Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

„Aber echte, lebende Duplikate sind damit nicht möglich?“, hakte Ryek nach.

„Was an Bewusstsein, Persönlichkeit und Erinnerung erfassbar ist, bleibt in diesem Artefakt dauerhaft gespeichert. Es ist allerdings, wie in unserer Technik, seelenlos. Wenn man an eine unsterbliche Seele glaubt. Die Erzeugung lebender Duplikate ist nicht möglich.“

Namas sagte verträumt: „Welche Möglichkeiten! Welches Wissen man so erhalten könnte!“

„Leider nein“, sagte Mr. Smith. „Die Speicherung ist nicht mischbar und an die jeweilige Person gebunden. Wie viele Einzelpersonen das Artefakt speichern könnte: unbekannt. Möglicherweise ist ein nur lesender Zugriff möglich, für Menschen mit sehr speziellen Fähigkeiten vielleicht auch mehr. “

Mr Smith sah Nama an.

Nama zuckte zusammen. „Was?“

„Was mit unseren Werkzeugen zugänglich ist, das ist die erste Schicht. Der Mensch, der es zuletzt hatte oder benutzt hatte. Die Schichten darunter sind nicht greifbar. Eventuell sind sie aber für dich erreichbar. Es ist dein Auftrag, das zu prüfen.“

Nama sah Mr. Smith entsetzt an. Mr. Smith fuhr ungerührt fort.

„Das Artefakt stammt aus einem System, in dem ein kompletter Planet durch eine Waffe ausgelöscht wurde. Soweit wir es wissen, mit einen einzigen Schuss. Als ob ein Engel den Planeten erschlagen hätte. Kennt sich jemand von euch mit der alten Bibel der Erde aus? Sodom und Gomorrha?“

„Schon mal gehört. Soll ziemlich unlustig für die Verlierer gewesen sein.“

Mr Smith nickte Ryek zustimmend zu. „Genau. Wir nehmen an, dass das Artefakt und die Waffe in einem Zusammenhang stehen. Weil dieses Ding mit allem irgendwie in Zusammenhang steht. Wir haben Hinweise, dass diese Waffe noch existiert. Und wir haben keine Ahnung, was sich die Leute, die das gebaut haben, sich dabei gedacht haben. Zumindest die letzte Frage hoffen wir mit dem Artefakt zu beantworten.“

Ryek räusperte sich.

„Ihr Altruismus in Ehren. Aber ich kann mir vorstellen, dass es im Empire auch handfeste wirtschaftliche Interessen zu diesem Thema gibt. Menschen, die alles tun werden, um diesen Gegenstand zu erhalten.“

„Sie sagen es. Wie ich schon erwähnte, wissen wir mit einiger Wahrscheinlichkeit, wer das Artefakt hat. So wie es aussieht Amateure. Sie scheinen nicht zu wissen, was sie da haben, aber es hat sich schon ein Abnehmer gefunden. Den wir bisher nicht eindeutig identifizieren konnten.“

„Ziemlich viele ‚Vielleicht‘ für meinen Geschmack. Kann es sein, das Sie Nama und mich da auf ein Himmelfahrtskommando schicken?“

„Ja. Verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen.“

„Und natürlich keinerlei Unterstützung durch CONCORD.“

„Keine Unterstützung durch CONCORD, außer durch mich. CONCORD und die lokalen Behörden werden wegsehen, wenn sie Gewalt anwenden müssen, das heißt, zu spät kommen, wenn sie schnell genug sind. Auch im Highsec, also den Sternensystemen mit starker Präsenz von Sicherheitskräften.“

„Interessant. Wie kriegen Sie das denn hin?“

„Mit meinem Einfluss hier. Mit ISK an anderer Stelle. Mit sehr viel ISK. Und einer guten Lüge. Mehr werde ich darüber nicht sagen.“

„Was springt für uns dabei heraus?“, fragte Nama.

Mr. Smith zog in gespielter Überraschung die Augenbrauen hoch.

„Oh. Ich dachte, ich hätte es schon erwähnt. Rehabilitierung, auf die eine oder andere Art. Wolltest du etwa mit mir verhandeln?“

Nama lächelte.

„Jetzt nicht. Aber später vielleicht? Überhaupt: Wie sollen wir unter diesen Bedingungen erwarten, mit dem Leben davonzukommen, sobald wir haben was Sie wollen?“

Mr. Smith ballte die Fäuste.

„Es ist ganz einfach. Ich werde überwacht, und so wie ich bei CONCORD Leute bestechen kann, so können das auch andere. Ich habe keine Möglichkeit, euch irgendetwas mitzugeben, was MEINE Arbeit erleichtern würde. Eine Bombe an Bord des Schiffes, Gift, eine Eingreiftruppe die wartet, bis ihr erfolgreich seid. All das würde Aufmerksamkeit erregen. Sobald ihr das Büro verlasst, seid ihr zwei Vitoc Schmuggler, die ich aus Mangel an Beweisen laufenlassen musste. Wenn wir uns nicht einigen, seid ihr zwei Vitoc Schmuggler, die ich gestellt habe. So sieht es aus.“

Ryek sah Nama an. Sie nickte.

„Gut Mr. Smith. Sie haben ihre Mitarbeiter. Nama wird die Führung übernehmen. Ich bin nur der Pilot. Wie immer. Sie kennen das ja schon.“

Nama sah Ryek überrascht an.

„Nama, wir müssen an deinem Langzeitgedächtnis arbeiten. Schon vergessen?“

Sie gab ihm eine Ohrfeige.

Ryek wich nicht aus. Und verneigte sich.

„Aye.“

Mr. Smith sah die Beiden verständnislos an.

Ryek lachte.

„Das war ich ihr schuldig. Wir bleiben in Kontakt. Ich bin sicher, dass Sie noch einiges mehr tun müssen, als uns loszuschicken. Bereiten Sie sich auf das Schlimmste vor.“

Als sie das Büro verlassen hatten, sagte Mr. Smith bei sich: „Natürlich. Das tue ich immer.“

 (Fortsetzung folgt)

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