2018: Looks like a plan

Das Ende eines Jahres und der Beginn des nächsten ist oftmals eine willkommene/lästige Gelegenheit, um Pläne für die kommenden Tage bis Silvester zu machen.

Ich fange mit etwas anderem an, nämlich dem, was schon fertig geworden ist.
Zuerst einmal vielen Dank an die Leser der von mir als Adventskalender hier veröffentlichten Weihnachtsgeschichte „Pivot“. Ich habe mich sehr über das Interesse gefreut. Und ich habe das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Was heißt, dass ich den Text, der während der Postings leicht aufpoliert wurde, verwendet habe, um das vorhandene E-Book zu aktualisieren:

Jetzt kommt der Werbe-Blockg:

Der Preis des E-Books „Pivot“ ist 99 Cent. Es handelt sich hierbei nicht um ein Sonderangebot, sondern um das Angebot, sich mit meinem Schreibstil bekannt zu machen und den Text als Ganzes zu haben.

Wenn „Pivot“ dir gefallen hat, erzähle es bitte weiter (oder schreibe eine Rezension). Denn sonst erfährt es kaum jemand. Mein Werbebudget ist – vorsichtig gesprochen – sehr begrenzt.
Ich freue mich natürlich auch, wenn meine anderen Texte zufriedene Leser finden. 😉

Was will ich in 2018 schriftstellerisch tun?

Im letztjährigen NaNoWriMo habe ich einen „Inspektor Mops“ Text verfasst, der mittlerweile schon recht weit gediehen ist. Er wird dieses Mal nicht so abgefahren sein wie „Common Sense“. Man kann sich auch in Urban Fantasy Geschichten mit relevanten Dingen beschäftigen, unterhaltsam sein, ohne seicht sein zu müssen. Diesen Text möchte ich, wenn möglich, noch dieses Jahr unter die Leute bringen.

Meine „Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg“ sind mittlerweile ziemlich umfangreich geworden und mit dem veröffentlichten dritten Teil „Monstra Coelorum“ noch nicht am Ende angekommen. Hier ringe ich noch mit dem Plot, denn es bieten sich diverse Möglichkeiten, die Geschichte fortzuführen. Ich habe, im Unterschied zu anderen Autoren, nicht alles komplett durchgeplant, bevor ich sie schreibe. Es gibt eine globale Storyline und einen übergeordneten Weltenbau, aber ich behalte mir vor, die Geschichte so zu erzählen, wie meine Protas es mir anbieten. Wie im richtigen Leben ist nicht alles planbar und alles, was geschieht, kann der Ausgangspunkt für interessante Weiterentwicklungen sein.

Darüber hinaus liegen bei mir noch einige recht rohe Ideen herum.
Sowie eine, von der ich nicht mehr weiß, wo ich sie abgelegt habe. Was ziemlich nervig ist. Man sucht immer das am intensivsten, was unauffindbar erscheint. Ihr kennt das. 😉

Advertisements

Jahresrückblick 2017

Schreiben

Ich habe zwei Bücher fertiggestellt und veröffentlicht, die von ihrem Inhalt her sehr unterschiedlich sind. Das erste, eine urban Fantasy Geschichte, hat sich aus einem früheren NaNoWriMo Projekt ergeben und handelt von einem Inspektor, den seine Mordfälle als Geister besuchen kommen, was sich allerdings als wenig hilfreich bei der Bearbeitung erweist. Inspektor Mops ist schon seit Jahren mein Sparringspartner für amüsante Dialoge. Nun hat er, nach einigen Kurzgeschichten, einen längeren Text bekommen, der das Krimi- und Thriller Genre auf die Schippe nimmt, sich aber an die formalen Regeln hält. Ein ziemlich schräger Roman, der gut bei meiner Leserschaft angekommen ist.

