Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (…)

Alle sahen Nama an.

„Wie haben Sie es erraten?“, fragte Mr. Smith.

„Das war einfach. Sie haben uns bis hierher bewegt. In neue Körper. Der Transfer hat mit Hilfe des Kristalls stattgefunden. Die Klontransfertechnik basiert auf der Jove Technologie, und soweit ich weiß, wird jedem Klon-Datensatz die Kennung der letzten sendenden Stelle beigefügt. Sie haben jetzt hier ein Team, welches mit einer Technik gesendet wurde, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Pre-Jove ist. Ich gehe davon aus, dass die hier stationierte Waffe annimmt, dass wir die berechtigte Mannschaft derselben sind. Richtig?“

Mr. Smith nickte.

„Ja. Es ist so. Ich habe Sie unterschätzt, Nama.“

„Es war von vorneherein Ihr Ziel, uns hier in Körpern, die nach Ihren Vorstellungen gefertigt wurden, ankommen zu lassen?“

Derek hielt Yolane fest, so das sie nicht aufstehen konnte.

„Ja, Yolane. Allerdings hatte ich gehofft, dass ihre Originalkörper erhalten bleiben, so das sie die Wahl gehabt hätten, dahin zurückzukehren.“

„Wie großzügig.“

„Yolane, ich habe Ihnen allen klar gesagt, was ich tue und was ich kann. Ich sagte, dass sie nicht mehr erwarten können, als mit dem nackten Leben davonzukommen. Bisher habe ich meinen Teil gehalten.“

„Ha!“

„Vergessen Sie nicht: Sie können jetzt jederzeit in einen weiteren Klon transferiert werden, wenn der aktuelle Ihnen nicht zusagt.“

„Yolane“, wandte Ryek ein. „Das ist tatsächlich ein sehr großzügiges Angebot.“

„Das sehe ich aber anders!“

„Würdest du dich wohler fühlen in einem Einmachglas in Azedi? Angeschlossen an Geräte, gegen die du dich nicht mehr wehren kannst? Verdammt dazu, die dir zugedachte Funktion auszuführen, wie ein Modul in einem Schiff?“

Yolane schnappte nach Luft.

„Wenn du jetzt sagst, dass die das nicht dürfen, dann passiert ein Unglück. Mit dir als Opfer.“

„Jo–“ Yolane schloss gerade noch rechtzeitig den Mund. Den anderen entging das Detail.

„Was?“, fragte Ryek.

„Du hast recht. Leider. Mr. Smith?“

„Auf diesem Planeten befindet sich nur noch CONCORD Personal. Es ist so etwas wie eine neutrale Zone im Kriegsgebiet.“

Er lächelte verkniffen.

„Die anderen Fraktionen wurden aufgefordert, den Planeten zu verlassen. Die verbliebenen Leute sind CONCORD treu. Hoffentlich. Sie haben ein bis zwei Tage, sich hier umzusehen, etwas zu entspannen, und mit mir zusammen eine Idee zu entwickeln, wie wir es schaffen, dass wir die Waffe finden. Und dass sie an Bord gehen können. Ohne dass die anderen Fraktionen es bemerken. Dann müssen sie schnell herausfinden, was notwendig ist, um die Waffe dauerhaft zu deaktivieren, besser, zu zerstören. Es sind eine halbe Million Menschen im System. Deren Leben liegt in ihrer Hand.“

„Sie kämen nicht mit an Bord? Sie sind doch Jove?“, fragte Romar.

„Nein. Ich bin nicht ‚markiert‘, und Klontransfer kommt für mich nicht in Frage. Außerdem ist der Kristall fort. Es ginge also auch dann nicht, wenn ich es könnte.“

Er legte einige Chipkarten auf den Tisch.

„Hier sind die Infos über den Planeten, dessen Geschichte und Kultur, soweit es ermittelbar war, und ein Plan der Stadt, in der wir sind. Wir haben das öffentliche Transportsystem teilweise wiederherstellen können. Hier ist vieles sehr gut erhalten oder gut eingelagert worden. Wann waren sie zuletzt auf einem Planeten? Ich gebe ihnen für heute frei.“

Er lächelte knapp.

„Machen sie einen Stadtbummel, kaufen Sie ein, besuchen sie ein Restaurant. Alles ist inklusive. Wir werden sie unauffällig beschatten.“

„Überall?“

„Innerhalb gewisser Grenzen, ja. Sie haben Implantate, mit denen wir sie jederzeit finden können. Mit Ausnahme der Positionsbestimmung können sie alles deaktivieren, wenn sie es wollen. Ryek und Derek können ihnen den Umgang damit erläutern. Die von ihnen, die bereits Implantate hatten, bekamen einen angemessenen Ersatz. Die anderen können es sich überlegen, aber es ist keine Pflicht, das zu tun.“

„Sie begleiten uns also auch bis ins Schlafzimmer?“

Mr. Smith verzog keine Mine.

„Ja, natürlich, Nama. Es ist aber ihre Entscheidung, ob sie von dort aus alle medizinischen Daten senden wollen.“

„Wie im Zoo.“

„Wir sind hier nicht im Urlaub. Die Alternative ist, wie Ryek es so treffend ausdrückte, das Einmachglas mit ihnen drin.“

Er legte ein paar farbige Ausdrucke auf den Tisch.

„Vielleicht wäre das etwas für sie? Die hiesige Bekleidungsindustrie war ausgezeichnet, wir haben schon einige Verfahren an die heutige Zeit angepasst und vergeben Lizenzen an die Fraktionen.“

Die Augen der drei Frauen begannen zu glänzen. Eine gewisse Gier erschien in ihnen. Drei Männer stöhnten leise auf.

Derek brachte es auf den Punkt.

„Schuhe! Mr. Smith, was haben wir getan, dass Sie uns so hart bestrafen?“

Mr. Smith drehte sich um und verließ wortlos den Raum. Seine Schultern zuckten.

 

 (Fortsetzung folgt)

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