Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(Wenn man den Protagonisten fragt, ob er weiß, was auf ihn zukommt, dann hat man auch den Leser darauf vorbereitet. Natürlich ohne alles vorher zu verraten. 😉 )

Nama betrat Ryeks Kabine.

„Nimm Platz.“

Sie setzte sich auf die Koje und lehnte sich an die Wand.

„Recht so?“ Sie lächelte einladend.

Ryek räusperte sich und blieb vor ihr stehen.

„Du kannst andere auch dann verwirren, wenn du nichts sagst. Gut.“

Sie sah ihn fragend an. Er setzte sich neben sie.

„Ich hatte gerade ein sehr unangenehmes Gespräch mit CONCORD. Mr. Smith hat mir einen weiteren Brocken hingeworfen. Allerdings ist der Auftrag nicht für mich, sondern für dich. CONCORD hat einen Mitarbeiter der Puppenspieler identifizieren können. Sie suchen nach Fähigkeiten. Fähigkeiten, Dinge zu analysieren, die man üblicherweise nicht einmal wahrnimmt.“

Nama nickte.

„Ich wusste bis eben nicht, das die Dankbarkeit Amarrs für deine Verdienste sich in so engen Grenzen hält.“

Nama unterdrückte einen Wutschrei. „Diese Idioten! Ich habe einige tausend Leben gerettet, und was ist der Dank?“

„Verlust Deines Studienplatzes an der Imperial Academy. Verbot der Betätigung im Dienst der Regierung. Verlust Deines Namens und deiner Familie. Deine Lösung war der Wunsch CONCORDs, aber nicht der Deines Imperiums, wie es scheint. Was hat dich denn überhaupt bewogen, das zu machen?“

„Neugier und Arroganz. So habe ich es ja auch bei dir versucht.“

Sie lächelte schief.

„Ich lerne wohl nicht mehr dazu. Es war wie ein Spiel für mich. Es war so leicht, die Verhandlungen zu steuern, weil die anderen es mir leicht gemacht haben. Ich habe dabei vergessen, dass die friedliche Lösung des Konfliktes für beide Seiten einen Gesichtsverlust bedeutet. Ich wollte helfen. Die anderen wollten nur gewinnen.“

„Damit sind wir beim Thema. Wenn Gewinnen die einzige Option ist, wie weit bist du bereit dafür zu gehen? Was bist du bereit dafür zu opfern?“

Er sah sie durchdringend an.

„Was meinst du? Ich verstehe nicht ganz.“

„Unsere Gegner kennen kein Erbarmen, um ihre Ziele zu erreichen. Diejenigen, die ihnen nützlich erscheinen, werden sie, solange sie ihr Wissen und ihre Fähigkeiten benötigen, verschonen. Wie nützlich bist du bereit zu sein, um unser Ziel zu erreichen?“

„Wovon redest du?“

Aber eigentlich kannte sie die Antwort schon.

„Mord. Folter. Vergewaltigung. Prostitution. Erpressung. Und so weiter. Was bist du bereit zu ertragen? Was bist du bereit zu tun? Bei diesem Auftrag gibt es keine zweiten Plätze und gute Verlierer. Der zweite Platz ist der Tod. Oder Schlimmeres.“

Sie schluckte.

Ryek gab nicht nach. „Bist du absolut sicher, um jeden Preis überleben zu wollen?“

Sie dachte eine Weile nach, in sich versunken. Als Sie Ryek wieder ansah, wusste er, das sie den Auftrag angenommen hatte, mit allen Konsequenzen.

 

 

„Warum ich?“

Ryek lachte leise und hart.

„Nur du kannst das Universum retten. Nein, das stimmt natürlich nicht. Aber wir sind die Figuren im Spiel. Mir wäre wohler, wenn ich die anderen Figuren kennen würde. Oder die Spieler. Oder die Regeln. Deine Antwort ist also ja?“

„Ja.“

„Aye. Der Caldari-Kontakt wird sich wahrscheinlich in den nächsten Tagen bei dir melden. CONCORD hat ihn mit dem unrühmlichen Ende deiner Karriere gefüttert.“

Namas Augen glänzten.

„Und mit deinem Groll. Du willst allen zeigen, dass dein Weg der richtige ist, und du bist bereit, dafür auch Risiken einzugehen.“

„Oh ja.“

„Du hast gute Chancen, diejenigen zu treffen, die für die Situation unserer Gäste verantwortlich sind. Wenn du überlebst. Du solltest dich darauf vorbereiten, einen Plan B zu haben, falls du deine Fähigkeiten nicht einsetzen kannst. Ich gehe fest davon aus, dass nur“, er zögerte, „enge Vertraute Zutritt erhalten werden. Die Caldari sind nun mal Chauvis und akzeptieren nur Unterwerfung von ihren Mitarbeitern.“

„Das kommt mir irgendwo bekannt vor, Herr Ryek.“

Ryek errötete.

„Dann noch ein guter Rat. Sieh zu, dass du in den nächsten Tagen etwas Spaß hast, was auch immer du darunter verstehst. Eine schöne Erinnerung ist immer ein guter Grund, um weiterleben zu wollen.“

„Ich werde mit Tedeya darüber reden.“

Ryek verschluckte sich und hustete.

Sie lachte hell auf. „Oh? Eifersucht?“

Ryek fühlte sich durchschaut und überlegte, ob es nicht doch ein gutes Werk wäre, Nama einfach den Hals umzudrehen, um ihr weiteres Leiden zu ersparen.

Er gab es zu. „Autsch. Das hat getroffen.“

Sie umarmte ihn.

„Oder vielleicht du?“

Er befreite sich so langsam wie möglich.

„Ich …“ Er nahm gedanklich Anlauf in eine andere Richtung.

„Ich könnte dein Vater sein“, intonierte er mit schauspielerischer Übertreibung.

„Na und wenn schon!“

„Ich werde darüber nachdenken.“

„Feigling!“

Er hielt sie spielerisch auf Abstand.

„Ted kann dir bestimmt ein paar Tipps geben. Vermute ich mal“, sagte er, etwas unsicher.

„Und falls du es nicht gemerkt haben solltest: Da gibt es einen Minmatar, der es kaum erwarten kann, wieder versklavt zu werden.“

Nama lachte.

„Ryek, du bist auf deine Art nicht weniger erbarmungslos als CONCORD.“

„Aye.“

Er nahm ihren Kopf in seine Hände und legte seine Stirn an ihre.

„Pass auf dich auf. Und bleib am Leben. Bitte.“

 (Fortsetzung folgt)

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