Den habe ich auch als Ausgleich für den zweiten Text gebraucht, bei dem es sich um einen düsteren Höhepunkt meines Lieblingsprojektes handelt, an dem ich seit 2012 schreibe:

Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg

Ich habe es mir mit dem dritten Teil meiner dystopischen Saga nicht leicht gemacht. Der Verlauf der Handlung hat mich mehr als einmal vor die Frage gestellt, ob ich es schaffe, diese in für meine Leser angemessene Form zu übersetzen. Ich denke, ich habe es gut hinbekommen, was mir auch von Leserseite bestätigt wurde. Und so habe ich schon ein Arbeitspaket für 2018 ff, nämlich den vierten Teil zu schreiben. 😉

Beide Bücher wurden auf der Leseplattform LovelyBooks zum Rezensieren angeboten. Meine Erfahrung dieses Jahres ist es , dass es im Vergleich mit den Vorjahren immer schwerer wird, engagierte Leser zu finden, die über ihren Tellerrand hinauslesen wollen.

Dann gab es noch den NaNoWriMo 2017, an dem ich teilgenommen habe. Die 50.000 Worte waren aufgrund anderer Verpflichtungen dieses Jahr zwar nicht von mir zu schaffen, dennoch bin ich zufrieden mit dem Ergebnis, aus dem wohl auch ein Inspektor Mops Roman werden wird.

Messen

Ich habe die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt nicht besucht. Wenn man eine gesehen hat, hat man alle gesehen. 😉 Ich habe sie allerdings in den sozialen Medien verfolgt und mir ist nicht entgangen, dass die Veranstalter große Schwierigkeiten haben, sie vor Dingen zu schützen, die meiner Meinung nach dort nicht hingehören. Es ist wichtig, dass sich Literatur mit aktueller Politik beschäftigt, zur Meinungsbildung beiträgt und auch polarisieren darf. Dennoch sollten die Veranstalter eine Buchmesse darauf achten, dass ihre Veranstaltungen nicht als Aufmarschgebiet radikaler politischer Strömungen missbraucht werden. Die hier zur Schau gestellte angebliche Hilflosigkeit der Veranstalter hat mich abgestoßen. Wenn man bedenkt, dass der diesjährige Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Margaret Atwood gegangen ist, entsteht bei mir ein ziemlich schräges Gesamtbild der politischen Kultur in der deutschen Buchbranche.

Vernetzung

Ich habe dieses Jahr das Litcamp in Heidelberg besucht. Eine für mich hochinteressante Veranstaltung, in der ich sehr viel rund um Bücher, den Buchmarkt und Selfpublishing mitgenommen habe. Und ich bin mittlerweile auch auf Twitter zu finden. Meinen Facebook-Account gibt es schon länger. Der wird allerdings immer uninteressanter, da, meinem Eindruck nach, Facebook die geschaltete Werbung nicht mehr ausreicht, sondern über Änderung der Algorithmen der Vernetzungsgedanke immer mehr ad absurdum geführt wird. Relevanz und Reichweite scheinen immer mehr davon abhängig zu sein, wie viel man dafür zu bezahlen bereit ist. Nichts gegen bezahlte Werbung. Aber hier wird, wie in vielen anderen Bereichen der Werbenden Kommunikation, zunehmende Lautstärke anstelle von interessantem Content als Mittel der Wahl verstanden, um Aufmerksamkeit erregen zu wollen.

Fazit

Alles in allem hat mich dieses Jahr weitergebracht, was sich auch an den unten abgebildeten Covers ablesen lässt. Das linke ist das neueste und das erste, welches nicht von mir ist. 😉

Trotzdem: Don’t judge a book by its cover. Es gibt auch noch den Klappentext und den Inhalt.

In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern und Followern eine schöne, friedliche und entspannte Weihnachtszeit.

Rezension: Cixin Liu – The Three-Body Problem

Wenn man ein preisgekröntes Buch in die Hand nimmt, kommt damit eine bestimmte Erwartungshaltung bezüglich Idee, Inhalt und Umsetzung.

