Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(… )

Tedeyas sah überrascht auf, als Nama in der Tür ihrer Kabine stand.

„Was willst du?“

Nama blieb unschlüssig stehen.

„Weiß ich noch nicht genau. Ein paar Dinge besprechen. Etwas lernen. Etwas geben. Wer weiß?“

„Komm rein.“

Nama betrat den Raum und schloss die Tür hinter sich.

„Die Puppenspieler haben mich kontaktiert. Mir ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen kann, du kennst das ja.“

„Scheiße. Ryek weiß Bescheid, dass du zum Feind gehen willst?“

„Ja. Er hat mir die entsprechende Anweisung von Mr. Smith gegeben.“

„Du weißt, worauf du dich da einlässt? Bei dem Turnier gibt es keine Trostpreise.“

„So ähnlich hat Ryek es auch formuliert.“

„Ha!“

Sie bleckte die Zähne.

„Immer noch geknickt, weil er dich geknickt hat?“

Nama grinste anzüglich. Und knallte einen Moment später gegen die Wand.

„Autsch!“

Sie schnappte nach Luft.

„Wieso wollen mich hier eigentlich alle verprügeln?“

„Muss an deinem einnehmenden Wesen liegen.“

Tedeya machte einen schnellen Schritt auf sie zu und stieß sie erneut gegen die Wand. Sie tänzelte ein paar Schritte zurück und grinste Nama überlegen an.

„Vielleicht stehst du ja drauf? Mehr?“

„Das machst du nicht noch einmal, Gallente-Schlampe.“

Mit einem wilden Schrei stürzte Tedeya auf Nama zu. Nama machte nicht einmal den Versuch, auszuweichen.

Mitten in der Bewegung kam Tedeya zum Halt, als ob sie gegen eine Mauer gerannt wäre. Sie verkrampfte und ging zu Boden, wo sie schwer atmend liegenblieb.

Nama kniete neben ihr und untersuchte sie.

„Lass mich los!“, fauchte Tedeya, schaffte es aber nicht, nach ihr zu greifen.

„Nichts gebrochen,“ stellte Nama sachlich fest. „Du kannst aufstehen.“

Tedeya stand auf, mechanisch. Ihre Implantate übernahmen die Kontrolle über ihre Gefühle.

„Wie hast du das angestellt?“

„Weiß keiner so genau. Neurale Manipulation mit Hilfe der Stimme, um es in einfache Worte zu kleiden. Funktioniert bei allen Menschen, die nicht gefühlsblockierende Imps aktiviert …“

Tedeyas Handkante war nur Millimeter von Namas Hals entfernt.

„… haben“, fuhr Nama ungerührt fort.

„Jetzt bin ich wirklich beruhigt. Du weißt natürlich, dass ich die Implantate nicht lange aktiv halten kann, ohne das es zu irreparablen Schäden bei mir kommt. Ich bin dir gegenüber also im Nachteil.“

„Natürlich. Das lernt man bei CONCORD.“

Tedeya sah unglücklich aus.

„Verdammt! Immer wenn ich glaube zu gewinnen, verliere ich!“

„Da sind wir dann zwei.“

„Nama: An der Fähigkeit, andere Menschen zu motivieren, musst du noch hart arbeiten.“

Sie lachten.

„Ted?“

„Ja?“

„Ich bin nicht hergekommen, um mich mit dir zu prügeln.“

Tedeya schlug die Augen zur Decke, sagte aber nichts.

„Ok. Ich brauche etwas von Dir. Informationen. Über Dinge, die du nicht gerne erzählst. Von früher.“

„Hab ich mir schon gedacht. Was bekomme ich dafür?“

„Landgang.“

„Landgang?“

„Landgang. Ich bin die Daten von Beke durchgegangen. Hier gibt es einige Lokale, die ich mir ansehen will, bevor ich mein Leben wegwerfe. In die meisten von denen sollte man als Frau nicht ohne Begleitung gehen.“

Tedeyas Augen leuchteten auf.

„Ja, das habe ich schon vermisst. Was ist mit den anderen?“

„Heute nicht. Nur wir beide. Wäre noch das Problem, hier herauszukommen, ohne das jemand etwas merkt.“

Tedeya lächelte vielsagend.

„Rettungskapsel? So CONCORD-verseucht wie dieses System im Moment ist, brauchen wir uns vor Piraten nicht zu fürchten.“

„Und das soll keiner merken?“

Tedeya zog das Interface Kabel aus ihrer Beintasche und ließ es langsam kreisen. Dabei pfiff sie in den falschesten Tönen.

„Glaubst du im Ernst, ich lasse mich hier einfach abstellen, nur weil ich einmal besiegt wurde? Du zahlst.“

„Ich wusste, das du das sagen würdest.“

 

 

Ein paar Kneipenbesuche und Schlägereien später lagen sie, wieder angedockt, in den Polstern der Rettungskapsel.

Tedeya stieß Nama sanft an. „Die Frauen gewinnen immer.“

„Wie das?“

„Weil wir nicht anders können. Wir gewinnen durch den konsequenten Einsatz von Stärke, oder von Schwäche. Jeder Mann will eine Frau, die ihn antreibt. Oder eine, die er beschützen muss. Männer sind die geborenen Verlierer. Das höchste, was sie erreichen können, ist ein Unentschieden.“

„Und warum hat mich mein Volk dann verlassen?“

„Nama, als du die Verhandlung geführt hast, hattest du da Zweifel?“

„Nein. Ich war mir sicher.“

„Männer haben immer Zweifel. Wir sind, was das angeht, einfacher gebaut.“

„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet.“

„Dein Volk hat verloren und gleichzeitig gewonnen. Stell dir dich mal in fünf Jahren vor, wenn dein Verhalten akzeptiert worden wäre.“

Nama zögerte. „Besser nicht. Wer verhandelt schon mit jemandem, der immer gewinnt.“

Sie knuffte Tedeya.

„Autsch!“

„Du nimmst mich auf den Arm! Gib es zu!“

„Natürlich tue ich das. Was ich festgestellt habe: Wenn ich an mich glaube, dann glauben auch andere an mich. Was immer du tust, tu es ganz. Aber halte dich nicht für den Gewinner, bevor du durchs Ziel bist.“

„Ryek? Hat er uns besiegt, weil er besser oder schneller war?“

„Nein. Weil wir geglaubt haben, wir hätten gewonnen, bevor der Kampf zu Ende war. Oder?“

„Das bekommt er noch wieder! Wenn das hier vorbei ist!“

Nama lachte, und Tedeya erwiderte das Lachen. Sie umarmten sich.

„Gute Nacht, große Schwester“, flüsterte Nama. „Es war mir eine Ehre, mit dir geflogen zu sein.“

„So leicht wirst du mich nicht los. Komm bloß nicht auf die Idee, vor mir zu sterben.“

„Aye.“

„Ich wünschte, du wärst ein Mann.“

„Das habe ich gerade auch gedacht. Aber dann wäre es auch wieder irgendwie verkehrt, oder?“

„Ja.“

Nama zog Tedeya vorsichtig näher zu sich.

„Komm her, Schwester. Erzähl mir was über die Männer. Etwas, was ich noch nicht weiß …“

 (Fortsetzung folgt)

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