Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Die Vorbereitungen für die Endphase beginnen. Sie sind aufwändig …)

Mr. Smith betrat den Raum, in dem Yolane am Kristall herumwerkelte. Sie schien es geschafft zu haben, eine stabile technische Datenverbindung zu installieren. Allerdings fanden die Daten, die sie bekam, ihrem Gesichtsausdruck nach, nicht den Weg zu einer Erkenntnis. Trotzdem war Mr. Smith erstaunt und beunruhigt über das, was sie in der kurzen Zeit bereits geschafft hatte.

„Das ist eine Jove Konfiguration!“

Mr Smith hatte plötzlich eine Waffe in der Hand, die auf Yolane zeigte. „Wo haben Sie das her?“

Yolane fixierte Mr. Smith, als ob er ein aufgespießtes Insekt wäre.

„Als ich vor zwanzig Jahren ein Bild auf dem Klo aufhängte, bin ich ausgerutscht und mit dem Kopf an die Toilettenbrille geschlagen. Als ich wieder aufwachte, hatte ich ein klares Bild vor mir …“

„Sie wollen mich auf den Arm nehmen!“

„Natürlich. Glauben Sie im Ernst, das die Jove die einzige Rasse ist, die Geistesblitze hat?“

„Sie weichen meiner Frage aus.“

„Blödsinn! Ich experimentiere schon lange mit verschiedenen Techniken, um meine Schiffsinstallationen zu verbessern. Zum Beispiel daran, Implantate auch außerhalb des Kopfes zu betreiben. Für mich ist das naheliegend, die Teile sind genügsam und sehr leistungsfähig, außerdem recht billig, zumindest die Standard. Langer Rede kurzer Sinn: Irgendwann erschien mir diese Konfiguration als die richtige. Und sie hat funktioniert. Wenn Sie mich fragen warum: Ich weiß es nicht. Dafür fehlt mir die Ausbildung. Ich nahm Werkzeug, welches legal zu kaufen ist, und habe es nach meinen Vorstellungen zusammengesetzt. Hätte ich damals gewusst, welches Potential der Kristall hat, hätte ich ihn bestimmt näher untersucht.“

Sie seufzte.

„So war es eine Möglichkeit, mit meinem Geliebten in Kontakt zu bleiben, wenn auch …“, sie stockte, „… nur auf der Gefühlsebene. Nur aus Ihrer Sicht, nicht aus meiner.“

Mr. Smith steckte die Waffe wieder ein.

„Ich muss dazu einen Bericht schreiben. Irgendwann. Bis dahin werde ich versuchen zu vergessen, wer meine Auftraggeber sind.“

Yolane nickte, ihre Augen blitzten.

„Dann können Sie mir in der Zwischenzeit vielleicht zur Hand gehen oder mich führen? Im Moment muss ich mich aufs Raten und weibliche Intuition verlassen. Ich hätte gern etwas mehr. Dann ginge es auch schneller.“

Mr. Smith sah für einen Moment aus, als ob er Yolane doch erschießen wollte. Dann gab er nach.

„Sie haben recht. Wir müssen hier alle geben, was wir geben können.“

Er beugte sich über die Geräteskizze, die Yolane angefertigt hatte.

„An dieser Stelle müssen Sie noch eine Datenleitung aktivieren, und dort benötigt es eine Hochfrequenz-Energieversorgung. Ein Shuttlemodul sollte reichen. Das wird Ihnen einen Tag Fehlersuche sparen und gut genug funktionieren, um alleine weiterzukommen.“

Yolane starrte ihn an.

„Mr. Smith …“

„Ich habe das nicht gesagt. Ich war auch nicht hier. Vergessen Sie das nicht, wenn sie jeden Menschen auf dieser Station retten wollen.“

„Welche Station?“

„Ich bewundere Ihre Konzentration, Yolane. Wir haben in der Zwischenzeit an einem Außenposten angedockt, der ziemlich abgelegen ist. Solange niemand aktiv funkt, werden wir kaum aufzuspüren sein. Die schlechte Nachricht ist, dass Sie sehr bald zeigen müssen, ob der Kristall Ryek wieder zurück in seinen Klon transferieren kann. Wie sieht es da aus?“

Yolane schloss die Augen.

„Kann ich weiter auf Ihre Hilfe rechnen, Mr. Smith?“

„Ja, solange es meinen Zielen dient.“

„Fair enough. Die Sache ist wie folgt. Ich bekomme das Ding in einem Tag zusammengebaut. Es benötigt aber eine komplette Bedienungsmannschaft und ein Sicherheitssystem.“

„Sicherheitssystem?“

„Sicherheitssystem. Sie, Mr. Smith. Ich habe den Verdacht, dass der Kristall Energien freisetzen kann, die, sagen wir es einmal so, über das hinausgehen, was man von einem Objekt dieser Größe erwarten würde. Im Notfall müssen Sie genau das verhindern, indem Sie die Bedienungsmannschaft neutralisieren.“

„Sie meinen töten?“

„Wenn das die einzige Option ist, ja.“

„Weiter.“

„Der andere Teil ist komplex, aber zu schaffen. Ich kann die Technik bedienen, Nama den Teil mit der Meta-Technik. Ted wird dann den aktiven Part bei der Reanimation übernehmen müssen.“

„Ich verstehe nicht.“

Yolane grinste Mr. Smith unverschämt an.

„Natürlich verstehen Sie! Es ist gefährlich und verboten. Eindringen in das Bewusstsein eines anderen Menschen, wobei wir hier aber zuerst nur die leere Hülle haben werden.“

„Dazu brauchen Sie einen erfahrenen Neuralmanipulator.“

„Oder?“

„Ich verstehe. Tedeya hat einschlägige Erfahrungen. Von ihren Implantaten her könnte sie das leisten.“

„Ich hoffe darauf, das beim Transfer noch etwas von Ryek bei ihr gespeichert wurde, was uns hilft.“

„Es ist trotzdem sehr gefährlich. Wir wissen nicht, wie der Kristall reagiert und ob er das unterstützt. Sie könnten alle den Verstand dabei verlieren.“

„Sie wissen dann zumindest, wo er sich befindet.“

Yolane deutete auf den Kristall.

„Haben Sie mit Nama und Tedeya gesprochen?“, fragte Mr. Smith.

„Ja. Sie sind dabei.“

„In Ordnung. Ich treffe noch einige Vorbereitungen, dann werden wir morgen Abend beginnen. Schritt für Schritt. Und, Yolane?“

„Ja?“

„Ich werde mir Ihre DNA bei Gelegenheit sehr genau ansehen. Das, was Sie hier leisten, ist außergewöhnlich.“

„Für eine Frau?“

„Nein. Für einen Nicht-Jove.“

Er drehte sich um und verließ den Raum.

 (Fortsetzung folgt)

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