Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(…  der Kampf ist vorüber, die Lage dennoch angespannt … )

„Yolane?“

Etwas zischte. Sie schüttelte unwillig den Kopf.

„Yolane?“

Der Booster war stärker als sie. Ihr Kreislauf setzte sich widerwillig in Bewegung. Sie schlug die Augen auf.

Vor ihr stand der Mann, der fast ihre Tochter getötet hatte. Sie erinnerte sich. Wer war das? Sie hatte ihn nie vorher gesehen. Ihn mit ‚Joret‘ angeschrien. Das war der Name ihres ersten Partners, des Vaters von Tedeya. Aber Joret war Gallente gewesen! Schon Jahre tot! Wieso hatte dieser Caldari-Mann darauf reagiert? Sie mit ihrem Namen angesprochen?

„Kennen wir uns?“

Der Angesprochene lächelte, aber seine Augen zeigten, dass ihm nicht zum Lachen zumute war.

„Ja. Wir kennen uns. Gewissermaßen. Von mir aus gesehen: aus einem früheren Leben.“

„Sie glauben an Reinkarnation?“

Er lachte rauh.

„Ja. Definitiv. Sonst hättest du mich nicht aufhalten können, Yolane.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Dein Kopf hat es nicht verstanden. Aber dein Herz. Du hast mich bei meinem geheimen Namen gerufen. Das ist, glaube ich, eine gute Umschreibung.“

„Ich bin nicht zum Scherzen aufgelegt, Mann! Ich stehe an der Schwelle zum Tod und würde es begrüßen, mit besseren Gefühlen, als ich im Moment habe, diese Welt verlassen zu können.“

Der Caldari überlegte eine Weile. Dann schien er zu einem Entschluss gekommen zu sein.

„Joret Cheng ist vor ungefähr acht Jahren gestorben. In einer medizinischen Einrichtung. Im Raum für die Bewusstseinstransfertechnik.“

„Das weiß ich auch. Woher wissen Sie das?“

„Was hat dich bewegt, mich mit ‚Joret‘ anzuschreien? Einen völlig Unbekannten? Dazu Caldari?“

Er sah sie belustigt an.

Yolane wartete eine Weile, aber eigentlich nur, um zu prüfen, ob sie ihm es sagen sollte.

„Ihre Geschwindigkeit. Ich habe so etwas bisher nur bei Joret gesehen. Einmal. Als wir uns in einer Bar mit einigen Betrunkenen geprügelt haben, die sich abfällig über meine Installationen geäußert hatten.“

Sie lachte.

„Es war wie im Zeichentrick. Völlig abgefahren. Stroboskopisch. Genial. Ich bedaure, dass ich es nicht gefilmt habe.“

Sie zögerte.

„Vielleicht war es auch besser so.“

„War es.“

„Tedeya hat etwas davon geerbt, aber trotz ihrer Implantate ist sie nie so schnell gewesen. Aber gut genug, um alle zu verprügeln, die nicht so wollten wie sie.“

Jetzt lachte der Fremde.

„Kann ich mir vorstellen. Eine wandelnde Smart Bomb. Wie es aussieht, mit einem sehr empfindlichen Zünder.“

„Ja. Sie ist sehr impulsiv.“

„Wie du auch, Yolane.“

„Verdammt, wenn du mich so ansprichst, fühle ich mich an Joret erinnert.“

„Das kann ich verstehen. Ich bin Joret. Teilweise.“

Sie sah ihn mit großen Augen an.

„Teilweise?“

“ Joret Cheng ist damals gestorben. Sein Körper wurde zerstört.“

„Und der Rest?“

„Steht jetzt hier vor Dir. Teilweise. Der nicht-körperliche Teil. Der der unter der Oberfläche ist, wie bei einem Eisberg.“

„Heißt?“

„Joret hat es nie geschafft, einen Klon von sich anfertigen zu lassen.“

„Ich weiß. Der verhinderte Raumpilot. Zu alt. Mit zwanzig. Zu arm.“

„Ich dachte, du hättest mich damals auch wegen des Geldes als Partner akzeptiert.“

Sie wurde rot.

