Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Da „Das Feuer Gabriels“ Schon einige Jahre alt ist, weiß ich nicht mehr, ob ich mir den folgenden Textabschnitt selbst ausgedacht habe, oder ob ich damals schon von Stuxnet gehört habe. Wie auch immer, ich denke, ich habe die Wirkung derartiger Dinge sehr anschaulich beschrieben. So, dass eigentlich jeder begreifen kann, welche tödliche Gefahr einer globalisierten, digitalisierte Welt droht, die an Sicherheit, Härtung und (analogen) Backups spart. Ihr werdet nach diesem Text wahrscheinlich eure Computer, Waschmaschinen und smarten Phones oder Homes mit anderen Augen sehen. Diese Geschichte ist eine Fiktion, Stuxnet ist real und erprobt.
Viel Spaß beim Lesen (und niemand soll später sagen, er wäre nicht informiert worden 😉 ) … )

„Na, wie war’s?“

„Frag nicht. Und bei Dir?“

„Frag nicht.“

Yolane sah Tedeya belustigt an. „Kann es sein, dass wir dasselbe Problem haben?“

„Meines fängt mit ‚M‘ an. Und deines?“

„Ja. Was täten wir nur ohne sie?“

Tedeya schnaubte und setzte sich neben ihre Mutter an die Servicekonsole. „Und wie läufts hier?“

„Ich bin mir nicht sicher. Der Kommandant hat mir einige brauchbare Implantate zur Verfügung gestellt und vollen Zugriff auf die Schiffssysteme gegeben. Die Technik habe ich aus Mr. Smiths Schiff mitgebracht. Aber ich komme nicht weiter. Sind die Systeme eines Superschlachtschiffes denn so anders als die eines Schlachtschiffes?“

Tedeya nahm nachdenklich zwei der Implantate und jonglierte mit ihnen.

„Eigentlich nein, soweit ich weiß. Die Software ist standardisiert, wie die Module auch. Hier ist alles nur mehr und größer. Darf ich?“

Yolane nickte. Tedeya rief einige Systemreports auf.

„Ich wusste gar nicht, das du dich mit so etwas beschäftigt hast.“

„War hilfreich bei der Auswahl meiner Implantate. Besonders bei denen mit Piratendesign.“

„Mr. Smith hat da eine Bemerkung fallen gelassen.“

„Hat er?“

„Das er dich nicht sofort erschießt, weil er die Konfiguration braucht.“

„Vielen herzlichen Dank! Das hat mir zur Aufmunterung noch gefehlt.“

„Was erwartest du? Er ist CONCORD.“

„Ist er das?“

„Gute Frage.“

„Die Reports sehen ok aus. Was ist das Problem?“

„Schwer zu beschreiben. Die Imps, die ich mit dem System verbinden will, erweitern es in dieser Konfiguration um eine, nennen wir es einmal, abwägende Komponente. Fuzzy Logic.“

„Du baust also so etwas wie ein Bauchgefühl ein?“

„Das trifft es ganz gut. Aber dieses Ding hier …“, sie zeigte auf die Konsole, „hat jetzt schon Bauchschmerzen. Ich bekomme die Imps nicht synchronisiert.“

„Hm. Vielleicht schaue ich mal direkt nach?“

„Damit du wieder abstürzt? Das hilft mir dann auch nicht weiter.“

„Immerhin hat es bei Ryek ja ganz gut funktioniert.“

„Zu gut, wenn du mich fragst.“

„Tue ich aber nicht! Soll ich nun helfen oder nicht?“

Yolane überlegte.

„Ok. Aber nur die Steuerungsebene.“

Tedeya befestige das Interfacekabel in der Buchse der Steuerkonsole und an ihrem Hinterkopf. Für eine Weile wurden ihre Augen glasig, als wenn sie in unendliche Ferne sehen würde.

„Kontakt“, sagte sie mit fast mechanischer Stimme. „Ich teste jetzt den zentralen Zeitgeber des Schiffes gegen meine Imps. Lade das Layout der Schiffssysteme herunter.“

Ihre Augen flackerten.

„Das ist ja interessant!“

Mit einem Ruck riss sie das Kabel aus der Konsole.

„Tedeya! Was ist?“

„Moment!“

Sie schüttelte den Kopf, wie um einen Bienenschwarm zu vertreiben, strich sich mit beiden Händen kräftig über die kurzen Haare.

