Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Große Dinge werfen immer ihre Schatten voraus. Da sie, wenn sie komplett kontextlos auftauchen, zumeist unglaubwürdig wirken, müssen sie auf irgendeine Art und Weise angekündigt werden. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, zum Beispiel eine historische Rückblende oder wenigstens eine beiläufige Erwähnung im vorangehenden Text. Wenn es sich um ein kommendes Ereignis handelt, dann ist es hilfreich, zumindest den Plan der einen Seite zu zeigen – natürlich nur bis zu einem gewissen Grad – damit der Leser sich darauf vorbereiten kann und nicht mitten im hektischen Geschehen danach fragt, warum alles entweder so passiert oder warum alles so schiefläuft. 😉 …)

* * *

 

 

„Ich glaube, wir haben tatsächlich eine Möglichkeit, Ryek zurückzuholen“, sagte Yolane.

Die anderen sahen sie überrascht an.

Mr. Smith fixierte Yolane mit seinen Augen. „Sind sie sicher?“

Yolane wiegte den Kopf.

„Es ist experimentell. Wir haben eine Chance. Mehr nicht. Wir haben das Werkzeug. Und ihre Unterstützung, Mr. Smith. Solange es Ihren Zielen dient, richtig?“

„So ist es.“

Sie sah Mr. Smith an. „Wir haben das Personal und die Technik. Und die holen uns hier raus.“

 

Eine Stunde später kam der Anruf. Die Gallente Frau stellte sich als Hypathia Kzin vor.

„Ihr Angebot ist interessant, in beiderlei Hinsicht.“

„Wie geht es ihm?“, fragte Tedeya.

„Sagt Ihnen ‚Nasses Grab‘ etwas?“

„Nein!“

Yolane sah überrascht zu Tedeya hinüber. Tedeyas Gesichtsausdruck sprach Bände, aber sie schüttelte den Kopf. „Nicht jetzt“, sagte sie lautlos.

Hypathia klang skeptisch. „Ich hoffe, dass sie hinsichtlich der Medizintechnik nicht zu viel versprochen haben.“

Yolane schloss die Augen und atmete tief ein.

„Wir werden es sehen, wenn wir es sehen werden. Dazu müssen Sie uns unterstützen.“

„Schießen Sie los!“

„Das ist jetzt für die Piloten. Mr. Smith, würden Sie den Sachverhalt bitte darstellen?“

„Wir benötigen eine getarnte Sprungbrücke. Dort, wo wir im Moment sind, kommen wir über die öffentlichen Sprungtore nicht heraus. Sowohl die lokalen Behörden als auch CONCORD sind hinter uns her, aus gleichem Grund, aber mit verschiedenem Ziel.“

„Sie machen keine halben Sachen, wie es aussieht.“

Yolane lachte auf. Mr. Smith fuhr fort.

„Nein. Das ist blutiger Ernst. Wir sitzen in einer Force Recon mit einem Generator für ein getarntes Sprungfeld, brauchen also ein Black Ops Schiff in einem anderen Sonnensystem in der Nähe für die Brücke hinaus. Wir müssen sehr viel weiter weg, sehr schnell. Idealerweise in den von einer anderen Fraktion kontrollierten Raum. Gallente wäre nicht schlecht. Können Sie etwas vorschlagen?“

Hypathia sah auf etwas, was die anderen nicht sehen konnten. „Aliette. Wäre das weit genug weg?“

„Perfekt. Fürs Erste zumindest.“

„Aus welchem System müssen Sie heraus?“

„Azedi.“

„Autsch! Das ist weit in Genesis.“

„Etwas Geleitschutz und Support wäre nicht übel.“

„Was heißt etwas? Gegen CONCORD zu kämpfen ist nicht die beste aller Ideen.“

„Sie sagen es. Sie kämpfen nicht gegen CONCORD, allerdings gegen die Amarr hier im Sektor. Sie müssen schnell sein. Ich habe die Befürchtung, dass die ganze Flotten in Bewegung setzen, sobald es hier losgeht. CONCORD wird die offiziellen Sprungtore sperren. Das wird etwas helfen. Planen Sie zwei Routen, die sich, wenn es geht, nicht überschneiden. Die eine wird CONCORD offiziell sichern. Damit ziehen wir den Gegner auseinander. Halten sie genug Ressourcen vor, um eine Aufklärungsflotte eine Weile aufhalten zu können. Und: Es darf niemand von ihrem Team in Gefangenschaft geraten.“

„Das wird teuer.“

„Ich bin sicher, dass von den hundert Milliarden nach Abzug ihrer Kosten etwas übrig bleibt.“

„Wer sind Sie?“

„Mr. Smith. CONCORD-DED.“

„Hm, der Name kommt mir bekannt vor. Hatten wir schon das Vergnügen?“

„Sicher.“

„Ich soll also einen CONCORD Agenten dabei unterstützen, nicht in die Hände von CONCORD zu fallen. Außerdem eine Amarr-Flotte im Amarr-Raum austricksen, die sich mit CONCORD herumschlägt?“

„Zu Zeit schlägt niemand. Wenn die Aktion gelingt, wird es eine Weile so bleiben. Falls nicht …“

„Habe ich verstanden. Standard Kontrakt?“

„Wohl kaum. Dann wissen sofort alle Spione, wer uns hilft.“

„Woher soll ich wissen, dass es sich bei diesem Auftrag nicht um eine riesige Falle handelt? Ich setze doch nicht Dutzende von Leuten aufs Spiel auf Basis eines Gesprächs mit Unbekannten!“

„Ich habe eine Idee,“ meldete sich Derek.

