Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… IGI die Zweite. Es darf manchmal ruhig etwas klischeehaft und kitschig sein, genau wie das richtige Leben 😉 )

„Fertig?“

„Fertig.“

Wieder war es der weiße Raum. Aber diesmal hielt Tedeya Abstand von den Wänden.

Yolane stellte die Verbindung zur Klonapparatur her. Im Inneren des weißen Raumes entstand eine Struktur, entfernt menschlich, entfernt männlich.

„Hey, wollt ihr mich veralbern?“, rief Tedeya.

„Wie meinst du das?“, fragte Yolane.

„Das meine Anatomiekenntnisse deutlich über die einer Fünfjährigen hinausgehen! Mutter, bitte! Wir sind alle erwachsen!“

Im Hintergrund kicherte Nama.

„Zum Glück könnt ihr nur die Gedanken lesen, die ich an euch richte! Hoffentlich!“

Das Bild wurde plastisch und lebensecht, Tedeya steuerte die Datenreste bei, die sie gespeichert hatte.

„War doch gar nicht so schwer bisher.“

Sie ging um das Abbild herum.

„Sieht gut aus. Ich meine, vollständig. Ihr könnt ihn jetzt anziehen.“

Sie sah an sich herunter.

„Und mich auch, wenn ihr gerade dabei seid.“

„Es gab keine Reaktion? Er muss tot sein“, lästerte Nama.

„Zumindest ist er woanders. Wie fest ist das Abbild hier verankert? Und wie gut reagiert es auf Reize?“

„Schwer zu sagen.“

Yolane sah einige Daten durch.

„Von der Konsistenz her vergleichbar mit einem realen Menschen. Er wird aber nicht umfallen, da ich ihn auf dem Grid fixiert –“

“ – habe. Musste das sein?“

„Ich hätte ihn auch woanders hin treten können.“

„Denk bitte daran, dass er alle Verletzungen spüren wird, wenn wir Erfolg haben.“

„Ja, weiß ich. Entschuldigung.“ Es klang nicht sehr geknickt.

„Macht das unter euch aus, im richtigen Leben. Wenn du dich das traust.“

„Hey! Was soll der Scheiß! Für das was ich hier für Volk und Vaterland mache habe ich mal eine Menge ISK bekommen! Und meine Gegenüber waren deutlich beweglicher! Die haben nie versucht, mich umzubringen!“

Tedeya wurde richtig wütend.

Nama versuchte sie zu beruhigen.

„Ted, mach langsam. Ich kann deinen Datenstrom kaum noch kontrollieren. Der Kristall saugt alles wie ein Schwamm auf!“

„Ok. Dann eben auf die zarte Tour. Mit viel Kontrast. Habt ihr eine Idee, was wir nehmen können?“

„Tedeya? Ich kann dir gerade nicht folgen.“

„Mam? Hoher Kontrast gleich Schwarzweiß, wie die uralten Filme. Gibt es in der Stationsdatenbank irgendwas richtig kitschiges, mindestens zwanzigtausend Jahre alt. Bar mit Musik zum Beispiel?“

Yolane sah sich in der Datenbank um. Tedeya hörte sie röcheln, als ob sie neben ihr stände.

„Argh! Nein! Ted, bist du sicher, dass du das willst?“

„Wird es helfen? Mr. Smith?“

 

Yolane sah zu Mr. Smith hinüber und zeigte ihm auf dem Monitor, was sie ausgegraben hatte.

Mr. Smith räusperte sich, seine Mundwinkel zuckten.

„Wenn das nicht hilft, dann hilft gar nichts.“

„Allerdings musst du die Szene anders enden lassen als im Original, Tedeya. Happy End mit allem drum und dran, aber eine jugendfreie Version. Bitte.“

„Wieso denn das? Und wovon sprichst du überhaupt?“

„Ted, die Antwort auf deine erste Frage ist, das deine Hormone im realen Körper das was du in der Matrix tust reflektieren. Überlege also sehr genau, was du tust und was du willst. Und die Antwort auf die zweite Frage ist, dass ich die Szene jetzt herunterlade. Sie ist in Schwarzweiß. Du wirst deinen Text gleich können. Eigentlich bist du etwas zu jung für die Rolle, und im Original ist es ein Sänger. Egal. Mach das Beste draus und verlier nicht den Kopf oder das Herz. Sobald wir eine Reaktion feststellen, holen wir dich raus.“

„Ich konfiguriere das Interface für einen höheren Durchsatz. Mr. Smith, da ist irgendetwas im Hintergrund angelaufen, halten Sie einen Blick darauf?“ Nama klang besorgt.

„Registriert. Alles unter Kontrolle.“

 

„Na dann! Das wollte ich schon immer mal tun.“ Yolane grinste breit, atmete tief ein und flüsterte, für alle gut verständlich: „Ton ab! Ton läuft. Kamera ab! Kamera läuft. Uuund: Action!“

 

Die Welt um Tedeya herum verändert sich. Die Szenerie wird schwarzweiß, Tedeya und Ryek behalten das Abbild ihres realen Aussehens. Der Kontrast ist fast schmerzhaft im Verhältnis zur gewohnten Farbenwelt. Die Kleidung passt sich der Szene an. Alte Zeitrechnung. 1942. In Casablanca. Rick’s Café Américain. Eine perfekte virtuelle Tedeya setzt sich ans Klavier und singt ‚As time goes by’…

 (Fortsetzung folgt)

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