Der im Roman beschriebene Kontakt zu einer außerirdischen Zivilisation ist eingebettet in ein sowohl historisches Umfeld als auch in einen Ausblick, wobei der Ausblick als Cliffhanger für die folgenden Romane zu verstehen ist. Der historische Start bietet dem Leser Einblicke in die Chinesische Kulturrevolution und macht das persönliche Schicksal eines Protagonisten zum Ausgangspunkt eines Prozesses, der die Erde verändern wird.

Neben der Haupthandlung gibt es eine Menge zeitliche und örtliche Sprünge, in der ersten Hälfte hauptsächlich in die virtuelle Welt eines Computerspieles, in der zweiten zur Welt der Außerirdischen. Während der eigentliche Plot der Geschichte durchaus interessant ist und ungewöhnliche Aspekte liefert, krankt der Text meiner Meinung nach daran, dass der Autor zu viel auf einmal gewollt hat. Passagen, die den Leser gut in die Handlung mitnehmen, kontrastieren mit großen Teilen des Textes, der allgemein Infodump genannt wird. Der Autor macht sich die Mühe, dem Leser sein Buch zu erklären. Aus “Show” wird “Tell” bis hin zur Erklärung komplexer physikalischer Zusammenhänge und Theorien in allgemeinverständlicher Sprache. Das Buch ist über weite Teile ein ziemlich gut gemachtes populärwissenschaftliches Fachbuch. Aber eben nicht ein Roman. Dazu kommt, dass die Motivationen der Hauptcharaktere für meinen Geschmack zu ausführlich erklärt werden. Und dass zu viele Teile nur deshalb ineinandergreifen, weil genau im richtigen Moment das notwendige Element vorhanden ist (Deus ex Machina). Jeder Roman lebt davon, das auch Zufälle der Handlung die Richtung geben, aber ab einer bestimmten Menge unwahrscheinlich erscheinender Zufälle verliert die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Ursache dieses Eindrucks kann auch sein, dass einige dieser Elemente en passant und sehr klischeehaft eingeführt werden. Das ist schade, denn der Plot ist es durchaus wert, erzählt zu werden.
Über den kompletten Text gesehen trägt ein großer Teil nicht zur Handlung bei, sondern ist nur schmückendes Beiwerk. Es entsteht der Eindruck, dass der Autor im Roman diverse Erzähltechniken und Perspektiven ausprobiert hätte, sich aber für keine entscheiden konnte oder wollte, und darüber hinaus sein profundes naturwissenschaftliches Wissen unterzubringen versucht hat.

Cixin Lius “The Tree Body Problem” hat mich als Roman nicht überzeugt, obwohl ich die zugrunde liegende Idee sehr interessant finde. Dennoch ist das Buch lesenswert für jemanden, der sich für die Themen Chinesische Kulturrevolution, Quantenphysik, “wie funktioniert ein Computer”, Stringtheorie, Kosmologie oder Philosophie interessiert und das alles in einem Roman eingebettet serviert bekommen möchte.

