Federteufel Workshop in Esslingen 7. und 8. Mai 2016

Die „Schreibgruppe Süd“ (Stuttgart, München, Österreich und Schweiz) trifft sich schon seit einigen Jahren. Und wenn es in der Gruppe schon eine leibhaftige Event-Managerin gibt, liegt es nahe, auch einmal einen Workshop zu organisieren.

So geschehen am 7./8.5. 2015, bei herrlichem Sonnenschein im Kulturzentrum Dieselstraße in Esslingen.

©www.mondcabin.org/

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Man traf sich gegen 11 Uhr, um nach einem kleinen Imbiss mit Smalltalk in Medias Res zu gehen. Das übergreifende Thema war Marketing, Erfahrungen im Publishing / Self-Publishing und Selbst-Präsentation bei einer Lesung.

Als erste Referentin stellte Sabine ihre Erfahrungen sowohl als Verlagsautorin wie auch als Self-Publisherin zur Verfügung. Es ist interessant, zu erfahren, dass der Prozess von der Annahme eines Textes über das Lektorat bis hin zur Veröffentlichung durchaus Jahre in Anspruch nehmen kann, und dass mit dem Verlagsvertrag noch lange nicht alles in Butter ist. Insbesondere das Marketing fokussiert sich doch häufig auf die Zugpferde. Man kommt nicht darum herum, selbst Lesungen, Pressearbeit und Werbung in den sozialen Medien zu organisieren, wenn man sein Buch bekannt machen will. Damit ist man schon fast beim Self-Publishing angekommen, der nicht zu unterschätzende Wert des Verlagsvertrages reduziert sich auf das Lektorat, den Satz, den Druck und den Vorschuss. Warum nach diesen nicht unerheblichen Ausgaben kaum Budget für Marketing übrig bleibt?

Was macht man beim Self-Publishing mehr? Entweder eine Gruppe suchen, die liest, lektoriert und auf andere Weise unterstützt, oder jemanden auf eigene Kosten damit beauftragen.

Das Thema Zeitaufwand für Marketing und soziale Netze wird, das war eine der ersten gefestigten Erkenntnisse, komplett unterschätzt. Generell kann gesagt werden, dass jemand, der vom Schreiben leben will, die Hälfte seiner theoretischen Schreib-Zeit für dieses Thema opfern muss.

 

Nach dieser niederschmetternden Erkenntnis war es dringend nötig, die Seminarteilnehmer wieder aufzurichten. Zu diesem Zweck hatte Sarah in weiser Voraussicht den Stimmungsaufheller überhaupt aus der Schweiz mitgebracht: Schokolade in verschiedenen Variationen. Unter der fachkundigen Anleitung von Richard fanden wir heraus, zu welchem Wein welche Schokolade am besten passt. Danach hatten alle ein entspanntes Grinsen im Gesicht. Der Schoko-Workshop war ein voller Erfolg (Holdeleididudeljö, hicks 😉 ).

©www.mondcabin.org/

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Wir fassen zusammen:

Täglich:

100 g gegen Herzinfarkt

30 g gegen Herzkrankheiten

66 g gegen Schlaganfall

beliebige Menge gegen Gedächtnisschwächen

beliebige Menge gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Und die Kalorien?

Keine Angst, wir schaffen das.

 

 

©www.mondcabin.org/

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Richard stellte die Herausforderung, sich selbst als Marke zu etablieren, in einer sehr guten Präsentation nachvollziehbar vor. Wusstet ihr, dass Charles Lindbergh der 67. war, der den Atlantik  überquert hat? Wer kennt die 66, die es vor ihm geschafft haben? Genau. Das ist erfolgreiches Marketing.  Hier ein paar Stichpunkte, mit Erlaubnis des Autors:

Was verbindet diese vier?

Edmund Hillary

Dougal Haston

Albert Read

Charles Lindbergh

 

Edmund Hillary: 1. Mensch auf dem Mount Everest

Dougal Haston: 67. Mensch auf dem Mount Everest

Albert Read: 1. Mensch, der den Atlantik überflog

Charles Lindbergh: 67. Mensch, der den Atlantik überflog

 

Was zum Federteufel macht den 67. Menschen, der den Atlantik überflog, dermaßen berühmt?

Er hat etwas gewagt.

Er hat gegen Regeln verstoßen.

Er hat Werbung gemacht.

Und er hat die (damals) neuen Medien genutzt.

 

Warum sollte ein Autor eine Marke werden á la Lindbergh?

Weil weder die Read noch die Haston-Methode erfolgreich sind.

 

Marke hilft entscheiden!

– Rund 100.000 (ernstzunehmende) Schreiberlinge

– Rund 87.000 deutschsprachige Neuerscheinungen (2014)

 

Marke braucht Story!

Kollege Maxim Gorkij sagt:

„Man muss nicht in der Bratpfanne gelegen

haben, um über ein Schnitzel zu schreiben.“

 

(Aber hilfreich ist es schon.)

 

Marke braucht Strategie!

