Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

Das Automatikfahrzeug setzte sich in Bewegung zu den Schiffshangars.

„Danke.“

„Wofür?“

„Das du mein Selbstvertrauen nicht zerstört hast.“

Er sah sie an.

„Du wirst alles geben müssen, was du hast, um hier lebend rauszukommen. Ich kann keine Partner brauchen, die nach einer Niederlage liegenbleiben und auf den Tod warten.“

„Wenn ich mir deine positive Lebenseinstellung ansehe, dann weiß ich, warum die Amarr immer noch führend in dieser Galaxis sind.“

Er lachte sie an.

„Im Weltraum hört dich keiner schreien. Und die Zyniker sind klar in der Mehrheit bei den Raumpiloten. Warum nur?“

„Wie geht es weiter?“

„Mr. Smith wird uns informieren, sobald er weiß, wo unser Ziel ist. Dann starten wir, nehmen es auseinander und bringen ihm das Artefakt. Ganz einfacher Plan.“

„Ryek! Ich bin zwar nur halb so alt, wie du aussiehst, aber ich bin nicht naiv!“

„Und warum sitzt du dann jetzt neben mir?“

„Der Punkt geht an Dich“, gab Nama säuerlich zu.

„Du hast recht. Die Wahrheit wissen im Moment weder Mr. Smith noch sonst jemand. Ich rechne mit einem vermeintlich leichten Gegner. Wenn ich so losrenne wie du vorhin, dann werde ich was auf die Nase bekommen. Also werden wir uns vorbereiten und der Situation angepasst starten. Mr. Smith sprach von einem Pod Piloten samt Anhang. Ich glaube nicht, dass die mit einem Schlachtschiff unterwegs sein werden. Eher mit etwas Kleinem und Schnellem. Mal sehen, was so in meinem Hangar herumgammelt.“

„Ihr Caldari kommt gleich nach den Minmatar. Die schrauben alles zusammen und behaupten es fliegt, und die Caldari stapeln alles in der Hoffnung, es irgendwann teuer verkaufen zu können. Ihr seid alle Kinder. Was tätet ihr nur ohne uns?“

Er grinste.

„Da fällt mir ein, dass ich jemanden brauche, der meine Schiffe aufpoliert. Wäre doch ein Job für dich, oder? Ich stelle die Zahnbürsten und die Politur. Für ein so gepflegtes Schiff zahlen die Minmatar bestimmt ein Vermögen.“

„Denk nicht mal daran.“

„Ich denke, was du gleich sehen wirst, das wird dir gefallen.“

Sie erreichten die Kapitänsquartiere und stiegen aus.

„Hm, du nimmst dann wohl besser den Lieferanteneingang.“

„Jetzt reicht es aber!“

„Denk dran: Wer rot sieht, der sieht sonst nichts.“

Nama atmete heftig ein und verzichtete auf eine Antwort.

 

Ryek öffnete die Tür und ließ Nama den Vortritt.

„Bitte keine Knöpfe drücken, ohne mich vorher zu fragen. Ich leide an Verfolgungswahn. Ein Teil der Einrichtung hier auch.“

Nama betrat den Raum und sah sich um.

„Ehrlich gesagt, ich habe da mehr erwartet.“

„Ich bin Caldari. Was soll ich mit Gebetsteppich und Heiligenstatuen?“

„Nein. Das ist es nicht. Diese Wohnung wirkt leblos, unbewohnt. Als ob nie jemand da wäre. Hier ist weniger als nichts.“

Sie deutete auf die Einrichtung: Tische, Möbel, Bildschirme.

„Es ist, als hätte vor uns noch nie jemand den Raum betreten. Keine Bilder. Nichts Persönliches. Wenn du nicht neben mir stehen würdest, dann würde ich behaupten, du seist jemand anderes.“

Ryek zuckte zusammen. „Du kannst doch nicht etwa Gedanken lesen?“

„Nein. Nicht in diesem Sinne. Gefühle. Stimmungen. Sonst wäre ich nicht die, die ich bin.“

„Möglichst wenig Spuren zu hinterlassen gehört zu dem, was ich bin.“

Nama ging nicht weiter darauf ein.

Sie stutzte. In einer Nische, die erst zu erkennen war, wenn man den Raum betreten hatte, stand ein Getränkeautomat, wie man ihn in einer Kantine erwarten würde. Mannshoch, gut einen Meter breit, mit interessanten Lichteffekten an der Oberfläche. Nama war überrascht.

„Was ist das denn für ein Monstrum?“

Ryek lächelte vielsagend. „Amarr-Technologie, Cutting Edge, besonders das Mahlwerk. Es gibt nichts Besseres in New Eden. Der Kaffee ist echt.“

„Darf ich?“

„Bedien dich.“

Nama ging zu Automaten und berührte das ‚Kaffee’–Sensorfeld. Eine Tasse aus Porzellan schob sich in die Ausgabe, es zischte leise, angenehmer Kaffeegeruch durchzog den Raum. Sie schloss die Augen.

„Das ist echter Luxus! Den hätte ich bei Gallentes erwartet.“

„Flieg du mal dein halbes Leben in einem Gelpad, dann freust du dich auch über alles Echte.“

Nama genoss den Kaffee.

„Und was wolltest du mir zeigen?“

„Moment.“

Ryek ließ sich auf die Couch fallen und gab einige Befehle auf der Tastatur im vor ihm liegenden Tisch ein.

„Ja, das ist es. Gehen wir.“

 (Fortsetzung folgt)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s