Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… oder etwa nicht? …)

Derek stürzte durch die Tür und blieb stehen, als sei er gegen eine Wand gerannt. Sein Gesicht wurde kreideweiß, er machte einige Schritte rückwärts, drehte sich zu Seite und übergab sich.

Tedeya schob Derek grob zur Seite, betrat den Raum, griff sich ein in der Nähe liegendes Laken und warf es über den OP-Tisch. Das Laken färbte sich schnell rot. Sie warf einen Blick auf die angeschlossenen Instrumente und Geräte. Abgesehen von den Hirnströmen verliefen alle anderen Anzeigen in nahezu flachen Linien.

„So häufig wie ich in letzter Zeit auf Intensivstationen bin, sollte ich über eine Festanstellung nachdenken“, murmelte sie. „Wo ist die Klontransfer-Einheit? Nama!“

„Moment!“

Nama bediente ein Terminal, während Tedeya die Verbindungen des OP-Tisches zu den Geräten trennte und die Arretierung löste.

„Ich habe es! Drei Stockwerke unter uns. Ein Sektor weiter!“

Tedeya warf Nama Ryeks Pad zu und nahm den ‚E-Pen‘ an sich.

„Worauf warten wir noch? Zeig uns den Weg.“

Namas Augen leuchteten in einem unirdischen Feuer.

„Gehen wir.“

Tedeya schob den Tisch auf den Gang. Die anderen gruppierten sich darum.

Derek hob den Blaster auf, den er hatte fallen lassen, und feuerte auf die Sicherheitskräfte, die um die Ecke kamen. Sie zogen sich zurück. Nama ignorierte die Kampfhandlungen und schritt voraus zur Gangkreuzung.

„Lasst die Waffen fallen und legt euch auf den Boden! Sofort! Dann wird euch nichts passieren!“

Als die anderen an der Kreuzung ankamen, lagen die Wachen zitternd am Boden, die Hände über dem Kopf, als ob sie befürchteten, dass die Decke im nächsten Moment herunterfiele. Sie nahmen die herumliegenden Waffen auf und rannten bis zum gesuchten Aufzug im Transferbereich.

„Der Aufzug ist blockiert! Wir kommen hier nicht weiter!“

Yolanes Stimme überschlug sich.

Tedeya hatte eine Idee.

„Die Nottreppe runter und haltet mir den Weg zum Transferraum frei! Ich löse das Problem mit dem Aufzug!“

Sie entfernte mit einem glatten Schnitt des ‚E-Pens‘ die Bedienfläche des Aufzuges.

„Beeilt euch!“

Nama nickte, wissend. „Ja. Los!“

Mit Ausnahme von Tedeya und Ryek stürmten sie die Not-Treppe hinunter. Derek sprengte die Tür zur Klon-Transfereinrichtung und trat die Reste zur Seite. Nama und Yolane sicherten den Gang. Derek betrat den Scan-Raum und aktivierte das Transfersystem.

„Wie weit seid ihr?“, wollte Tedeya wissen.

„Am Ziel. Der Weg ist frei und gesichert“, antwortete Derek.

„Ist der Klon-Transmitter betriebsbereit?“

„Ja. Aber die Steuereinheit ist gesperrt.“

„Starte das Transfer-System und trenne die Steuereinheit vom Scanner. Ich bin in dreißig Sekunden bei euch und werde die Steuerung übernehmen.“

„Bitte?“

„Tu es einfach, verdammt!“

Derek tat wie ihm geheißen. Er hörte im Kommunikator das Zischen des Laser-Pens. Dann schnelle Schritte. Auf der Nottreppe!

„Tedeya! Nein!!“

„Doch!“

Tedeya rannte an ihm vorbei, den Kopf von Ryek in ihrer Jacke eingewickelt. Sie packte ihn aus, legte ihn auf den Behandlungsstuhl und griff nach dem Notfall-Scanner, der wie ein mit feinen Drähten überzogenes Schlachtmesser aussah.

„Wenn Ryeks Implantate beschädigt wurden, dann ist es vorbei. Uns bleibt nicht viel Zeit.“

Sie drückte Derek den Scanner in die Hand.

„Du weißt, was zu tun ist, wenn das System sende-bereit ist.“

Derek nickte und testete den Aktivierungsschalter. Die Drähte versteiften sich, und bildeten ungefähr die Form eines menschlichen Schädels. Sie legten sich wieder an die Klinge, sobald der Schalter losgelassen wurde.

„Bereit.“

Tedeya zog die Steuerleitung aus dem Bedienpult zu sich heran, zögerte einen Moment und verband das System dann mit dem Universalport an ihrem Hinterkopf.

„Sind wir nicht alle ein bisschen virtuell?“

Sie grinste wölfisch und setzte sich auf den Boden. Ihr Körper schaltete auf Standby.

Derek zählte in Gedanken mit. Die anderen hatten sich mittlerweile an der Eingangstüre verschanzt.

Nach einer Minute leuchtete die „Bereit“–LED. Derek stieß den Scanner durch die Schädeldecke von Reyeks Kopf. Tedeya schrie auf. Nama sprang zu ihr und hielt sie fest. Nach zehn Sekunden war es vorbei.

Eine Computerstimme meldete sich.

„Transfer abgeschlossen. Ziel konnte nicht validiert werden. Keine Feedback Daten vorhanden. Transfer konnte nicht bestätigt werden.“

Derek zog den Stecker aus Tedeyas Hinterkopf und kniete neben ihr. Nama ließ Tedeya los, schüttelte benommen den Kopf.

Tedeya kam zu Bewusstsein.

„Er ist weg. Wo er ist, und ob er angekommen ist, keine Ahnung“, sagte sie mit schwacher Stimme. Dann war sie wieder weggetreten.

Derek verharrte einen Moment.

„Wir müssen weiter. Ich trage Tedeya. Yolane, Nama: Wir gehen zurück zum Schiff. Romar kann die Überladung nicht ewig aufrechterhalten, ohne irgendwann alles tatsächlich in die Luft zu sprengen.“

Nama murmelte vor sich hin.

Die anderen sahen sie fragend an. Mit Mühe brachte sie ihre Gedanken wieder in die Gegenwart.

„Wir müssen erst einmal hier raus. Dann brauche ich Ruhe. Und Rat. Und eine gute Idee.“

Sie hatte plötzlich Tränen in den Augen.

Dereks Kommunikator summte; er hörte zu und nickte.

„Es ist Romar. CONCORD stürmt die Station. Und die Amarr haben das System abgeriegelt, scheinen aber nicht mit CONCORD zusammenzuarbeiten.“

Nama schluchzte. „Verdammt! Verdammt!“

Yolane nahm ihren Blaster auf und zog Nama mit sich.

„Wir müssen raus hier. Wir dürfen uns auf keinen Fall an CONCORD ausliefern.“

Derek sah sie überrascht an.

„Warum?“

„Weil wir dann den ersten totalen Krieg in der Geschichte New Edens haben werden. Weg von hier!“

 

 (Fortsetzung folgt)

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