Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Die Karawane zieht weiter … )

„Dann wollen wir mal.“

Sie betraten den Raum, in dem Yolane und Nama bewusstlos lagen. Der Klondatentransfer war abgeschlossen. Mr. Smith demontierte die Apparatur, nahm den Kristall und steckte ihn in eine Hülse aus Schiffsmetall, welche an einer Kette befestigt war. Diese legte er Nama um den Hals.

„Haben sie alle ein Auge darauf, besser zwei.“

„Warum trennen wir uns nicht? Zwei Ziele sind schwerer zu verfolgen“, fragte Romar.

„Es war schon schwer genug, bis hierher zu kommen. Ich habe nicht die Ressourcen für einen erneuten Versuch.“

„Was, pleite?“

„Geld ist nicht das Problem. Das Problem ist die jetzige politische Situation. Wenn es zwei Ziele gibt, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass die Fraktionen versuchen, in den Besitz eines Teiles zu kommen. Das würde, nach ihrer Logik, die Verhandlungsposition verbessern. Die Fraktion, die sich in den Besitz aller notwendigen Elemente bringt, wäre zwangsläufig das primäre Kriegsziel der anderen drei.“

„Drei? Was ist mit den Jove?“

Mr. Smith wurde unsicher, zum ersten Mal, seit das Team ihn kennengelernt hatte. Er beendete seinen inneren Kampf, um etwas zu sagen, was ihm sichtlich schwerfiel.

„Die Jove haben in dieser Sache Interessen, die gegensätzlicher Natur sind. Solange keine akute Gefahr besteht, dass eine der Fraktionen den Kristall nutzen kann, werden sie neutral bleiben. Für den Fall, dass es zu einem globalen Krieg kommt, werden sie den Ausgang abwarten.“

„Und dann den Sieger vernichten“, beendete Ryek den Gedanken.

„So ist es.“

Mr. Smith zeigte auf die Liegenden.

„Hängen sie die Schnittstellen ab und nehmen sie die Beiden mit. Unser Transportmittel erwartet uns.“

„Ihre Pilgrim?“, fragte Derek.

„Nein, etwas Größeres. Ich werde sie mit der Pilgrim begleiten und die Scouts unterstützen. Ich bringe sie zum Übergabepunkt.“

Eine halbe Stunde später hatten sie abgedockt und flogen zu einer getarnten Sprungbrücke im System. Mr. Smith machte keine weiteren Angaben.

Am Ende des Sprunges wartete ein Caldari Supercarrier auf sie – eine Wyvern, das zweitgößte Schiff in der Klasse der Kriegsmonster, mehr als drei Kilometer lang. Nur Titane mit ihren fünfzehn und mehr Kilometer Länge sind größer.

Die Pilgrim setzte im Hangar des Superschlachtschiffes auf.

„Immerhin müssen wir nicht durch die äußere Luftschleuse“, meinte Ryek.

„Angeber!“, murmelte Tedeya.

Derek grinste Tedeya vielsagend an.

 

Die Tür zur Pilgrim-Brücke öffnete sich. Yolane und Nama kamen wutentbrannt hereingestürmt.

„Jetzt wirds laut“, flüsterte Romar.

 

„Mr Smith! Sind Sie vollkommen übergeschnappt!“

Mr. Smith sah Yolane ruhig an.

„Ich glaube nicht.“

Yolane war kurz davor, Mr. Smith zu schlagen. Auch Nama schien nur noch auf den günstigsten Moment zu warten, um das Gleiche zu tun.

„Das was Sie getan haben, ist unentschuldbar. Illegale Bewusstseins-Datenspeicherung ist, wie Sie genau wissen, auf der gleichen Stufe strafbar wie Vitoc oder Vergewaltigung!“

„Ich weiß es.“

„Sie haben Ihre Kompetenzen überschritten. Wir werden den Befehlshaber des anderen Schiffes anweisen, Sie zu inhaftieren und an die nächste Gallente oder Amarr Jurisdiktion auszuliefern!“

„Das können Sie nicht.“

„Und warum nicht? Stehen Sie über dem Recht?“

„Nein. Das Problem ist: Im Moment existiert dieses Recht nicht mehr. Die Charta wurde von den Fraktionen inoffiziell suspendiert, und die Fraktionen befinden sich in einem offiziellen Nicht-Krieg. CONCORD ist nicht mehr zuständig. An wen wollen sie sich also wenden?“

Nama gab nicht nach.

„Was heißt das? Das die Menschenrechte für uns ausgesetzt wurden?“

Mr. Smith platzte der Kragen.

„Verdammt noch mal! Ja! Das heißt es! Sie alle sind gerade das Ziel jedes Kriminellen und jeder Regierung, die von ihnen wissen! Der Grund, warum sie noch leben, ist meine persönliche Vermutung, dass sie so von größerem Nutzen sind, und zwar für die Jove! Ihre persönlichen Befindlichkeiten sind für mich vollkommen irrelevant!“

Yolane und Nama wichen schockiert zurück.

Mr. Smith starrte alle kalt an.

„Führen sie mich nicht in Versuchung, anzunehmen, dass ich meinen Auftrag ohne sie durchführen könnte. Mein Preis für ihre Kooperation ist, dass sie, vielleicht, mit ihrem nackten Leben davonkommen werden. Dafür gehe ich an die Grenze dessen, was mein eigenes Volk mir zugesteht. Mehr ist nicht drin. Habe ich mich klar ausgedrückt?“

„Er sagt die Wahrheit“, sagte Nama mit leiser Stimme.

Mr. Smiths Blicke durchbohrten Nama.

„Wollten Sie noch etwas sagen?“

„Nein. Sie können wieder aus meinem Kopf verschwinden.“

„Nama. Sie bleiben. Wir beide reden gleich über den Kristall. Die anderen begeben sich auf die Brücke unseres Gastgeberschiffes, um sich einweisen zu lassen. Wir sehen uns beim Abendessen. Wegtreten!“

Romar wollte sich widersetzen, aber Nama schüttelte den Kopf.

„Nein. Es ist in Ordnung so.“

 (Fortsetzung folgt)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s