Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

(Das Ende der Geschichte in typischer Space-Opera Manier)

Der Preis der Rache

Ryeks Kom aktivierte.

„Wir haben gesiegt. Ich liebe Dich“, flüsterte sie.

„Ja Mam. Ich liebe Dich auch“, antwortete eine Stimme, die Ryek nicht kannte.

 

Die Torpedos fraßen eine Schneise durch die verbliebene Stationshülle. Panzerplatten, Teile von Decks, Geräte und Atmosphäre schossen hinaus. Die Kommandanten der übriggebliebenen Schiffe ergaben sich und stellten das Feuer ein.

 

Ryek hörte seinen Körper schreien. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er wieder die Kontrolle über sein Schiff hatte.

 

Er steuerte das riesige Loch in der Station an und ignorierte die Kommunikationsversuche der Sicherheitskräfte. Im Raumanzug schwebte er zum zerstörten Bereich. Dort angekommenen, drang er mit einem schweren Laser in das Innere vor, in dem er ein vorhandenes Loch erweiterte. An der Wand zur Feuerleitzentrale stellte er fest, dass sich dahinter auch keine Atmosphäre mehr befinden konnte.

Sein Kommunikator aktivierte.

„Ryek? Hier Barad. Die Sicherheitskräfte haben die Station geentert. Wo bist Du?“

„Ich bin in der Feuerleitzentrale. Oder dem, was davon übrig ist.“

„Warum das denn?“

„Weil ich mich für die Einrichtung interessiere.“ Ryek schnitt ein großes Loch in die Wand. „Bitte? Du hast einen seltsamen Sinn für Humor.“

„Scheiße!“

„Was?“

„Scheiße!!“

„Bitte?“

Keine Antwort. Dann: „Wie versprochen. Verdammt! Warum hast Du es mir nicht gesagt?“ Die Stimme war kaum zu erkennen.

„Ryek? Was ist da los?“

Durch den Lautsprecher auf Barads Seite klang das Summen eines Lasers und schweres Atmen. Sonst nichts. Dann schaltete der Kommunikator ab.

 

Wenig später öffnete sich die Schleuse zum Frachtbereich. Barad zielte und schoss mit seinem Blaster, sobald Ryek in der Schleusentür auftauchte. Und sah sich im nächsten Moment an die gegenüberliegende Wand geschleudert. Der Blaster entfiel seiner Hand. Als er aufstand, schlug Ryek erneut zu. Und noch einmal. Er warf ihn gegen den am nächsten stehenden Container. Barad rappelte sich auf und griff nach einem Werkzeug, das in der Nähe lag. Er hob es zum Angriff und ließ es im selben Moment wieder fallen, als Ryek’s Minilaser seine Hand versengte. Barad schrie auf und hielt seine verbrannte Hand.

„Im Hangar des Frachters ist noch ein Shuttle. Sei weg, bevor die Sicherheitskräfte hier sind“, sagte Ryek, als ob nichts passiert wäre.

Barad verstand nicht. „Wieso?“

Ryek grinste Barad an, als ob er ihm im nächsten Moment die Kehle durchbeißen würde. „Nicht dafür.“

Er warf ihm den Datenstick zu. „Aber dafür. Im Shuttle findest du das Passende. Ich hoffe, es war deinen Aufwand wert.“

Barad dachte kurz nach und hob den Stick auf. „Ich denke schon.“ Dann drehte er sich um und lief zur nächsten Transportplattform. Ryek sah ihm nach, bis er verschwunden war.

„Ich denke nein“, flüsterte er. „Wenn du ein Mensch bist.“

 

Er näherte sich dem ersten Container und aktivierte die Schnittstelle mit seinem Pad. Das Außendisplay war verschlüsselt, aber dank der Codes gab es seinen Widerstand auf. Ryek prüfte die Daten: Temperatur dreihundert Kelvin, atembares Gasgemisch, vermengt mit Spuren eines Betäubungsmittels, Container ist intakt. Er loggte sich in das System des Frachtbereiches ein und befahl dem Computer, eine Zusammenfassung der Container zu erstellen:

 

20 Container mit atembaren Gasgemisch und Betäubungsgas

10 Container ohne Atmosphäre

10 Container mit einer Innentemperatur von 100 Kelvin, Stickstoffatmosphäre

Ryek setzte sich auf den Boden, legte das Pad beiseite und stützte seinen Kopf auf beide Hände.

„Verdammt, in was bin ich hier hineingeraten?“

 

„Bewege dich nicht ohne weitere Anweisung, und strecke die Arme zur Seite.“

Die Stimme war die der unbekannten Schönen, aber ohne jede Spur von Wärme. Ryek kam der Aufforderung langsam nach und hob den Kopf. Die Agentin hatte vier Sicherheitsleute mitgebracht, die mit schweren Lasern auf ihn zielten.

„Wo ist Barad? Wir hätten da ein paar Fragen an ihn.“

„Unterwegs. Gewissermaßen. Im Shuttle.“

 

Der Kommunikator der Agentin summte. Sie nahm die Meldung entgegen und nickte.

„Der kommt nicht weit.“

„Das hoffe ich auch.“

Die Agentin hob die Augenbrauen. Jetzt sah sie wieder so anziehend aus, wie Ryek sie in Erinnerung hatte.

„Das war ein Scherz. Du weißt genau, dass man ein Shuttle kaum festhalten kann. Hier in der Gegend gibt es genug Möglichkeiten, aus dem System zu kommen.“

Ryek stand auf. „Ja. Weiß ich.“

Sie sah irritiert aus. „In Ordnung. Kommen wir zum Naheliegenden. Was ist in den Containern?“

„Weiß ich nicht. Ich bin nur der Pilot.“

Sie packte ihn an der Uniform und zog ihn zu sich heran. Ryek widerstand der Versuchung, sie zu umarmen, weil das wohl tödliche Folgen gehabt hätte. Sie wusste, oder ahnte zumindest, was da drin war, und wollte wissen, wer es noch wusste.

Ryek befreite sich langsamer als nötig aus ihrer Nähe und hob vorsichtig sein Pad auf.

„Darf ich? Die Stationskommandantin hat mir die Sicherheits-Codes hinterlassen. Sonst ist die Antwort: Tausend Smartbombs.“

Sie zuckte zusammen. „Einverstanden.“

Ryek hielt das Pad so, das die Agentin sehen konnte, was er tat. Er deaktivierte den Countdown.

