Inspektor Mops: Scharfe Sachen

Ryek mystHier einmal wieder etwas von meinem Inspektor Mops, der mein Opfer für nicht ganz ernst gemeinte Kurzgeschichten ist. Vielleicht spendiere ich ihm einmal einen längeren Text, wer weiß?

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Klatsch!

Mops rieb sich die linke Wange.

Die dunkelhaarige Frau, von guten Bekannten, zu denen sich Mops bisher gezählt hatte, Leo genannt, schoss einen Blick auf ihn ab, der bei anderen Gemütern ein Loch zwischen den Augen hinterlassen hätte. „Du Schürzenjäger!“, schimpfte sie.

„Wie meinen?“

„Ehrlich! Für wie blöd hältst du mich eigentlich?“

„Soll ich jetzt diplomatisch antworten?“

Leonie holte überrascht Luft. Ihre Kollegen hatten sie gewarnt. Mops, dieser Spinner, der angeblich mit den Toten sprach. Trotzdem fand sie ihn interessant. Bisher. Oder immer noch? Eine solche Kaltschnäuzigkeit hatte sie jedenfalls nicht erwartet.

„Das will ich hören. Wie du das diplomatisch erklären willst.“

Mops langte nach dem Weinglas und leerte es auf einen Zug. Der Grüne Veltliner schüttelte ihn kräftig durch. Er hielt sich die Hand vor den Mund, um höflich und unüberhörbar zu rülpsen. „Verzeihung.“

„Sehr diplomatisch.“

Mops lächelte, ähnlich wie Tod einen Klienten anlächeln würde. Seine große, hagere Gestalt unterstützte den Eindruck.

„War’s das jetzt?“ Leonie griff nach ihrer Jacke.

„Nicht ganz. Es fehlt der diplomatische Teil.“

Leonie zog ihre Jacke über.

„Was genau hat dich eigentlich so hochgehen lassen? Ich dachte, wir kämen beide gut voran, bis du …“

„Du weißt es wirklich nicht?“

„Nein, nicht wirklich.“

„Mich fragen, ob ich deine Sense sehen will! Hallo? Wie plump ist das denn!“

Mops klapperte überrascht mit den Augenlidern. „Wo ist das Problem? Ich dachte, du stehst auf scharfe Sachen. Oder machst du deine Gäste mit dem Stumpfen auf?“

Leonie sah ihn entgeistert an. „Sagt dir Sexismus irgendwas?“

„Wenn du die Sense nicht sehen willst, hätte ein einfaches Nein genügt.“ Er rieb sich erneut die Wange.

Leonie war irritiert. „Sag mal, Inspektor Mops, wolltest du mich etwa NICHT flachlegen?“

Mops zuckte mit den Schultern. „Doch, schon. Aber was hat das mit meiner Sense zu tun?“

„Ich glaube, wir reden aneinander vorbei.“

„Sieht so aus.“

„Begleitest du mich? Biss vor die Tür.“

Mops stand auf. „Natürlich, Kollegin. Danke für den netten Abend.“

 

Zu Hause angekommen genehmigte Mops sich ein Bier. Dann ging er ins Arbeitszimmer und schloss den Waffenschrank auf. Als er die Sense aus dem Futteral zog und sie aufklappte, lief ein weißer Schimmer an der Schneide entlang. Mops prüfte die Sense, indem er ein seidenes Tuch an der Klinge entlangzog. An einer Stelle gab es einen leichten Widerstand. Mops setzte sich, nahm den Schleifstein vom Tisch und begann mit der Arbeit.

 

***

 

„Erst Krieg, nun Frieden.“ Der Tote, für alle außer Mops unsichtbar, stand neben seiner Leiche und machte einen unglücklichen Eindruck.

„Jetzt komm schon“, drängte Mops. „In der Pathologie erfahre ich es sowieso. Was ist passiert?“

Er zeigte auf das Chaos ringsherum. Die Stereoanlage des Opfers hatte sich in Trümmer aufgelöst, die ehemaligen gewaltigen Boxen ebenso wie Teile der umstehenden Möbel. Das allein hatte nicht den Tod bewirkt. Der Tote war von kleinen Löchern übersät, deren Verursacher die Kleidung ohne großen Widerstand durchdrungen zu haben schienen.

„Das musst du selbst herausbekommen. Du kennst die Regeln.“

Mops wand sich. „Ja. Natürlich. Ich wollte nicht schummeln. Aber die Pathologin, die Leo“, er räusperte sich, „ist im Moment nicht gut auf mich zu sprechen. Ich dachte, du sagst mir vielleicht vorab, was sie finden wird. Dann brauche ich nur ihren Bericht zu lesen.“

Der Geist schüttelte den Kopf und grinste hämisch. „Ist heut nicht deine Woche, wie es aussieht.“

Mops biss die Zähne zusammen. „Na gut. Wenn du es auf die harte Tour willst, ist es mir auch recht.“

„Wie du richtig vermutest, stecken Metallteile in mir, die meisten ziemlich zackig. Du stellst dir sicher die Frage, wie die in mich hineingekommen sind.“

„Ja. Tue ich. Ist mein Job.“

„Genau das darf ich nicht verraten. Aber möglicherweise ist deine Pathologin ja hilfreich.“

„Wobei?“

Der Geist sah Mops indigniert an. „Sagt dir Sexismus was?“

„Fang du nicht auch noch damit an.“ Er öffnete die Zimmertüre und winkte den Kollegen, die Leiche abzutransportieren.

Zweiter Teil demnächst in diesem Theater …

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