Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Romantik kommt leider immer im ungünstigsten Moment… )

* * *

Ryek wachte auf. Es war dunkel und es war ruhig. Keines der vertrauten Geräusche war zu hören. Kein Summen von Generatoren. Kein Zischen der Lebenserhaltungssysteme. Seine Augen gewöhnten sich langsam an das Nicht-Vorhandensein von absoluter Schwärze. Er erkannte den Umriss eines Fensters, welches gekippt geöffnet war. Somit war er nicht im Weltraum. Es roch nach Wald, zumindest sagte ihm das eine Erinnerung aus einem lange vergangenen Leben. Wann war er das letzte Mal planetside gewesen? Er wusste es nicht. Dann fiel ihm das gleichmäßige Atmen auf, welches er zuerst für das eigene gehalten hatte. Sein Körpergefühl kehrte langsam zurück. Erzwungener Bewusstseinstransfer? Dafür fühlte er sich eigentlich nicht schlecht genug. Die Erinnerung wurde besser. Er hatte einen Blaster in der Hand gehabt und jemanden in den Rücken schießen wollen. Einer jungen Frau, wie hieß sie noch gleich? Warum hatte er sie töten wollen? Dann war alles sehr schwarz und sehr kalt geworden. Ryek beschäftigte sich wieder mit dem Hier und Jetzt. Wo kam das Atmen her? Es musste ganz in der Nähe sein. Jetzt spürte er den Körper neben sich. Weiblich, eindeutig. Eine schmale und kräftige Hand zog seinen Körper an den fremden heran. Er widerstand dem Reflex, zuzuschlagen und sich zu befreien. Wenn sie ihn hätte töten wollen, dann wäre das bereits geschehen.

„Endlich! Ich dachte schon, dass du nie mehr aufwachst“, murmelte eine schlaftrunkene Stimme.

„Tedeya!“

Sein Flüstern war wie ein Schrei.

„Ja, ich. Jetzt mach doch nicht so einen Lärm. Wen hast du denn sonst erwartet? Nama und Yolane sind anderweitig beschäftigt.“

Tedeya lachte leise. Es klang sehr angenehm. Und sehr verführerisch.

„Was soll das?“

„Ich wollte bei dir sein, wenn du aufwachst. Die anderen sind schon seit einem Tag auf den Beinen, nur du hast dich gedrückt. Außerdem habe ich ein paar Fragen, die ich den anderen nicht stellen wollte.“

Ryek befreite sich aus der Umarmung.

„Hätte das nicht Zeit bis morgen gehabt?“

„Bist du immer so schwer von Begriff?“

Ryek überlegte seine Optionen Falls er keine schweren Verletzungen riskieren wollte, musste er wohl oder übel mitspielen. Er wich der Frage aus.

„Was willst du denn so dringend wissen?“

„Wie das so ist mit einem neuen Körper. Du hast das ja schon einige Male hinter dich gebracht. Auf den Planeten nennt man solche Leute, zu denen ich jetzt auch gehöre, Space Zombies.“

Ryek zuckte zusammen.

„Ich fühle mich alles andere als kalt und tot. Eher das totale Gegenteil. Ich hörte, dass es Anpassungsschwierigkeiten gibt. Aber ich habe mich seit Langem nicht mehr so wohl gefühlt.“

Sie kuschelte sich an ihn.

„Das liegt am Kristall. Mit ihm hat sich der Datensatz dramatisch vergrößert. Der Transfer ist also leichter, da vollständiger.“

„Ryek, gibt es Einschränkungen?“

„Nein. Die Klone werden aus lebendem Gewebe erstellt. Es ist nicht das Wiederbeleben einer Leiche mit einem anderen Bewusstsein, was zwar auch theoretisch möglich wäre, aber verboten ist. Auch wenn der Grundstoff tote Körper sind. Sie werden, technisch gesprochen, recycelt. Das Material wird in die genetische Struktur des Primärkörpers überführt. Wie ein Ganzkörper-Spenderorgan.“

„Ich verstehe. Ich spüre zwar die alten Narben, aber sie sind Erinnerung.“

„Ja. Dieser Körper ist komplett jung …“

Ryek biss sich auf die Zunge. Wieso war das Zimmer nicht hellrot erleuchtet?

„… und unbenutzt.“

Tedeya hatte ihr Gesicht in das Kissen gedrückt.

„Ted? Alles in Ordnung?“

Sie schnappte nach Luft.

„Nein! Ich ersticke gleich vor Lachen!“

Sie drückte den Kopf wieder in das Kissen.

„Darf ich fragen, was denn so komisch ist?“

„Tedeya beruhigte sich.

„Ryek?“

„Hier.“

„Bist du blind?“

„Es ist dunkel hier.“

Tedeyas Kopf verschwand wieder im Kissen. Sie startete einen weiteren Versuch.

„Bist du nicht interessiert? Oder anders ausgerichtet?“

„Ach das. Aua!“

Er rieb sich die Rippen.

„Ja, das!“

Er spürte ihre Tränen auf einer Haut.

 

 (Fortsetzung folgt)

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