„Jetzt habe ich dir schon das zweite Mal das Leben gerettet.“, feixte er. „Ich hoffe doch auf eine Gegenleistung.“

„Zehn Jahre Minenarbeit im Asteroidengürtel mit Handlaser statt sofortiger Erschießung. Einverstanden?“

„Eine echte Alternative. Ich denke darüber nach. Ich habe eine Vermutung, was in den Containern ist.“

Er zeigte ihr die Informationen auf seinem Pad.

„Ich schlage vor die Innenkameras zu aktivieren, um zu bestätigen, was wir beide befürchten.“

Sie nickte.

Ryek gab dem Computer die entsprechende Anweisung.

 

In den temperierten Containern lagen Menschen aller Rassen und jedes Alters, jeder mit einer Plakette am Handgelenk. Der Stationscomputer blendete die Daten aus den Containern mit ein: Alter, Rasse, Geschlecht, Gesundheitszustand, Fähigkeiten, erzielbarer Preis auf dem Sklavenmarkt. Eine schlafende Stadt. Achttausend Menschen.

„Hier hat jemand den Begriff Humankapital wohl zu wörtlich genommen“, sagte Ryek.

Die folgenden Container enthielten Materialien zum Aufbau technischer Infrastrukturen mit einem Schwerpunkt im Bereich Biotechnologie.

Die letzten zehn Container enthielten tote Menschen. Katalogisiert wie die Lebenden.

„Ja“, sagte sie. „Ich habe den Verdacht, dass sich nicht alle freiwillig gemeldet haben.“

Ryek biss die Zähne zusammen. „Dieses Monster! Er hat das alles getan, um sich zu rächen. Er hat niemals geplant, damit Geld zu verdienen!“

„Wie kommst du denn darauf?“

„Barad ist an die Piraten nicht mehr gut genug herangekommen, trotz seiner Bestechungen. Es ging ihm zu langsam, sie zu vernichten. Warum nicht einfach ein paar von denen aufeinander hetzen? Und wenn das nicht reicht, dann helfen dir die Polizeibehörden!“

Er sah die Agentin an.

„Wie seid ihr an die Informationen gekommen? Barad hat ganz sicher nichts durchsickern lassen.“

„Stimmt. Wir sind über die Sklavenjäger auf das Ganze aufmerksam geworden, die immer von einer großen Sache redeten, in einem Bereich der Galaxis, wo sie normalerweise nie hinfliegen. Von neuer Konkurrenz war die Rede. Was ich nicht verstehe, denn hierhin wären wir auf jeden Fall auch gekommen um nachzusehen. In dieser Region ist Sklavenhaltung verboten.“ Sie schnappte nach Luft.

„Genau. Lass es einfach wie einen Unfall aussehen. Wenn die Sklavenjäger es nicht schaffen, dann schaffen es die Polizeibehörden. Und den Schaden zahlt dann auch noch die Versicherung, denn ich bin sicher, dass mein Schiff vollständig zerstört worden wäre. Diese Fracht hätte nie überlebt, wenn es wie geplant gelaufen wäre.“

Der Kommunikator der Agentin summte wieder. Sie nahm die Meldung entgegen und sah darauf hin Ryek ratlos an.

„Barad hat sich am Sprungtor mit dem Shuttle selbst in die Luft gesprengt. Warum? Er hat doch seine Rache gehabt?“

„Ja. Er hat sein Ziel erreicht. Aber er hat bis eben nicht gewusst, wie hoch der Preis ist.“

Ryek wischte sich einige Tränen aus den Augen und gab der Agentin sein Pad. Darauf befand sich eine Kopie des Datensticks der Stationskommandantin. Fotos, Holos, Texte, Dokumente.

„Davon bekommst du keine Kopie.“

 

Ja, Barads Sohn war entführt worden. Von einer Piratin. Sie hatte ihn offensichtlich ohne großen Widerstand erobert. Oder er sie? Sie waren Gefährten gewesen. Die Bilder zeigten bald drei Personen. Ein Junge. Die üblichen Familienfotos. Nach 8 Jahren waren nur noch zwei Personen auf den Fotos: sie und der Junge. Das letzte Foto zeigte beide am heutigen Tag, in der Feuerleitzentrale, am Simulator. Jetzt wusste Ryek, warum die Stationsgeschütze so effektiv gearbeitet hatten. Es hatte zwei Geschützbediener gegeben.

Ryek war sicher, dass Barad das nicht gewusst hatte. Für ihn war sein Sohn gestorben, als er zu den Piraten gewechselt hatte. Sein Sohn hatte sich ihm offensichtlich entgegengestellt. Und war von Barad und den Verrätern der Piraten getötet worden. Nicht direkt. Per Auftrag. Ryek hatte ihn getötet. Vor zwei Jahren.

Heute hatte Barad den Rest seiner Familie ausgelöscht. Mit seiner Hilfe.

 

Ryek schüttelte sich. Zehntausende von besiedelten Systemen, Milliarden von Menschen, Hunderttausende von Piloten. Wie war es einem Einzelnen möglich das zu tun, eine halbe Galaxis voneinander entfernt? Ohne davon zu wissen? Die Schiffswände schienen näherzukommen, um ihn zu zerquetschen.

 

Die Agentin sah von Ryeks Pad auf.

„Du hast recht. Dieses Projekt war nicht dafür bestimmt zu funktionieren. Die Ausrüstung ist nicht geeignet für die Erstellung von Klonen, es fehlen wesentliche Elemente. Ich frage mich nur, ob es sich gut für mich macht, das alles denen zu berichten, die diese Sauerei unterstützt haben.“

Ryek sah abwesend in die Runde. „Schöne Station, oder? Etwas weit vom Schuss und in einer Piratengegend. Aber: Die Piraten sind doch weg, oder?“

Die Agentin dachte nach und schloss sich an. „Ja, stimmt schon. Hier müsste noch etwas aufgepasst werden, die Versorgungswege sind recht lang. Noch. Ohne legale Infrastruktur gibt es hier bald wieder Piraten. Das Universum verabscheut die Leere.“

„Ja. Ja. Und wer geht hier schon freiwillig hin? So eine Station braucht viel Personal. Woher nehmen wenn nicht stehlen?“

„Irgendwem muss die ja auch gehören. Wenn man hier im Nirgendwo eine Rasse bevorzugt, kommen alle, um sich zu beschweren. Da braucht man schon einen guten Mix der Kulturen.“

Ryek lächelte. „Erinnert mich an meine Corp.“

Sie lächelte zurück. „Erinnert mich an den Inhalt einiger Container hier. Willst du die Station kaufen?“

Er hob abwehrend die Hände. „Was soll ich damit. Ich bin ständig auf der Flucht. Ich hätte aber ein paar Leute an der Hand, die das hier kaufen und betreiben können. Mit offizieller Genehmigung und Unterstützung natürlich. Das Personal zu besorgen scheint wohl kein Problem zu sein.“

Sie nickte. „Ich glaube, das kann ich regeln.“

Ryeks Lächeln wurde breiter. „Ich freue mich schon auf die Zweigstelle unserer Corp. Mit Kantine und echtem Kaffee. Echtem Gebäck. Umsonst für die Kunden und Mitarbeiter.“

Er leckte sich die Lippen.

