Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

Derek nahm die Hände von der Steuerung.

„CONCORD hat alle Schiffe angewiesen, mit Autopilot zu fliegen und vor Verstößen gewarnt. Und an unserem Ziel läuft Nama Amok, wie es aussieht.“

„Nicht ganz. Noch nicht.“ Tedeya schüttelte den Kopf.

„Wie soll ich das verstehen?“

„Sie hat ganz offensichtlich wahnsinnige Angst. Solange sie in Bewegung bleibt, irgendetwas tun kann, wird sie die Kontrolle über sich behalten. Wenn sie anfängt, über alles nachzudenken, wer weiß?“

„Ich habe auch Angst. Jetzt. Um uns alle. Aber wir wollen da rein, obwohl wir wissen, dass es eine Falle ist?“

Yolane nickte.

„Ja.“

„Warum? Es ist klar, dass die Puppenspieler ihren Teil nicht einhalten werden! Du wirst sterben!“

„Natürlich. Ich war schon so gut wie tot. Ich glaube, in Ungefähr zu verstehen, was Nama uns angedeutet hat.“

„Was?“

„Derek, du hast dich nie viel mit den Dingen beschäftigt, mit denen ich arbeite. Außer mit dem Kristall, den ich dir geschenkt habe. Und genau den habe ich nicht gemacht, sondern nur, nennen wir es einmal ‚programmiert‘.“

„Na und?“

„Ich mache mobile Gestaltgebung von Objekten aller Größen.“

„Aah ja.“

Sie schlug spielerisch nach ihm.

„Ich verbinde Technik miteinander auf ungewöhnliche Weise, um den Gefühlen meiner Kunden Ausdruck zu verleihen. Gefühle in Farben und Töne zu übersetzen. Romar hat dir bestimmt vom Minmatar Schlachtschiff erzählt?“

„Ja, klang recht lustig. Aber was hat das hiermit zu tun?“

„Bei meiner Arbeit verwende ich technisches und medizintechnisches Gerät. Letztlich programmiere ich zum Beispiel Implantate so, das sie, in bestimmten Bereichen, wie Spiegel für die Gefühle meiner Kundschaft funktionieren. Sehr experimentell, nicht wissenschaftlich abgesichert. Das meiste, was ich mache, geht schief.“

Sie grinste. „Moderne Alchemie!“

„Und?“

„Dieser Kristall hat Eigenschaften, für die man zu dem Gebiet auf dem ich spiele, abgesichertes Wissen haben muss. Und technische Verfahren, die es vielleicht in tausend Jahren geben wird!“

Derek war beeindruckt.

Tedeya fragte nach. „Aber das Ding gibt es bereits? Es kommt also technologisch aus der Zukunft. Im Ernst: Ist das nicht etwas weit hergeholt?“

Yolane schlug sich mit der Hand an den Kopf.

„Ignoranten! Meine eigenen Kinder! Was habe ich falsch gemacht?“

Die anderen drei sahen sie belustigt an.

„Ja, was wohl. Die falschen Typen ausgesucht?“, grinste Romar. „Entschuldige, war nicht so gemeint.“

„Naja, immerhin hatte ich bei fünfundsiebzig Prozent Glück. Guter Schnitt, oder? Was ich meine: Von wo stammt die Technik, die wir heute nutzen? Alles selbst erfunden?“

Derek ging ein Licht auf.

„Es ist aus unserer Pre-Warp Zeit. Irgendetwas, was mehr als dreitausend Jahre alt sein kann, aus den dunklen Jahren?“

„Sehr wahrscheinlich. Und hoffentlich einzigartig. Ich habe das Ding nie in den Griff bekommen. Es wird eventuell über Gehirnströme gesteuert. Meine sind nicht komplex genug dafür. Es hat nur für eine Kopie gereicht.“

Tedeya wurde hellhörig.

„Kopie von was?“

Yolane wurde rot und verlegen.

„Von mir.“ Leise: „Für Derek.“

„All inclusive? Das kann kein Scanner, den ich kenne, und ich kenne einige. Etwas geht immer verloren. Das steht nicht nur im Handbuch.“

„Hier nicht. Zumindest nicht, soweit ich es messen konnte.“

„Messen? Es ist illegal, solche Geräte unlizenziert zu besitzen. Mrs. Frankenstein, das gibt mir aber zu denken“, frotzelte Derek.

Yolane blieb unbeeindruckt.

„Die Kopie ist exakter, als es messbar ist. Wenn es auch meine Seele kopieren könnte, dann wäre ich ein Gott.“

„Wow! Das ist teuer. Damit könnte man die Klontechnik revolutionieren! Du weißt, das du damit nur einen Schritt von einem neuen Körper entfernt bist?“

„Ja. Aber ich habe Angst. Angst, dass ich dann kein Mensch mehr bin.“

„Du liebst einen Klon. Ist das nicht, vorsichtig gesagt, inkonsequent?“, erwiderte Derek leicht verstimmt.

„Das ist der Punkt. Ich liebe dich. Jetzt, Wochen nach deinem Abschuss bist du wieder du für mich. Was ist, wenn ich nicht mehr ich bin nach dem Transfer?“

„Der Kristall gibt da wohl ausreichend Sicherheit. Für diese Sicherheit würden viele Menschen ihre Seele verkaufen“, warf Romar ein.

„Die Puppenspieler haben es bereits getan.“

„Das bringt uns zum Thema zurück. Wir sollen wie Sturmtruppen rein, Nama und Ryek raushauen und dann verschwinden, ohne das uns die Puppenspieler und CONCORD auf den Fersen bleiben.“ Yolande schüttelte den Kopf.

Derek nickte entschlossen. „Genau das ist der Plan. Alles einsammeln, was Wert für die hat, sich dann irgendwo verkriechen und dann verhandeln. Wenn es nichts zu verhandeln gibt, zusammen sterben. Seid ihr dabei?“

Er streckte seine Hand aus. Drei andere Hände trafen sich mit seiner.

„Eine Gruppe Amateure gegen den Rest der Welt! Wir müssen verrückt sein!“, kommentierte Romar.

„Natürlich sind wir das. Wir haben einige Minuten Vorsprung, wenn das alles klappt“, meinte Tedeya.

Derek drehte sich zur Steuerkonsole. „Dann wollen wir mal! Ich hoffe, ich finde wenigstens ein Messer für jeden.“

 

 (Fortsetzung folgt)

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