Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

Derek klopfte vorsichtig an die Tür.

„Immer herein, ich laufe nicht weg!“

Er trat ein, kam zu ihr und umarmte sie vorsichtig. „Wie geht es dir?“

„Noch nicht ganz tot, wie du siehst. Warum hast du das gemacht?“

„Im Ernst. Du weißt es nicht?“

„Doch. Ich weiß es. Du hättest deine Hormone im Pod lassen sollen. Du bringst uns alle in Lebensgefahr.“

Er sah auf ihre Hände. „Ja, ich weiß. Aber ich glaube nicht, ob es mit deinem Tod wirklich geendet hätte. Die Anderen wissen, was sie wollen. Aber sie wissen nicht, wo es ist. Auch sie haben keine unbegrenzten Ressourcen.“

„Aber weit mehr Möglichkeiten als wir.“

Derek schüttelte heftig den Kopf. „Und wenn schon! Im Moment sind alle Personen, die Ziele sein könnten, hier. An einem Ort, den sie nicht kennen. Wir haben zumindest unsere Position etwas verbessert.“

„Wir werden nicht ewig hierbleiben können. Die ‚Patientenverlegung‘ wird auch bei CONCORD für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Ab jetzt haben wir zwei Parteien, die uns verfolgen.“

„Mag sein. Aber sind beide darauf aus, uns zu töten?“

„Gute Frage. Ich weiß es nicht. Bei CONCORD anrufen und um Schutzhaft bitten halte ich für keine gute Idee. Die Anderen sitzen da auch drin.“

„Du kennst das Angebot der Anderen?“

Yolane sah Derek überrascht an. „Nein. Bisher wollten sie sich mit Gewalt holen, was sie brauchen.“

„Sie bieten an, einen Klon von dir anzufertigen. Ohne Vitoc Abhängigkeit. Als Gegenleistung für das Artefakt. Bei Ablehnung: Tod für uns alle.“

„Was macht dich glauben, das sie sich nicht für die billigere Methode entscheiden? Abgesehen davon: Es ist nicht möglich. Das Vitoc ist Bestandteil meiner DNA geworden.“, wandte Yolane ein. Aber der Zweifel in ihrer Stimme war unüberhörbar.

„Außerdem weißt du, wie ich zu Klonen stehe, mich selbst betreffend.“

Derek sah Yolane an.

„Du hast keine Ahnung, was du mir damals geschenkt hast. Die Puppenspieler haben mir einige Informationen gegeben. Wenn du die gehabt hättest, dann hättest du das Artefakt nie weggegeben.“

Yolanes Interesse war geweckt. „Wieso?“

„Hast du dich nie gefragt, warum es das Gefühl erweckt, als sei es ein, nennen wir es einmal, ein ‚Spiegel der Seele‘? Das fällt doch eigentlich in dein berufliches Gebiet.“

„Doch. Aber ich habe es nicht herausbekommen. Das Ding war für mich nicht kommerziell verwendbar. Und für dich ist es doch eine nette Erinnerung, oder?“

Er lächelte. „Oh ja. So nett, dass es fast süchtig macht. Es ist eine vollständige Aufzeichnung deiner Körperdaten und deines Bewusstseins, inklusive deiner Gefühle. Das Ding ist ein Gehirn-Scanner der über- übernächsten Generation. Es wird keine Anpassungsprobleme mit einem neuen Körper mehr geben. Die Kopie ist, nach heutigen Maßstäben, perfekt. Das Einzige was von diesem Kristall nicht kopiert werden kann, ist deine Seele, falls du an so etwas glaubst.“

Yolane schnappte nach Luft. „Nein!“

„Doch! Und das ist nur eine bekannte Funktion, die die Puppenspieler mir genannt haben. Das Ding kann bestimmt mehr. Wahrscheinlich auch filtern. Da Klone letztlich dem DNA-Muster des Original-Körpers nachgebildet werden, einmal abgesehen von illegalen Klon Transfers …“

„Könnte man eine gesunde Yolane erzeugen, wenn man weiß, wie das Artefakt angesteuert wird“, ergänzte sie.