Sie lächelte zurück. Sehr verführerisch.

„Davon musst du mir unbedingt mehr erzählen.“

Ryek zwinkerte verschwörerisch und legte seinen rechten Arm um sie.

„Ich habe auf meinem Schiff eine Kaffeemaschine. Wenn du mir endlich deinen Namen verrätst …“

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Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

The Score

 

„Mama, darf ich jetzt?“

Sylen wischte sich die Träne aus dem rechten Auge, setzte ein Lächeln auf und drehte sich zu ihrem Sohn um. „Ja mein Schatz, wie ich es versprochen habe. Zuerst aber erkläre ich dir das noch einmal.“

„Muss das sein? Das ist doch baby-einfach. Ich versteh gar nicht, warum die Großen so einen Aufstand darum machen.“

Sie schluckte. „Ja, warum eigentlich.“

Warum schien die häufigste Frage zu sein, die sie sich im Moment stellte.

 

WARUM waren sie hier?

Weil ihre Leute sie zurückgelassen hatten. Als Hausmeister, falls es gut lief, als Himmelfahrtskommando, falls nicht. Verteidige unser Eigentum bis zum letzten Schuss, das war der Befehl gewesen. Man hatte sie weggeworfen. Wie die Station, in der sie jetzt festsaß. Wenn geplant gewesen wäre diesen Posten zu halten, dann wäre ein Team dageblieben.

 

WARUM waren die verdammte Orca gerade hierher gekommen? Zu einer Piratenstation?

Weil der beschädigte Frachter es nirgendwo anders hingeschafft hätte. Und weil Sylen ihren Befehl missachtet hatte. Sie hätte das Schiff vernichten müssen, sobald es in der Erfassung auftauchte. Sie hatte es nicht gekonnt. Jetzt hatte sie zwei Probleme:

Die Schiffbrüchigen, die dank ihrer Unterstützung zumindest eine Weile länger leben würden.

Ihre eigenen Leute, die diese Station zerstören würden, nachdem offensichtlich die Position verraten worden war.

 

„Pass auf. Wenn die Symbole auf meinem Bildschirm auftauchen, werde ich einige markieren und dir herüberschieben. Du wirst dann mindestens zwei weiße Kreuze auf ein Ziel fahren, und wenn die Kreuze nicht mehr blinken, wirst du auf dem Display die Zahl wählen, die zu dem Kreuz gehört. Ich mache das auf meiner Seite dann genauso. Du hast 1 bis 6, ich 7 bis 12. Gewonnen hat, wer die meisten Symbole schafft. Aber erst anfangen wenn ich ‚Los‘ sage. Nicht mogeln.“

Sie zwinkerte ihm aufmunternd zu.

„Ja Mama.“

 

WARUM hatte sie diesem Söldner zugehört?

Er hatte die Alternativen aufgezeigt: „Wenn du hilfst, werden wir möglicherweise gerettet, und falls du überlebst, wird sich ein Weg finden. Um die Sklaven, Touristen und sonstiges Treibgut welches ich in den letzten Jahren gesammelt habe, hat sich noch nie jemand gekümmert.“ Er hatte schief gelächelt, aber seine Augen waren kalt geblieben. Er würde herausgehen und kämpfen, egal was ihre Entscheidung war.

 

Die Piraten-Flotte tauchte hundert Kilometer vor der Station au. Sylen begann, die Kreuzer in die Zielerfassung einzuspeisen. Der Söldner würde es nicht einfach haben.

Es kam eine Beschwerde, warum sie wie Feinde behandelt würden, und sie faselte etwas von einer Fehlfunktion. Als Nächstes kamen die Schlachtkreuzer dran. Diese schob sie in die Feuerleitkontrolle ihres Sohnes.

 

Warum musste der Vater ihres Partners unter den Schiffbrüchigen sein?

Ein Mann, der Geschäfte mit denen machte, die er verachtete. Seinem Sohn war die Piratenkarriere als eine aufregende Sache erschienen. Er wollte nicht nur halb illegal sein wie sein Vater. Der Sohn hatte alles gegeben für seine neuen Freunde und war in dem Schrott gestorben, den sein Vater ihnen verkauft hatte. Und an Verrat. Dreißig unliebsame Piloten in Raumschrott gegen ein High End Technikmonster. Es war Mord, und es entsprach den Regeln. Ihr Sohn entsprach nicht den Regeln, deshalb waren sie jetzt hier. Noch ein Mord.

 

„Achtung, fertig, LOS!“

Die Geschütze, die die Station umkreisten, eröffneten das Feuer. Hinter der Flotte enttarnte sich der Kreuzer des Söldners und zerstörte das völlig überraschte Jagdgeschwader, um sich dann den angeschlagenen Piratenkreuzern zuzuwenden.

Die Stationsschilde bekamen die ersten Treffer, sie würden nicht lange halten.

 

„Mama, Nummer 3 und 5 sind down.“

„Weiterfeuern, immer alles auf eines deiner Ziele, danach auf mein aktuelles Ziel.“

„Ja Sir.“

Ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken. Ich kämpfe hier mit meinem zehn Jahre alten Sohn und wir sterben vielleicht für den Feind.

 

WARUM?

Damit der Vater ihres Partners zumindest einmal auf seinen Sohn/Enkel stolz sein würde? Er wusste nicht einmal, dass es ihn gab. Oder als Rache an einer Welt, die sie am liebsten tot sehen würde? Egal, auf welcher Seite sie standen?

Das erste Schlachtschiff zerplatzte, und das Gleißen der Explosion nahm ihnen für einige Sekunden die Sicht.

 

Dann erschütterten die Treffer der Schiffe die Panzerung, die Station schwang wie eine Glocke mit.

„7, 8 und 10 down, alles auf den großen Roten!“ – „Ja Sir.“

Die nächsten Schlachtschiff-Salven rissen ein Loch in die Stationshülle in der Nähe der Feuerleitstation.

Das wird knapp, dachte sie. Verdammt knapp. Und verdammt, WARUM mache ich das hier?

 

Das Display zeigte das Zusammenbrechen der Schilde des ‚großen Roten‘. Die verbliebenen Schiffe feuerten ausschließlich in Richtung des Strukturschadens der Station, auch als der Weltraum aufriss und die Polizeiflotte ausspie. Sie bewunderte widerwillig die Disziplin ihrer Leute.