©Ryek Darkener 2016

Deutscher Titel: Die drei Sonnen

Vielfalt gerne – aber mit Augenmaß

©Ryek Darkener 2016

Nachdem mich im NaNoWriMo die Textflaute erwischt hat, spendiere ich zum Ausgleich eine Szene aus Monstra Coelorum, mit begleitenden Text.
Es gibt zur Zeit etliche interessante Beiträge mit dem Thema die Rollen von Mann und Frau in der Handlung von Romanen zu hinterfragen und sich im Sinne von Realismus und Gleichberechtigung vom Altbewährten zu lösen, auch andere Teile einer globaler werdenden Gesellschaft wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Menschen unterschiedlicher Hautfarben, aus anderen Kulturen, Menschen deren Geschlecht nicht zwingend männlich oder weiblich ist, und so weiter.
Bei allem Enthusiasmus ist das, für mich, eine Sache, die sich nicht als Zwang manifestieren sollte. Weil sonst aus einer guten Absicht heraus schnell etwas gut gemeintes werden könnte. Die erzählte Geschichte lebt durch die Interaktion der Charaktere, und für die gilt nun einmal nicht der Proporz, sondern die Handlung, die zu den handelnden Personen passt. Mit einem anderen Ansatz ist weder der Geschichte noch dem Leser noch dem Thema geholfen.
Wer Zugang hat und es kann, dem bieten sich viele Möglichkeiten, Texte zu schreiben, die bisher aufgrund der Konstellationen kaum Akzeptanz fanden.
Das heißt nicht, dass die bisherigen Muster außen vor sind. Im Gegenteil. Hier kann man – vorsichtig – den eigenen Horizont und den des Lesers erweitern, indem man den Mut aufbringt, mit eigenen Berührungsängsten zu spielen. Irgendwo ist jeder Schriftsteller ein Teil seiner Protagonisten. Das macht sowohl den Text als auch den Autor authentischer. Als Möglichkeiten bieten sich hier sowohl der Weltenbau als auch der Subtext an. Was, wenn die Protagonisten zum Beispiel aus einer Welt kommen, in denen es eine Reglementierung bezüglich der Nachkommenschaft gab? Bestimmte Dinge ergeben sich dann wie von selbst.

Hier ein Beispiel:

