Mein 2016

ryekAch herrje! Das Jahr ist morgen zu Ende!

 

Zeit für einen Jahresrückblick? Interessantere Frage als es auf den ersten Blick aussieht. Warum?

Um das Jahresende herum (genauer zwischen dem 2. und 5. Januar) erreicht die Erde den sonnennächsten Punkt ihrer Bahn und die höchste Geschwindigkeit (die Erdbahn ist keine exakte Kreisbahn um die Sonne). Man kann im übertragenen Sinn sagen, dass die Erde nun „Schwung für das kommende halbe Jahr geholt hat“ und auch astronomisch betrachtet das alte Jahr hinter sich lässt.

Und das 31.12. nicht den Naturwissenschaften geschuldet ist. Daher gibt es, je nach verwendetem Kalender, viele Jahresrückblicke. Diesen Gedanken weiter tragend habe ich also:

1. Die astronomische Variante.

2. Die kulturelle Variante

3. Die persönliche Variante

 

Sieht man sich die offiziellen Jahresrückblicke an, wird schnell klar, dass man sich dort zumeist für die persönliche Variante entschieden hat. Jahresrückblicke gibt es in den Medien ab Anfang Dezember. Oder war es Mitte November? Offensichtlich besteht der latente Zwang, der Erste sein zu wollen, die Welt mit einem Jahresrückblick zu beglücken. Was tendenziell die Folge haben wird, dass in absehbarer Zukunft die Jahresrückblicke spätestens am 1. Januar um 12 Uhr mittags beginnen werden. Sowie jeder seinen eigenen Jahresrückblick zelebrieren wird. Hier ist gut zu erkennen, dass Vielfalt und Beliebigkeit zwei völlig verschiedene Dinge sind. Was gefühlt nach und nach aus dem öffentlichen Bewusstsein ins post-faktische zu verschwinden scheint.

 

Post-faktisch. Für mich ein Highlight des Jahres 2016. Bevor es zum Wort des Jahres erklärt wurde, habe ich nie davon gehört. Es beschreibt, meiner Meinung nach, mit einem einzigen Wort genial das, was in 2016 alles schiefgelaufen ist. Es erspart langatmige und sinnfreie Diskussionen mit sowie gegenseitige Beschimpfungen von Leuten, die zwar eine Meinung äußern, aber diese nicht mit abgesichertem Wissen belegen können. „Deine Argumentation ist post-faktisch.“ Punkt. Jeder kann, sofort, für sich selbst, nachprüfen, ob diese eine Aussage zutreffend ist. Ob auf der Gefühls- und Befindlichkeitsebene oder auf der Sachebene argumentiert wird. Oder ob beide – wieder einmal – in unzulässiger Weise vermischt wurden.

 

Die Zeiten, als Menschen, die etwas wussten, dran glauben mussten, kommen hoffentlich nicht mehr zurück. Was mein zweites Highlight 2016 ist. Hoffnung allein reicht hier nicht. Und gegenseitiges Ankotzen ist nicht der richtige Weg, sondern das falsche Signal. Weil ich der anderen Seite lediglich damit zeige, dass ich ein genauso großes … sein kann. Was eine Binsenweisheit ist. Natürlich kann ich das! Jeder kann das! Aber woher nehme ich dann das Recht, mich als besserer Mensch zu fühlen? Ich halte es für ein Zeichen von sozialer Intelligenz, Dampf ablassen zu können, ohne den anderen zu beleidigen, egal ob er es in meinen Augen verdient hat oder nicht. Damit kann ich mich auch gleich differenzierter darstellen. Was, das gebe ich zu, ein Gefühl der Überlegenheit erzeugt, auch wenn es nicht der Faktenlage entsprechen sollte. Ich bin halt auch nur ein Mensch. 😉

 

©Permission to use and/or modify this image is granted provided you acknowledge me lewing@isc.tamu.edu and The GIMP if someone asks.

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Zurück zum Rückblick. War es nun ein gutes oder ein schlechtes Jahr? Für mich war es ganz ok. Ich habe manches geschafft, was ich mir vorgenommen habe (zum Beispiel Windows weitgehend loszuwerden), und insgesamt eine gute Zeit gehabt. Dafür bin ich allen dankbar, die dazu beigetragen haben. An dieser Stelle also: DANKE!

 

Ob es für die ganze Welt ein gutes oder schlechtes Jahr war, kann ich, wenn ich ehrlich bin, gar nicht beurteilen. Ich kenne die wenigsten der über sieben Milliarden hier lebenden Menschen persönlich. Ich sehe nur die Ausschnitte in den Medien, und dort sind schlechte Nachrichten gute Nachrichten. Es berührt mich durchaus, dass 65 Millionen Menschen vor Kriegen fliehen, die in der Hauptsache den wirtschaftlichen Interessen reicher Länder, wo auch ich lebe, geschuldet sind. Es bedrückt mich, dass in der Politik weltweit der alte Herr Göbbels als der ultimative Lehrmeister für politische Diskussionen jeder Couleur verehrt wird, wenn es darum geht, das „einfache Volk“ „aufzuklären“. Dem Anschein nach alternativlos. Das die Digitalisierung der Gesellschaft immer mehr Menschen abhängt – was nicht die Schuld der Technik, sondern die einer Umsetzung ist, die den Menschen aus dem Fokus verloren hat.

Auf der anderen Seite gab es Veranstaltungen, wo Menschen anderen Menschen sinnvolle Unterhaltung geboten haben. Wo Menschen unbeschwert miteinander gefeiert haben. Wo Menschen einander geholfen haben. Welt-weit.

 

Es ist die eigene Entscheidung, wie ich mit anderen umgehe. Idealerweise so, wie ich selbst in vergleichbarer Situation behandelt werden möchte. Das schließt nicht aus, verschiedener Auffassung zu sein und diese auch kontrovers zu diskutieren. Am Ende sollte aber ein Ergebnis stehen, das für alle sowohl nachvollziehbar als auch unter gleichen Umständen wiederholbar ist.

 

In diesem Sinne wünsche ich ein gutes und erfolgreiches neues Jahr 2017. Und dass wir dazu beitragen, dass es eines wird.

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, meine 5 Cent. Ohne Anspruch auf Wahrheit oder Vollständigkeit.

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