Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Ka-Wumm!… )

„Wo ist Mr. Smith hin?“

„Keine Ahnung, Yolane. Es wollte im System bleiben, hat soweit ich weiß keine Sprungbrücke genutzt, ist aber nicht erreichbar.“

„Mist! Egal. Rufen Sie unser Team auf der Brücke zusammen. Wir übernehmen jetzt.“

Der Kommandant stimmte widerwillig zu und begann damit, die Evakuierung zu organisieren.

Auf der Bücke war Ryeks erste Aktion, alle nicht zum Team gehörigen Personen hinauszukomplimentieren, um anschließend die Türen zu versiegeln und das Team auf die wichtigsten Schiffsfunktionen zu verteilen.

„Wieviel Zeit haben wir noch, Tedeya?“

„Wenig. Es sind fast eintausend Schiffe ins System gesprungen. Die werden sich auf alle Punkte verteilen. Sobald wir sichtbar werden, sind die in zwei Minuten bei uns.“

Ryek richtete das Schiff auf den am weitesten entfernten Planeten aus.

„Ich habe da ein ganz ungutes Gefühl.“

Er deaktivierte das Tarnmodul und aktivierte den Warpantrieb.

„Interstellarer Sprungantrieb ausgefallen“, meldete Romar.

„Kann er reapariert werden?“, fragte Ryek.

„Ich glaube nein“, war Dereks Antwort.

„So etwas habe ich noch nie gesehen. Als ob das Schiff sich nach und nach in den ‚Nasses Grab‘ Zustand versetzen würde.“ Er sah Ryek entschuldigend an.

„Schon in Ordnung. Dann weiß ich wenigstens, wie unsere Chancen stehen.“

Das Schiff kam aus dem Warp, zwanzigtausend Kilometer vom Planeten entfernt.

„Warpantrieb ausgefallen. Tarnmodul ausgefallen.“

„Ist ja gut. Was ist mit den Kommunikationssystemen?“

„Instabil.“

Ryek nahm sein Pad und stellte einen Daueranruf zu Mr. Smith ein.

„Vielleicht hat der ja noch eine gute Idee.“

Tausend Kilometer vom Schiff entfernt öffnete sich eine Sprungbrücke. Und dann noch eine. Schiffe strömten wie Sandkörner in den Raum.

„Sie wollen uns lebend. Das wird aber nicht passieren“, stellte Nama fest.

Ryek sah sich um. Alle nickten.

„Nama? Kann der Kristall hier irgendetwas bewirken? Immerhin ist der Systemausfall vergleichbar mit meiner Situation nach dem Azedi Einsatz.“

Tedeya schüttelte den Kopf.

„Ich glaube nein.“

„Warum?“

„Weil es sich um einen Schaden handelt, an dem aktive Elemente beteiligt sind. Sie werden versuchen, auch den Kristall zu übernehmen.“

Sie zuckte zusammen.

„Verdammt! Und ich glaube, dass sie das auch schaffen könnten.“

„Selbstzerstörung des Schiffes ausgefallen, falls es noch jemanden interessiert“, gab Romar bekannt.

Ryeks Pad meldete sich.

„Hier Smith. Ich hole euch da raus!“

„Vergessen Sie es! Der Raum ist verseucht mit Schiffen für jede Gelegenheit, da kommen Sie weder rein noch raus.“

„Kann ich mit Nama sprechen? Sind sie zusammen in einem Raum?“

Ryek reichte das Pad weiter.

„Ja und ja“, sagte Nama.

Die Flotte formierte sich und ging auf Sprunggeschwindigkeit.

„Nama? Erinnerst du dich an unser Gespräch? Hast du das Artefakt bei dir?“

Nama blickte verzweifelt in die Runde. Sie nahm die Kette von ihrem Hals und öffnete die Hülse. Alle im Raum spürten ein Echo, diesmal von Nama, wie einen Teil ihres eigenen Ichs. Und etwas anderes. Eine Maschine, die nach ihnen griff.

„Virtuelle Brennscanner? Faszinierend“, murmelte Ryek halblaut.

„Die Flotte hat beschleunigt. Es sind auch Titane dabei. Sie werden in einer Minute warpen“, meldete Tedeya.

„Ich habe Angst“, flüsterte Nama.

„Das haben wir alle.“

Tedeya gab Romar einen Wink. Er stand auf, ging zu Nama und umarmte sie.

„Dreißig Sekunden.“

Ryek zog seinen Blaster und richtete ihn auf Nama, die ihm den Rücken zugedreht hatte.

„Nama. Denk an die Wippe. Vergiss den Ort, an dem du bist. Höre nur auf meine Stimme“, sagte Mr. Smith.

Nama fühlte Mr. Smiths Worte mehr, als dass sie sie hörte. Sie schloss die Welt um sich herum aus. Nur die Wärme von Romars Berührung nahm sie mit.

„Fünfzehn Sekunden.“

„Aye.“

Die Maschine tastete sich durch ihre Köpfe, wie ein Druck, der stetig zunahm. Kälte breitete sich aus.

„Flotte springt.“

Nama machte sich bereit. Die Wippe war im Gleichgewicht. Auf der einen Seite die Energie von Sternen, auf der anderen Seite sie, am Ende eines unendlich langen Hebels.

„Flotte hat uns erreicht“, sekundierte Tedeya.

Weit im Hintergrund hörte Nama Yolane schreien, durch eine Wand aus Watte. Sie ließ die Wippe los. Die Welt ging unter.

 

***

 

„Die Einsatzflotte wurde komplett vernichtet.“

„Woher wissen Sie das?“

„Das Ziel ist nicht da, die Flotte ist nicht da, und der Planet, bei dem das alles stattgefunden hat, ist ebenfalls nicht mehr da. Wir evakuieren gerade das System. Die Schockwelle breitet sich mit Lichtgeschwindigkeit aus und wird die Warpharmonik zumindest in diesem Sonnensystem zerstören. Im Bereich des ehemaligen Planeten ist die Raumzeit-Struktur amorph und unbestimmt, als ob jemand mit einer Granate in einen Gallertkörper geschossen hätte. Das ‚Loch‘ wird sich nach und nach wieder schließen, aber bis dahin ist die Warpharmonik in diesem System instabil und unvorhersehbar. Das System wird in vierundzwanzig Stunden vom Rest des Universums abgeschnitten sein. Wir werden es wieder mit Explorersonden anfliegen müssen. Irgendwann.“

„Wann?“

„Wer weiß? In zehn Jahren? In zwanzig? In Hundert?“

 (Fortsetzung folgt)

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