„Ja. So kann jede beliebige Person in einen Klon transferiert werden, auch ohne Vorbereitung.“

Yolane ließ sich wieder zurücksinken. „Damit kann man das Universum wirtschaftlich beherrschen! Ewiges Leben für alle, die es bezahlen können!“

„Sieht so aus. Deshalb ist kein Einsatz zu hoch, um es zu bekommen.“

„Verdammt! Ich hätte es zerstören sollen!“

„Und womit?“

„Wie?“

„Ja. Womit. Es ist vollständig immun gegen die direkte Einwirkung von Energie jedweder Art, zumindest jeder die uns bekannt ist und die wir erzeugen können.“

„Ich denke, die Puppenspieler haben dir nicht alles gesagt.“

„Natürlich nicht. Worauf willst du hinaus?“

„Es muss es etwas geben, was es steuern kann. Sie müssen zumindest eine Idee haben, was sie dafür benötigen. Sonst wäre der Besitz des Artefakts sinnlos für sie. Ich überlege gerade, was ich wohl brauchen würde, wenn ich das Ding irgendwo einbauen wollte. Das geht über reine Technik hinaus. Glaube ich zumindest.“

„Was meinst du?“, fragte Derek neugierig.

„Nicht jetzt. Gib mir noch etwas Zeit.“ Sie kam zurück ins Jetzt.

„Apropos Zeit.“ Sie sah ihn fragend an.

Derek war es sichtlich unangenehm. „Ja. Ich bin jetzt wohl auch dein Dealer.“

Er zog ein Armband aus der Tasche sowie eine Pillendose, und legte beides aufs Bett.

„Eine Woche. Spätestens dann müssen wir jemanden finden, der uns weiterhilft, oder das Angebot angenommen haben.“

„Derek, geh nicht davon aus, das die uns ohne Druck am Leben lassen. Wir müssen einen Weg finden, mindestens ein Patt erreichen.“

„Ja, ich weiß. Sie werden sich heute noch bei mir melden und ich brauche da noch eine gute Ausrede. Immerhin kann ich etwas Zeit schinden mit dem Hinweis, dass ich nicht sofort losfliegen kann.“

Er überlegte.

„Ich versuche, sie dazu zu überreden, uns ein Ziel zu nennen, welches wir anfliegen sollen. Und bis wir da eingetroffen sind, werden wir uns etwas einfallen lassen. Zumindest werde ich mich von deren technischen Möglichkeiten überzeugen, bevor sie irgendetwas bekommen.“

„Vergiss nicht, sie haben bestimmt die Mittel, von dir alle Informationen zu erhalten, die sie benötigen, sobald du in ihrer Gewalt bist. Ich bin sicher, dass sie den Dieb, der mir das Ding geschenkt hat, geschnappt und ausgequetscht haben.“

„Ok. Ich werde daran denken.“

„Gut. Jetzt müssen wir noch den Rest der Familie einweihen.“

Derek schauderte.

„Was ist?“

„Ganz offen: Romar ist noch nicht so weit, dass er vollwertig kämpfen kann. Und Tedeya jagt mir einen kalten Schauer über den Rücken, wenn ich nur an sie denke. Ich bin sicher, dass sie schon jemanden getötet hat.“

Yolane bedachte Derek mit einem seltsamen Blick.

„Herr Odean! Verrate mir bitte einmal, warum du dich dann so ins Zeug gelegt hast! Unsere Beziehung zu beenden, und zwar sehr endgültig, wäre doch wirklich die Einfachste deiner Optionen gewesen!“

Er zuckte zurück und wurde rot im Gesicht. Dann schüttelte er heftig den Kopf und grinste.

„Um dann den vermutlich kurzen Rest meines Lebens die Puppenspieler und deine missratene Tochter im Genick zu haben?“

Sie lachte auf.

„Gutes Argument. Du –“

Er umarmte und küsste Sie vorsichtig. Sie erwiderte den Kuss. Für eine Weile blieb die Zeit stehen.

„Ja“, sagte sie, schwach aber fest.

„Wir alle. Bis zur letzten Patrone, wie es früher mal hieß.“

„Aye. Wo befindet sich das Artefakt jetzt?“

„Hier an Bord. Das sollten wir noch für uns behalten.“

Er sah Sie an. „Wir treffen uns alle dann in fünfzehn Minuten hier? Ich muss auf die Brücke, mit den Puppenspielern sprechen.“

 (Fortsetzung folgt)

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