 

Die Strahlungswarnung ging in ein hohes Pfeifen über. Dann explodierte das Leitschiff. Zwei kleine Symbol rasten über den Bildschirm auf sie zu.

 

Die sind für uns beide. Ruhe überkam Sylen. Sie aktivierte die Kom. Sie nahm ihren Sohn auf den Arm und drückte ihn fest an sich.

„Wir haben gesiegt“, flüsterte sie. „Ich liebe dich“.

„Ich dich auch.“

 

(Fortsetzung folgt)

 

Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

Als Ryek den Sicherheitsbereich verließ, sprach sein Kommunikator an.

„Barad hier. Ich versuche jetzt schon seit einer halben Stunde, dich zu erreichen. Wie –“

Ryek schnitt ihm das Wort ab. „Wie steht es um die Ladung?“

„Ich arbeite dran, aber mit dem Werkzeug hier und den Schäden am Schiff wird das noch dauern. Kannst du mich unterstützen?“

„Nein. Wir bekommen bald Besuch und Feuerwerk.“

„Dann sollten wir die gastliche Stätte vielleicht schnell verlassen? Hier gibt es eine Menge anderer Hangars.“

„Mag sein. Sie sind leer.“

Barad fluchte. Ryek unterbrach ihn erneut.

„Kümmere dich weiter um die Ladung. Ich versuche, den Rest zusammen mit der Stationskommandantin zu regeln.“

„Und wie?“

„Lass dich überraschen“, schnappte Ryek.

An der Schleuse angekommen, bestieg er eine Transportplattform und flog zum hinteren Ladebereich des Frachters.

„Hey, willst du mich jetzt im Stich lassen oder was?“

„Vertrag ist Vertrag. Da zählt nicht, was ich will. Deshalb siehst du jetzt zu, dass die Ladung in die Station kommt!“

Barad gab auf. „Na gut! Aber nachher haben wir einiges zu besprechen.“

„Das sehe ich auch so.“

Ryek schaltete die Kom ab und ließ sich von einer Transportplattform zum Frachter-Hangar bringen. Die Orca war an dieser Stelle noch unversehrt genug, dass er zu Fuß zum Kreuzer gehen konnte, der hier verankert war. Ein Technikmonster, mit überschweren Laserkanonen, einigen Drohnen sowie Tarnvorrichtung und einer Panzerung, die auch einem Schlachtschiff lange genug standhalten konnten, um es zu besiegen. Alles daran war ausschließlich darauf ausgerichtet, auf der anderen Seite maximalen Schaden zu verursachen. Er hoffte, dass die Stationsgeschütze lange genug durchhalten würden, um ihn zu decken.

 

Er stieg in die Steuerkapsel und dockte den Kreuzer vom Frachter ab. Ryek ließ das Schiff ohne Energie treiben, um die Signatur klein zu halten, bis er weit genug von der Station weg war, um die Tarnung zu aktivieren. Jetzt hieß es Warten.

Der Empfänger des Schiffes aktivierte.

„Hier ist die Feuerleitzentrale. Schickes Schiffchen. Wen hast du dafür alles umbringen müssen?“

Ryek produzierte ein elektronisches Lachen. „Das willst du nicht wirklich wissen, oder?“

„Nein, will ich nicht. Pass auf. Ich übermittle dir jetzt die Codes. Und ich schalte dir den Funkverkehr mit der Flotte zum Mithören.“

„Danke.“

„Barad versorgt seine Container. Ich behalte ihn im Auge. Wenn er versucht, den Frachtbereich zu verlassen, ist er tot.“

„Ihr müsst euch wirklich innig lieben.“

„Ja, das tun wir. Und das Beste daran: Er weiß es nicht.“

Ryek vermerkte, dass sein Körper erschauerte.

„Sie kommen. 4 Schlachtschiffe, 4 Jäger, 6 Kreuzer. Die Sklavenjäger haben es uns etwas einfacher gemacht. Gute Jagd.“

 

Ryek nahm Kurs, um in einer weiten Schleife hinter die Jäger zu kommen, welche in Formation hinter dem Konvoi flogen. Seine Sensoren zeigten, dass die Stations-ECM die Zielerfassung der Schiffe störte. Gut. Sie waren also abgelenkt.

Der Flottenkommandant beschwerte sich bei der Station über den feindlichen Empfang. Die Stationskommandantin wies auf Probleme mit dem System hin und das die Automatik der Meinung war, das Feinde anflögen. Der Kommandant solle gefälligst die Schilde deaktivieren, damit sie den Fehler beheben könne.

 

Die Kreuzer wurden von den Stationsgeschützen getroffen, was deren Schilden einen beträchtlichen Schaden zufügte. Eine weitere Salve würden diese nicht überstehen. Ryek hatte seine Position hinter den Jägern erreicht und richtete seine Geschütze ohne Automatik auf das erste Ziel aus. Bei gleichem Flugvektor kann man nicht danebenschießen.

Die zweite Salve der Station durchschlug die Schilde und einen Teil der Schiffspanzerungen der Kreuzer. Ryek deaktivierte die Tarnung, und das konzentrierte Laserfeuer verwandelte den ersten Jäger in Sekunden zu glühendem Schrott. Bevor sich die Piraten von ihrem Schreck erholt hatten, war das zweite Schiff zerstört. Die beiden anderen Jäger drehten auf ihn zu, aber es war zu spät für sie. Nach einer Minute waren auch sie nicht mehr vorhanden.

In der Zwischenzeit hatten sich die Stationsgeschütze auf die Schlachtschiffe eingeschossen. Und Ryek hatte zuerst genug damit zu tun, sich von der Flotte abzusetzen und die Drohnen zu zerstören, die ihn umkreisten. Eigene gegen fremde Drohnen, ECM, Webben, Scramblen, das ganze Programm. Ein zäher Kampf, der das Schiff aufs äußerste beanspruchte. Die Schlachtschiffe eröffneten mittlerweile mit großen Projektilwaffen und Torpedos das Feuer auf die Stationsgeschütze.

Nach und nach vielen die Stationsgeschütze aus. Das erste Schlachtschiff zerbarst in einer gewaltigen Explosion. Ryek attackierte die Kreuzer, die nicht mehr viel Widerstand leisteten. Die Schlachtschiffe verlagerten den Angriff auf die Stationsschilde. Sie würden schneller durchkommen, als die verbliebenen Geschütze sie aufhalten könnten. Die Stationsgeschütze feuerten jetzt nur noch auf das Führungsschiff.