Rabea klopfte an die Tür des Blockhauses.
„Herein!“, forderte eine jugendliche Stimme sie auf.
Rabea trat ein. Der Raum war aufgeräumt, hell und freundlich. Ein spartanischer Büroraum, einige Aktenschränke, ein Schreibtisch mit Datenkabinett und ein paar Sitzgelegenheiten, Der junge dunkelhaarige kräftige Mann, der am Schreibtisch auf einer Decke saß, die über Sitz und Stuhllehnen gelegt war, machte eine einladende Handbewegung und lächelte sie offen an.
„Ich bin Katsu. Nimm bitte Platz. Ich mag es nicht, wenn die Leute auf mich herabsehen. Verrätst du mir deinen Namen und wo du herkommst?“
„Rabea Weiser. Wien. Erde. Sol.“ Sie erwiderte das Lächeln. „Na ja, nicht direkt. Ich wurde in Nargala untergebracht, in der Nähe der Carinaeischen Botschaft.“
„Das habe ich aus den Nachrichten erfahren. Die Ankunft der Reisenden, wie man euch genannt hat, hat bei uns im Menschenreservat einiges Aufsehen verursacht. Aber zu einer offiziellen Kontaktaufnahme hat man sich bisher nicht durchringen können.“
Rabea schloss die Tür, hängte ihre Jacke an die Garderobe, kam zu Katsu und setzte sich auf den gepolsterten Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches.
„Das erinnert mich an zu Hause. Irgendwie“, gab sie zu.
Katsu sah sie interessiert an. „Ihr kommt tatsächlich von der Erde?“
„Ja. Ist das so ungewöhnlich?“
„Allerdings. Das letzte Mal hatten wir vor … über 500 Jahren der irdischen Zeitrechnung Besuch von der Erde erhalten. Einer der sogenannten Stifter. So steht es zumindest in unseren Geschichtsbüchern.“
„Ein Stifter? Welcher? Was wollte der denn von euch?“
„So weit überliefert wollte er, dass wir zur Erde zurückkehren.“
Rabea war erstaunt. „Warum?“
„Im Letzten Krieg sind alle nicht im irdischen Sonnensystem lebenden Menschen hier interniert worden. Sowie einige wenige Erdenmenschen, die sich am Letzten Krieg nicht beteiligen wollten. Der Stifter hatte wohl gehofft, dass genug von uns nicht von Virdin Maxfords Geschenk infiziert worden wären. Er hat sich geirrt.“
„Ihr nehmt Palliativum?“
Katsu schüttelte entschieden den Kopf. „Nein. Das tun wir nicht. Der Preis der Abhängigkeit von den Yu-xarren Händlern ist uns zu hoch gewesen.“ Er lächelte schräg. „Du hast bestimmt schon von den Yu-xarren gehört?“
„Sicher.“
„Die müssen schon damals keine Freunde gehabt haben. Niemand macht mit denen gern Geschäfte. Heißt es. Es sei denn schmutzige. Heißt es.“
„Aber …“ Rabea suchte nach den passenden Worten. „Das bedeutet, dass ihr fremde Kinder zulasst? Seit Jahrhunderten? Und die Metamorphose?“
„Ja. Es war damals die mehrheitliche Entscheidung, nicht den Weg der Erde zu gehen. Wir hatten große Angst. Ob wir dem Hass auf das Fremde, der die Erde beinahe vernichtet hatte, widerstehen könnten. Aber noch mehr Angst hatten wir vor einer Versklavung durch die Yu-xarren. Einige wenige, die sich für das Palliativum entschieden, sind mit dem Stifter auf die Erde zurückgekehrt. Wir haben unserer Entwicklung eine andere Richtung gegeben. Es gab und gibt hier keine Bewertungsverfahren. Ungefähr ein Drittel der Nachkommen einer rein irdisch-menschlichen Verbindung ist nicht-irdisch. Durch freiwillige Zuchtwahl haben wir unsere Gesellschaft stabilisiert und das Durchschnittsalter erhöht. Es ist bei uns üblich, sein Leben selbst beenden zu dürfen, wenn der Zeitpunkt der nicht durchführbaren Umwandlung gekommen ist. Ein schneller, sauberer Tod, statt der jahrelangen Abhängigkeit von einem Medikament und dessen Händlern.“ Katsu lächelte selbstbewusst. „Keine Versteigerungen um der Erhaltung der Art willen. Jedes Lebewesen, das hier geboren wird, ist ein willkommenes Geschenk.“
Rabea konnte ihren Unglauben nicht verbergen. „Ich bitte um Nachsicht, aber das hört sich für mich wie ein Märchen an.“
„Wir haben mittlerweile Jahrhunderte Erfahrung mit diesem märchenhaften Konzept. Es hat sich ausgezahlt. Alle hier Lebenden genießen vollständige Freizügigkeit im Gebiet der Liga, wenn sie es wollen.“ Seine Augen glänzten stolz. „Wir haben unsere Schulden bei den anderen Völkern der Liga schon lange bezahlt.“
„Dann bin ich also vergeblich gekommen.“
„Es kommt darauf an. Wenn du jemanden suchst, der mit euch in einen Krieg ziehen soll, dann ja. Aber der Bericht von eurer Flucht hat das Interesse bei unseren Oberen geweckt. Wir haben eine Anfrage von der Liga bezüglich historischer Daten bekommen. Jemand hat eine Überprüfung des Falles sowie eine Beratung beantragt. Ich wusste gar nicht, dass die Erde bei der Liga noch ein Thema ist. Eine gewisse Imara Socotada hat, unterstützt von einem Herren des Himmels, den Antrag in die Gremien der Liga gebracht. Kennst du sie?“
„Ja.“
„Deinem Gesichtsausdruck nach scheint sie bei dir nicht besonders beliebt zu sein. Hattet ihr Streit?“, fragte Katsu.
„Nein. Aber sehr unterschiedliche Auffassungen zu bestimmten Dingen. Sie hat mir die ihren in der Fähre zwei Jahre lang vorgebetet! Ehrlicherweise muss ich sagen, dass wir die Flucht ohne sie nie geschafft hätten.“
„Du hast sehr viel Zorn in dir.“
Rabea nickte. „Ja. Das habe ich. Meine Mutter hätte nicht im Kampf sterben müssen, wenn die Erde nicht vom Direktorat unterdrückt würde.“
„Und deshalb willst du ihren Tod rächen. Oder beim Versuch dein Leben wegwerfen“, stellte Katsu fest.
In Rabeas Stimme war kein Zweifel, kein Zögern. „Ja. Das ist mein Wunsch und Wille.“
„Den Spruch, dass derjenige, der das Schwert aufnimmt, durch das Schwert sterben wird, kennst du wahrscheinlich.“
„Das fürchte ich nicht.“
„Und du bist sicher auch bereit, alle dir nahestehenden Personen zu betrauern, die auf deinem Weg vor dir oder an deiner Seite sterben werden, nehme ich an.“
Rabea zuckte zurück. „Was willst du damit sagen?“
Katsu sprach eindringlich weiter. „Ich nehme an, dein Dissens mit Imara beruht darauf, dass sie vergeblich versucht hat, dir zu erklären, was es bedeutet, kämpfen zu wollen. Im Gegensatz zu kämpfen zu müssen.“
„Du hast recht. Das hat sie.“
Katsu seufzte. „Unsere Informationen beschreiben Imara als geschickte Diplomatin, nicht als Kriegstreiberin. Immerhin hat sie einen Herren des Himmels auf ihre Seite gebracht. Na gut. Ich weiß jetzt genug über dich.“
Er nahm den kabelgebundenen Kommunikator vom Schreibtisch auf, wählte eine Nummer und hielt den Hörer an sein rechtes Ohr. „Katsu hier. Wir sind so weit. Wann passt es bei euch? In Ordnung.“
Er legte auf. „Erweist du mir die Ehre, mit einigen Vertretern der Kolonie und mir zu mittagzuessen? Wir haben viele Fragen zur Erde, und du hast bestimmt Fragen zum Reservat.“
Rabea stand auf. „Gerne.“ Sie holte ihre Jacke und zog sie an. Als sie sich umdrehte, saß Katsu immer noch.
„Was ist?“, fragte sie erstaunt.
„Wenn du mir ein wenig behilflich bist, kommen wir beide schneller voran.“
Er zog die Decke von den Lehnen und deckte sich damit die Beine zu.
Rabea starrte betroffen und unsicher auf die Räder des Rollstuhls. „Du bist …“
Katsu fuhr um den Schreibtisch herum und hielt vor Rabea. „Seit Geburt. Wie ich bereits sagte: Jedes Lebewesen, das bei uns geboren wird, ist ein willkommenes Geschenk.“ Er reichte ihr die rechte Hand. „Kommst du?“

