Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

Wie viele großen Unternehmen verfügt auch die Imperial Academy über einen eigenen lizenzierten Anflugbereich, der unabhängig vom allgemein zugänglichen Raumhafen betrieben wird. Hier können kleine Schiffe bis zur Kreuzer-Klasse andocken, und die Passagiere müssen nicht bis zu einhundert Kilometern Weg in Kauf nehmen, um ihre Ziele zu erreichen.

Die Anflugkontrolle war rund um die Uhr besetzt, um Gäste und Patienten nicht warten zu lassen.

Schichtführer Werdan Bertag sah überrascht von seinem Schreibtisch auf, als die Tür zum Leitstand aufging und eine junge Amarrfrau im Eingang erschien. Außer der Bedienmannschaft hatten nur Sebard und Jeo Zutrittsrechte, die Tür war alarmgesichert. Die Frau stand in der Tür, sah sich um und erschien unschlüssig, was sie als Nächstes tun sollte. Werdans Hand verhielt über dem Alarmknopf, als ihre Blicke sich trafen.

„Ich benötige deine Hilfe“, sagte sie, und Werdan stand auf, um zu helfen. Woraus auch immer die Unterstützung bestehen würde, er würde alles tun, um ein ‚Danke‘ zu hören.

Nama trat ein, schloss die Tür und verriegelte sie von innen. Dann wandte sie sich Werdan zu.

„Welche An- und Abflüge sind in nächster Zeit geplant?“

„Das ist vertraulich“, wollte Werdan sagen, aber er sagte es nicht.

„Ein Anflug in etwa einer Stunde. Gäste von Sebard. Er wird sie persönlich abholen.“

Das konnte doch nicht alles gewesen sein! Sie wollte doch bestimmt mehr wissen. Sie musste mehr wissen wollen! Werdan wurde nicht enttäuscht.

„Ist es schwer, das Andocken zu kontrollieren?“

Die beiden Operatoren sahen von ihrer Arbeit auf.

„Lasst euch nicht stören. Weitermachen.“

Namas sanfte Stimme duldete keinen Widerspruch. Es gab nichts Wichtigeres, als sofort mit der Arbeit weiterzumachen.

„Nein, eigentlich kann das auch der Computer alleine“, erklärte Werdan.

Er ging zur rechten Konsole und schaute dem Operator über die Schulter.

„Hier, das ist der Verkehr, mit den Schiffskennungen. Das Schiff, das mit uns Funkkontakt hat, wird hervorgehoben. Da unsere Möglichkeiten wegen der Flugsicherheit sehr eingeschränkt sind, musst du nur das Schiff erfassen und das ‚Andocken‘ Sensorfeld berühren. Fertig. Den Rest macht die zentrale Anflugkontrolle, sobald das Schiff das Anflugprotokoll bestätigt hat.“

„Und wie nehme ich Kontakt auf?“

Werdan zeigte auf die linke Konsole.

„Kennung eintippen, Kanal öffnen.“

Sie lächelte ihn vielversprechend an. Werdan hatte das Gefühl, seine Sache sehr gut gemacht zu haben. Bestimmt gab es eine Belohnung.

Nama sah sich um. Links ging es in einen Aufenthaltsraum, der keinen weiteren Zugang hatte.

„Wie heißt du?“

„Werdan Bertag.“

Nama trat zwei Schritte zurück.

„Werdan, sei bitte so gut und mach mit deinen Kollegen eine Pause. Geht in den Raum nebenan, legt euch auf den Boden und verhaltet euch ruhig, bis ihr abgelöst werdet.“

Wie? Was? Ein Schleier fiel von Werdans Bewußtsein. Er wollte an seinen Arbeitsplatz stürzen, verharrte aber im Ansatz, als er den auf ihn gerichteten Blaster sah. Auch die anderen erwachten aus ihrer Trance.

„Ich zähle bis drei.“

Namas Stimme zeigte die erwünschte Wirkung. Bei „zwei“ waren die Operatoren im Nebenraum und hatten die Tür zugezogen.

„Sehr schön.“

Sie feuerte auf die Tür. Ein faustgroßes Loch entstand auf Kopfhöhe, und von der anderen Seite kamen entsetzte Schreie.

„Ich hoffe, ihr wisst, wie man liegt.“

Sie setzte sich auf einen der freigewordenen Plätze, so das sie die Eingangstür und die Nebenraumtür im Auge behalten konnte und aktivierte die Kommunikation.

„Derek, wo bist du?“

„Einen Sprung weg. Was ist hier eigentlich los? CONCORD hat Anweisung gegeben, dass alle Schiffe in diesem Sektor mit Autopilot zu fliegen haben. Alle anderen Schiffsbewegungen werden gestoppt und untersucht.“

„Wie schnell kannst du hier sein?“

„Dreißig Minuten, falls ich nicht abgeschossen werde.“

„Mach es so. Uns rennt die Zeit weg.“

„Yolane …“

„Ich sagte dir bereits, dass es hier nichts für sie geben wird, es sei denn sie will herausfinden, wie lange man unter extremen Bedingungen am Leben bleiben kann.“

Sie bediente ein paar Sensorfelder.

„Die Andockkontrolle ist konfiguriert. Hier übermittle ich dein Ticket. Sobald du im System bist, warp to zero. Ihr müsst mich hier abholen, mit Widerstand ist zu rechnen. Ich lasse meinen Kommunikator an, damit ihr mich anpeilen könnt, falls ich die Stellung nicht halten kann. Wir müssen in die Intensivstation nahe der Klon Transfer Einrichtung.“

„Werden wir Unbeteiligte gefährden?“

„Nein.“

Nama hoffte, dass das keine Lüge war.

„Der Bereich hat im Moment nur einen Zweck. Uns.“

„Wie schön. Lernen wir auch den Chefarzt kennen? Ich bin privat versichert.“

„Ich hoffe nicht. Falls ihr ihn seht, schießt. Überhaupt, schießt auf alles, was auch nur den Anschein hat, sich euch in den Weg zu stellen. Wir sind hier in der Zentrale der Puppenspieler.“

„Aye. Anflug initiiert. Wir sehen uns dann.“

Nama beendete die Verbindung und nahm mit dem Blaster die Eingangstür ins Visier.

 (Fortsetzung folgt)

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