Dann eben so. Vielleicht ergeben sich ja die anderen, wenn sie keine Führung mehr haben. Ryek nahm Kurs auf das Führungsschiff und schoss mit allem, was die Waffen hergaben, Treffer und Überlastungswarnungen ignorierend.

Die Schiffstorpedos durchschlugen die Schilde und rissen riesige Löcher in die Stationspanzerung.

 

Dann ging es sehr schnell:

Aus dem Warp tauchte eine Polizeiflotte auf, die sofort auf die verbliebenen Schlachtschiffe feuerte.

Das Führungsschiff brach auseinander und verging in einer sonnenhellen Explosion, deren Wucht Ryeks Kreuzer außer Gefecht setzte.

Aus der Explosionswolke lösten sich zwei Punkte, die auf den verwundeten Feuerleitbereich der Station zurasten …

(Fortsetzung folgt)

 

Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

Ryek zuckte zurück. Sie fuhr fort, als wäre nichts geschehen.

„Wir müssen darüber reden, welche Optionen wir haben. Die Schlacht da draußen wird die Sicherheitskräfte auf den Plan rufen. Kleiner Tipp von mir: Die Agentin, die du so freundlich entsorgt hast, wirst du nicht so leicht los. Ich spreche da aus Erfahrung.“ Sie grinste. „Lass dir schon mal eine gute Ausrede einfallen bei der nächsten Begegnung. Ich habe gehört, sie liebt echten Kaffee und Kekse. Dafür tut sie fast alles, sagt man.“

Rye sah demonstrativ in eine Ecke an der Decke.

„Die spannende Frage ist also was passiert, wenn unsere Flotte zurückkommt. Sie werden mitbekommen, dass ich hier nicht mehr alleine rumhänge, die Orca passt nun einmal in kein Hangar hier. Sie werden auch die anrückenden Sicherheitskräfte orten. Ich bin hier, um im in der Schlacht zu sterben, wenn es so läuft. Die Flotte hat alles mitgenommen, was sie benötigt. Diese Station hier ist nichts anderes mehr als eine leere Hülle. Sie wird zerstört werden. Von den Sicherheitskräften, weil ich sie verteidige oder von den eigenen Leuten, um keine Spuren des Handels mit Barad zu hinterlassen. Sich dem Empire zu ergeben ist für mich keine Option.“

Ryek überlegt eine Weile.

„Das kann ich verstehen. Auch wenn ich noch immer nicht weiß, was an Barad’s Ladung so wertvoll und verwerflich ist, dass es solche extremen Maßnahmen bewirkt.“

Er zögerte, atmete tief ein und aus. „Das ich mein Geld auch mit Piratenjagd verdiene, ist wahrscheinlich kein großes Geheimnis. Was allerdings von den Behörden freundlicherweise ignoriert wird, sind die Leute, die nach Gefechten übrigbleiben. Flüchtlinge, Milizen, Exotic Dancers. Überlebende Opfer. Die lasse ich, wenn ich die Möglichkeit habe, nicht im All sterben.“

Er grinste. „Mich hat noch nie jemand nach deren Verbleib gefragt, solange es keine Sklaven sind.“

Sie verstand.

Ryek fühlte sich nicht wohl in der Situation. Er war auf ihre Hilfe unbedingt angewiesen, und sie hatte dabei den gefährlicheren Teil.

„Eine Chance, mehr nicht. Nach dem, was du mir erzählt hast, nehme ich keine Wetten an, ob wir lebend herauskommen. Du wirst einiges mehr tun müssen als zu warten, wer gewinnt.“

„Das habe ich befürchtet. Ich sitze hier auf dem Präsentierteller wie die Flotte vor 2 Jahren.“

Sie ballte die Hände zu Fäusten. „Vielleicht kann ich den Verrätern auf diese Weise etwas zurückzahlen.“

Sylen zuckte resignierend mit den Schultern. „Einverstanden, unter zwei Bedingungen.“

„Ja?“

„Erstens: Dreh Barad auf keinen Fall den Rücken zu, wenn du das nächste Mal mit ihm in Kontakt kommst. Er kann sich keine Zeugen leisten und wird dich töten, wenn das hier klappt.“

„Ok. Und was noch?“

Sie rang um ihre Fassung. „Ich vertraue Dir. Ich muss die Geschütze aus der Zentrale heraus bedienen. Sie wird das Hauptziel sein. Falls sie zerstört wird, vernichtest du alle Spuren menschlichen Lebens dort. Ich will nicht im Bottich einer Klonfabrik enden.“

Sie zog einen Datenstick aus der linken Brusttasche der Uniform und küsste ihn zärtlich.

„Der ist für Barad, falls es dazu kommen sollte, dass nur du überlebst.“

Ryek nahm den Stick entgegen und prüfte ihn mit dem Pad. Keine Sprengladung, ein Standardgerät mit verschlüsselten Daten.

„Du wirst ihn lesen können, wenn ich tot bin. Barad kann ihn lesen, wenn ich tot bin. Verteile keine Kopien davon. Bitte.“

Ryek stand auf. „Es ist schade, dass wir uns unter diesen Umständen treffen. Ich hätte dir bestimmt einen Job in meiner Corp angeboten.“

„Was nun?“

„Ich habe noch eine Überraschung im Orca-Hangar. Wie viele Schiffe werden zurückkehren?“

„Einige Schlachtschiffe, Kreuzer und Jäger. Der schäbige Rest der Streitmacht, mit der wir einst den Sektor beherrscht haben. Rye, hier geht es nur um zwei Dinge: Überleben und Rache. Geld spielt keine Rolle mehr. Und Barad.“ Sie schüttelte mitleidig den Kopf. „Er wird auf jeden Fall verlieren, er weiß es nur noch nicht.“

Sie stand auf. „Die Schiffe werden in größerer Entfernung aus dem Warp kommen, um flexibel zu sein.“

„Ich werde mich getarnt in deren Nähe zu begeben. Beschieße du zuerst die Kreuzer. Wenn sie geschwächt sind, werde ich sie schnell zerstören können. Ich nehme die kleinen Schiffe zuerst, die haben erfahrungsgemäß ECM?“

„Ja.“

„Danach nimmst du die großen Ziele und ich von klein nach groß, solange es geht. Hoffentlich kommt die Polizeiflotte rechtzeitig.“

„Hört sich vernünftig an. Reicht deine Feuerkraft für ein Schlachtschiff?“

„Für eines ja, aber nicht für drei, die Jagd auf mich machen.“

„Das wird nicht passieren. Sie werden wahrscheinlich die Drohnen auf dich hetzen und mit den schweren Waffen auf die Station feuern. Es wird nur eine Seite überleben.“

Sie stand auf und salutierte knapp. „Ja, ich hätte mich bei deiner Corp bewerben sollen. Und nicht nur ich.“

Auf dem Weg zur Tür drehte sie sich noch einmal um. „Ich übermittle dir die Codes von Barads Containern und für den Stop der Selbstzerstörung der Station. Töte Barad für mich, wenn ich es nicht schaffe.“

 

(Fortsetzung folgt)

 

Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
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Human Cattle

Der Energieschild der Station öffnete sich, um die Steuerkapsel passieren zu lassen.