„Verdammt! Das juckt, und ich kann mich da nicht kratzen!“

„Tedeya?“

„Es juckt IM Kopf!“

Tedeya zitterte wie im Schüttelfrost. Dann entspannte sie.

„Puh! Ohne meine Imps wäre ich jetzt tot.“

„Was ist passiert?“

Tedeya sah ihre Mutter besorgt an.

„Wir haben ein Problem. Das Schiff wird sabotiert. Ruf den Kommandanten. Bis er bei uns ist, versuche ich, das Ergebnis in Worte zu fassen.“

 

 

„Sabotage? Wir haben das Schiff vor Abflug gründlich untersucht. Es ist nur besonders überprüftes Personal an Bord.“

Tedeya lachte freudlos.

„Dieses Schiff ist über drei Kilometer lang. Das Teil, welches es vernichten wird, ist so groß.“

Sie öffnet die Hand. Dort lag ein Implantat.

„Und niemand wird es vom Original unterscheiden können.“

„Vernichtung? Ohne Bombe oder Angriff von außen?“

„Ja. Und zwar bald.“

„Erklären Sie es mir.“

„Yolane wollte Imps mit dem Schiff verbinden. Dazu muss man sie synchronisieren. Und das ging nicht. Es ging deshalb nicht, weil die Imps einen eigenen Zeitgeber haben, der nach Einbau nicht änderbar ist, im Gegensatz zum Schiff. Hier sind alle Zeitgeber betroffen. Ich habe von so etwas noch nie gehört. Es ist ein schleichender Prozess, wie eine Schneeflocke, die eine Lawine auslöst. Die Schiffssysteme haben eingebaute Sicherungen, um im Falle von Fehlern, zum Beispiel verursacht durch kosmische Strahlung, richtig weiter zu funktionieren. Das Sabotagemodul erhöht nach und nach die Fehler, und es hat die Korrektursysteme übernommen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt, oder durch ein Signal ausgelöst, wird die Reparatur aufhören zu funktionieren, und dann sitzen wir in einem toten Stück Schiffsmetall fest.“

Sie wiegte den Kopf hin und her.

„Um das hinzubekommen, muss man mit stark miniaturisierten autarken Systemen arbeiten. Imps, vielleicht sogar Nanobots, um in baulich gesicherte Bereiche einzudringen.“

„Kommandant, experimentiert CONCORD mit Sleeper Technik in diese Richtung?“, fragte Yolane.

„Mir ist nichts bekannt. Ich kenne natürlich nicht alles, was bei CONCORD gerade läuft. Falls Ihre Vermutung zutrifft, dann weiß es mit Sicherheit nur einem sehr kleiner Personenkreis. Aber warum sollten die das eigene Schiff ausschalten wollen?“

Er sah Tedeya und Yolane an.

„Können sie es stoppen?“

Tedeya schüttelte entschieden den Kopf.

„Wie lange haben wir noch?“

„Ich weiß es nicht. Lassen Sie ihre Technik das prüfen. Irgendetwas zwischen Stunden und einem Tag.“

„Ich werde die Evakuierung des Schiffes vorbereiten.“

„Wo ist Mr. Smith eigentlich gerade?“

„Unterwegs in diesem System, um zu scannen. Wonach hat er nicht gesagt. Da fällt mir auf, dass unsere Scouts in den nächsten Sprungsystemen überfällig sind.“

Er setzte sich mit der Brücke in Verbindung. Die Antwort auf seine Anfrage war nicht in seinem Sinn.

„Wir haben seit einer Stunde keinen Kontakt mehr. Probleme mit den interstellaren Kommunikationseinrichtungen des Schiffes.“

Yolane sprang auf.

„Kommandant! Rufen Sie unser Team auf der Brücke zusammen, und übergeben Sie das Kommando an Ryek! Sie und Ihre Mannschaft verlassen das Schiff. Sofort!“

„Yolane, Sie können mir doch nicht so einfach Befehle erteilen.“

Der Angriffsalarm gellte durch das Schiff. Yolane sah den Kommandanten eindringlich an.

„Retten Sie ihre Leben. Für uns können Sie nichts mehr tun.“

 (Fortsetzung folgt)

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