Schreibhandwerk: Plotten

Hallo zusammen!

Nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben. Nach der Veröffentlichung von Inspektor Mops – Common Sense und Monstra Coelorum wird es dieses Jahr nichts Neues mehr von mir geben. 😉

Die nächste größere Aktion ist der NaNoWriMo. Alle Jahre wieder versuchen weltweit Autoren, innerhalb eines Monats fünfzigtausend Worte zu Festplatte zu bringen. Für berufsmäßige Schreiber wahrscheinlich keine allzu große Herausforderung. Aber wer das neben seinem Brotberuf schaffen will, der muss gut planen und auf die Unterstützung seiner Umgebung vertrauen.

Apropos planen. Die Schreibwelt teilt sich ja angeblich in diejenigen, die einfach drauflosschreiben und die, die vorher alles ganz genau festgelegt haben müssen. Die Wahrheit ist wohl eher, dass einige Wenige tatsächlich die gesamte Storyline im Kopf behalten können, während die anderen den Aufwand scheuen und deshalb oft mit ihrem Werk nicht fertig werden, weil sie nicht mehr wissen, worum es darin eigentlich ging. Ja, das war polemisch. Wem der Schuh passt, der kann ihn sich anziehen. 😉

Ich gehöre zu den Planern. Und bekomme trotzdem nicht jeden meiner gewünschten Texte fertig. So ist das nun mal.
Aber ich möchte den (bisherigen) Plot-Verweigerern einmal mit einem kurzen Abriss demonstrieren, was ihnen eigentlich entgeht.