 

Ryek landete die Kapsel und stieg aus. Die Station unterschied sich sehr von seiner Erwartung: Sie war leer. Komplett leer. Keine Schiffe im Andockbereich, keine Menschen auf den Gängen, lediglich die Notbeleuchtung war aktiviert. Das stationsinterne Transportsystem wurde offensichtlich manuell gesteuert. Als er bei der Transportkabine ankam, öffnete sich die Tür, und sobald er eingestiegen war, fuhr die Kabine los, ohne auf das Schließen der Tür zu warten. Kurze Zeit später hielt die Kabine in einem Bereich, den man unschwer als Hochsicherheitsbereich identifizieren konnte. Überwachungskameras und offen gezeigte automatische Waffen alle paar Meter an der Decke und Schleusen mit wirklich dicken Türen. Um hier ohne Einladung hineinzukommen, wäre ein Schlachtschiff notwendig. Die Automatik führte Ryek zu einem Raum, dessen Tür sich sofort nach seinem Eintreten schloss.

Der Raum enthielt zwei Sitzgelegenheiten mit einem Tisch in der Mitte, der groß genug war, um zu verhindern, dass die gegenübersitzenden Personen sich berühren konnten.

„Nimm Platz auf dem Stuhl vor dir und lege die Hände auf den Tisch.“

Ryek tat wie geheißen; die Waffen im Raum richteten sich auf ihn aus. Ab jetzt war es nicht ratsam ohne Genehmigung wieder aufzustehen oder sich schnell zu bewegen.

Eine Frau betrat den Raum, deren sichtbares Alter Ryek auf maximal 30 Jahre schätzte, hochgewachsen, schlank, braunes schulterlanges Haar, gekleidet in einen Standard-Kampfanzug, grün mit Rangabzeichen. Sie sah erschöpft aus. Und verzweifelt. Sie kam sofort zur Sache.

„Barad hat mir den Code für die Ladung übermittelt. Die Ladung ist von uns angefordert worden. Was soll das? Wieso klebt euch eine Sklavenjägerflotte am Arsch und fordert uns in unserem eigenen Territorium heraus?“

„Ich habe keine Ahnung, seit wann die scharf auf das Material eines Personalentwicklungsprogramms sind. Ich fliege die Kisten nur durch die Gegend. By the way: Seit wann bestellen Piraten solche Dinge? Wollt ihr euch umschulen lassen?“

„Yarr! Wir werden jetzt alle ehrlich und bauen Erze in den Belts ab! Wie hast du das nur so schnell erraten?“

„Intuition? Menschenkenntnis?“

Für einen Moment sah es aus, als ob sie die Beherrschung verlieren würde. Ihre Handbewegung aktivierte die Target-Pointer, und das Summen der Waffen nahm einen sehr unangenehmen Klang an. Sie hatte die Hände zu Fäusten geballt, ein schnelles Öffnen würde die Waffen auslösen. Mit einem unterdrückten leisen Schrei öffnete sie langsam die Hände, ging zum Tisch und setzte sich auf den anderen Stuhl. Die Waffen wurden in die Wände zurückgezogen.

„Ich bin Sylen Far. Die Stationskommandantin.“ Es klang bitter. „Und wir alle sind tot. Ich weiß, warum, und du weißt es offensichtlich nicht.“

Ryek beugte sich etwas näher zu ihr und sah in Ihre Augen. „Weiter. Bitte.“

„Schon mal mit Barad gearbeitet? Ich nehme an nein. Ich wäre froh es auch von meinem Haufen sagen zu können. Aber es ist anders. Barad macht schon lange Geschäfte mit uns. Für ihn sehr gute. Für uns sehr schlechte. Für die meisten von uns. Vor 10 Jahren wurde die Geschäftsbeziehung dann abgebrochen.“ Ihre Augen leuchteten. „Meine Schuld.“

„Du hast seinen Sohn getötet? Barad hat da etwas angedeutet. Ihr fangt wirklich früh an. Du kannst da nicht viel älter als 20 gewesen sein.“

„Nein!“ Ihre Stimme klang plötzlich weicher. „Das ist Barad’s Sicht der Dinge.“

„Nein?“

Sie lachte.

„Nein. Nein, ganz sicher nicht. Ich habe ihn entführt. Und er wollte für kein Lösegeld dieses Universums wieder gehen.“

Ryek’s Miene drückte Unverständnis aus.

„Er hat die Seite gewechselt! Es hat ihm Spaß gemacht, für die ehemalige Kundschaft zu arbeiten! Sehr, sehr viel Spaß!“

Ihr Gesicht wurde abwesend, sie schien sich an etwas in der Vergangenheit zu erinnern, Freude und Schmerz. Dann wurde sie wieder ernst.

„Das hat uns Barad nie verziehen. Er hat unsere Organisation mit Hilfe von Strohmännern unterwandert. Uns schlechte Ware zu horrenden Preisen verkauft. Über seine Kontakte unsere Leute in den Tod geschickt!“ Sie holte tief Luft. „Ja! Eines Tages hat er so auch seinen Sohn getötet! Er war mit dreißig anderen auf einem Himmelfahrtskommando, um im Empire hochwertiges Material zu besorgen. Wie? Schieße ein paar zivile Schiffe ab und warte, bis die Söldner kommen. Die offiziellen Sicherheitskräfte geben sich mit so was ja fast gar nicht mehr ab. Für entsprechendes Geld finden deren Agenten schnell jemanden, der diese Art von Arbeit übernimmt. Auch dieses mal. Ein Schiff kam.“ Sie verlor die Beherrschung. „Nur EIN SCHIFF!! Mehr wert als die ganze Flotte, die wir aufgeboten hatten. Sie hatten keine Chance. Und, wie du sicher weißt, sind die meisten von uns keine Space Zombies.“

Sie schüttelte sich.

