Happy Birthday Star Trek!

Ryek_2016Es gibt einige Dinge, bei denen man merkt, dass man schon etwas älter geworden ist. Zum Beispiel den fünfzigsten Geburtstag von Star Trek.

Ich war nicht dabei, als die allererste amerikanische Folge ausgestrahlt wurde. Aber ich habe bestimmt eine der ersten, die im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurden, gesehen. Da man sich in meiner Familie nicht besonders für den angeblichen König Fußball interessiert hat, gab es nicht den Kleinkrieg, der mir glaubhaft von anderen berichtet wurde. 😉

Ich war regelmäßiger Star Trek Zuschauer. Star Trek hat mich begleitet. Und, ganz sicher, wie viele andere Menschen auch, in einem gewissen Maße geprägt. Dabei geht es weniger um meine Begeisterung für Wissenschaft und Technik, sondern um die Kernaussage der Serie, dass Wissenschaft und Technik dazu da sind, das Leben einfacher und besser zu machen. Dass angewandte Wissenschaft und Technik nur dann einen tieferen Sinn machen, wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gegeben sind, dass möglichst viele davon profitieren können. Dass Wissenschaft und Technik das friedliche Zusammensein von Menschen und Nicht-Menschen unterstützen.

Abgesehen vom technischen Drumherum ist es eines der wichtigen Themen der Serie, dass jeder nach seiner Fasson leben darf, solange er diese nicht seinem Nachbarn aufzwingt.

 

Man kann durchaus den generellen realen politischen Mindset durch die verschiedenen Staffeln hindurch verfolgen:

 

James T. Kirk war ein Militarist. Ein Abbild der Kriege, in die die USA zu dieser Zeit verwickelt waren. Ein Protagonist des kalten Krieges. Bevor jetzt alles aufschreit, kommt der positive Aspekt. Sowohl er als auch seine Crew haben immer hinterfragt, ob es auch eine nichtmilitärische Lösung für das aktuelle Problem geben könnte. Oft gab es eine. Die Lebewesen in der Science Fiction haben sich die Gedanken gemacht, die sich die Tagespolitik hätte öfter machen müssen. Für mich steckt da eine Menge gut verpackter Gesellschaftskritik drin.

Sein Nachfolger, Jean Luc Picard, ist einen Schritt weiter gegangen. Für ihn war, trotz der beeindruckenden Feuerkraft, Pazifismus und die Suche nach Lösungen im Vorfeld Programm. Er ist oft enttäuscht worden, hat aber niemals aufgegeben. Und er hat sich, wenn auch mit äußerstem Widerwillen, der Tatsache gebeugt, dass die Verteidigung des Überlebens den Einsatz von Waffen rechtfertigen kann. Für mich eine der beeindruckendsten schauspielerischen Leistungen überhaupt.

DS9 hatte einen besonderen Reiz. Zuerst war ich enttäuscht, dass nicht mehr so viele Raumschiffe durch die Gegend geflogen sind. Das hat sich aber bald gelegt. Benjamin Sisko hat von Anfang an eine Aufgabe gehabt, die nicht lösbar war. Vergleichbar mit der UNO. Anspruch und Wirklichkeit haben immer weit auseinandergelegen, jeder Erfolg wurde durch Befindlichkeiten und Machtansprüche zunichte gemacht. Dennoch auch hier am Ende das Fazit, dass es um die Föderation ohne diese Raumstation sehr viel schlechter ausgesehen hätte. Wenn man erst gar nicht versucht hätte, das Schlimmste zu vermeiden. Meine Lieblingsfigur dieser Serie ist übrigens Garak. Er spielt alle Facetten menschlicher Abgründe virtuos gegeneinander aus.

Mit Raumschiff Voyager habe ich mich am Anfang nicht so richtig anfreunden können. Das hat weniger damit zu tun, dass (endlich!) eine Frau das Kommando bekommen hat, sondern mit dem allgemeinen Plot. Damit tue ich diesem Abschnitt jedoch unrecht, denn hier werden alle menschlichen Konflikte in einer Nussschale komprimiert. Zur Klaustrophobie eines U-Bootes und der damit verbundenen Konflikte der Passagiere kommt die Herausforderung, gegen das gesamte umgebende Universum bestehen zu müssen. In der vagen Hoffnung, vielleicht einmal doch in den irdischen Sektor der Galaxis zurückkehren zu können. Ein sehr konkretes, nachvollziehbares Spiegelbild der Erde, auf der wir leben. Übrigens auch hier mit einer klaren Botschaft: Wenn nicht alle zusammenarbeiten, werden alle sterben.