Mein Roman Monstra Coelorum hat ungefähr 135.000 Worte, 5 Kapitel, 150 Szenen.
Nach Adam Riese und Eva Zwerg sind das ca. 27.000 Worte pro Kapitel oder 900 Worte pro Szene. Das ist natürlich nur ein Überblick, nichts Exaktes. Doch wenn ich mir einige theoretische Überlegungen zu eigen mache, dann bin ich schnell bei dem, was ich zeigen will. Nein, hier geht es nicht um Schreibmethoden, sondern ausschließlich um Struktur.

Jeder Autor hat schon einmal von der 3- oder der 5-Akt Struktur eines Romans gehört. Falls nicht, kann man das zum Beispiel bei Schreibwahnsinn nachlesen. Nehmen wir an, du planst für den NaNoWriMo einen Dreiakter mit 50.000 Worten, das sind etwa 250 Normseiten:

Anfang
Mitte
Ende

Sieht schon fast nach einem Plan aus, nicht wahr? 😉 Bezogen auf meine Statistik von oben sind 50 Szenen notwendig. Wahrscheinlich sind Anfang und Ende etwas kürzer, der Mittelteil etwas länger:

Anfang

Szene 1 – Szene 10

Mitte

Szene 11 – Szene 35

Ende

Szene 36 – Szene 50

Fertig. Oder fast fertig. Kommt jetzt auf die individuellen Vorlieben an. Selbst wenn der fertige Text keinerlei Kapitelstruktur haben sollte, ist es oft hilfreich, sich zu überlegen, was die wichtigsten Textblöcke der Handlung sind:

Anfang

Einleitung

Szene 1 – Szene 4

Aufbau der Mannschaft

Szene 5 – Szene 8

Die Mannschaft macht sich auf den Weg

Szene 9 – Szene 10

Mitte

Das erste Hindernis

Szene 11 –

u.s.w.

Fertig! Jetzt fehlen nur noch die Szenenüberschriften, eventuell mit Angabe von Ort, Zeit und handelnden Personen. Oder ein paar Stichworte, was an dieser Stelle passieren soll.

Damit steht die Geschichte dann im Entwurf. Und mehr muss man über das Plotten eigentlich nicht wissen, wenn man es nicht mag. 😉

Ich plotte persönlich am liebsten mit dem frei verfügbaren Programm Freeplane. Mittlerweile verfügen aber auch Schreibprogramme wie zum Beispiel Papyrus Autor  über eingebaute Zettelkästen, mit denen sich sehr komfortabel plotten lässt.

Das Einzige, was nun noch fehlt, ist eine geeignete Idee für den Text.

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, nur meine 5 Cent.

