Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

„Ja. Sie ist immer ihren Weg gegangen.“

Tedeya grinste in Gedanken an ein früheres Projekt ihrer Mutter.

„Wenn die Behörden wüssten, dass man für ihre Aktionskunstwerke die Baupläne der Schiffstypen des Empire im Kopf haben muss, dann wäre sie schon längst in irgendeiner Strafkolonie gelandet. Erinnerst du dich noch an den Minmatar, der seine Maelstrom mit ‚Tattoos‘ verschönern ließ, damit alle in der Nähe sehen konnten, wie er im Moment drauf war? Eins zu eins mit seinen Gesichtstattoos? Als er die Rechnung sah, da hatte sein Schiff auf einmal viel Platz zum manövrieren, weil niemand näher als vierzig Kilometer an ihn heranwollte. Fast hätte CONCORD ihn abgeschossen für einen aggressiven Akt.“

Romar lachte.

„Ja, das war cool. Und das Beste war: Er hat noch einen Bonus draufgelegt, als er gemerkt hat, dass er eine deutlich höhere Energieausbeute seiner Systeme bekam, wenn er die Installation im Standby mitlaufen ließ. Die Minmatar waren not amused, aber sie konnten Yolane keine Spionage nachweisen. Bis heute weiß niemand, wie sie es schafft, ein Gehirn-Implantat zu diesem Zweck in ein Schiff einzubauen.“

 

Die Hitzewarnung bestückte weitere Anzeigen mit roten Symbolen.

„So etwas brauchen wir auch. Etwas, was die Hitze irgendwohin transportiert. Ted, was machen wir jetzt?“

Der Kommunikator aktivierte.

„Derek hier. Wo seid ihr?“

„Hier Tedeya. Wir feiern gerade eine Grillparty mit uns als Menü. Wenn du schnell genug bist, bekommst du was ab.“

„Bitte?“

„Unser Schiff ist Schrott. Wir hoffen auf dein Timing. Richte dich nach den Koordinaten aus und warte auf den ‚Bewegen‘ Befehl.“

„Geht es nicht auf die übliche Art?“

„Nein. Die Behörden werden uns innerhalb einer Minute, nachdem wir die Tarnung abschalten, erfasst haben.“

Tedeya aktivierte die Fernsteuerung der Comet. Sie und Romar machten sich dann auf den Weg in den Laderaum. Dort angekommen öffnete Romar den Stasiscontainer.

Yolanes Körper verlor die zeitlose eisige Starre, als die suspendierten biologischen Prozesse wieder in Gang kamen. Doch der Unterschied war nicht groß. Sie blieb bewusstlos und atmete sehr flach. Ihr Gesicht hatte einen stark grünlichen Ton.

„Fortgeschrittenes Stadium der Vitoc Vergiftung“, stellte Romar sachlich fest. Dann explodierte er.

„Diese verdammten Amarr!“

„Dafür haben wir jetzt keine Zeit. Uns bleiben ein, zwei Stunden, bis sie tot ist. Ich hoffe, dass Derek uns nicht belogen hat, was das Vitoc angeht. Für ihn.“

Sie holten Yolane aus dem Container und trugen sie ein paar Meter weiter, bis zu einer markierten Stelle im Laderaum.

Tedeya deaktivierte die Tarnung und sprach in den Kommunikator.

„Bewegen. Jetzt.“

„On my way.“

Sie betätigte das Fluchtprogramm. Die Laderaumscanner erfassten die drei Menschen und Hangar-Bots bauten in Sekundenschnelle eine provisorische Schutzhülle um sie, die ‚Can‘, was nicht mehr war als ein Frachtcontainer mit dünner, aber stabiler Hülle. Sie würde nur kurz im Weltraum halten und war völlig schutzlos gegen Angriffe und kosmische Strahlung. Das Schiff stieß die Can aus, dann beschleunigte den Jäger mit maximal überlastetem Antrieb. Ein kometenhafter, kilometerlanger Schweif wurde schnell kleiner. Es war nicht zu unterscheiden, ob nur der Antrieb leuchtete oder das Schiff bereits brannte.

„Spam in Space“, kommentierte Tedeya zynisch, während sie das Schiff auf dem Pad über die Außenkamera verfolgte.

Dereks Helios Fregatte erschien neben der Can wie ein Geist, der aus dem Nebel auftaucht. Der Traktorstrahl zog die Can an eine Laderaumschleuse. Der Container schmiegte sich an das Schiff, so das die drei Insassen die Seitenwand öffnen und die Schleuse benutzen konnten. Die Can verschwand im Antriebsstrahl der Helios. Das Schiff wurde wieder unsichtbar. Sekunden später erschienen mehrere Jäger und griffen die Navy Comet an. Sie explodierte sofort in einem spektakulären Feuerball.

„Glaubt nicht, dass die glauben, euch getötet zu haben“, war Dereks Stimme im Laderaum vernehmbar. „Sie haben das Schiff mit Sicherheit gescannt, bevor sie es gesprengt haben.“

„Ja, mach uns nur Mut, das brauchen wir jetzt“, war Tedeyas Antwort.

(Fortsetzung folgt)

 

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