„Ich war jung. Ich wusste im Gegensatz zu Joret genau, was ich erreichen konnte. Ein Studium und dann eine Arbeit im künstlerischen/technischen Bereich, Kinder, finanzielle Sicherheit. Und Spaß. Joret war die perfekte Besetzung. Nicht nur als Geldquelle.“

Er lächelte, entspannt. „Ja, es war eine schöne Zeit. So gesehen, war es auch für mich ein gutes Geschäft.“

„So was kann nur ein Caldari sagen!“, schnappte Yolane. „Wer sind Sie?“

„Jetzt bin ich Ryek Darkener. Caldari. Raumpilot, wie ich es mir immer gewünscht habe.“

„Herzlichen Glückwunsch, Herr Raumpilot. Und was genau ist der Grund für die Ehre dieses Überfalls?“

Sie sah ihn besorgt an.

„Wie geht es den anderen?“

„Sie sind alle am Leben. Und getrennt eingesperrt.“

„Warum?“

„Darüber werde ich später mit euch allen reden. Einzeln und zusammen. Nachdem ich herausgefunden habe, warum ich losgeschickt wurde, um bei Bedarf meine Familie zu ermorden!“

Er starrte sie wütend an.

„Deine Familie? Entschuldige Ryek, davon solltest du herunterkommen.“

„Wieso?“

„Wie du schon gesagt hast: Joret ist tot. Die Person, die die Verbindung zu mir und Tedeya hatte, ist tot. Wir sollten es dabei belassen. Und für uns behalten.“

Rye stimmte zu.

„Wenn es so sein soll, dann soll es so sein. Es stimmt ja auch: Meine Gefühle zu dir habe ich nicht in diesen Körper mitgenommen. Andere Gene, Hormonkombinationen, und auch andere Emotionen. Du verstehst das ja auch vom technischen Standpunkt her, nicht wahr?“

„Natürlich. Ich bin immer noch in meinem Beruf unterwegs.“

„Trotzdem habe ich noch ein paar Fragen. Ich weiß auch schon, wem ich sie stellen werde“, knurrte Ryek. „Yolane, ich bin nicht hier, um mich bei dir in Erinnerung zu bringen. Ich brauche Informationen.“

„Welcher Art?“

„Was hast du gemacht, nachdem ich euch verlassen hatte? Gab es, insbesondere in den letzten fünf Jahren, besondere Ereignisse?“

„Warum sollte ich dir das erzählen?“

„Weil ich geschickt wurde, um das herauszubekommen. Wenn ich es nicht herausbekomme, wird der Nächste, der geschickt wird, keine Fragen mehr stellen.“

„Wer hat dich geschickt?“

„CONCORD.“

„Niemals! Die vergeben keine Mordaufträge, um unschuldige Zivilisten zu töten!“

„Vor einer Polizeibehörde ist niemand unschuldig. Das ist Fakt. Du scheinst in näherer Vergangenheit mit einem Gegenstand hantiert zu haben, der nicht für dich gedacht war. Klingelt es da bei Dir?“

„Ich weiß nicht, wovon du redest.“

Er lächelte.

„Deine Augen haben dich verraten. Wie immer.“

„Und wenn schon. Es gibt keine Beweise“, gab sie ihm schmollend recht.

„Yolane. Von wem wollt ihr getötet werden? Von mir im Auftrag von CONCORD, oder von den Leuten, zu denen ihr unterwegs seid?“

Sie zuckte zusammen. „Das kann ich nicht alleine entscheiden.“

„Gut. Wir reden gemeinsam darüber. Wenn ihr mich überzeugt, habt ihr einen Verbündeten und eine kleine Chance. Wenn nicht …“

Er ließ den Satz offen.

„Dann sterben wir alle.“

„Ja.“

 (Fortsetzung folgt)

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