Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(Eine typische Space-Opera Szene)

Ryek betrat den Konferenzraum. Außer einem Tisch für Sitzgelegenheiten für acht Personen hatte er keine sichtbare Einrichtung. Mr. Smith folgte Ryek und schloss die Tür.

„Ich werde ihnen jetzt etwas zeigen, was Sie nicht glauben werden. Setzen wir uns.“

Sie nahmen einander gegenüber Platz. Mr. Smith sprach in seinen Kommunikator.

„Nama, kommst du bitte herein?“

 

Eine junge Amarr trat ein. Ryek schätzte ihr Alter auf um zwanzig. Schmales Gesicht, kurzes, braunes Haar, gebräunt, hohe Wangenknochen. Eine Schönheit. Aber ihre amarr-typisch grünen Augen passten nicht zum jugendlichen Auftritt. Sie zeigten einen Schmerz, verborgen, nicht zum Alter passend. In diesen Augen zu versinken würde den Untergang bedeuten. Eine Aura von Stärke umgab sie. Ryek war sicher, er hätte sie wahrgenommen, selbst wenn der Raum komplett dunkel gewesen wäre. Seine Implantate bestätigten das, aber ohne Information warum.

Er bemerkte, dass er aufgestanden war, konnte sich aber nicht erinnern, das bewusst getan zu haben.

Ihre Stimme war klar und ohne Zögern. „Gib mir deine Waffe.“

„Aye.“

Ryek nickte und händigte ihr seinen Blaster aus. Wieso dachte er an ein Konzert, mit ihr als Solistin? Die Implantate blockierten die durcheinandergeratenen Hormone, doch es war zu spät. Sie hatte die Waffe auf ihn gerichtet. Ihr eisiger Blick durchbohrte ihn.

Ryek schüttelte den Kopf, um die Benommenheit zu vertreiben.

„Verdammt, wie hat sie das gemacht?“

Nama sicherte den Blaster und gab ihn Ryek zurück. Etwas Undefinierbares verließ seine Gefühlswelt. Er spürte einen Schmerz und das Verlangen, dass es nicht so sein sollte. Er musste sich zusammenreißen, um nicht in Tränen auszubrechen.

„Sie ist ein Naturtalent“, sagte Mr. Smith.

Ryek schluckte. „Ja. Definitiv.“ Er gab den Implantaten den Auftrag, weiterhin die Emotionen zu blockieren.

„Sie hat beim letzten Minmatar-Zwischenfall, vor einigen Jahren, mit den Minmatar auf der Amarr-Seite verhandelt. Der Minmatar-Gesandte wurde anschließend hingerichtet, weil er vor ihr auf die Knie gefallen ist. Hätte CONCORD nicht die Moderation gehabt, dann hätten sich die Minmatar wahrscheinlich entschuldigt, dass sie der Amarrischen Invasion Widerstand geleistet haben.“

Nama lächelte überlegen.

„Wir konnten Nama bewegen, beide Seiten positiv zu beeinflussen. Es gab nicht nur einen Waffenstillstand, sondern auch Ansätze für ein sektorweites Friedensabkommen. Beide Seiten haben darauf bestanden, dass Nama nicht mehr an den Verhandlungen teilnimmt.“

Ryek war immer noch erschüttert. „Kann ich mir vorstellen.“

„Es wird angenommen, dass Nama in direkter Linie Nachkomme eines der Propheten ist. Soweit es möglich ist, siebentausend Jahre in die Vergangenheit zu sehen.«

„Nein, sie hat keinen Anspruch auf irgendwelche Herrschertitel“, kam Mr. Smith Ryeks Frage zuvor. „Es ist allein die Macht ihres Glaubens an ihre Fähigkeit, den Sie spüren.“

Namas Lächeln wurde intensiver. Ryek wurde kalt. Sehr kalt.

„Ich möchte mich nicht entschuldigen. Mr. Smith war sicher, dass Sie nur das glauben, was Sie sehen.“

„Nenn mich Ryek.“ Er sprach mit rauer Stimme weiter. „Aye. Ich glaube. Ich werde dich töten, wenn das noch einmal passiert.“

„Das war der Zweck der Übung“, sagte Mr. Smith. „Nama ist Ihr Passagier. Sie werden jede Hilfe brauchen, die Sie bekommen können.“

„Das haben Sie schon auf der Fahrt hierher gesagt.“

„Nama hat ebenfalls Informationen erhalten. Wenn klar ist, ob sie beide zusammenarbeiten können, dann erkläre ich den Rest.“

„Ist Nama genauso freiwillig dabei wie ich?“

Nama sah Mr. Smith an. „Diese Information steht ihm nicht zu.“

Mr. Smith zögerte. „Es ist Namas Entscheidung, Ihnen das mitzuteilen.“

„Schon gut. Ich kann mir da einiges zusammenreimen. Ihr Amarr seid ja so stolz auf eure Traditionen. Und Familienmenschen. Dann bleiben zwei interessante Möglichkeiten. Erstens: Mr. Smith hat mir Namas vollen Namen nicht gesagt, damit ich nicht vorab vor Ehrfurcht erstarre.“

Er grinste breit. Nama zuckte zusammen und warf ihm einen mörderischen Blick zu.

„Danke, eure Heiligkeit.“ Ryeks Grinsen wurde noch breiter. „Damit hast du dich verraten. Zweite Möglichkeit: Deine Friedensaktion ist bei deinem Volk und deiner Familie nicht auf Gegenliebe gestoßen. Vielleicht hast du sogar zuerst den Auftrag erhalten, die Sache im Sinne Amarrs zu regeln. CONCORD hat dich überredet, zu versagen. Nicht wahr?“

Nama spannte ihren Körper an, als wollte sie sich im nächsten Moment auf Ryek stürzen.

„Was fällt dir ein, Ungläubiger –“

„Deine Familie hat dich aus ihrem Stammbuch gestrichen. Du bist nichts mehr. Ich nehme an, dass du an einer Eliteschule studiert hast. Nun leider nicht mehr. Wie schade!“

Mr. Smith stellte sich zwischen die beiden.

„Richtig geraten. Namas Mitarbeit an diesem Auftrag könnte dazu führen, dass sie voll rehabilitiert wird.“

„Aber bis dahin –“ Ryek ließ den Satz offen.

„Bis dahin kann ich auch dann nicht tiefer fallen, wenn ich dich umbringe, Ryek Darkener“, zischte Nama.

Ryek sah Mr. Smith an. Er nahm seinen Blaster, prüfte, ob er gesichert war, trat einen Schritt zur Seite, warf die Waffe zu Nama hinüber und kam an seinen alten Platz zurück.

Nama fing den Blaster auf, trat einen Schritt zurück, entsicherte die Waffe und richtete sie auf Mr. Smith.

„Sie stehen im Weg.“

„Wir treffen uns gleich in Ihrem Büro. Wenn ich mich mit Nama darauf verständigen sollte, wie wir miteinander umgehen werden“, sagte Ryek. „Ohne Zeugen.“

Mr. Smith signalisierte Zustimmung und ging zur Tür.

„Machen sie bitte nichts kaputt, was sich nicht wieder reparieren ließe. Wie ich schon sagte: Sie beide sind meine einzige Chance, meinen Auftrag zu erfüllen.“

Er schloss die Tür und machte sich auf den Weg. Nach einigen Schritten verhielt er. Hatte er da – nein, das konnte nicht sein. Und falls doch, dann würde er den Überlebenden töten müssen. Er ging weiter.

 (Fortsetzung folgt)

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