„Nimm es nicht persönlich Ryek. Das war vor 2 Jahren im Balle System.“

Ryek nickte. „Business as usual. Wer gewinnt, bekommt das Geld. Das ist die einzige Regel.“

„Ja. Aber von den eigenen Leuten in einen sinnlosen Tod geschickt werden, erhöht nicht gerade den Zusammenhalt. Auch bei uns nicht. Viele haben damals die Konsequenzen gezogen und sich anderen Gruppen angeschlossen. Diese Station ist die letzte unseres Vereins. Die Flotte ist draußen um sich mit den Sklavenhändlern herumzuschlagen. Ich hatte den Auftrag, niemanden hier hineinzulassen. Und dann kommt Barad! Mit der Ladung, die wir bestellt haben! Aber nicht für dieses System! Und er hat uns wieder betrogen! Ich hatte die Anweisung, auch ihn und sein Schiff zu vernichten. Aber Massenmord ist nicht mein Geschäft. Wahrscheinlich mütterliche Instinkte.“

Sie kämpfte mit den Tränen.

„Massenmord?“

Ryek spürte, dass ihm etwas Wichtiges entgangen war.

„Wir sind zwei Leute, die du hasst und die du nicht sofort umgebracht hast. Aber da gleich von Massenmord zu sprechen …“

„Ryek, du bist ein Idiot!“, fauchte sie ihn an.

(Fortsetzung folgt)

(Habt ihr den Twist gefunden?)

Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

Ryek aktivierte die Verteidigung des Schiffes. Die Jäger-Waffen richteten erheblichen Schaden an den Schilden an, das ließ sich aber noch ausgleichen. Unangenehmer war, dass die Jäger sowohl den Normal- als auch den Warpantrieb blockierten. Die Schiffsgeschwindigkeit verringerte sich auf Fußgängertempo.

„Barad: WO ist die Kavallerie?“

„Die was?“

„Deine Piraten! Ich glaube nicht, dass die beiden hier sind, nur um uns zu unterhalten. Da werden noch andere kommen!“

„Keine Sorge. Die sind hier im System.“

„Wieso bin ich dann immer noch besorgt?“, fragte Ryek halblaut. „Barad, geh in die Rettungskapsel, ich habe die für dich zugänglichen Systeme dorthin umgeschaltet. So einfach bekommen die uns nicht.“

Als ob die Gegner es gehört hätten, materialisierten ein Schlachtschiff und drei Kreuzer am Tor und nahmen die Orca unter Feuer. Die Kreuzer waren klar als Sklavenhändler zu identifizieren.

„Barad! Wo bleiben deine Leute?“

„Sind unterwegs. Wie ist dein Status?“

„Die Schilde werden noch ein bis zwei Minuten halten.“

Eine Salve Torpedos sorgte für eine erhebliche Reduzierung des Schildes; Ryek revidierte seine Schätzung.

„Eher eine Minute denke ich.“

Aus der Rettungskapsel waren Verwünschungen zu hören.

„Der glaubt wohl, dass ich zaubern kann“, dachte Ryek bei sich. Er aktivierte die eigene Zielerfassung. So langsam, wie sein Schiff sich in die richtige Richtung drehte, war es egal. Die Energiereserve nahm bedrohlich ab, und Ryek musste es hinnehmen, dass der Energieschild nicht mehr alle Schäden abhielt. Er startete die ECM-Dronen. Das Schlachtschiff verlor die Erfassung. Ob das auf Dauer so sein würde, war unwahrscheinlich.

„Barad! Wenn deine Leute jemals kommen sollten, sollen sie an das Sprungtor fliegen, zu dem wir wollen, und uns da den Rücken freihalten.“

„OK. Aber wieso?“

„Weil wir entweder hier gleich tot sind oder am anderen Sprungtor, wenn uns da keiner schützt!“

Die Waffen der Gegner hatten Schild und Panzerung überwunden und fraßen sich jetzt durch die Struktur des Schiffes. Ryek wies die ECM-Drohnen an, die Erfassung der Jäger zu stören.

„Ich kann nur hoffen, dass deine Leute gleich da sind, sonst verlierst du einen Haufen Geld.“

„Was ist mit der Fracht?“

„Bisher noch unbeschädigt. Ich kann aber nicht dafür garantieren, dass es so bleibt. Es sind einige Aggregate beschädigt, und ich befürchte, dass wir am anderen Tor wieder unter Feuer geraten. Schild: unten, Panzer zwanzig Prozent, Struktur fünfundachtzig. Wir werden nicht mehr besonders weit kommen. Hast du einen Plan B?“

„Ich arbeite dran. Frag nach, falls wir es in das andere System schaffen sollten.“

Im dem Moment, als die Drohnen die Tackler neutralisiert hatten, ging der Frachter in den Warp zum Ziel-Sprungtor.

 

Als sie aus dem Warp kamen, lief es wie befürchtet. Die feindliche Flotte wartete schon und feuerte aus allen Rohren. Der Schild brach in Sekunden zusammen, und die Geschosse zerstörten ungehindert Panzerung und Struktur. Dann kamen endlich Barads Verbündete. Die Angreifer drehten nicht ab, sondern griffen sofort die angekommenen Piraten an.

 

Im nächsten System war es ruhig. Noch.

„Barad! Das Schiff bricht gleich auseinander! Wo ist dein Plan B?“

Barad übermittelte Ryek neue Koordinaten.

„Das ist ein Witz, oder? Eine Piraten Station? Da kann ich mich auch hier grillen lassen!“

„Ryek, das ist der einzige Platz, an den wir hier hinkönnen! Die anderen werden mit Verstärkung kommen. Ich kenne die Betreiber der Station.“

Ryek überlegte nicht lange. Der Zustand des Schiffes ließ keine Zeit dafür. Mit etwas Pech würde er es nicht einmal mehr sprengen können, bevor es sich von selbst auflöste. Er gab den Kurs ein und aktivierte den Warpantrieb.

 

Während des kurzen Fluges ging er den Schiffsstatus durch. Es sah nicht gut aus: Schilde weg, Panzerung weg, Struktur: Er flog ja noch. Wahrscheinlich bald in der Steuerkapsel. Die Energieerzeugung würde nach diesem Flug den Geist aufgeben, und damit wäre auch die Ladung nicht mehr zu retten. Er konnte nur hoffen, dass die sie dort, wo sie jetzt hinflogen, umgeladen werden konnte. Warum ausgerechnet die Piraten dabei helfen sollten, war ihm völlig schleierhaft, und außerdem: Woher kannte Barad die Koordinaten einer illegalen Station?

Vor der Station angekommen gab es weitere Probleme: Das Schiff wurde vom Stations-Schild abgebremst, und die Stationswaffen richteten sich auf das bewegungslose Ziel aus.

