Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(Das Menu wird angerichtet, die Musik bestellt …)

Der Vorteil der Kapitänsquartiere liegt darin, dass sie über einen Balkon verfügen, der in die Schiffs-Abfertigungszone hineinreicht. So lassen sich Arbeiten bequem überwachen. Eine Transportplattform steht bereit, um Passagiere zum gewählten Schiff zu bringen. Nama trat neben Ryek auf den Balkon. Und schnappte überrascht nach Luft.

„Wow! Ja. Das gefällt mir. Deine Firma muss gute Beziehungen haben.“

„Geht so.“

Unter ihnen lag eines der Prachtstücke amarrischer Kriegsschiffbaukunst. Die gepfeilte Form war unverkennbar. Sie war das Letzte, was viele im Raumkampf gegen Amarr zu sehen bekamen. Ein flacher, schwarz-silberner Pfeil, dreihundertfünfzig Meter lang, ausrüstbar mit einer Menge von Dingen, die dem Gegner das Leben schwer machen konnten. Es war weniger die direkte Feuerkraft, als vielmehr das Vermögen, einen Gegner energetisch so weit zu schwächen, das dieser keinen ernsthaften Widerstand mehr leisten konnte. Die Curse ist das Spitzenprodukt amarrischer Technologie auf dem Gebiet bewaffneter Aufklärung. Die Amarr sind sehr zurückhaltend damit, diese Produkte an andere zu verteilen, was sich im prohibitiven Preis für Schiff und Module ausdrückt. Außerdem muss man ein sehr gut trainierter Pilot sein, um wirklich etwas mit diesem Schiff anfangen zu können.

„Mit dem Teil könntest du die Hälfte meiner früheren Studienkolleginnen abschleppen. Einmal dieses Monster fliegen dürfen! Allein mit dem Kapitän auf der Brücke!“

„Da wären wir beim Thema.“

„Hey, das war ein Scherz!“

„Ich scherze nicht bei so etwas. Kannst du das Ding fliegen?“

„Uff! Ich dachte …“

Ryek grinste unverschämt. „Könntest du bitte einmal meine Frage beantworten.“

„Also wirklich! Ihr Caldari denkt immer an das Eine!“

„Ich warte.“

„Ich kann das Schiff bewegen. Ein paar Dinge habe ich bei CONCORD gelernt. Allerdings kann ich wohl kaum die Waffenmodule so effektiv steuern wie du.“

„Gut. Das muss reichen. Wir werden uns etwas zusammenprogrammieren bis heute Abend. Kommst du?“

Er aktivierte die Transportplattform. Nama zögerte.

„Was ist?“

„Ich bin mir nicht sicher, wie weit ich dir trauen kann, was deine Absichten mir gegenüber angeht.“

„Willst du wissen, was ich will, oder willst du wissen, was ich tue?“

„Beides?“

Ryek seufzte tief.

„Wir sind Partner. So wie Mr. Smith es sagte. Ich werde alles tun, was notwendig ist, um diesen Auftrag zu erfüllen. Wirklich alles. Ich glaube, du weißt noch nicht, was da auf uns zukommen kann. Denk mal darüber nach.“

„Du hast meine Frage nicht komplett beantwortet.“

„Wenn ich eine Tochter hätte, wünschte ich, sie wäre wie du. Ich würde sie eher umbringen, als auf diese Mission mitzunehmen. Was ich tun werde: Wenn wir mit der Arbeit fertig sind, sperre ich dich in einer Kabine ein. Und gehe in meiner eigenen sehr kalt duschen.“

Nama lachte. „Hört sich vernünftig an. Dann wollen wir mal.“

Sie hakte sich bei Ryek ein.

„Hätte ich bloß die Klappe gehalten“, brummelte er.

 

* * *

 

„Wir haben die Information. Sie wollen nach Pamah?“

„Pamah? Aber da ist doch gar nichts!“

„Ich war auch erstaunt. Sieht nach einer Falle aus. Unsere Gegner scheinen sich sehr sicher zu sein, dass sie dort alles bekommen werden.“

„Wir müssen sie aufhalten!“

„Das wird geschehen.“

„Wir brauchen Sie lebend. Wenn es möglich ist.“

„Ich tue, was ich kann, aber ich kann nicht zaubern!“

„Wir werden sie in Pashanai aufhalten. Am Sprungtor nach Pamah.“

„Das sollte gehen. Was sagen die Amarr dazu?“

„Es wird die Beziehungen nicht verbessern. Aber im Moment akzeptieren sie es noch. Mit Sicherheit für nicht mehr als ein Sprungtor.“

„Nicht sehr kooperativ, wenn ich das bemerken darf. Steckt da vielleicht noch mehr dahinter? Egal. Bereiten sie die offizielle Gefangennahme vor.“

„Was ist mit Ihrer Falle?“

„Hat sich damit erledigt. Ich werde mich auf den Weg nach Pashanai machen. Und dort das Verhör leiten.“

 

 

* * *

 

 

„Es klappt!“

„Dann steige ich jetzt in den Pod“, sagte Derek.

„Den Rest dann per Kom oder über die Systeme“, stimmte Tedeya zu.

„Romar, du unterstützt Tedeya bei der Konfiguration. Ich weiß, dass das alles auch automatisch geht. Aber so kann es erst erkannt werden, wenn es eingegeben wurde. Falls jemand es schafft, unsere Datenbanken mitzulesen. Ich gehe davon aus, dass die Behörden das versuchen werden. Haltet Systeme und Firewalls im Auge.“

„Aye.“

„Dann bin ich jetzt also ein Iteron Typ V Transporter.“

Tedeya grinste.

„Zumindest, bis wir auf der anderen Seite sind. Was darfs denn dann sein? Yolane, wie sieht es bei dir aus?“

Yolane meldete sich aus ihrer Kabine.

„Alles klar, Ted. Ich bin online. Und müde. Ihr macht das schon.“

***

 

Ryek klopfte an die Tür. Keine Reaktion. Das hatte er auch nicht anders erwartet. Er entriegelte sie und betätigte den Öffnungsmechanismus. Seine Reflexe halfen ihm knapp, dem Raumstiefel auszuweichen.

„Hau ab!“

„Ich habe dir doch gesagt, dass ich an Verfolgungswahn leide. Niemand läuft hier frei herum, wenn ich schlafe, kapiert?“

Der zweite Stiefel knallte hinter ihm an die Wand.

„Mr. Smith hat sich gemeldet. Es geht los. Ich sehe dich in fünf Minuten auf der Brücke, mit oder ohne Stiefel. Hör auf dich zu beschweren. Du wolltest schließlich allein schlafen.“

„Ha. Ha.“

Es klang nicht sehr überzeugend.

„Ich bringe Kaffee mit, ok?“

„Na gut, von mir aus.“

 (Fortsetzung folgt)

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