Happy Birthday Raumpatrouille!

Ryek_2016

Wenn ich 50 Jahre Star Trek feiere, dann feiere ich logischerweise auch das Glanzstück deutscher Science Fiction im Fernsehen:

Raumpatrouille

Heute vor 50 Jahren wurde der erste von sieben Teilen im Ersten Deutschen Fernsehen (ARD) ausgestrahlt. Es lohnt sich, den entsprechenden Wikipedia Artikel zu lesen. Denn trotz aller Dinge, die diese Serie dem Zuschauer von heute als altbacken und technisch „einfach“ erscheinen, gibt es Elemente, von denen jemand, der heute in Deutschland einen Science Fiction gedreht haben wollte, nur träumen könnte: Designermöbel, Einsatz von Technik auf der Höhe der damaligen Zeit, um nur einiges zu nennen.

Mir gefällt besonders das oft kammerspielartige Auftreten der Schauspieler. Große Gesten, die an Theater erinnern. Fokussierung auf den Plot, nicht auf Showeffekte. Protagonisten, deren Motivation nachvollziehbar, oft im eigenen Lebensumfeld wiedererkennbar war.

Der Vorspann des Films ist, wenn man den Scifi Schnickschnack weglässt, aktueller denn je. Es geht um die Erweiterung des Horizontes und die damit verbundene (german) Angst. Die Sprache des Vorspanns ist die des Kalten Krieges, und sie drückt, damals wie heute, die Sorge aus, dass man selbst dabei auf der Strecke bleibt. Aber zum Glück gibt es ja Superhelden, die für Sicherheit sorgen. Der Rest der Menschheit kann sich entspannt zurücklehnen und weitermachen wie bisher, solange der große Bruder über alle wacht. Welche Ironie! Welcher Sarkasmus!

Die Ausrichtung der Serie war klar militaristisch und entsprach dem damaligen Zeitgeist. Wiederbewaffnung Deutschlands, Kalter Krieg, heiße Kriege im Nahen und Fernen Osten. Ich bin nicht der Meinung, dass die Serie eine faschistoide Ausrichtung hatte, allerdings ist dem Militär im Allgemeinen immer und in jedem Land der Welt eine Haltung zu eigen, welche in der Nähe von Faschismus liegt. Das ist, bei objektiver Betrachtungsweise, der Aufgabe von Militär als solcher geschuldet und somit keine Kritik, sondern für mich schlicht Tatsache. Und solange Gesellschaft und Politik das unter Kontrolle haben, auch kein Problem.

Auf der anderen Seite ist der teilweise verwendete Kasernenhofton schon in den 60ern als übertrieben und unpassend empfunden worden. Aus meiner Sicht diente er eher dazu, zu verdeutlichen, dass Lautstärke allein am Ende nicht für eine brauchbare Lösung sorgt. ‚Hirn schlägt Bauch‘ ist für mich die versteckte Botschaft.

Viele damals behandelte Themen sind auch heute noch brandaktuell. Insbesondere, wie weit Kontrolle und Überwachung gehen darf, und ab wann man damit anfangen muss, Anordnungen zu verweigern, um Schaden abzuwenden. Dass ein anfänglich ungutes Gefühl hinterfragt werden muss, Tatsachen zu beschaffen sind. Dass man bereit sein muss, seine Meinung zu ändern, wenn die Tatsachen in eine andere Richtung weisen. Dass man sich konsequent Dingen verweigern soll, wenn diese, erwiesenermaßen, in der Sache falsch sind. Und dass es mehr als einen Weg gibt, ein Ziel zu erreichen.

Raumpatrouille ist ein Zeitdokument. Die Figuren sind, was ich auch heute noch als angenehm empfinde, schwarz oder weiß, genau wie das damalige gesellschaftliche Mindset. Es war die Zeit vor der Studentenbewegung. Die Handlung dagegen ist farbig, unterhaltsam und oft sehr selbstironisch. Das der Film nicht in Farbe gedreht wurde, was damals durchaus schon technisch möglich war, halte ich für eine gute Entscheidung. Schwarz-Weiß hat mehr Kontrast.

Leider findet man heutzutage bei deutschen öffentlich rechtlichen Fernsehsendern weder den Mut noch das Budget für eine Produktion, die es mit der Raumpatrouille aufnehmen könnte. Da wird bei ARD und ZDF lieber mit dem Mainstream der Privaten konkurriert, bezahlt mit dem Geld der Steuerzahler. Für mich völlig unverständlich, da Quote hier überhaupt keine Relevanz hat, haben darf. Aber das ist ein anderes Thema.

Raumpatrouille hat mit Sicherheit mein Interesse für Technik, Weltraum und Science Fiction geweckt oder verstärkt. Immerhin hatten die damals eine Traum-Einschaltquote. Was müsste jemand, der um 10 Jahre alt ist, sich heute im Fernsehen ansehen, um einen solchen Effekt zu erzielen? Heute ‚Begleiten wir die Fernsehsender und ihre Besatzung bei ihren Casting- und „Reality“-Shows am Rande der Belanglosigkeit‘.

Es würde mich interessieren, wie eine Raumpatrouille aussehen würde, die sich, der realen gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 50 Jahre in Deutschland folgend, aus der der 60er entwickelt hat. Basierte die Auseinandersetzung mit den Frogs vielleicht sogar auf einem beiderseitigen Missverständnis? Wenn ja, auf welchem? Sind wir selbst in der Defensive? Oder sogar darauf angewiesen, dass unsere vermeintlichen Feinde mit uns kooperieren, damit beide Seiten eine Zukunft haben?

 

Mir ist, offen gesagt, ein polternder aber nachvollziehbarer Major Cliff Allister McLane, der am Ende immer, sowohl gegen eigenen als auch fremden Widerstand, seinem Verstand folgt, lieber als die in den Medien omnipräsenten Schwurbeltruppen aller Couleur, die uns die Schöne Neue Welt versprechen, ohne den Preis dafür zu nennen.

Wie immer, meine 5 Cent.

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