Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Noch einmal stürmt, noch einmal, lieben Freunde! …)

„Stehen sie langsam auf. Und dann die Hände über den Kopf.“

Sie standen langsam auf. Ryek sah zu Tedeya hinüber. Sie schloss kurz ihre Augen als Zeichen der Zustimmung und sah zu Nama hinüber. Sie nickte leicht. Romar und Derek drehten sich so, dass sie eine andere Gruppe ins Auge fassten.

Dann sagte Nama mit der vollen Kraft ihrer Stimme.

„Unten.“

Alle schauten reflexartig nach unten, bis auf das Team. Nama sprang Yolane an und riss sie zu Boden, Ryek warf Tedeya eine Waffe zu, die erst zu erkennen war, als sie sie abfeuerte. Romar und Derek setzten die Vierergruppe mit gezielten Schüssen außer Gefecht, und waren knapp langsamer als Ryek und Tedeya, die jeweils drei Gegner erledigten. Dann standen sie, Rücken an Rücken, und warteten, ob Verstärkung angreifen würde. Von der Straße her war das Feuer schwerer Waffen zu hören.

 

Mr. Smith stürzte herein, sah sich kurz um, packte dann einen der am Boden liegenden verletzten Soldaten. Er hob ihn mit einer Hand hoch, und drückte ihn an die Wand.

Der Soldat lachte nur. „Ergeben Sie sich, solange Sie noch Zeit haben. Wir sind mit einer Flotte im Orbit. Wenn wir in fünf Minuten nicht wieder an Bord sind, findet ein planetares Bombardement statt.“

Mr. Smith ließ den Soldaten fallen. Er zeigte den Gegenstand, den er in der anderen Hand gehalten hatte. Keine Waffe, sondern ein Kommunikator.

„Kein Problem“, sagte er.

„Alle hier im System haben das jetzt gehört. Sie sollten ihre Optionen überdenken.“

Der Soldat nickte, besiegt, und griff nach seinem Kommunikator.

Ein Gleißen erfüllte den Himmel, das alle zwang, die Augen zu schließen. Das überirdische Feuerwerk dauerte eine Minute, Mr. Smith zählte mit.

„War das ihre Einheit?“

„Ja. Nein. Nein!“

„Wie es aussieht, hat das, wonach Sie suchen, Sie gefunden.“ Mr. Smith winkte seinen Kollegen, die Angreifer wegzuschaffen.

Namas Pad meldete sich.

„Ja?“

„Ich erfasse sechs Berechtigte. Sind Sie in Gefahr?“

Die Stimme hatte einen mechanischen Unterton, und einen Akzent, der seit Ewigkeiten nicht mehr in Gebrauch war. Nama öffnete überrascht den Mund und sah Ryek fragend an. Er schüttelte den Kopf.

„Nein. Alles unter Kontrolle.“

„Sie kommen an Bord.“

Das war keine Bitte.

„Aber …“

„Sie kommen an Bord. Die Koordinaten finden Sie auf Ihrem Gerät. Wenn sie nicht in zwölf Stunden den Planeten verlassen haben, ohne Begleitung, werde ich von ihrer Gefangennahme ausgehen, und Maßnahmen ergreifen. Sie kennen die Direktive.“

Die Verbindung wurde unterbrochen.

„Kommen sie mit“, sagte Mr. Smith. „Ich bringe sie zum Schiff.“

„Eins und zwei wären damit erledigt“, kommentierte Tedeya.

„Bitte?“

„Wir hatten Überlegungen gestartet, wie wir den Auftrag erledigen können. Zwei der fünf Punkte können wir jetzt abhaken.“

Ryek sah zu Mr. Smith. „Mr. Smith?“

„Ja?“

„Informieren Sie die hier anwesenden Flotten. Mit persönlichem Kurier. Wenn die Kommandeure klug sind, werden sie sich Ihrem Befehl unterstellen. Warten Sie dann auf weitere Informationen, und versuchen Sie, bis dahin am Leben zu bleiben. Und überprüfen sie alle Computersysteme. So wie es aussieht, hat die Waffe Zugang erlangt, zumindest zu den Kommunikationseinrichtungen.“

„Aye.“

„Warten Sie bitte draußen. Wir kommen in fünf Minuten nach.“

Mr. Smith nickte zustimmend und verließ den Raum.