 

Die herausragenden Mit- und Nebendarsteller habe ich, mit Ausnahme Garaks, nicht besonders erwähnt. Weil das den Rahmen des Textes sprengen würde. Ohne die Crews wären die Kapitäne/Kommandanten nicht weit gekommen. Was die Führungskräfte, nota bene, nie in Frage gestellt haben.

 

Alles in allem stellt Star Trek eine Welt dar, wie sie sein könnte, wenn jeder sich im Rahmen seiner Möglichkeiten  ernsthaft darum bemühen würde.

 

Die Spielfilme sind ein interessantes Beiwerk und ebenfalls Spiegel der Zeit, in der sie gedreht wurden. Weshalb ich die bisher letzten drei Kinofilme als nicht zur Star Trek Philosophie passend und reine Effekthascherei ablehne. Trotzdem nehme ich erschreckt zur Kenntnis, dass sie durchaus das real existierende US-Amerika abbilden: Panem et Circenses. Für den Transport wichtiger Botschaften scheint das Budget ausgegangen zu sein. Oder anders gesprochen: Damit lässt sich (nicht nur in den USA) wohl kein Hund mehr hinter dem Ofen hervor ins Kino locken.

 

Star Trek hat zwei Generationen von Menschen weltweit beeinflusst. Vieles, was es heute an Technik gibt, hat seinen Ursprung in Ideen aus der Serie, die Menschen dazu animiert hat, es so zu entwickeln wie beschrieben. Von den gesellschaftlichen Utopien sind wir heute gefühlt weiter entfernt als in den 60ern.

 

Darum gilt heute, wie vor 50 Jahren:

 

To boldly go where no man has gone before.

 

Meine 5 Cent.

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3 Kommentare zu “Happy Birthday Star Trek!

  1. Ich schwanke zwischen Garak und Gul Dukat 🙂
    Übrigens sehe ich das mit den neuen Filmen nicht so schwarz. Die Filme waren (abgesehen vom ersten, der fast schon „Solaris“-Qualitäten hat [und ich erinnere mich an meine atemlose Faszination beim endlosen Flug über „Viya“, damals im Kino]) immer actionreicher als die Serie, allerdings war die Action zur Zeit der alten Filme nur halb so schnell, und das Team um Picard bei „Nemesis“ schon zu alt, um noch im hautengen Dress bei Warp 5 aus Raumschiffen zu springen 😉
    Wo die Reise wirklich hingeht, das wird sich erst bei der nächsten Serie zeigen, so es denn eine geben wird. Aber dafür müssen neue Fans an Bord geholt werden, und die kommen eben dann, wenn sie das Gefühl haben, Star Trek wäre etwas „Großes“. Große Raumschiffe, große Feuerkraft, großes Weltall … Anschließend kann man dann in einer Serie wieder auf Normalmaß zurückgehen.
    Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass es eine Star Trek Serie geben sollte, wo in jeder Folge nur noch herumgehechtet und geballert wird. Andererseits ist es ja nicht so, dass es in all den anderen Shows immer nur friedlich zugegangen wäre. Ich erinnere mich vor allem gerne an die Folge mit Janeway als Lt. Ripley-Klon im Tankshirt mit Riesenwumme, als sie die Voyager im Alleingang gegen Aliens verteidigt. War cool.

    Gefällt 1 Person

    • Wenn man Google fragt, dann wird es eine neue Serie auf einem Bezahlsender geben. Große Raumschiffe und große Feuerkraft hatte Star Trek schon immer, und ich bin der Letzte, der sagt, dass es in einer Space Opera keine Action geben soll. Was mich aber völlig nervt, ist, wenn der Film von einer toll gemachten Actionszene zur nächsten rast, zur Selbstinszenierung der Schauspieler wird und man mir das als Plot verkaufen will. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich selbst schreibe. Oder daran, dass ich so alt bin, das ich mich noch an Filme mit richtiger Handlung erinnern kann. 😉

      Gefällt 1 Person

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