Barad sprach hektisch in das Mikrofon. Die Antwort war der erste Schuss, der das Schiff glatt durchschlug und den Warpantrieb pulverisierte. Der Strahlenalarm piepste durchdringend.

Ryeks Kommunikator sprach an.

„Ryek Darkener, hier ist Sylen Far. Ich bin die Stationskommandantin. Barad hat mich überredet, keine Leben zu vernichten. Im Moment. Du übergibst mir jetzt die Schiffskontrollen. Während Barad anfängt, die Ladung zu retten, treffen wir uns, um zu klären, ob ich meine Entscheidung revidieren muss. Wir sehen uns in 10 Minuten. Sei pünktlich.“

Barad protestierte. „Allein schaffe ich das nicht rechtzeitig!“ Die Antwort war ein weiterer Treffer, der die Schiffshülle im Laderaumbereich aufriss.

 

Ryek übergab sein Schiff der Stationsautomatik und Barad und verließ das Schiff in der Steuerkapsel.

„Barad. Hast du mir irgendetwas mitzuteilen, was unser Leben verlängern könnte?“

„Mach du deine Arbeit, ich mache meine. Mehr gibt es im Moment nicht zu sagen.“

(Fortsetzung folgt)

 

Business as usual

Ryek mystBusiness as usual (BAU) – the normal execution of standard functional operations within an organization.
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 

„Der gemütliche Teil wäre damit wohl vorbei“, meldete Ryek sich mit der Computerstimme bei Barad.

„Sieht so aus.“

„Du hättest ja auch eine Pilotin engagieren können.“

„Ha. Ha.“

„Die Rettungskapsel befindet sich hinter der roten Tür. Bitte verlasse die Brücke nicht ohne Freigabe, du weist ja, Unfallgefahr und so.“

Barad bestätigte. „Ich werde meine Fracht und das Universum im Auge behalten.“

Die Sensoren über die Ryek / das Schiff verfügten, zeigten Barad und seine biologischen Daten. Für jemanden, der sich in Lebensgefahr befand, war er einfach zu ruhig. Aber Gedanken lesen konnte kein bisher bekanntes Gerät. Ryek machte sich eine Notiz. Der Vorteil vom Steuerkapseln ist es, das die Gefühle im Körper zurückbleiben.

Am Sprungtor angekommen erbat Ryek die Freigabe und das Schiff tauchte einen unmessbaren Moment später im Zielsystem auf. Der nächste Teil des Fluges war Routine. Warp to Zero Distance zum Sprungtor. Sprung. Warp to Zero. Und so weiter.

Ryek sah sich unterwegs die Messdaten der Container an. Standardatmosphäre, Standarddruck und Temperatur bei den meisten. Bei einigen schienen die Sensoren ausgefallen zu sein, außerdem verbrauchten sie mehr Energie als die anderen. Das war nicht ungewöhnlich, es wurden wie überall Kosten optimiert, auch bei der Wartung. Und im Laderaum der Frachter nahm man üblicherweise aus Bequemlichkeit die Atmosphäre der Station mit. Ryek aktivierte einige Statistikfunktionen. Vielleicht ergaben die Trends ja mehr Informationen. Einen versiegelten Container einfach zu öffnen hätte einen Vertragsbruch dargestellt.

Er nahm wieder Kontakt mit Barad auf.

„Wir verlassen bald die sicheren Systeme. Wie geht es weiter?“

„Was meinst du damit?“

„Wir sind in einem sicheren System beinahe abgeschossen worden. Mein Vorrat an Überraschungen für Piraten und meine Ressourcen sind nicht unbegrenzt. Irgendjemand hat eine Menge Geld lockergemacht, um diese Reise zu vereiteln. Ich glaube nicht, dass der schon am Start aufgegeben hat. Was ist also der Plan? Ich bin schließlich nur der Fracht-Jockey.“

Barad kam zu einer Entscheidung. „Ich werde keine eigenen oder fremden Leute mit dazunehmen. Die Gefahr verraten zu werden ist zu groß. Ich werde deine Möglichkeiten nutzen. Wir analysieren unseren Kurs von Sprung zu Sprung. Bewegungen im nächsten System, Informationen über kriegerische Handlungen und so weiter. Wenn es gut aussieht, fliegen wir weiter. Dort wo wir hinwollen, haben die Piraten das Sagen. Mit Ausnahme der von denen zerstörten Schiffe ist es meist ruhig. Wie gesagt, ich habe da eine Vereinbarung getroffen.“

Ryek bewertete Barads Vorschlag und vermerkte das elektronische Äquivalent zu einem Nicken.

„Ist ja auch deine Beerdigung.“

Sie flogen weiter.

 

***

 

Irgendetwas zerrte im Hintergrund an seinen Gedanken. Wieso dachte er jetzt an die Agentin, die er ‚verschickt‘ hatte? Er schüttelte virtuell den Kopf. Heute schon verfolgt worden? Ryek war sich nicht sicher.

„Da wir gerade unter uns sind und du mir wohl kaum unterstellen wirst, dass ich in dein Geschäft einsteige: Was ist eigentlich der Trick, mit dem HCS4A die Kredits macht? HR Management ist doch eine Amarr Domäne.“

Barad presste die Lippen zusammen. Dann antwortete er, sichtlich unwillig.

„Ich will versuchen es mit einfachen Worten zu umschreiben. Das von uns erforschte Universum ist, bezogen auf die Anzahl der hier lebenden Menschen, leer. Das gilt auch für das Empire. Allerdings haben Menschen häufig die Eigenschaft, sich dorthin zu begeben, wo schon zu viele sind. Hier beginnt das Problem, das gleichzeitig ein anderes schafft: An anderer Stelle fehlen diese Menschen. Da es die Regierungen und auch die Corps nicht schaffen, das auszugleichen, gibt es immer Bedarf an den Dienstleistungen, die wir anbieten. Wir gehen einfach ein wenig aggressiver vor, im Rahmen dessen, was die lokalen Behörden uns erlauben. Wir verstärken die Bereitschaft der Überflüssigen, dorthin zu gehen, wo sie benötigt werden. Wir sorgen dafür, dass es einen Abnehmer gibt. Genau genommen kanalisieren wir die Bequemlichkeit.“

„Sei mir nicht böse, aber so ähnlich habe ich auch schon die Amarr argumentieren gehört.“

Barad lachte auf. „Im weitesten Sinne sind die auch unsere größten Konkurrenten. Was mir als Minmatar sehr entgegenkommt. Du würdest dich wundern wie nahe …“

Zwei Jäger kamen aus dem Feld des Sprungtores und rasten auf die Orca zu.

„Jetzt beginnt der interessante Teil der Reise!“

(Fortsetzung folgt)