Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… und gefährlich …)

„Und? Wird es funktionieren?“, fragte Tedeya.

Yolane sah Tedeya zerstreut an.

„Was? Ja, ich denke schon.“

„Ist etwas? Du siehst aus, als ob du einen Geist getroffen hättest“, fragte Nama.

„Einen Geist? Klar, habe ich. Mehrere.“

Yolane zuckte mit den Schultern.

„Was soll’s. Wir machen zuerst einen Scan des Klons, um zu sehen, was wir finden. Das Verfahren beruht zur Hälfte auf Technik, und zur Hälfte auf Dingen, die wir nicht messen können.“

„Ich glaube nur, was ich messen kann“, sagte Tedeya mit Überzeugung.

„Wer misst, misst Mist“, war Yolanes Antwort.

„Kannst du dich bitte auf den Tisch stellen, Tedeya?“, fragte Nama in unschuldigem Ton.

Tedeya stand auf, stieg auf den Stuhl und dann auf den Tisch. Sie starrte Nama verwundert an.

„Ich – was – Du!“

„Und jetzt sag mir, was du gemessen hast“, konterte Nama.

Tedeya hielt mitten in der Bewegung an. Dann stieg sie vorsichtig wieder vom Tisch herunter und setzte sich.

„Deine Imps haben – vielleicht – eine Änderung deines Hormonhaushaltes festgestellt. Aber bestimmt nicht, was diesen ausgelöst hat“, erläuterte Nama. „Das Artefakt kann diese – Schwingungen – sowohl speichern als auch erzeugen. Deshalb funktioniert ein Klontransfer damit viel besser als mit uns bekannter Technik. Um diesen Teil zu steuern, muss man meine Fähigkeiten haben. Aber ohne dein Interface kommt man nicht in den anderen Klon.“

Sie schauderte.

„Wir können nur hoffen, das wir den Leuten, die das gebaut haben, niemals begegnen werden.“

„Ja“, stimmte Tedeya zu.

„Irgendwie erinnert mich das an die Jove, an Mr. Smith“, merkte Nama an.

„Nur viel stärker. Pre-Jove? Hat Mr. Smith sich dazu geäußert?“

„Er sagte, es sei für uns alle eine sehr gute Idee, diesen Gedankengang nicht weiter zu verfolgen“, beendete Yolane die Diskussion und ignorierte die fragenden Mienen der beiden anderen.

„Können wir? Ich beschreibe euch jetzt das Verfahren.“

Sie holte tief Luft.

„Erstens: Ich steuere die Stabilität des Systems aus dem Nebenraum. Zweitens: Tedeya geht über das Neuralinterface in das System und in Ryeks Klon. Sie bricht sofort ab, wenn sie etwas Ungewöhnliches feststellt. Mit sofort meine ich: automatisch. Konfiguriere deine Imps bitte daraufhin.“

Tedeya nickte.

„Nama: Ich nehme an, dass der Kristall ein Feld erzeugen wird, das sich mit deinen Gehirnwellenmustern synchronisieren lässt.“

„Aye.“

„Wie ihr dann Kontakt miteinander aufnehmt und haltet: Keine Ahnung. Wenn ihr keinen Kontakt bekommt: Sofort abbrechen.“

„Warum?“, fragte Nama.

„Weil ihr euch sonst innerhalb des Kristalls wiederfinden werdet. Zumindest euer Bewusstsein. Und dann haben wir leider niemanden mehr, der einen Transfer steuern könnte.“

Sie nickte, als sie ihren Schrecken sah.

„Ich hoffe, genug aufzeichnen zu können, um bestimmte Funktionen später auch technisch abbilden zu können. Aber im Moment …“, sie ließ den Satz offen.

„Im Moment sollten wir einen Schritt nach dem anderen machen“, wiederholte Nama.

„Wenn alles stabil bleibt, dann versuchen wir, Tedeya als Sonde zu verwenden. Bei Ryek“, fuhr Yolane fort. Sie wurde rot.

„Es ist wie Cybersex. Nur das der Kunde nicht zu Hause ist. Verdammt! Was tun wir hier eigentlich?“

„Ich glaube, so ist es angenehmer. Meiner Erfahrung nach“, wandte Tedeya ein.

„Es wird darauf hinauslaufen, das das System einen ‚leeren‘ Ryek im Klon anlegen wird, einen Datensatz ohne Verbindung zu den eingeschlossenen Informationen. Ich werde es, so gut es geht, visualisieren. Du wirst also den Eindruck haben, etwas zu sehen, Tedeya. Innerhalb bestimmter Grenzen kannst du dann die Umgebung steuern.“

„Fangen wir an, bevor ich Angst bekomme“, meinte Tedeya.

Nama und Tedeya legten sich auf die vorbereiteten Liegen, Mr. Smith und Yolane brachten die Kontakte an und überprüften den Aufbau des Gerätes.

„Wir gehen langsam vor“, mahnte Yolane.

„Erst dann entscheiden wir, ob wir in der Lage sind, ihm zu helfen. Noch zwei Hirntote mehr bringen uns nicht weiter.“

 (Fortsetzung folgt)

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