Die Sultanin – Eine feministische Erzählung aus der tausendundzweiten Nacht

©Ryek Darkener 2016

Es war einmal eine Frau, der hatte der Allmächtige Schönheit und Klugheit in die Wiege gelegt. Schon im zarten Alter von zwölf Jahren umgarnte und eroberte sie den Sultan des Landes, gebar ihm mit fünfzehn einen Sohn und ermordete den Sultan an ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag – dem Tag, an dem sie volljährig wurde.
Sie trat an seine Stelle, denn es gab im ganzen Reich niemanden, der ihre Macht und Weisheit in Frage stellte.
Noch an selbigem Tage erließ sie ein Dekret: „Ihr bringt mir, jeden Tag, zehn der schönsten Männer des Landes. Ich werde sie in meinem Harem halten, zu meiner alleinigen Lust und Freude. Denn einer Herrscherin wie mir steht an den Schätzen des Landes naturgemäß der meinem Range entsprechende Anteil zu.“
Und so geschah es. Die Scherginnen der Sultanin schwärmten aus, um neben der Tätigkeit des Steuereintreibens den Wunsch der Herrin nach süßem Fleisch zu befriedigen.
So ging es Jahr für Jahr. Die Sultanin war zufrieden, und da sie weise herrschte, blühte das Land auf. Doch eines Tages nahm die Großwesirin sie zur Seite und sprach:
„Größte und Schönste. Es gibt in unserem Reiche eine Sache, um deren Behandlung ich dich dringend bitte. Dein Harem ist gefüllt mit tausenden von Männern. Die meisten von ihnen kennst du nicht einmal mit Namen, und mit den wenigsten hast du eine gemeinsame Nacht verbracht. Draußen, vor den Toren deines Palastes, leidet das Volk unter dem Mangel, den dein Dekret verursacht. Es sind kaum noch arbeitsfähige Männer vorhanden, und viele Familien müssen sich einen Zeuger teilen, was oft zu Verbindungen innerhalb von Verwandschaften führt. Unser Volk wird schwächer, von Jahr zu Jahr. Es gibt kaum noch männliche Dichter und Denker. Immer mehr der Untertanen verlassen sich darauf, dass du in deiner Weisheit aus dem Palast heraus die Dinge des Landes bis ins Kleinste hinein regelst. Deine Bediensteten haben immer mehr damit zu tun, die Unzufriedenen im Zaum zu halten. Die Zahl deiner Wächterinnen und Verwalterinnen wächst und wächst. Kaum noch ein Untertan weiß, wie man eine Decke webt oder ein Brot backt. Sie sitzen in ihren Häusern oder auf der Straße und warten auf deine Segnungen.“
Diese Worte erzürnten die Herrscherin. „Willst du damit sagen, dass ich mehr nehme, als mir zusteht?“, fuhr sie die Großwesirin an.
„Das zu behaupten steht mir nicht zu“, war die Antwort. „Doch ich muss dich, gemäß der Aufgabe, die du mir zugewiesen hast, darauf hinweisen, dass es in absehbarer Zeit niemanden mehr geben wird, der in deinem Reich einer produktiven Tätigkeit nachgehen wird. Weil es sich nicht lohnt. Dass dein Volk verarmt, vergreist und ausstirbt, da immer weniger Kinder geboren werden. Auch die von unserem Reichtum angezogenen Menschen werden das nicht ändern, da sie in deinem Reich nach deinen Regeln leben. Ich bitte dich inständig, mit deiner ganzen Weisheit und zusammen mit den fähigsten Beraterinnen eine Lösung für dieses dringende Problem zu finden.“
Die Sultanin war immer noch erzürnt, doch da ihr die Großwesirin lange gute Dienste erwiesen hatte, wollte sie sie nicht einfach wegschicken.
„Ich werde es bedenken und beraten“, gab sie zur Antwort. „Aber so lange ich keine Entscheidung getroffen habe, bleibt alles, wie es ist.“
Die Großwesirin verneigte sich stumm und ging.

Ab hier verliert sich die Geschichte im Nebel der Zeit. Es ist nicht überliefert, was anschließend geschah. Es gibt zwei sich widersprechende Auffassungen über das Ende der Geschichte:

– Die Sultanin berief den Großen Rat ein, ließ sich die Welt erklären und kam zu dem Schluss, dass sie zumindest den Teil ihres Harems, den sie niemals benötigen würde, dem Volk zurückgeben sollte. Darüber hinaus ließ sie Lehrer kommen, die ihrem Volk wieder beibrachten, selbst über ihr Schicksal zu entscheiden. Sie starb geehrt und in hohem Alter als letzte Sultanin des Reiches.

– Die Großwesirin wurde entlassen und zum Tode verurteilt. Der Sohn der Großwesirin, der vor den Augen der Sultanin verborgen worden war, nutzte seine Schönheit, um sich in den Harem der Sultanin bringen zu lassen. Zusammen mit anderen Haremsbewohnern stürmte er eines Nachts die Gemächer der Sultanin und brachte sie um. Es setzte sich an ihren Platz und ließ alle Männer des Harems töten, die ihm nicht gefolgt waren. Nach einer Generation zerfiel sein Reich, sein Volk verstreute sich in alle Winde.

#WirSchreibenDemokratie