 

Tedeya kam auf Ryek zu und umarmte ihn.

„Ted …“

„Ich habe mit Yolane gesprochen“, flüsterte sie. „Wenn du mich jetzt Tochter nennst, dann schieße ich ein Loch durch deinen Bauch, du Feigling. Klar?“

„Mist. Ich hätte es so gut haben können.“

„Pech gehabt, Caldari.“

Ryek ergab sich und erwiderte die Umarmung.

 

„Hey, und wir?“

Rye räusperte sich und löste sich von Tedeya. Er sah in die Runde.

„Wir werden alle sterben. Was sonst? Das Lied können wir mittlerweile auswendig singen. Nama, wieso hat das Ding gerade mit dir Kontakt aufgenommen?“

Nama wurde verlegen.

„Ich habe die technischen Informationen des Klontransfers auf dem Pad durch ein Testprogramm laufen lassen. Die Kristall-Signaturen. Die von uns allen. Mr. Smith hat mir die Daten gegeben. Ich wollte sie auf Gemeinsamkeiten vergleichen, aber nicht auf den Rechnern hier.“

„Du bist genauso paranoid wie Ryek“, schimpfte Romar.

„Ja. Möglicherweise. Die Waffe hat die Kommunikation geknackt. Und wo findet sie alle ‚Berechtigten‘?“

Nama zeigte auf ihr Pad.

„Gute Arbeit. Du hast uns einen wunderschönen Abend vermasselt.“

„Aber Yolane, ich habe doch nur …“

„Unser Leben gerettet. Danke.“

„Was nun?“, fragte Nama, an die anderen gewandt.

„Ich kläre das mit Mr. Smith. Wartet auf mich.“ Ryek verließ das Lokal, um Mr. Smith wieder hereinzuholen.

 

„Mr. Smith?“

„Ja?“

„Wie groß ist Ihre Auswahl an Schiffen?“

„Welches wollen Sie?“

„Ich glaube, Feuerkraft ist nicht das, was wir brauchen werden. Haben sie ein Warpfeld-Unterbrecher-Schiff im Angebot, eine Onyx?“

„Warum gerade die?“

„Ich habe da eine Idee. Wenn sie klappt, dann wäre es nicht schlecht für uns alle.“

„Gut. Einverstanden.“

„Ich gebe Ihnen die benötigte Ausrüstung auf dem Weg. Außerdem benötige etwas Jove-spezifisches.“

„Das wird schwierig.“

„Sie werden es zur Verfügung stellen. Keine Angst, ich erwarte nicht, dass Sie mir Ihre Tricks verraten. Aber ohne diesen Gegenstand brauchen wir uns nicht auf den Weg zu machen.“

„Worum geht es?“

Ryek sagte es ihm.

„Einverstanden. Unter der Bedingung, dass es dort bleibt, wo Sie es hinbringen.“

„Dann sind wir uns einig. Wann können wir los?“

„Wann immer sie wollen.“

„Mr. Smith?“

„Ja?“

„Sie holen uns da raus?“

„Wie viel Zeit werde ich dafür haben?“

„Dreißig Sekunden. Höchstens. Weniger wäre besser.“

„Sie trauen mir eine Menge zu.“

 

Sie betraten das Lokal. Ryek führte das Gespräch weiter.

„Bewusstseins-Transfer ist nicht drin. Zumindest nicht sofort. Für den Fall, dass wir gerettet werden, halten Sie die Transfereinrichtung und Klon-Ersatz bereit, ich rechne mit schweren Verbrennungen und Strahlenschäden.“

„Denken sie an ihre Implantate.“

„Welche Implantate?“, schimpfte Yolane. Aber sie wusste es schon.

„Die ich ihnen jetzt freischalte. Falls sie sterben sollten, dann werden sie es ohne Schmerzen tun.“

 

 (Fortsetzung folgt)

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