Inspektor Mops: Scharfe Sachen (Teil2)

***

 

„Willst du zusehen?“

„Wenn es nichts ausmacht.“

Leonie seufzte. „Warum frage ich eigentlich?“ Sie beugte sich über den entkleideten Toten. „Todesursache sind eindeutig die Schrapnells in seinem Körper, welche mit letaler Wucht eingedrungen sind. Du sagst, das Zimmer sei völlig verwüstet gewesen. Trotzdem hat die Spurensicherung keinen Sprengstoff feststellen können, obwohl es aussah, als ob da eine Handgranate gezündet worden wäre?“

„Genau. Seine Stereoanlage war total zerfetzt. Die Boxen waren nur noch Sägemehl.“

Leonie zuckte mit den Schultern und ging zum Ghettoblaster, der ein wenig abseits auf einem Tisch an der Wand stand. Sie tippte sie die „Start“-Taste, kehrte zum Gerätetisch zurück, streifte sich die Handschuhe über und griff nach dem Skalpell. „Jetzt sehen wir uns die Dinger mal genauer an.“

Die Stakkatos des Speed-Metal Stückes sägten an Mops’ Nerven, wohingegen der Geist und die Pathologin entspannt mitwippten. Sie machte die Schnitte mit ruhiger Hand, unbeeindruckt vom höllischen Tempo der Gitarrenriffs, entfernte einige der Metallteile aus dem Körper und ließ sie im Takt der Musik in eine bereitstehende Schüssel fallen.

Mops sah zum Geist, der begeistert ansah. Er grinste hämisch.

„Du nicht! Nicht mehr!“

Der Geist starrte Mops wütend an.

„Was?“ Leonie schreckte aus ihrer Konzentration auf. „Verdammt! Beinahe hätte ich mich geschnitten!“

„Weißt du was? Wir sind uns gar nicht so unähnlich. Abgesehen vom Musikgeschmack vielleicht. Um auf unser letztes Gespräch zurückzukommen: Was hast du denn so an scharfen Sachen zu Hause?“

Leonie richtete sich auf, nahm beide Hände über den Kopf und hielt das Skalpell so, als ob sie den bereits Toten erstechen wollte. Für einen langen Moment sah sie aus wie eine Druidin bei der Arbeit.

Der Moment ging vorüber. Mops wagte, vorsichtig weiterzuatmen.

Er räusperte sich. „Hast du viele Probleme mit den Nachbarn?“

„Wegen der Musik? Nein.“ Sie lächelte.

Mops lief es erfrischend kalt den Rücken hinunter.

Da kam ihm ein Gedanke. Er ging zur Musikmaschine und schaltete sie ab. Griff nach dem Smartphone. „Müller? Ja, ich bin’s, Mops. Sagen Sie mal, was hatte unser Toter denn so in seiner Musiksammlung?“ Er lauschte gespannt. „Aha. Gab es Probleme mit den Nachbarn? Aha? Alle Nachbarn vernommen? Aha. Und seit wann ist der angeblich im Urlaub? Aha. Was macht der beruflich? Na so was! Besorgt euch einen Durchsuchungsbefehl und seht in der Wohnung nach. Die Kollegen von der Spurensicherung sollen einen Energietechniker hinzuziehen.“

Er sah den Geist an. „Wie war ich?“

„Ohne die wärst du nie darauf gekommen!“, heulte der Geist und zeigte auf Leonie, die dem vermeintlichen Selbstgespräch nicht folgen konnte.

„Stimmt.“ Er drehte sich zu Leonie und warf einen auffordernden Blick in ihre Richtung.

„Mit wem redest du?“, wollte sie wissen.

„Willst du die Wahrheit hören oder eine diplomatische Antwort?“

„Die Wahrheit natürlich. Oder was deine Version davon ist.“

„Du zeigst mir deine Musiksammlung, ich bringe die Sense mit? Und einen guten Wein? Nur reden. Nichts anfassen. Einverstanden?“

Leonie nickte vorsichtig zustimmend. Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Als was verkleidest du dich eigentlich zu Fasching?“

„Rate mal.“

Hinter seinem Rücken hörte Mops ein verwehendes „Wenn ich meine Hormone noch hätte, dann würde ich …“

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