Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(… )

„Danach ist im gesamten Sektor Sinq der Vitoc Markt zusammengebrochen. Habt ihr auch nur eine Idee davon, wie viel ISK man dafür in die Hand nehmen muss?“

„Ich kann mir vorstellen, dass das recht teuer ist“, meinte Derek.

„Laut Scope Magazin etwa zehn Milliarden ISK. Pro Woche.“

„Oha!“ Romar war beeindruckt.

„Alles für einen unscheinbaren roten Kristall. Nun ja. Nach einer Woche war Yolanes Vorrat aufgebraucht, Sie fällt ins Koma und wird von Tedeya und Romar ins Med Center gebracht. Die Amarr stellen sich taub, schließlich läuft der Prozess gegen sie ja noch. Derek erwirkt eine Stasis Aufbewahrung. Für einen Monat. Ein Monat, in dem der Markt für Vitoc weiterhin platt ist. Derek, wer hat dir das Vitoc gegeben?“

„Die Puppenspieler. Wer sonst?“

„WAS?“ Yolane starrte Derek abgrundtief entsetzt an.

„Was glaubst du denn? Die haben mich überwacht. Ich bin an meine Quellen nicht herangekommen, nirgendwo in ganz New Eden!“ Derek schluckte. „Ja. Und dann haben sie mir diesen Vorschlag gemacht. Beschaff uns den Kristall und wir sorgen dafür, dass Yolane einen Vitoc-freien Klon erhält. Sie sagen, dass sie bei der Erstellung die veränderte DNA ausfiltern können.“

 

„Was nicht geht.“

Jetzt galt Tedeya die Aufmerksamkeit.

„Nein. Es geht nicht. Nicht mit uns bekannter Technik. Die Vitoc Abhängigkeit ist weit tiefergehend. Die bekannten Gegenmittel verzögern nur den Tod unendlich lange und haben heftige Nebenwirkungen, sie heilen aber nicht. Das ist zumindest die Information, die ich erhalten habe. Yolane reagiert auf kein bekanntes Gegenmittel.“

Sie sah ihre Mutter bedauernd an.

„Sorry, aber wenn von den Puppenspielern keiner etwas entwickelt hat, was aus unserer Sicht weit in der Zukunft liegt, wirst du immer Vitoc brauchen.“

„Ich habe es mir fast gedacht“, sagte Yolane resignierend.

„Das ist der Punkt, an dem wir uns jetzt befinden“, nahm Ryek den Faden wieder auf. „Nehmen wir einmal an, die Puppenspieler, wie ihr sie nennt, haben eine Möglichkeit gefunden.“

„Ja?“

„Dann würden sie sie trotzdem niemals euch zur Verfügung stellen, Derek. Egal was sie mit dir ausgemacht haben. “

Derek senkte den Kopf und starrte auf den Boden.

„Aber wir sind noch nicht am Ende. Wenn es denn eine solche Technik gäbe, dann würde sie vielen Menschen die Möglichkeit bieten, die Klontechnik zu nutzen.“

„Warum?“

„Die Kapselpiloten durchlaufen einen harten Ausleseprozess. Nur die wenigsten, die ein Raumschiff fliegen können, sind auch in der Lage, den Pod zu meistern. Im Pod lässt du deinen Körper so weit hinter dir, das du ihn nur noch als Hülle wahrnimmst, ein Aufenthaltsort von vielen. Deshalb hat ein Pilot, der im Kampf seinen Klon verliert, häufig Anpassungsschwierigkeiten mit seinem Körper. Beim gewollten Klon-Transfer ist es ähnlich, aber nicht so stark. Ein unausgebildeter Mensch stirbt üblicherweise dabei. Es sei denn, es gäbe eine Möglichkeit, weit mehr zu übertragen, als es uns bisher möglich ist. Dann wäre es nicht wie ein Sprung in ein unbekanntes Gewässer, sondern wie Einschlafen und wieder aufwachen. Deine Kopie wäre dann näher am Original.“

Derek lächelte schräg, Yolane erwiderte sein Lächeln.

„Ich glaube, der Kristall hat damit zu tun. Er scheint eine Art von Schlüssel zu sein, vielleicht auch ein holistischer Datenspeicher. Ich weiß es nicht.“

„Ja! Möglich!“ Derek stand auf. „Yolane, es ist wirklich so! Wann immer ich das Ding in die Hand nahm, war es so, als ob du neben mir stehen würdest!“

„Das Ding hat eine Kopie von mir gemacht?“ Es war Yolane anzusehen, dass diese Einschätzung nicht in ihrem Sinne war. „Super! Vielleicht kann es mich dann auch vervielfältigen?“

„Bisher ist die Erschaffung einer lebensfähigen Kopie eines Bewusstseins gescheitert. Ich glaube, an prinzipiellen Dingen. Ich lasse dahingestellt, ob diese Prinzipien religiöser oder technischer Natur sind“, wandte Ryek ein.

„Es braucht mehr als nur den Kristall. Eine Technik, die wir nicht kennen, und – verdammt!“

„Ryek?“

Ryek war aufgesprungen.

„Ich bringe ihn um!“

„Ryek? Alles in Ordnung?“

Dereks Stimme klang besorgt.

Es war zu sehen, wie Ryeks Implantate schalteten. Sein erregter Gesichtsausdruck verschwand, als ob man sein Gesicht übermalt hätte.

„Ja. Für den Moment. Ich habe gerade etwas begriffen, was mir gar nicht gefällt.“

Er schüttelte sich.

„Egal. Ich glaube, eure Erpresser benötigen den Kristall. Vielleicht auch Yolanes technische Expertise. Da bin ich mir aber nicht sicher.“

Yolane nickte. „Daran habe ich auch schon gedacht.“

„Was haben Sie denn so in Ihrem Keller, Frau Frankenstein?“, stichelte Tedeya.

„Sehr komisch.“

„Was sie noch brauchen ist etwas, was nicht technisch herstellbar ist. Etwas, was es so gut wie nicht in diesem Universum gibt. Eine Fähigkeit. Ehrlich gesagt, ich verstehe gerade nicht wirklich, warum CONCORD das zulässt, womit ich beauftragt wurde. Aber ich werde es herausbekommen.“

Die Maske verschwand. Ryek kämpfte immer noch mit seiner Fassung.

„Sei es drum. Dann will ich auch euch gegenüber so offen sein, wie es möglich ist.“

 (Fortsetzung folgt)

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