– Maßnahmen

– Zeitpläne

– Budget … (Kommt für Indies zumeist nicht in Frage → eigener Einsatz ist gefragt)

 

***

 

Das kann sich durchaus lohnen! Lena zeigte am Beispiel einer erfolgreichen amerikanischen Self-Publisherin, deren Name mir schon wieder entfallen ist, dass eine konsequente Marketing-Aktivität auf Facebook, zusammen mit einer zielgruppengerechten Kommunikation sowie dem Aufbau einer Fanbase sowohl dem Autor Erfolg bringt, als auch bei den Fans zu echten Begeisterungsstürmen führen kann:

Facebook – Fakten von Tillie Cole

•  20.766 Gefällt mir Angaben

•  436 Timeline Fotos

•  626 Mobile Uploads

•  47 Cover Fotos

•  153 Profilbilder

•  31 Videos

 

Ich will nicht verhehlen, dass das vorgestellte Konzept vielen zu grell und zu amerikanisch vorkam, aber die Kernaussage ist wichtig und richtig: Kümmere dich regelmäßig um deine Fans und sorge dafür, dass sie gern Werbung für dich machen. Belohne den Einsatz mit kleinen Geschenken und echter Anerkennung.

Damit war der offizielle Teil des ersten Tages beendet. Dem anschließenden Abendessen folgte, je nach Standfestigkeit, ein Gedankenaustausch bis weit nach Mitternacht.

***

Der zweite Tag wurde von Susanne mit einem lebhaft diskutierten Vortrag zum Thema Charakterentwicklung eröffnet. Sie berichtete von einem entsprechenden Seminar, und einige der Kernsätze sind es bestimmt wert, immer einmal wieder ins Gedächtnis gerufen zu werden:

 

  • In fast jeder Geschichte geht es um äußere Konflikte und innere Konflikte
  • In fast jeder Geschichte gibt es die Heldenreise:

Compelling Event

Der Held sträubt sich, muss aber

Der Held bekommt (zumeist erfahrene) Begleiter und erste Feinde

Tiefpunkt des Helden, der zentrale Konflikt tritt zutage

Die Lösung des Konfliktes entwickelt den Helden weiter, nicht zwingend in die aus Sicht des Lesers richtige Richtung

 

Was bedeutet das für den Charakter? Das persönliche Wahrnehmungsmuster beschreibt den Charakter und wie er in Situationen reagieren wird. Der Gegenspieler ist sowohl der offensichtliche Antagonist als auch der innere Schatten des Charakters. Beispiel: Harry Potter – Voldemort

Daher sollte man für seine Hauptcharaktere die Frage beantwortet haben, wie er zu dem gekommen ist, was er heute in der aktuellen Handlung darstellt. Beispielhafte Fragen wären die nach seiner schlimmsten Erinnerung, der besten Erinnerung, was er aus der von ihm gemeisterten oder nicht gemeisterten Situation mitnimmt, oder auch was das größte Geheimnis ist, was er keiner Person – schon gar nicht dem Leser  – erzählt; sein innerer Schatten.

 

©www.mondcabin.org/

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Nach einer kleinen Pause ging es dann ab auf die Bühne. Ja, wir hatten eine richtige Bühne für das Üben des Vorlesens. Oben ein Stehtisch, ein Mikrofon. Die Scheinwerfer auf den Vorleser gerichtet, unten das gespannte Rudel der Federteufel. Nach 10 Minuten Vorlesezeit gab es Feedback zum Auftreten, was beim Lesen gut oder weniger gut gelaufen ist und wie man es besser machen könnte. Da noch genug Zeit übrig war, haben die meisten in einer zweiten Runde einen weiteren Textausschnitt unvorbereitet gelesen. Ergebnis: Wer so etwas noch nicht häufiger gemacht hat, sollte es unbedingt üben und sich auch selbst aufnehmen und anhören. Die Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung waren sehr erhellend.

Als Fazit kann ich sagen, dass die Veranstaltung allen sehr viel Spaß gemacht hat und wir uns bestimmt überlegen werden, sie mit einem anderen Schwerpunktthema zu wiederholen.

 

Jetzt kommt der Werbeblock  😉

http://www.sabine-bartsch.de/

http://www.tintenspuren.wordpress.com/

http://www.irmgard-braun.de/

http://www.mondcabin.org/

Bitte den Beitrag bei Gefallen teilen,  liken oder sogar den Teilnehmern und dem Verfasser folgen. Schriftstellerei ohne Verlag erreicht nur dann das Publikum, wenn der geneigte Blog-Leser es weitererzählt. Außerdem freuen wir uns über jeden, der sich bei den Federteufeln umsehen möchte. Keine Angst, wir beißen nicht. Wir haben ein großes Kohlelager. 😉

 

Bildnachweis:

http://www.mondcabin.org/

http://www.federteufel.de

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2 Kommentare zu “Federteufel Workshop in Esslingen 7. und 8. Mai 2016

  1. Hat dies auf Tintenspuren rebloggt und kommentierte:
    Wenn sich Autoren treffen, dann haben sie natürlich nur eines im Sinn: Ihre Arbeit. Wieviele verschiedene Facetten das haben kann, zeigt sich in Ryek Darkeners Zusammenfassung des letzten Wochenendes. (Ok, Schokolade war auch noch im Spiel 😉

    Gefällt mir

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