Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

 (zum Glück nur ein virtuelles Erlebnis. Oder ? 😉 )

Nama

EVE Online® and CCP® and all related logos and other elements are trademarks of CCP hf. ©CCP hf.

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Ryek saß in der Stationsbar in den Lower Decks und sah den an- und abfliegenden Schiffen zu. Ohne es wirklich wahrzunehmen, trank er seinen dritten Microwapdrive extra mit großen Schlucken, setzte das Glas hart auf dem Tresen ab und bestellte mit einem Handzeichen den Vierten.

Der Barkeeper zog überrascht die Augenbrauen hoch. Seiner Erfahrung nach waren die Gäste schon nach dem zweiten nicht mehr capstabil, nach dem dritten gepoddet. Offensichtlich besaß dieser Gast spezielle Implantate oder hatte seinen Geist von seinem Körper abgekoppelt. Er führte die Bestellung aus und zuckte innerlich zusammen, als Ryek mit einem weiteren großen Schluck das neue Glas zur Hälfte leerte.

„Probleme gehabt?“, fragte er mit professioneller Anteilnahme.

Ein Blaster, der einen Moment vorher nicht da gewesen war, lag auf dem Tresen und zeigte in Richtung des Barkeepers.

„Ich bring euch alle um“, flüsterte Ryek. „Alle.“

Seine Stimme klang tonlos und klar, nicht lallend, wie man es von einem stark Betrunkenen erwarten sollte.

„Gleich jetzt? Können wir vorher darüber reden?“ Der Barkeeper war einigermaßen stolz auf seine Menschenkenntnis, sie hatte ihm schon oft das Leben gerettet. Wenn Ryek hätte ‚alle umbringen‘ wollen, wäre das bei der Geschwindigkeit, mit der er den Blaster gezogen hatte, bereits passiert gewesen. Also konnte man es sich, mit der entsprechenden Unverschämtheit, leisten neugierig zu sein.

Ryek entspannte sich und nippte an seinem Glas. „Nicht schlecht der Saft. Noch einen.“

Der Barkeeper erbrach sich innerlich, hatte aber keine andere Wahl als den Wunsch zu erfüllen. Vielleicht starb sein Gast ja, bevor er um sich schoss. Er stellte das Glas auf die Theke und sah Ryek herausfordernd an.

„Na gut. Ich arbeite in der Security einer Corp. Naja, Security trifft die Sache nicht wirklich. Meistens jedenfalls. Wir pflegen sehr die Individuali …“, er brach ab,“dingsda. Deshalb ist nie wer da, wenns Krieg gibt.“

Er grinste. „Money for nothing and the Chicks for free.“

Der Barkeeper grinste zurück. Das hörte sich eigentlich ganz entspannt an. Warum wollte sein Gast dann den Alkoholtod sterben?

„Aaaalso. Irgendwie muss ich natürlich auch meine ISK verdienen. Zum Glück haben wir viele Kunden. Du weißt schon, Transporte, Mining, Feinde der Fraktionen eliminieren, das ganze Pod-Piloten Programm. Dazu noch etwas Forschung und Produktion.“

Der Barkeeper nickte. Ryek leerte das eine Glas und griff nach dem anderen.

„Gestern bin ich von einer längeren Tour zurückgekommen und wollte nach Bestätigung der Auftragserfüllung meine ISKies haben. Ich gehe also an meinem Terminal ins Menü für ‚Auftrag abschließen‘. Das heißt: Ich wollte in das Menü gehen. Ging aber nicht.“

Er schnüffelte an seinem Glas.

