Reisen stattfinden. Nach über dreitausend Jahren sind die Spuren nicht mehr die Wärmsten. Es ist wie vieles, was wir heute nutzen, ohne es zu kennen: Sleeper, Yan Jung, Jove, alles Reste von Dingen, von denen wir einst wussten, wie sie funktionieren. Alles in Gebrauch, und kein Mensch weiß wirklich, warum es funktioniert. Wir sind wie Kinder, die im Garten eines Riesen spielen.“

„Was ist mit dem Dieb?“

„Er unterstützt jetzt unsere Klonfertigung. Teilweise.“

Lachen.

„Wie sehen die nächsten Schritte aus?“

„Wir müssen warten. Das Spiel ist eröffnet. Unsere Figuren sind noch nicht in Stellung. In einigen Tagen sehen wir weiter.“

„Einverstanden. Sie melden sich?“

„Wie vereinbart.“

 

* * *

 

EVE Online® and CCP® and all related logos and other elements are trademarks of CCP hf. ©CCP hf.

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„DAS IST MORD!“

Die junge Gallente Frau war aus dem Stuhl vor dem Schreibtisch hochgeschossen. Für einen Moment sah es so aus, als ob sie über den Tisch springen wollte, der sie vom Sachbearbeiter des Med-Centers trennte. Ihr Gesicht war gerötet, die Tätowierungen der linken Gesichtshälfte erschienen wie Gräben auf ihrer Haut. Sie hielt sich am Tisch fest, sehr fest, ihre Muskeln traten deutlich an den Armen hervor. Der Sachbearbeiter zuckte zurück und hatte seine Hand in der Nähe des Alarmknopfes. Sie beruhigte sich mit Mühe und strich mit der rechten Hand über das kurz geschorene braune Haar, bevor sie sich die Tränen aus den Augen wischte.

Der Verwaltungsangestellte der medizinischen Einrichtung, ein Mann mittleren Alters in einem abgetragenen Anzug, mit leichtem Bauchansatz, sah sie gleichgültig an. Er war sich dessen bewusst, dass er das Todesurteil für die Patientin aussprach. Eine Vitoc-Süchtige. Und eine Cyber-Punkerin als Tochter, die das nicht wahrhaben wollte! Was glaubten diese Leute eigentlich? Dass er der liebe Gott sei?

Tedeya versuchte es ein letztes Mal.

„Sie unterstützen ein politisches Verbrechen. Die Amarr wollen ein gegen sie laufendes Verfahren dadurch beenden, dass die Klägerin durch Entzug des Mittels stirbt, das ihr ohne ihre Zustimmung verabreicht wurde!“

„Davon steht nichts in meinen Dokumenten. Nehmen sie es nicht persönlich, aber ich kann nichts für sie tun. Wenn die einstweilige Verfügung für die Stasis Ihrer Mutter nicht verlängert wird, müssen wir abschalten.“

„Ist das ihr letztes Wort?“

„Ja. Es tut mir leid.“

Tedeya ließ den Tisch los, richtete sich auf und blickte ihrem Gegenüber gerade in die Augen.

„Mir auch.“

Sie nickte dem Angestellten zu. Dieser schaltete das Aufnahmegerät ab, stand auf und begleitete sie zur Tür. Die er dann leise hinter ihr schloss.

Ein Blick auf den Monitor offenbarte ihm die ganze Wertlosigkeit der Patientin:

Yolane Gerad. Alter vierundvierzig. Keine aktiven Partnerschaftskontrakte. Eine Künstlerin. Mobiles für Raumschiffe. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es dafür Bedarf gab, aber sie hatte wohl gut davon leben können. Nicht nur sie. Zwei Kinder. Der jüngere Sohn von einem Minmatar. Er schauderte. Wie konnte eine gebildete Gallente sich nur so weit herablassen? Offensichtlich ging es noch tiefer, sonst läge sie nicht hier, im Koma, das Amarr-Sklavengift Vitoc im Körper. Es musste alle vierundzwanzig Stunden eingenommen werden und es war außerhalb der Sklavenregionen so gut wie nicht zu bekommen. Unnötig zu erwähnen, dass Handel und Besitz in diesem Teil der Welt verboten waren. Immerhin hatte der Sohn eine sinnvolle Berufsausbildung begonnen, als Raumpilot und Anwärter auf die Steuerkapsel, den Pod. Wenn er die Prüfungen überlebte, erwarb er das Anrecht auf einen persönlichen Klon und hatte auch das Geld, einen solchen zu bezahlen. Potentielle Unsterblichkeit! Der Sachbearbeiter beneidete ihn schon jetzt. Auf jeden Fall war er nicht mehr abhängig von der Mutter. Und die Tochter, Tedeya? Kind einer Gallente Liaison, der Vater nach sechs Jahren abgehauen und später als Krimineller in einer Kloneinrichtung getötet worden. Tedeya ist auffällig. Vergehen gegen die Implantatsgesetze. Beruf unbekannt. Aufenthaltsort unbekannt. Sicherheitseinstufung nahe Null, von der falschen Seite aus. Nicht gerade das wertvollste Mitglied dieser Gesellschaft.

Yolane Gerad war vor zwei Wochen eingeliefert worden. Vitoc Entzug, Endstadium. Üblicherweise wurde dann einfach auf den schnellen Tod des Patienten gewartet, aber hier war es anders. Ihr letzter Partner, ein Gallente Raumpilot, hatte interveniert und eine Stasis-Aufbewahrung erreicht. Er schüttelte den Kopf. Wozu? Die einzigen Personen die Vitoc beschaffen durften, waren die Amarr. Nicht gerade die besten Freunde der Gerads, wie es schien. Stasis war in diesem Fall nur eine sehr teure Methode, das Unvermeidliche hinauszuzögern, dazu noch auf Kosten der Steuerzahler.

In einem Punkt hatte Tedeya ihn überrascht. Sie war nicht zusammengebrochen, hatte nicht um Mitleid gefleht. Trotz der Emotionalität der Situation hatte sie klar und sachlich argumentiert, wenn auch vergebens.

Er seufzte und rief das Terminierungsformular ab.

(Fortsetzung folgt)

 

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