Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Gewonnen hat, wer als Erster durchs Ziel geht, oder? …)

Sie folgten dem Wegweiser. Nach einigen Minuten Fußweg hielten sie an einer massiven Tür.

„Ihre Identifikation.“

Sie sahen sich ratlos an.

„Identifikation?“, fragte Ryek laut.

„Identifizieren sie sich.“

„Ich dachte, du hättest uns bereits identifiziert.“

„Ich habe sie als Berechtigte identifiziert. Ihre Namen sind mir jedoch unbekannt.“

Man kann auch lügen, in dem man die Wahrheit sagt. Ryek sah sich um.

„Mein Name: Ryek Darkener.“

Er signalisierte den anderen, es ihm gleich zu tun.

„Mein Name: Yolane Gerad.“

„Mein Name: Tedeya Gerad.“

„Mein Name: Nama.“

„Mein Name: Romar Gerad.“

„Mein Name Derek Odean.“

Einige Sekunden vergingen. Dann sprach die Stimme wieder.

„Identifizierung abgeschlossen. Wahrheitsindex bei Nama: Neunzig Prozent. Nama, bitte nenne deinen vollständigen Namen.“

Nama brach in Tränen aus.

„Nein. Niemals“, flüsterte sie.

Tedeya legte ihr die rechte Hand auf die Schulter. „Nama. Bitte.“

„Niemals. Niemals! NIEMALS!“

Tedeya hielt die schluchzende Nama fest an sich gedrückt. „Dann ist die Reise wohl zu Ende.“

„Identifikation abgeschlossen, Nama Niemals.“

Romar musste Nama stützen, damit sie nicht zu Boden glitt. Sie fing haltlos zu kichern an.

„Jetzt bleibt mal auf dem Teppich“, mahnte Derek. „Wir haben keine blauen Pillen mit, wenn hier jemand ausrastet.“

„Wahrheitsindex bei Ryek Darkener: Fünfundsechzig Prozent. Erkläre das.“

Yolane sah Ryek entsetzt an, Tedeya sah angelegentlich in eine andere Richtung. Ryek schluckte.

„Der Index ist korrekt. Ursache ist eine multiple Persönlichkeit, deren Ursache technischer Natur ist. Irreparabel.“

Es verging eine Minute.

„Scan abgeschlossen. Deine Information wurde bestätigt.“

Ryek atmete auf.

„Wieder mal amtlich bestätigt dass ich verrückt bin. Danke auch.“

„Keine Ursache.“

Die Panzertüre öffnete sich. Dahinter lag ein Kontrollraum.

„Wie sollen wir dich ansprechen?“, fragte Ryek.

„Mein Name für euch sei Gabriel.“

„Gabriel? Ein alter irdischer Name. Einer der Erzengel. Der, welcher Sodom und Gomorrha mit Feuer vernichtet hat.“

„Das ist meine Aufgabe, Yolane.“

Nama bewegte wortlos die Lippen.

„Ja, wollte ich gerade auch sagen“, flüsterte Romar.

Ryek versuchte, die Initiative zu übernehmen.

„Gabriel, du hast festgestellt, dass wir Berechtigte sind, aber nicht die, mit denen du hierhergekommen bist. Was ist damals geschehen? Und wie wurde der Planet –“, er zögerte, „gereinigt?“

„Es kam zu einem Erstkontakt zwischen dem Sucher und der planetaren Bevölkerung.“

„Es gab nur einen Sucher?“

„Natürlich. Es gibt immer nur einen Sucher. Warum sollen mehr Leben als nötig für eine gefährliche Aufgabe verschwendet werden?“

„Weiter.“

„Die Bewohner hielten den Sucher gefangen. Sie ignorierten die Aufforderung, ihn unversehrt zurückzubringen. Sie versuchten, den Sucher zu beeinflussen, mich auszuliefern. Sie griffen an. Die Direktive für den Kontakt mit potentiell gefährlichen Zivilisationen kennt keine Ausnahmen. Wenn du schwächer bist, dann flieh. Wenn du stärker bist, lösche den Feind aus.“

„Und wie?“

„Beschuss mit Neutronenstrahlung.“

Ryek sah in die bleichen Gesichter der anderen. Er fühlte sich, als ob er sich gleich übergeben würde, obwohl das Massaker schon über dreitausend Jahre vergangen war. Mit schwerer Stimme fragte er weiter.

„Wo kommt die Energie her? Ein Objekt deiner Größe kann sie nicht erzeugen.“

„Das ist richtig. Der innere Ring enthält einen Mechanismus, der mit einer entsprechend starken Energiequelle verbunden werden kann.“

„Ein Neutronenstern?“

„Ja, Meine Erbauer sind über ein Wurmloch dorthin gereist, und haben einen Verteiler installiert. Meine Systeme haben Zugriff auf diesen Verteiler.“

„Das bringt mich zur nächsten Frage. Wo sind deine Erbauer? Sie haben sich seit über dreitausend Jahren nicht bei dir gemeldet.“

„Darüber habe ich keinerlei Informationen in meinen Daten. Es wäre zu gefährlich, sie in die Hände anderer geraten zu lassen.“

„Deine Logik ist schlüssig. Was sind deine nächsten Aktionen?“

„Es sind neue Unwürdige ins System gekommen. Es wurden alle notwendigen Daten gesammelt. Die Fähigkeit und die Ressourcen zum Sprung in andere Systeme wurden zur Verfügung gestellt. Sobald die Aufgabe hier erfüllt ist, werde ich aufbrechen, um sie in dem Gebiet, was New Eden genannt wird, zu erfüllen.“

„Gabriel, deine Herren haben sich seit Ewigkeiten nicht gemeldet. Kann es da nicht sein, dass dein Auftrag obsolet geworden ist?“

„Nur die Herren haben das Recht, mir eine neue Aufgabe zuzuweisen.“

Tedeya zog den Stecker aus der Datenverbindung und nickte.

„Ich gehe davon aus, dass auch wir, die Berechtigten, nicht würdig sind zu überleben? Das wir lediglich zum Informationserwerb eingelassen wurden?“

„Das ist korrekt.“

„Dann möchten wir zusammen mit unseren Völkern kämpfen und sterben.“

„Gewährt. Verlasst das Schiff.“

Die Panzertür öffnete sich, und das Team verließ den Raum, in Richtung Onyx.

„Keine weitere Diskussion?“, fragte Yolane.

„Nein. Das Programm ist nicht änderbar. Wir werden sofort ablegen.“

„Und wie siehst du unsere Chancen, das hier zu gewinnen?“, flüsterte Tedeya.

„Gewonnen hat, wer als Erster durchs Ziel geht, oder?“

 

 (Fortsetzung folgt)

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