Spielbericht: Van Canto in Stuttgart

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

„Wer ist denn das? Klingt gar nicht mal so verkehrt.“

Es muss in 2014 gewesen sein, dass ich das erste Mal (von) Van Canto gehört habe.

Metal a Capella? Interessantes Konzept. Geht das überhaupt?

Ja, es geht! Sogar sehr gut, meinem persönlichen Musikgeschmack nach. Nur das Schlagzeug als echtes Instrument, alles andere, also der Gesang und auch die E-Gitarren, mit Stimme. Die Gitarrenstimme kommt über Vocoder, klingt aber sehr realistisch.

Von der Ausrichtung her Heavy Metal, vom Stil, meiner Meinung nach, stark an Fantasythemen und mittelalterlichem Setting orientiert. Dazu noch später.

Man hört sie nicht oft auf den großen Sendern, leider. Aber sie haben ein treues Publikum.

So bin ich, samt Family, am letzten Sonntag nach Stuttgart zum „Im Wizemann“ gepilgert, um mir das Ganze einmal Live anzusehen.

Zur Lokation: „Im Wizemann“ ist ein ehemaliges Fabrikgebäude, in dem es zwei Hallen für künstlerische Auftritte gibt. Dieses Mal war es die kleinere Halle, der Club. Das Ambiente ist sehr einfach gehalten, eine entkernte Fabrikhalle, trotzdem sehr gemütlich und für den Zweck (Metal Music) natürlich ideal geeignet. Insgesamt war der Club gut besucht, ich schätze 300+ Personen.

Publikum: Heavy Metal ist, wie andere gute Musik auch, zeitlos. Zwischen 16 und 60 war wohl alles vertreten, den meisten war ihre musikalische Vorliebe auch an der getragenen Kleidung anzusehen, vorherrschende Farbe also schwarz.

 

Insgesamt bestand die Veranstaltung aus vier Teilen.

 

Den Anfang machte die Gruppe Victorius, die es nicht ganz einfach hatte, das Publikum in Schwung zu bringen. Schwäbische Schwermetaller brauchen halt „gschwind a weng“. 😉 Am Ende des Auftritts waren alle gut eingestimmt und eingesungen.

 

Weiter ging es mit den Grailknights, die eine episch angehauchte Superheldenshow ablieferten. Die bunten Kostüme sind schon ein ziemlich krasser Gegensatz zum allgemeinen Metal-Thema, aber ich fand den Auftritt erfrischend und unterhaltsam, gerade weil die Truppe das Ganze mit einem kräftigen Schuss Selbstironie betreibt. Sie haben musikalisch gut den Bogen zwischen „Metal-Standard“ und dem oft erzählerischen/bardischen Stil von Van Canto geschlagen.

 

Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit Van Canto, allerdings mit einem interessanten Start. Das neue Van Canto Album ist die Vertonung und musikalische Untermalung des neuen Romans „Feuerstimmen“ von Christoph Hardebusch. Der Autor selbst hat den Klappentext zum Besten gegeben, und die ersten drei Songs von Van Canto kamen vom neuen Album, begleitet von einer kurzen Inhaltsangabe. Ohne das Buch zu kennen, wage ich zu behaupten, dass es da gewisse Koinzidenzen zwischen Text und Musik gibt, da viele Liedern von Van Canto ein mittelalterliches Setting haben. Ich denke, hier haben sich Text und Musik zum gleichen Thema gefunden und ergänzt.

Nach der Buch- und Albumvorstellung ging es dann mit den bekannten Titeln weiter, wobei der Publikumswunsch nach „Neuer Wind“ wohl so etwas wie das Inventar der langjährigen Fans ist. Sehr schönes Lied, by the way.

Ich vermute, dass etwa die Hälfte der Gäste langjährige Van Canto Fans sind, immerhin gibt es die Gruppe seit 2006.

Sonst gibt es eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Abgesehen davon, dass es ein super Auftritt war!

Metal a Capella ist sowieso eine Herausforderung, was Stimme und Exaktheit angeht. Van Canto hat von Anfang bis Ende des Auftritts Gas gegeben. Das mit einbezogene Publikum dürfte am Ende zumeist ziemlich geschafft gewesen sein.

Hut ab vor der musikalischen, aber auch vor der konditionellen Leistung von Van Canto!

 

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es, der ist aber eher der Veranstaltungstechnik geschuldet. Im hinteren Teil der Halle waren die Stimmen nicht immer gut zu hören, was nicht an der Lautstärke an sich gelegen haben kann. Nicht bei Heavy Metal Musik. 😉 Stilbedingt ist Van Canto damit am besten klargekommen.

 

Insgesamt ein gelungener Sonntag-Abend, für den ich gern am Montag gegen den Schlaf gekämpft habe. Ich bin gespannt, ob Van Canto beim nächsten Mal in Stuttgart die große Halle füllen kann. Verdient hätten sie es.

 

 

 

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