„Tut ihr keinen Alkohol mehr in die Drinks? Egal. Wie ich schon sagte: Es ging nicht. Dafür kam ein Popup-Fenster, das mich darauf hinwies, das die Abrechnungen ab jetzt mit einem neuen, effizienten Prozess verwaltet würden. ‚Bitte melden Sie sich in dem System an‘ hieß es da. Name, Einheit, Mitarbeiternummer, blablabla. Ich habe eine halbe Stunde gebraucht, um die Daten aus anderen dunklen Ecken unserer HR-Systeme zu beschaffen. Ich bin sicher, die Kollegen ohne meine Berechtigungen brauchen Tage dafür.“

Ryek griff nach dem Glas, verfehlte es knapp. Er sah überrascht auf seine Hand, überlegte es sich anders und blickte dem Barkeeper direkt in die Augen. Der blinzelte. Der Blaster war vom Tisch verschwunden.

„Geht noch.“ Ryek nickte zufrieden und griff nach dem Glas.

„Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, Anmeldung. Ja, das war dann irgendwann vorüber.“

„Und dann konntest du wahrscheinlich deinen letzten Auftrag erfassen und die Auszahlung veranlassen?“

Ryek knirschte mit den Zähnen.

„Fasssst. Beinahe. Nachdem ich den Auftrag eingegeben hatte, natürlich alles manuell, habe ich die ‚Senden‘ Taste gedrückt. Schon 5 Minuten später erhielt ich die Information, dass mein Auftrag bearbeitet wird.“

Er legte seine rechte Hand flach auf den Tresen und zog langsam seine Finger an, um eine Faust zu machen. Auf dem Schiffsmetall der Theke waren deutlich die Kratzspuren von fünf Fingernägeln zu sehen, feine Metallspäne lagen neben der Faust.

„In der Mitteilung waren diverse andere Dokumente eingebettet:

 

– Nachträgliche Materialanforderung für die verbrauchte Munition.

– Schadensbericht zum Verlust von 2 Drohnen

– Bestätigungsanforderung für die Behörden, das ich die Piraten rechtmäßig und mit behördlichem Einverständnis abgeschossen habe

– Wartungsanforderung für das verwendete Schiff, Kosten zulasten meiner Bounty

 

Und zu guter Letzt: REISEKOSTENABRECHNUNG!“

Ryek schlug seinen Kopf auf den Tresen. Das Glas machte einen kleinen Sprung.

Der Barkeeper sah Ryek mitleidig an und dachte bei sich „Warum bin ich eigentlich noch nicht tot?“

„Das Ganze in dreifacher Ausfertigung, anschließend Übertragung in die Datenverarbeitung. Aufgrund der derzeitigen Auslastung bitten wir zu entschuldigen, dass unser Shared Service Center Ihre Anfrage frühestens in 2 Wochen bearbeiten kann.“

Ryek hob den Kopf und lächelte schief.

„Keine Angst, ich zahle in bar.“

Der Barkeeper wurde kreidebleich.

„Nein! Bitte nicht! Wir haben hier alles auf bargeldlosen Zahlungsverkehr umgestellt. Wenn ich Bares annehme, brauche ich eine Stunde, um das zu verbuchen!“

Er nahm das jetzt leere Glas vom Tresen und begann mit fahrigen Bewegungen, es zu säubern.

„Die Getränke gehen aufs Haus. Ausnahmsweise. Ich habe heute meinen karitativen Tag.“

Im Geiste verabschiedete er sich von seinem Tageslohn. Fehlende Beträge wurden glücklicherweise noch ohne Papierkrieg vom Gehalt abgezogen.

Ryek sah den Barkeeper überrascht an.

„Wirklich? Na dann danke ich auch schön. Wie heißt es so treffend: Geteiltes Leid ist halbes Leid.“

Seine Miene hellte sich auf.

„Gut zu wissen, dass ich nicht der einzige Looser in diesem verdammten Universum bin. HAH!“

Er stand auf, grinste breit und machte sich auf den Weg zum Ausgang. Sein Gang ließ kein Anzeichen erkennen, dass er eigentlich nach zwei Schritten hätte umfallen müssen.

Der Barkeeper sah Ryek nach und fragte sich, wo er wohl einen Blaster beschaffen könnte …

 (Fortsetzung folgt)

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