„Hypa? Hast du Geschäftspartner, mit denen du offiziell nichts zu tun hast, denen du aber vertraust? Die möglichst schon in der Nähe der geplanten Route sind?“

Es dauerte eine Minute, bis die Antwort kam.

„Der Auszahler ist CONCORD, richtig? Also alles hochoffiziell und legal?“

„Nein. Der Auszahler des Betrages ist CONCORD. Und alles ist geheim und nach Maßstab von CONCORD illegal, wird aber nicht verfolgt werden, weil CONCORD es tut.“

„Ziemlich schräg, Mr. Smith, wenn sie mich fragen. Um nicht zu sagen: paranoid.“

„Das trifft die Sache. Kennen Sie jemanden, dessen Gedanken sich in ähnlichen Bahnen bewegen? Ich glaube ja. Selbst wenn es schiefgeht, verlieren Sie ja nicht viel. Wie ich hörte, befindet sich das Vermögen ihrer Corp bei den Mitarbeitern. No Risk, no Fun.“

„Was sagten sie bezüglich eines Bonus, Mr. Smith?“

Mr Smith rang einen Moment mit der Fassung, als er in die Gesichter seines Teams sah. Er besann sich dann darauf, dass ein Mitglied einer überlegenen Rasse auch über Schadenfreude erhaben zu sein hatte.

„Ich sagte gar nichts. Ich erkläre mich bereit, über einen Bonus zu verhandeln, wenn sie sich bereit erklären, dass ihre Corp uns bis zum erfolgreichen Abschluss des Auftrages unterstützt. Wenn sie vorher aussteigen: kein Bonus.“

„Aye, das ist fair.“

Hypathia nannte den Namen ihres Gewährsmannes. Mr. Smith ging kurz durch seine Daten, dann nickte er.

„Bestätigt. Ich veranlasse den sofortigen Transfer von fünfundzwanzig Milliarden ISK. Das sollte die entstehenden Kosten decken. Bitte sparen Sie nicht am falschen Ende. Das wäre das Ende von vielen. Auch von vielen, die nicht wissen, worüber wir gerade gesprochen haben.“

„Wollen Sie mir drohen?“

„Nein. Nicht jetzt. Das war eine Sachinformation.“

„Einverstanden. Ich bespreche mich mit meinen Leuten. Dann machen wir uns unauffällig auf den Weg. Ich schicke die Alternativroute zu ihnen. Die andere erfahren Sie nicht, da müssen sie mir vertrauen.“

„Kein Problem“, bestätigte Yolane. Mr. Smith schloss den Mund wieder.

„Außer uns kann niemand in diesem Universum auch nur versuchen, den Auftrag zu erledigen, Mr. Smith.“

„Sie haben recht. Hypa, wir sehen uns dann am Ziel, um die Sache mit dem Bonus zu klären.“

„Aye. Bleiben sie am Leben, bis wir bei ihnen sind.“

„Danke. Wir hoffen, bald von Ihnen zu hören.“

Das Gespräch war beendet.

 

Yolane nahm den Faden wieder auf.

„Mr. Smith, was glauben Sie, wie lange es dauert, bis wir hier heraus können?“

„Ich schätze ein bis zwei Tage mindestens. Das Ganze soll ja unauffällig eingefädelt werden. Wenn ich die Routendaten habe, muss ich CONCORD instruieren, dass sie an uns vorbei sehen und unser Gegner aufhalten. Das wird auch keine leichte Sache.“

„Habe ich mir gedacht. Damit wir die Zeit hier nicht sinnlos verbringen, schlage ich vor, das wir uns auf das Kommende vorbereiten.“

„Und das wäre?“, fragte Derek.

„Derek? War das dein Ernst?“

Derek grinste breit.

„Nein. Ich möchte nur nicht, dass du uns hier alle wie Deppen aussehen lässt. Ich schlage vor, dass wir einen Vorschlag machen, den Mr. Smith, der hier die Fäden zieht, akzeptieren kann. Ich habe gehört, dass die Jove manchmal seltsam reagieren, wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlen.“

Mr. Smiths Mine blieb unbewegt. „Nicht nur die Jove. Fahren Sie fort, Yolane.“

Yolane entspannte sich.

„Schade, ich war gerade so schön in Fahrt. Also. Ich schlage vor, das Nama, Tedeya und ich uns zurückziehen, um uns mit den Möglichkeiten des Artefaktes zu beschäftigen. Können wir ihre Ausrüstung uneingeschränkt nutzen, Mr. Smith?“

„Dafür ist sie da.“

„Derek und Romar sollten das Schiff und seine technischen Möglichkeiten kennenlernen. Vielleicht brauchen Sie ja Unterstützung. Und vielleicht haben Sie auch ein paar Tipps, Taktik und Kampf betreffend. Oder ein Simulationsprogramm, was auch immer.“

Sie sah Mr. Smith an.

„Natürlich nicht den Jove- Anteil, falls hier vorhanden.“

Mr. Smith nickte.

Yolane schüttelte lächelnd den Kopf. „Immer das Gleiche. Kleine Männer mit großen Keulen“, murmelte sie halblaut.

Nama biss sich in die Hand, um nicht laut loszulachen.

„Ich informiere euch, sobald wir Ergebnisse haben. Falls wir keine haben, dann sehe ich ziemlich schwarz für Ryek. Und für den Auftrag auch.“

Mr. Smith nickte. Er sah die anderen an.

„Ist sie immer so?“

„Sie sollten sie mal erleben, wenn Sie versucht hätten, zu widersprechen“, war Romars Kommentar.

„Faszinierend. Dann machen wir es so.“

 (Fortsetzung folgt)

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